Zum Thema » TWD: In Harm’s Way Episoden-Check: Kinderarbeit » The Walking Dead: 400 Days Kurz und super Mit dem tollen Finale der ersten Staffel von The Walking Dead hat uns Telltale zwar bestens unterhalten, sich selbst damit aber einen Bärendienst erwiesen. Denn obwohl die bisherigen Abenteuer von Clementine in der zweiten Staffel die Adventure-Konkurrenz größtenteils in die Tasche stecken, verblassen sie doch im direkten Vergleich mit der großartigen Staffel 1.

Unter dieser Diskrepanz leidet auch die aktuelle Folge »Amid the Ruins«. Telltale schafft es diesmal aber nicht nur wieder, schwierige Entscheidungen mit großem Drama zu verquicken, sondern stellt auch die Weichen für ein spannendes Staffelfinale richtig.

Nach der dramatischen Flucht aus Carvers Enklave landen Clem und ihre Begleiter in Episode 4 auf einer Gedenkstätte zum Amerikanischen Bürgerkrieg. Misstrauen und Egoismus sind innerhalb der Gruppe inzwischen auf historischem Höchststand - die Ruinen im Episodentitel spielen also nicht nur auf die verfallenen Museumsgebäude, sondern auch auf die bröckelnden Beziehungen innerhalb der Gruppe an.

Das gefällt uns

Stolperten Clem und ihre Gruppe in den bisherigen Folgen ohne klares Ziel vor Augen vom Regen in die Traufe, schafft es Telltale in Amid the Ruins endlich wieder ein klares Ziel am Horizont aufzuzeigen. Das motiviert und sorgt auch für mehr Drama, wenn der Spieler als Clem - oder andere Gruppenmitglieder - eben jenes Ziel ohne Rücksicht auf Verluste über alles stellen.

Zudem lässt Telltale dem Spieler wieder etwas mehr Zeit, die Spielwelt zu erforschen und hetzt Clem nicht von einem Dialog nach dem anderen direkt in die nächste Action-Sequenz. Richtige »Rätsel« gibt es zwar wieder nicht, aber allein das Gefühl die verschiedenen Areale der Bürgerkriegsgedenkstätte akribisch zu untersuchen bringt dringend nötige Ruhe in die Reise - und wertet gleichzeitig hektische Sequenzen wieder auf.

Lobend zu erwähnen ist auch das Verhältnis zwischen Gruppen-Neuling Jane und Clementine. Die Einzelgängerin Jane liefert der bisher so ans Gruppenleben gewöhnten Clem interessante Denkanstöße, die später ordentlich Konfliktpotenzial bieten.

Das gefällt uns nicht

So sehr wir uns noch in Folge 2 über das Wiedersehen mit Kenny gefreut haben, so sehr geht uns der Meckerfritze inzwischen auf den Keks. Viel zu oft schreibt Telltale die Figur als beratungsresistenten Querulanten ins Drehbuch, nur um in der eigentlich harmonischen Gruppe für Zündstoff zu sorgen. So bleibt vom Serienveteranen nur der fade Beigeschmack zurück, dass wir für die Zukunft keine nennenswerte Charakterentwicklung mehr von ihm erwarten brauchen - schade.

Ebenfalls störend wirken in Staffel 2 die unnötigen Splatter-Einlagen. Deren Schock-Effekt hatte sich schon in Staffel 1 abgenutzt, in Amid the Ruins wirkt das deplatzierte Quicktime-Gemetzel nur noch wie Dienst nach Vorschrift.

Obwohl die Episode nicht arm an Tragödien ist, verrennt sich Telltale etwas mit den Schicksalsschlägen. Insbesondere ein Unglück wird so schnell wieder unter den Teppich gekehrt, dass es rückwirkend den ganzen betroffenen Charakter facettenarm, wenn nicht gar unnötig macht.

The Walking Dead: Season Two - Episode 4: Amid The Ruins
Die Episode knüpft direkt an die Flucht-Sequenz am Ende von Folge 3 an.

Fazit

The Walking Dead: Amid the Ruins : Michael Obermeier: Nachdem mich die letzten Folgen zwar gut aber eben nicht »Staffel-1-gut« unterhalten haben, bin ich mit Episode 4 wieder versöhnt. Endlich gibt es wieder ein klares Ziel vor Augen, endlich treffe ich wieder interessante Figuren und endlich gibt es wieder dieses unheilvolle Gefühl von Gefahr in der Luft. Gerade letzteres fehlte mir dadurch, dass das vermeintlich schwächste Gruppenmitglied Clementine als Spielfigur sowieso unsterblich ist. Jetzt freue ich mich mit großer Spannung auf das Staffel-Finale. Danke Telltale!