Zum Thema » Chris Sigaty von Blizzard »Wir lassen nicht zu viel Blut spritzen« StarCraft 2 ab 12,07 € bei Amazon.de GameStar Herr Morhaime, scheinbar geht es Blizzard gerade richtig gut, oder?

Mike Morhaime Wir haben unser bestes Jahr. Starcraft 2 ist sehr erfolgreich und wurde toll aufgenommen. Unsere nächste World of Warcraft-Erweiterung Cataclysm kommt im Dezember. Das ist also wirklich ein sehr großes Jahr für uns.

GameStar Eigentlich seltsam, wenn man sich die Rückgänge ansieht, die der PC-Spiele-Markt weltweit zu verkraften hat.

Mike Morhaime Wissen Sie, die Leute debattieren schon ewig über die Verkäufe von PC-Spielen und den Zustand der PC-Spieleindustrie. Mir kommt's vor, als würde man über ihren Niedergang reden, seit ich denken kann. Wenn man sich das Spielen auf PC ansieht und es in einem größeren Rahmen einordnet als nur den Handel, dann glaube ich in keinster Weise, dass der PC-Spielemarkt Probleme hat. Viele Menschen kaufen ihre Spiele digital, es gibt alle Arten von Casual-Spielen, und die Leute spielen online. Wenn man nur auf die Zahlen blickt, auf die Anzahl der Stunden, die die Menschen ihren PC zur Unterhaltung nutzen, dann glaube ich, dass die noch nie so hoch war.

Interview mit Blizzard-Boss Mike Morhaime : Mike Morhaime ist der Chef (President) von Blizzard Entertainment. Mike Morhaime ist der Chef (President) von Blizzard Entertainment.

GameStar Aber die Art zu spielen verändert sich vom klassischen Box-Produkt zu günstigen digital distribuierten Spielen, MMOs und Browser-Games.

Mike Morhaime Sie sagen das, obwohl erst in diesem Jahr Starcraft 2 erschienen ist und zum schnellstverkauften Spiel wurde, das wir jemals veröffentlicht haben. Es hat sich schneller als World of Warcraft verkauft, schneller als das erste Starcraft, schneller als Warcraft 3 . Es ist das am schnellsten verkaufte Strategiespiel aller Zeiten.

GameStar Vielleicht weil Ihre Firma eine der letzten in diesem Segment ist?

Mike Morhaime Okay, vielleicht. Vielleicht ist das der Grund.

GameStar Weshalb ist Ihre Firma immer noch beliebt in einem Markt, den viele andere verlassen haben?

Mike Morhaime Schwierige Frage. Vielleicht hat sich deren Fokus geändert. Vielleicht liegt's aber auch daran, dass die Spieler unsere Detailversessenheit schätzen und den Schliff, den wir unseren Spielen geben. Zweifellos nehmen wir uns Zeit bei der Entwicklung unserer Spiele. Wir haben einige der Toptalente der Industrie bei uns versammelt und können dieses Talent in einer Vielzahl von Projekten einsetzen.

GameStar Wechseln Mitarbeiter ihre Posten häufig, wenn es darum geht, eines der Projekte zum Abschluss zu bringen?

Mike Morhaime Oh ja, das kommt vor. Wir versuchen, das nicht zu häufig zu machen, aber wenn wir denken, dass ein Projekt bestimmte Ressourcen benötigt, dann verschieben wir die Mitarbeiter. Manchmal ist es für die Leute ja auch ganz nett, wenn sie die Chance haben, an verschiedenen Projekten zu arbeiten.

GameStar Sie werden Cataclysm auch als Download verkaufen. Das dürfte dem Handel ziemlich weh tun, nachdem gerade Fans die Chance nutzen werden, das Addon so früh wie möglich spielen zu können.

Mike Morhaime Ich glaube, viele Leute mögen es, eine echte Schachtel in den Händen zu halten. Man kann sich ja bereits bei WoW oder Starcraft 2 zwischen dem digitalen Kauf und der Box entscheiden, und ich sehe viele Menschen, die in den Laden gehen. Es gibt viele, die den Komfort schätzen, der mit einer physischen Verpackung einhergeht und mit der Disk, von der sie das Spiel installieren. Viele Leute haben ja noch Internet-Verbindungen mit niedriger Bandbreite. Und die Collector's Edition gibt's nur im Handel. Das wäre noch ein Grund, in den Laden zu gehen.

GameStar Aber der Handel wird Geld verlieren.

Mike Morhaime Sie mögen etwas Geld verlieren, aber wissen Sie, bei Starcraft 2 gab es wirklich keine große Verzögerung zwischen der Veröffentlichung im Handel und dem digitalen Start. Wir reden hier über ein paar Stunden. Und Sie finden auch Monate nach der digitalen Veröffentlichung Menschen, die das Spiel im Handel kaufen.

GameStar Vieles scheint ein wenig unklar im Bezug auf die Beziehung zwischen Activision und Ihrer Firma Blizzard. Ist Herr Kotick [Robert Kotick, der Geschäftsführer von Activision Blizzard, Anm. der Red.] überhaupt Ihr Chef?

Interview mit Blizzard-Boss Mike Morhaime : Robert Kotick, der Geschäftsführer von Activision Blizzard. Robert Kotick, der Geschäftsführer von Activision Blizzard. Mike Morhaime Ja, das ist er. Tatsächlich ist mein direkter Boss im Moment Tom Tippl, der COO [Chief Operations Officer] von Activision Blizzard. Tom berichtet an Bobby. Ich habe ein großartiges Verhältnis mit beiden, Thomas und Bobby. Sie unterstützen Blizzard Entertainment und unsere Werte sehr. Wir hätten der Fusion nicht zugestimmt, wenn das nicht der Fall wäre.

GameStar Wenn man danach geht, was von Robert Kotick immer wieder zu hören ist, unterscheiden sich doch Ihre Werte und die von Herrn Kotick enorm.

Mike Morhaime Ich kenne kaum einen Menschen, dessen Aussagen mehr aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Wenn man mal mehr als fünf Minuten mit ihm verbringt, schafft er es, einem zu erklären, was er wirklich zu sagen versuchte, in beinahe allen dieser bekannten Fälle. Und aus diesem Gespräch kommt man wahrscheinlich zumindest mit dem Gefühl, dass seine Intention in einigen Fällen nicht perfekt befördert wurde.

GameStar Kotick setzt Blizzard also nicht unter Druck?

Mike Morhaime Wissen Sie, woher der meiste Druck für uns kommt, ein Spiel rauszubringen bevor es fertig ist? Den meisten Druck verspüren wir intern, denn wir wollen das Spiel genauso sehr veröffentlicht sehen wie unsere Spieler. Die Spieler wollen die Spiele, aber ich glaube, sie verstehen uns auch. Sie wollen sicher sein, dass ein Spiel fertig ist, wenn es veröffentlicht wird. Activision versteht das. Sie verstehen, dass der wertvollste Besitz von Blizzard Entertainment die Marke Blizzard Entertainment ist. Aus diesem Grund bedarf es nur eines sehr kurzen Gesprächs, wenn wir zum Beispiel den Starttermin von Starcraft 2 oder Cataclysm nach hinten verschieben wollen.

Interview mit Blizzard-Boss Mike Morhaime : Diablo 3: »Die Spieler wollen sicher sein, dass ein Spiel fertig ist, wenn es veröffentlicht wird.« Diablo 3: »Die Spieler wollen sicher sein, dass ein Spiel fertig ist, wenn es veröffentlicht wird.«

GameStar Was ist Ihr größter Nutzen aus der Zusammenarbeit mit Activision?

Mike Morhaime Der größte Vorteil liegt wahrscheinlich in der Tatsache, dass Blizzard Entertainment, wie Sie wissen, nicht so viele Spiele pro Jahr veröffentlicht und Activision eine wesentlich größere Produkt-Pipeline hat. Mit den zwei Unternehmensbereichen können wir uns eine Sales-, Distributions- und Herstellungs-Infrastruktur teilen, was beiden Bereichen erlaubt, stärker zu sein, wenn sie ihre Spiele in den Markt bringen.

GameStar Und was ist Activisions größter Nutzen?

Mike Morhaime Ihr größter Vorteil ist wohl die Tatsache, dass sie einen vorhersagbareren Einkommensstrom haben.

GameStar Gibt es einen Wissenstransfer zwischen beiden Unternehmen? Es scheint ja die Idee eines Call of Duty-MMOs zu geben. Da könnten Blizzard einiges beisteuern - Mitarbeiter, Wissen, Technologie.

Mike Morhaime Wir reden mit den Leuten von Activision und wir teilen Ideen. Ideen, wie man Prozesse verfeinert. Sie sind sehr interessiert an unseren Erfahrungen in Asien, weil es sehr anders und kompliziert sein kann, in manchen Gegenden Asiens Geschäfte zu machen. Also ja, es gibt eine häufige Kommunikation, aber wenn diese Kommunikation abgeschlossen ist, dann kehren beide Seiten auf ihre Plätze zurück und konzentrieren sich auf ihre eigenen Aufgaben. Für uns sind das Starcraft 2, Cataclysm, Diablo 3 .