Tales of Monkey Island: Season 1 : Zündet auch auf deutsch zielsicher seine Witze: Möchtegern-Piraten Guybrush Threepwood. Zündet auch auf deutsch zielsicher seine Witze: Möchtegern-Piraten Guybrush Threepwood. Wir Deutschen sind synchronverwöhnt. Nahezu jeder Film, jede Serie und jedes Spiel wird in unsere Muttersprache übersetzt. Dabei gehen zu Gunsten unserer Bequemlichkeit durch die gnadenlose Eindeutschung oft viele versteckte Anspielungen und unterschwellige Botschaften (Subtext) verloren. Das ist besonders Schade bei Serien wie den Simpsons oder bei Filmen wie Shrek. Und ein Werk wie Tarantinos Inglourious Basterds, das seinen Englisch-Deutsch-Französisch-Italienisch-Sprachenwirrwarr zum Thema erhebt, wird sogar teilweise im Sinn entstellt. Dem Adventure-Klassiker Monkey Islandum den Möchtegern-Piraten Guybrush Threepwood blieb dieses Schicksal erspart. Schon die Ur-Übersetzung der ersten beiden Teile durch den damaligen Spiele-Redakteur Boris Schneider genießt noch heute (trotz einiger Ungenauigkeiten) Kultstatus unter den Fans. Und auch die Stimmsynchronisation von The Curse of Monkey Islandgilt als gelungen. Kann Daedalic Entertainment da mit seiner Lokalisierung der Tales of Monkey Island-Serie von Telltale Games mithalten?

Gelungene deutsche Synchronisation

Ja, sie kann. Im Gegensatz zur deutschen Version von Telltales Sam & Max: Season 2 - All-Zeit bereit, die von Atari eine monotone Dialogregie spendiert bekam, leisteten die Adventure-Spezialisten von Daedalic ganz Arbeit. So konnten sie mit Norman Matt den Original-Synchronsprecher von Guybrush Threepwood aus den beiden Vorgänger-Adventures verpflichten. Er und die anderen Sprecherkollegen erledigen ihren Job professionell und mit Elan. Das knorrige Piraten-»Arrr!« klingt auch in den Fluch der Karibik-Filmen nicht besser, der Marquis de Singe französelt wunderbar vor sich hin und der größenwahnsinnige Totenkopf Murray klappert und plappert seine Bosheit nur so heraus.

Wer jetzt aber einwendet, die englische Sprachfassung sei trotzdem besser, hat zwar (minimal) recht, da zum Beispiel Erzfeind LeChuck dort deutlich voller klingt, kann aber trotzdem zu dieser Version greifen. Denn auf Wunsch können wir auch die englische Originalfassung installieren. So wünschen wir uns das.

Missverständlich: YouTube & Rootbier

Die Übersetzung bemüht sich eher um Nähe zum Original als um einen eigenen Stil. Das ist einerseits gut, da die wir die Handlung und Dialoge so weitgehend originalgetreu erleben dürfen. Allerdings bringt das auch einige Probleme mit sich. So laufen die deutschen Übersetzungen in der Dialogauswahl manchmal weit aus dem dafür vorgesehen Kasten (und selten mal auch aus dem Bildschirm) heraus. Zudem funktioniert nicht jeder erhaltene Wortwitz in seiner deutschen Übersetzung.

Wer des englischen nicht mächtig ist, wird zum Beispiel kaum verstehen, warum der Glasbläser, der U-förmige Glasröhren verkauft, auf einmal englisch etwas von »U-Tubes« (sprich wie »YouTube«) faselt. Auch die Übersetzung des in Amerika sehr beliebten »Root Beer« mit »Malzbier« ist unglücklich, da wir eine Wurzel (englisch: »root«) und kein Malz brauchen, um das (gewöhnungsbedürftig schmeckende) Erfrischungsgetränk zu brauen. An solchen Stellen hätte es nicht geschadet ein wenig mehr Mut zu eigenen Interpretationen aufzubringen. Allerdings ist das Kritik auf hohem Niveau, da die Dialoge in den allermeisten Fällen gut und passend übersetzt wurden.

Dialoge und Witz reißen’s raus

Inhaltlich und spielerisch hat sich an den fünf Episoden sonst nichts getan. Nach wie vor muss Guybrush eine fiese Voodoo-Pocken-Epidemie eindämmen, die er selber mit verursacht hat. Zu allem Überfluss jagen ihm der französische Arzt Marquis de Singe und die Piratenjägerin Morgan LeFlay hinterher, dafür scheint Erzbösewicht LeChuck plötzlich ein netter Typ zu sein, wovon wir uns bei der Voodoo-Lady später nicht mehr sicher sind. Zudem tauchen alte Bekannte wie die Quasselstrippen Stan und Murray wieder auf.

Tales of Monkey Island
Screenshots aus der deutschen Testversion von Tales of Monkey Island: Staffel 1.

Das Ganze ist in gewohnt absurde und groteske Dialoge verpackt und spielt teilweise an ungewöhnlichen Schauplätzen, wie zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt einer riesigen Seekuh. Bei der Rätselqualität und dem Rätselanspruch müssen wir allerdings Abstriche machen. Die Vorgänger waren deutlich kniffliger und hatten längere Rätselketten. Auch die polygonarme und teils verwaschene Grafik sowie die etwas umständliche Direktsteuerung erfüllen kaum noch aktuelle Mindeststandards. Da wir pro Episode aber drei bis vier Stunden beschäftigt sind, summiert sich die gesamte Spieldauer auf 15 bis 20 Stunden, was für ein Adventure ein beachtlicher Umfang ist. Zudem liegen auf der DVD als Bonus zahlreiche Goodies wie Trailer oder Wallpaper bei.