Syndicate im Test
Wenn Industriespionage zum Krieg wird
Im PC-Test muss sich der Ego-Shooter Syndicate beweisen. Können die Riddick-Entwickler den Strategie-Klassiker erfolgreich ins neue Genre hieven? Wir wagen den Ausflug in die düstere Zukunft der Syndikate.
Von
Kai Schmidt, Petra Schmitz
|
Datum:
24.02.2012
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Im düsteren Zukunftsszenario des Ego-Shooters
Syndikate
hat die Politik ausgedient: Mächtige Megakonzerne herrschen über die Welt, jeder ausgestattet mit einer bis an die Zähne bewaffneten Privatarmee.
Da wird aus der feindlichen Übernahme schnell ein Kleinkrieg und Industriespionage zu einer verdeckten Kommando-Operation. Die Speerspitzen der Konzerne sind die sogenannten Agenten - Supersoldaten, die man mit implantierten Computerchips zu ultimativen Kampfmaschinen frisiert.
In der Neuinterpretation des gleichnamigen Taktik-Klassikers der Bullfrog Studios schlüpft der Spieler in den Körper eines dieser Agenten, eines besonderen Agenten. Der wortkarge Ledermantelträger mit dem griffigen Codenamen wurde von seinem Brötchengeber Eurocorp mit dem Prototypen des so genannten DART6-Chips ausgestattet. Dieser Chip erlaubt Kilo ältere Chips zu manipulieren - und die stecken unter anderem in den gegnerischen Streitkräften.
Kollege Merit exekutiert völlig grundlos die Passagiere in einer U-Bahn.
Gewaltdarstellung
In Syndicate geht‘s zwar längst nicht so böse zur Sache wie etwa in den Original-Versionen von absichtlich überzeichneten Titeln
Bulletstorm
oder
The Darkness 2
, aber Blut spritzt auch hier reichlich. Wer will, kann in die Gesichter von schon am Boden liegenden Feinden treten. Mit der Minigun lassen sich Gegner mit Leichtigkeit in zwei Hälften zerschießen. Und vor unseren Augen exekutiert ein Mit-Agent beispielsweise sämtliche Passagiere in einem U-Bahnabteil. Ohne Grund.
Die Kaltschnäuzigkeit, mit der Syndicate völlig unmotiviert sinnlose Gewalt darstellt, dürfte unter anderem dazu geführt haben, dass die USK dem Titel eine Alterseinstufung verweigerte. Wir rechnen mit einer baldigen Indizierung.
Chip im Kopf
Hier rupfen wir einer wichtigen und zuvor erledigten Person den Chip aus dem Hirn. Mit diesem dürfen wir unseren eigenen hochzüchten.
Im Gegensatz zu seinem Ahnen aus dem Jahr 1993 ist das technisch aufgemotzte Syndicate der neuen Generation ein waschechter Ego-Shooter ohne Wenn und Aber: Als Kilo läuft man durch streng lineare Levels und ballert immer wieder gegnerische Truppen über den Haufen, die in Scharen um die Ecke biegen.
Neben vielen imposanten Knarren wie Pumpgun, Raketenwerfer oder zielsuchendem Maschinengewehr steckt die wichtigste Waffe in Kilos Kopf: Über den DART6-Chip hackt der Elite-Agent beinahe alles, was ihm unter die bionisch verbesserten Augen kommt. Der Chip schaltet ein Mehrzweck-Display auf, wodurch überall in der Umgebung Hinweise aufblitzen - eine elegante Lösung, die für ein Actionspiel wichtigen Einblendungen (Munition, Spezialfähigkeiten) plausibel im Spielgeschehen einzubetten.
Brutale DART-Spielereien
Insgesamt drei DART6-Kräfte gibt es, die man auf Gegner anwenden kann: »Suizid« bringt den Chip des Gegners dazu, zu zerbersten, was den Kopf des Subjekts wie eine Wassermelone zerplatzen lässt und nicht selten umstehende Soldaten mit ins digitale Nirwana reißt.
Weniger ruppig geht es beim »Fehlfeuer« zu: Die Kugel im Lauf der Waffe explodiert und schickt den Syndikatshandlanger kurzzeitig zu Boden. Die mit dem schönen Euphemismus »Überzeugung« betitelte dritte Chipkraft stellt den gehackten Gegner auf Kilos Seite und lässt ihn so lange auf seine ehemaligen Kameraden ballern, bis er entweder selbst von ihnen durchsiebt wird oder kein Gegner mehr steht - dann richtet der Umgepolte die Waffe gegen sich selbst.
Ebenfalls nützlich ist der DART-Modus, in dem Kilo alles um sich herum verlangsamt wahrnimmt und so besser, vor allem aber schneller als die Gegner reagieren kann. Es handelt sich also um die Syndicate-Variante der Bullettime aus Max Payne. Im DART-Modus wird der Bildschirm obendrein schwarzweiß, bereits entdeckte Gegner erscheinen orange und sind auch hinter Deckungen sichtbar.