AMD Ryzen 2000 Reviews - Spekulationen über verfälschte Testergebnisse

Es gibt den Verdacht, dass die neuen Ryzen-2000-Prozessoren wie der Ryzen 7 2700X teilweise mit zu niedrigen Taktraten getestet wurden.

von Nils Raettig,
24.04.2018 12:52 Uhr

Die höhere Leistung des Ryzen 7 2700X im Vergleich zum Ryzen 7 1800X wird unter anderem durch gestiegene Taktraten und den Precision Boost 2 ermöglicht - der laut Spekulationen in manchen Tests deaktiviert gewesen sein könnte.Die höhere Leistung des Ryzen 7 2700X im Vergleich zum Ryzen 7 1800X wird unter anderem durch gestiegene Taktraten und den Precision Boost 2 ermöglicht - der laut Spekulationen in manchen Tests deaktiviert gewesen sein könnte.

In den meisten Testberichten schneiden die Ryzen-2000-CPUs wie der Ryzen 7 2700X gut ab: Höhere Taktraten der CPU und des Speichers sowie niedrigere Latenzen im Vergleich mit den ersten Ryzen-CPUs sorgen für ein durchaus nennenswertes Leistungsplus (siehe auch unseren eigenen Test des Ryzen 7 2700X).

Der Testbericht der Webseite Anandtech.com hat jetzt allerdings Spekulationen darüber in Gang gebracht, ob in manchen Reviews noch bessere Ergebnisse möglich gewesen wären, da zu niedrige Taktraten infolge einer bestimmten BIOS-Einstellung genutzt worden sein könnten. Genauer gesagt geht es um den so genannten »Core Performance Boost«.

36 Stunden Arbeit umsonst

Anandtech ist laut eigenen Angaben ursprünglich davon ausgegangen, dass es sich bei dieser Funktion um eine zusätzliche Übertaktung außerhalb der Spezifikationen des offiziellen Precision Boost 2 handelt und hat sie deshalb zunächst deaktiviert (siehe die fünfte Seite des Artikels und dort den Absatz oberhalb der Zwischenüberschrift »Extended Frequency Range 2«).

Unter Begriffen wie »Multi-Core Enhancement« hatten solche Funktionen zuletzt im Rahmen des Release der Coffee-Lake-Prozessoren von Intel (Core i 8000) für Aufsehen gesorgt, auch wenn es sie schon deutlich länger gibt. Beim Core Performance Boost handelt es sich aber um die reguläre Boost-Funktion der Ryzen-CPUs - die somit in den ersten Benchmarks von Anandtech ausgeschaltet war.

Laut einem Twitter-Beitrag des Anandtech-Autors Ian Cutress musste er 36 Stunden Test-Arbeit verwerfen. Immerhin hat er diesen Teil des Benchmark-Parcours nach eigenen Angaben über einen Zeitraum von zwei Monaten automatisiert, so dass er nicht jeden Test manuell erneut durchführen musste.

AMD verwendet die Bezeichnung »Core Performance Boost« indes schon länger für die Turbo-Funktion. Dementsprechend taucht sie nicht nur im Falle des von Anandtech genutzten Mainboards Crosshair VII Hero von Asus, sondern auch im BIOS des MSI X470 Gaming M7 AC und des Gigabyte X470 Aorus Gaming 7 Wifi auf, die uns AMD für den Ryzen-2000-Test zur Verfügung gestellt hat.

Ein häufiger Fehler?

Bei Planet3DNow wird nun wegen des Anandtech-Falls darüber spekuliert, dass auch andere Webseiten die Funktion bei ihren Tests deaktiviert haben könnten - was beim Ryzen 7 2700X beispielsweise Messungen mit maximal 3,7 GHz statt bis zu 4,3 GHz bedeuten würde.

Dabei muss man allerdings bedenken, dass der Core Performance Boost standardmäßig aktiviert ist, da der reguläre Boost natürlich von den Ryzen-CPUs genutzt werden soll. Man muss die Funktion also bewusst ausschalten, was wohl eher gegen die Theorie von Planet3DNow spricht.

Auch wir haben den Boost vor dem Erstellen unserer eigenen Benchmarks testweise ausgeschaltet und uns die daraus resultierenden Taktraten angesehen. Sie liegen im Falle des Ryzen 7 2700X ohne Core Performance Boost wie beschrieben bei maximal 3,7 GHz, was dem Standardtakt der CPU entspricht. In unseren Benchmarks mit eingeschalteten Boost erreicht der 2700X dagegen bis zu 4,3 GHz, wobei es unter Last auf allen acht Kernen meist etwa 4,0 GHz sind.

Das Überprüfen der Taktrate dürfte bei den meisten Testern üblich sein, weil sie eine große Rolle für die Performance einer CPU spielt - auch wenn der Fall von Anandtech zeigt, dass es im Eifer des Gefechts schon mal vergessen werden kann. Unter Zeitdruck beim Erscheinen einer neuen CPU-Generation ist vor solchen Fehlern aber wohl kein Tester gänzlich gefeit.

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