Titanfall 2 :

Zum Thema Titanfall 2 ab 15,99 € bei Amazon.de Titanfall 2 für 54,99 € bei GamesPlanet.com Herbstzeit ist Shooter-Zeit: Oder präziser gesagt, es stellt sich eine essenzielle Frage in der Spielewelt - Battlefield oder Call of Duty? Natürlich ist das ein bisschen wie mit den Äpfel und Birnen, wer gerne Fahrzeuge steuert und eher taktisch und teamorientiert spielt, greift zu Battlefield, wer auf flotte Gefechte, Doppelsprünge, Wandläufe oder generell Infanterie steht, eben zu Call of Duty.

Damit wird den Spielern die Entscheidung jedes Jahr also gewissermaßen schon abgenommen, jeder konsumiert beinahe mechanisch seinen bevorzugten Herbst-Shooter, meckert ein wenig über die fehlenden Verbesserungen oder die lahme Kampagne und hat dann eine richtig gute Zeit im Multiplayer.

Was mich daran stört, ist nicht die Formelhaftigkeit selbst. Frei nach dem Motto »Never touch a running system« verstehe ich vollkommen, warum die Entwickler hier lediglich an Kleinigkeiten tüfteln, statt mit innovativen Mechaniken herumzuexperimentieren. Aber genau deshalb brauchen wir eben Spiele wie Titanfall 2.

Das dritte Rad?

Ja, die Rede ist von diesem Mech-Shooter der ehemaligen Call-of-Duty-Entwickler bei Respawn, den dieses Jahr jeder so ein bisschen vergessen hat. Wer jetzt die Stirn runzelt und sich immer noch nicht erinnern kann: Okay, ich geb's ja zu, der Release-Termin zwischen den beiden Platzhirschen war auf den ersten Blick so naiv gewählt, dass man darüber nur den Kopf schütteln kann. So wird Titanfall ein wenig zu einer tragischen Figur im Herbstdrama: Was für ein großartiger Shooter - und niemand spielt ihn.

Großartig? Komm schon, Elena. Titanfall 2 macht vieles richtig, ist mit Wandläufen und Sprüngen ein ähnlich flotter Zeitvertreib wie das neue CoD. Hinzu kommen eine zumindest spektakulär inszenierte und spaßige Singleplayer-Kampagne, die genretypisch an Story und Spielstunden krankt, und die wuchtigen Titanen, die durch schiere Masse und Schlagkraft über die ohne KI doch etwas leeren Karten hinwegtrösten.

Trotz schön gestalteter Maps haben wir hier doch die gleiche Formel in einem etwas anderen Sci-Fi-Gewand, oder nicht? Natürlich kann sich Titanfall 2 auch für mich als Fan dieser Kritik nicht entziehen, ich stimme der skeptischen Stimme in meinem Kopf sogar zu: Titanfall 2 ist in erster Linie ein generischer Sci-Fi-Shooter. Und dennoch wage ich zu behaupten, dass er sich trotzdem angenehm von der Konkurrenz abhebt und auch der Release-Termin keine reine Fehlentscheidung war. Er ist tatsächlich ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, warum die Spieler Titanfall überhaupt brauchen.

Hier geht's zum Test von Titanfall 2

Titanfall 2 : Elena Schulz
(@Ellie_Libelle)
Eigentlich hatte Elena ja vor sich dieses Jahr endlich mal richtig in Battlefield einzuarbeiten - doch dann kam Titanfall 2 um die Ecke. Und da man riesige Roboter einfach mögen muss, ist sie gleich dabeigeblieben und versucht hartnäckig, auch ihre Kollegen zu überzeugen. Klar, BT ist nicht unbedingt R2D2, aber als Sci-Fi-Fan fühlt sie sich trotzdem gleich zuhause auf den fremden Planeten. Jetzt fehlt zu ihrem Glück nur noch eine coole Story rund um Weltraumkriege, Titanen und moralische Abgründe, aber vielleicht liefert die ja noch die angekündigte Fernsehserie.

Volle Kraft voraus

Denn was Titanfall im Vergleich zu CoD und Battlefield nicht ist, ist tatsächlich seine große Stärke: Es ist noch nicht festgelegt. Während die Shooter-Konkurrenz bis zum geht nicht mehr poliert wird und Philosophie und Formel dahinter bis ins kleinste Design-Detail bereits definiert sind, ist die Titanenserie mit zwei Teilen noch relativ jung. Aus der generischen Shooter-Formel kann hier über die Jahre also noch alles Mögliche wachsen, trotz der wuchtigen Kampfroboter wirkt der Shooter so noch eher wie ein Motorboot, das zwischen den beiden Ozeandampfern hindurchschippert - vielleicht auf den ersten Blick unsichtbar, dafür aber deutlich windschnittiger und einfacher zu wenden.

Seit dem ersten Titanfall hat sich schließlich viel getan: Es gibt neue Titanen mit eigenen Waffen und klaren Stärken und Schwächen, die man geschickt gegeneinander ausspielen muss. Und sogar eine vollwertige Kampagne, nachdem die losen Kampagnen-Missionen im ersten Teil für Kritik gesorgt haben. Auch die neue Kampagne ist für mich nicht perfekt: Ich spiele mit Jack Cooper einen Charakter, der auch »Männlicher Spieleheld Prototyp 1« heißen könnte, jage Feinde, die ich weder kenne, noch verstehe, um Menschen zu retten, die ich weder kenne, noch verstehe - und unterhalte mich dabei mit einem riesigen Roboter, dem ich immer wieder versuche, das Konzept von Freundschaft und Kameradschaftlichkeit näher zu bringen.

Aber sie zeigt trotzdem wunderbar, dass die Entwickler die Kritik der Fans nicht nur ernst nehmen, sondern auch bereit dazu sind, etwas an ihrem Spielkonzept zu ändern. Mäßige Story hin oder her, die Schauplätze der Kampagne sind eindrucksvoll inszeniert und die Kämpfe gegen die KI bereiten mich optimal auf den Multiplayer vor, indem sie mich nach und nach die einzelnen Titan-Loadouts ausprobieren lassen. Und mein Gott, die Gespräche mit Titan BT sind vielleicht plump inszeniert, aber eben auch wirklich zum Liebhaben.

Titanfall 2
In der Einzelspieler-Kampagne übernehmen wir Jack Cooper, der im Feld vom einfachen Soldaten zum Piloten aufgestiegen ist.

Kampf der Giganten

Hier durchbricht Titanfall 2 für mich seine Formelhaftigkeit. Denn unter der generischen Shooterhaube stecken tatsächlich immer wieder eigene Ideen, liebevolle Details und neue Konzepte, die es sich lohnt auszuprobieren. Ich kann es kaum erwarten, zu sehen, was das Team noch aus den spannenden Multiplayer-Gefechten macht. Während ich als Pilot blitzschnell über die Karte flitze und meine Feinde von allen Seiten aus attackieren kann, liefern die Titanen schließlich noch eine ruhige und taktische Komponente. Beides zusammen könnte sich mit etwas Feinarbeit in eine ganz eigene Richtung entwickeln und viel mehr sein, als eine bloße CoD-Alternative mit einem netten Gimmick.

All dieses Potenzial ist bereits sichtbar und macht schon jetzt eine Menge Spaß, wenn auch mangels Vielfalt vielleicht nicht so langfristig wie Battlefield 1. Deshalb freue ich mich umso mehr auf weitere Titanfalls und ihre Einfälle, mit der sie die alljährliche Shootersuppe würzen. Klar, irgendwann wird so auch das Konzept hinter Titanfall perfektioniert sein und wir haben eine dritten Kandidaten neben den üblichen Verdächtigen. Aber ich hoffe, dass das ein Ansporn für weitere Shooter ist, sich auch ins Haifischbecken zu wagen.

Denn mal ehrlich, wollen wir wirklich jedes Jahr das Gleiche spielen? In einer Welt, in der es so viele Spiele, interessante Ideen und Ansätze gibt? Ich finde es gut, dass Titanfall mutig genug war, sich dazwischen zu wagen und Call of Duty und Battlefield herauszufordern. Immerhin zeigt das den beiden Riesen auch, dass sie sich nicht ewig auf dem immer Gleichen ausruhen können, wenn sie nicht doch eines Tages verdrängt werden wollen. Denn trotz Verkaufseinbußen und fehlender Aufmerksamkeit, Titanfall hat so vor allem ein Zeichen gesetzt. Jetzt müssen es die Spieler nur noch annehmen.