Die Items

Der Motivationsmotor, der jedes Action-Rollenspiel am Laufen hält, ist die Jagd nach immer besseren Items. In Diablo 3 ist genau dieser wichtige Punkt Gegenstand vieler Diskussionen, denn die Ausrüstung bestimmt maßgeblich die Stärke unseres Helden. Dafür ist aber auch immer ganz klar, welche Auswirkungen neue Rüstungsteile haben. Eine Waffe mit höherem Schadenwert verbessert eben alle unsere Talente – so einfach und übersichtlich ist das. Zudem hat jede Klasse einen Haupt-Charakterwert, der ihren Schaden erhöht und den wir somit bevorzugt (wenn auch nicht ausschließlich) steigern sollten. Das klingt simpel, funktioniert in der Praxis aber bestens.

An die Items kommen wir genretypisch über getötete Monster. Nicht typisch sind die zwei anderen Wege: Im Auktionshaus können wir neue Klamotten gegen Spielgold oder Echtgeld erstehen. Der Schmied, quasi der dritte Item-Lieferant, schmiedet uns gegen Spielgeld und seltene Zutaten mächtige Waffen. Das gleicht allerdings einem Glücksspiel, denn das meiste, was der Kerl produziert, ist Ramsch. Natürlich gibt es auch in jeder Stadt Händler, die Items verkaufen, die sind aber so schlecht, dass man sie getrost ignorieren kann.

In Torchlight 2 steht uns weder ein Schmied noch das Auktionshaus zur Verfügung. Dafür dürfen wir gefundene Gegenstände gegen einen üppigen Betrag bei in den Arealen versteckten NPCs aufrüsten lassen, etwa mit zusätzlichen Sockeln für Edelsteine oder neuen Verzauberungen. Ob die Item-Hexer bessere Ergebnisse liefern als der Schmied aus Sankturio, muss sich allerdings erst noch zeigen.

Der spielerische Anspruch

Hand aufs Herz: An sich ist Diablo 3 ziemlich einfach, selbst für ein Action-Rollenspiel. Die Levelaufstiege werden uns abgenommen, Gegner lassen mit Lebensenergie gefüllte Kugeln fallen, die Story-Bosse besitzen keine nennenswerten Taktiken. Champion- und Rare-Packs verlangen dem Spieler zwar teils besondere Bewegungsmuster ab, mit der richtigen Ausrüstung sind die Zwischengegner aber auch kein Problem mehr, denn unsere Chance zu überleben hängt unverhältnismäßig stark von den ausgerüsteten Gegenständen ab.

Schön zu sehen ist das an Hardcore-Spielern wie dem Belgier Athene, der Unmengen an Spielgold von Fans gespendet bekommt und darum momentan der wohl bestgerüstete Dämonenjäger der Welt ist – und sämtliche Bosse auf Inferno innerhalb weniger Sekunden zu Klump schießt. In Torchlight 2 scheint es diese Vereinfachung nicht zu geben, zumindest in der Beta konnten wir davon noch nichts entdecken.

Der Online-Zwang

LAN-Spieler schauen bei Diablo 3 genauso in die Röhre wie Monsterjäger mit schwacher oder unzuverlässiger Internetverbindung. Denn Diablo 3 lässt sich, wie inzwischen wohl die meisten Genre-Freunde mitbekommen haben dürften, ausschließlich mit permanenter Internetverbindung starten und spielen. Damit sind alle Spieler auf Blizzards Battöenet-Server angewiesen – und dass die nicht immer rund laufen, haben Tausende Fans in den Wochen nach dem Verkaufsstart erlebt.

Torchlight 2 setzt zwar auch eine Registrierung über das Internet voraus, danach können wir aber spielen wann und wo wir wollen – auch offline. Online können wir mit bis zu sechs Spielern im Koop-Modus losziehen. Sogar einen LAN-Modus bietet das Spiel. Dafür entfallen natürlich auch Inhalte wie die Battlenet-Freundesliste oder das Auktionshaus – Letzteres dürfte viele Spieler aber nicht unbedingt stören.

Unser Fazit

Was bedeutet das jetzt alles? Eines steht fest: Torchlight 2 braucht sich nicht vor dem Riesen Diablo 3 zu verstecken. Diablo 3 verkörpert zwar nach wie vor den Spielfluss in Perfektion, und auch das neue Charaktersystem ist wegen seiner Flexibilität kein unbedingter Negativpunkt,sondern eher Geschmackssache. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad hat Blizzards Höllenhatz aber ihre (Balance-)Probleme. Wie das bei Torchlight 2 sein wird, wissen wir noch nicht. Sicher ist aber: Torchlight 2 spricht eher die Traditionalisten an, die Wert auf die Individualisierung ihrer Helden legen, dem altgedienten Charaktersystem sei Dank. Welches der beiden nun das bessere Spiel ist, beziehungsweise wird, muss sich erst noch zeigen. Wir sind jedenfalls überzeugt: Es wird ein spannendes Duell.