The Witcher - PC

Rollenspiel  |  Release: 23. Oktober 2007  |   Publisher: Atari
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Making of The Witcher

Brillanz zwischen Bugs und Busen

Ein großes Spiel zu entwickeln dauert zwei Jahre, manchmal drei. Das Rollenspiel The Witcher brauchte mehr als vier. Für den polnischen Entwickler CD Projekt wurde das Erstlingswerk zu einem spannenden Hürdenlauf -- mit babylonischem Finale.

Von Christian Schmidt |

Datum: 25.05.2011


Zum Thema » The Witcher Test der Ursprungs-Version » The Witcher: Enhanced Edition Test zur überarbeiteten Version » The Witcher 2 Rollenspiel-Fortsetzung im Test Das mit den wabbelnden Brüsten haben sie noch in den Griff bekommen. Im Februar 2007, als das Studio CD Projekt Journalisten aus aller Welt zu sich nach Warschau bat, spielten sich auf den Bildschirmen Szenen beängstigender Lebhaftigkeit ab. Veteranen der Veranstaltung erinnern sich vage an einen schwertschwingenden Rollenspiel-Helden, vor allem aber an dessen Gespräche mit eng korsettierten Frauenfiguren, deren üppige Oberweite bei jeder Bewegung ein wallendes, vibrierendes Eigenleben entwickelte, als wollte sie den hypnotisierten Zustarrern entgegenmorsen: Schaut her, uns lenkt keine Schwerkraft, allein die Macht der Karma-Psysikengine!

Making of The Witcher :

Die Dynamik im Mieder war ein Versehen, das Konzept dahinter Absicht: Sexuelle Reize gehören zum erwachsenen Szenario des ernsten Rollenspiels The Witcher . Mehr als drei Jahre lang hatte CD Projekt bereits an dem Programm gearbeitet, die Februar-Veranstaltung sollte inmitten von Mittelalter-Scheune, Schwertkämpfer-Show und reichlich Bier launig drauf einstimmen: Bald ist’s soweit! Das war verfrüht. Es dauerte dann doch noch acht Monate, bis eine vertrackte Entwicklungsgeschichte in das gleichsam reife wie unreife Rollenspiel-Ereignis des Jahres 2007 mündete.

Making of The Witcher : Entwicklungs-Fakten

Teamgröße 70 Personen
Entwicklungszeit 48 Monate
Entwicklungskosten 10 Millionen Euro
Quellcode 1.600.000 Zeilen
Projektumfang 80.000 Dateien, 25 GByte
Soundtrack 4 Stunden 18 Minuten
Sprachversionen 11
Verkaufte Einheiten 600.000 Stück

Vermessen?

Spulen wir ein ganzes Stück zurück, ins Jahr 2001. Da gab es auf den Konsolen ein Action-Rollenspiel namens Baldur’s Gate: Dark Alliance. Das Spiel ist niemals auf dem PC erschienen -- und dieser Tatsache verdankt The Witcher wohl sein Dasein.

Der polnische Publisher CD Projekt, in seinem Heimatland seit 1994 hochgradig erfolgreich, sollte die PC-Umsetzung des Spiels übernehmen. CD Projekt hatte seit geraumer Zeit überlegt, selbst in die Entwicklung von Spielen einzusteigen; Dark Alliance sollte der Auftakt werden. Das Projekt zerschlug sich. Die Polen blieben zielgerichtet: Dann würde man eben ein eigenes Spiel auf die Beine stellen!

Die Firma kaufte die Lizenz zur wichtigsten Fantasy-Saga des osteuropäischen Raums, den Witcher-Büchern des polnischen Autors Andrzej Sapkowski, und begann im September 2003 mit der Arbeit. Aus der Vorlage sollte ein wahrhaft episches Rollenspiel werden. Auf episches Maß wuchs allerdings erst einmal die Entwicklungszeit: Vier Jahre lang feilte das bald 70 Mann starke Team an seinem Erstlingswerk.

Veraltet?

»Um genau zu sein, haben wir die Produktion zweimal begonnen«, erinnert sich Michal Madej, der Lead Designer von The Witcher. Zunächst gab CD Projekt das Spiel an einen externen Entwickler weiter, der es auf dessen hauseigener Engine umsetzen sollte. Das entpuppte sich als Fehlschlag. So kam es zur Gründung des internen Teams CD Projekt Red, das mit zunächst zehn Leuten loslegte. Die erste Amtshandlung: Der Einkauf eines bewährten Technikgerüsts, auf dessen Basis das Spiel entstehen sollte. CD Projekt entschied sich für Biowares Aurora-Engine.

Die Wahl sorgte bei Beobachtern für Stirnrunzeln. Denn die Engine, die Bioware für das Rollenspiel Neverwinter Nights entwickelt hatte, war schon 2002 grafisch angestaubt; mit CD Projekt und Obsidian fanden sich bis heute gerade mal zwei Lizenznehmer für die Technologie.

Aber die optische Leistungsfähigkeit spielte für das polnische Team eine untergeordnete Rolle. »Uns war von Anfang an klar, dass wir einen Großteil der Engine durch eigene, zeitgemäße Technologie ersetzen würden müssen«, sagt Michal Madej. Viel wichtiger war dem Team, dass zum Aurora-Paket ein bewährtes, robustes Rollenspiel-System mit seinen Datenbanken, seiner Skript-Sprache und dem leistungsstarken Editor gehörte. »Die meisten Menschen denken bei der Engine nur an die Grafikdarstellung«, erklärt Michal Madej. »Um ehrlich zu sein: Dieser Teil ist am leichtesten auszutauschen.«

Making of The Witcher : Umbau einer Engine: Aus dem Aurora-Gerüst von Neverwinter Nights...

Die Aurora-Engine
Umbau einer Engine: Aus dem Aurora-Gerüst von Neverwinter Nights...

Dank des Aurora-Fundaments konnten Madej und seine Leute direkt mit der Entwicklung der Spielinhalte beginnen, während die Programmierer parallel sukzessive die Technologie der Engine austauschten. »Natürlich haben wir im Endeffekt auch vieles an der Spiellogik der Aurora-Engine geändert«, erzählt Madej. »Aber diese Anpassungen kamen Schritt für Schritt während der Entwicklung.«

Bereits zur E3-Messe 2004 hatte das Team die Grafikdarstellung von der wenig gebräuchlichen OpenGL-Schnittstelle auf DirectX 9 umgestellt, das Kampfsystem angepasst und ein eigenes Charaktersystem implementiert. Als nächsten großen Schritt ersetzte CD Projekt das mächtige »Aurora Toolset«, eine Sammlung von Editoren und Entwicklungsprogrammen, durch eine hauseigene Fassung namens »D’jinni«. Im fertigen Spiel, schätzt Michal Madej, stecken noch ungefähr 20% der ursprünglichen Aurora-Engine. Den Rest hat CD Projekt im Laufe der vier Jahre ausgetauscht.

Making of The Witcher : CD Projekt hat den D’jinni-Editor mittlerweile kostenlos veröffentlicht. CD Projekt hat den D’jinni-Editor mittlerweile kostenlos veröffentlicht.

Eine Wiki-Webseite hilft Hobbyentwicklern beim Einstieg.

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Avatar NekatorFail
NekatorFail
#1 | 25. Mai 2011, 17:42
Dieser Kommentar wurde ausgeblendet, da er nicht den Kommentar-Richtlinien entspricht.
Avatar MansionManiac
MansionManiac
#2 | 25. Mai 2011, 17:43
Ein sehr schöner und durchaus interessanter Rückblick auf das erste Witcher-Spiel. Auf jeden Fall lesenswert :)
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Avatar Falkenfluegel
Falkenfluegel
#3 | 25. Mai 2011, 17:48
Sehr interessanter Artikel. Witziger weise spiele ich gerade den ersten Teil, bevor ich mich dann auf Teil 2 stürze.

Gerade das Kampfsystem finde ich bei Teil 1 aber mehr als dürftig. Jetzt wird mir klar warum ... es wurde mittendrin ausgetauscht und man hatte keine Zeit mehr.

Ganz ehrlich: selbst die Enhanced Version finde ich technisch nicht gerade berauschend. Ich glaube in der Urversion hätte ich nach ner Stunde frustriert aufgegeben.
Die Stärken des Spieles entwickeln sich erst nach gut 10 Stunden Spielzeit.
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Avatar Waldgeist
Waldgeist
#4 | 25. Mai 2011, 18:07
The Witcher 1 war schon ein brilliantes Spiel und The Witcher 2 zeigt, dass auch aus Europa Spiele kommen, die es von der Produktionsqualität mit den großen Titeln aus den USA aufnehmen können, aber noch viel mehr... The Witcher 2 beweist, dass man nicht Bioware sein muss, um die Welt im Rollenspielsturm zu erobern.

Ich hoffe darauf, dass sich CDProjekt als zweites, europäisches Bioware etabliert und der Spielewelt weitere, komplexe, glaubwürdige (etwas das ich bei Bioware sehr vermisse... alles zu sehr D&D) Rollenspiele beschert.
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Avatar Jaray
Jaray
#5 | 25. Mai 2011, 18:43
Zitat von Waldgeist:

Ich hoffe darauf, dass sich CDProjekt als zweites, europäisches Bioware etabliert und der Spielewelt weitere, komplexe, glaubwürdige (etwas das ich bei Bioware sehr vermisse... alles zu sehr D&D) Rollenspiele beschert.


Kann dir nur zustimmen, außer dass ich sie kein zweites Bioware nennen möchte, da sie ihre "Unabhängigkeit" hoffentlich bewahren. Bei Bioware sprechen viele ja auch gleich von EA.

Werde mir Witcher 2 wohl kommenden Monat kaufen, spiele derzeit noch was anderes und finde es störend zwei Spiele parallel zu spielen oder auf heißen Kohlen zu sitzen, wenn ich beim Spielen auf die Witcher-Box schauen würde.

Wie genau meinst du eigentlich die Anmerkung, dass dir die Spiele von Bioware zu D&D-lastig sind? Wegen der D&D Regeln, den Welten oder meinst du etwas anderes?
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Avatar hexer hext
hexer hext
#6 | 25. Mai 2011, 18:48
Ich liebe den ersten Teil. Den zweiten auch aber der erste hatte dieses etwas :)
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Avatar Alex.94
Alex.94
#7 | 25. Mai 2011, 18:57
Das mit den 600.000 verkauften Einheiten ist nicht mehr ganz aktuell. Es wurden inzwischen schon über 1 Millionen Stück verkauft :)
Was auch voll und ganz verdient ist, The Witcher ist ein tolles Rollenspiel!
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Avatar mr.ioes
mr.ioes
#8 | 25. Mai 2011, 19:02
Projektumfang 25 GByte? Ich glaube nicht, Tim!
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Avatar patze86
patze86
#9 | 25. Mai 2011, 19:59
witcher 2 ist zwar ein top-spiel aber verbuggt ist das doch genauso.
dlc-probleme, abstürze, performencelegs.....
und gerade entdeckt:

kaufe ich das schema: solides kaedwenisches schwert und lasse mir DIESES dann herstellen, landet in meinem inventar aber nur ein normales viel schlechteres kurzschwert -.- und die materialien sind futsch!

verbugte, aber dafür gute games produizieren die jungs also immer noch. ärgerlich ist es trotzdem!
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Avatar Kingravel
Kingravel
#10 | 25. Mai 2011, 20:58
An sich ein guter und informativer Artikel.
Aber: Mich irritiert auch immer mehr, die seltsame Wandlung, die der Spieljournalismus bei der GS (online)durchläuft... Irgendwie stimmt das Verhältnis nicht: Plumpe Busenaufhänger noch und nöcher, dabei aber den Brachial-Frivolismus einer (früheren) PCA meidend. Kommt mir wirklich vor, wie wenn ein verschmitzer Vierzehnjähriger sich verstohlen hinter die Tastatur klemmt, um einen lustigen Titel zu fabrizieren, während dann der Redakteur kommt, um den Anspruch auf journalistische Qualität zu verteidigen.
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Details zu The Witcher

Plattform: PC
Genre Rollenspiel
Untergenre: -
Release D: 23. Oktober 2007
Publisher: Atari
Entwickler: CD Projekt
Webseite: http://www.thewitcher.com
USK: Keine Jugendfreigabe
Spiele-Logo: Download
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