Manchmal wird man auch als abgebrühter Spieleredakteur noch in Weltzweifel gestürzt. Ende Januar lud der US-Publisher Midway mehr als 100 internationale Journalisten nach Las Vegas, um dort seine Spiele für 2007 zu präsentieren. Spielefirmen sehen sowas als Investition, denn das Spektakel soll weltweite Berichterstattung nach sich ziehen.

Midway präsentierte auch Unreal Tournament 3. Es ist die Art Spiel, über die man als Redakteur zwanzigseitige Berichte machen möchte. Kann man aber nicht. Denn der Entwickler Epic Games lieferte zur globalen Pressekonferenz kaum Screenshots ab.

Geladene Gäste so sinnlos vor den Kopf zu stoßen ist das eine. Wesentlich aufschlussreicher ist aber, wie Epic Games seinem Publisher auf der Nase herumtanzt. Denn das Studio darf sich als Star in der Midway-Familie fühlen und genießt Narrenfreiheit. UT 3 verschiebt sich seit Jahren. Bislang ist kein einziger Screenshot erschienen, der nicht gestellt wäre. Nach dem Erscheinungstermin gefragt, sagt Epic-Mann Jeff Morris lächelnd: »Wir sind ein When-it’s-done-Studio.«

Blanker Unsinn. Für Microsoft hat Epic unlängst das Xbox-360-Spiel Gears of War gemacht. Von »When it’s done« konnte da keine Rede sein, denn Microsoft setzt strikte Terminvorgaben. Keine Frage, dass Epic die eingehalten hat – auf Kosten von Unreal Tournament 3, das hintan stehen musste.

Es ist durchaus löblich, wenn Entwickler sich die nötige Zeit für ihre Spiele lassen. Es sei ihnen zugestanden, geheimniskrämerisch zu sein. Aber Arroganz ist Gift in einer Branche, in der die Kunden nicht nur die Produkte lieben wollen, sondern auch diejenigen, die sie machen.