Apple will angeblich weniger in China produzieren, nicht nur aufgrund des Handelskrieges

Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat weitreichende Folgen. Auch Apple erwägt jetzt angeblich einen Teil der Produktion aus China abzuziehen, aber das ist anscheinend nicht der einzige Grund.

von Manuel Schulz,
24.06.2019 10:23 Uhr

Apple will in Zukunft nicht mehr 90 Prozent seiner Produkte in China herstellen lassen wie bisher - die Abhängigkeit von nur einem Land als Hauptproduzenten (Arbeiter, Zulieferer, Fertiger) sei zu hoch.Apple will in Zukunft nicht mehr 90 Prozent seiner Produkte in China herstellen lassen wie bisher - die Abhängigkeit von nur einem Land als Hauptproduzenten (Arbeiter, Zulieferer, Fertiger) sei zu hoch.

Bisher werden 90 Prozent der Apple-Produkte in China hergestellt. Der Handelskrieg zwischen den USA und China, der sich immer mehr ausweitet, hat auch für Apples Produktion dort Konsequenzen - entweder werden die Produkte mit Sonderzöllen (bis zu 25 Prozent) belegt oder Apple produziert woanders.

Letzteres scheint einem Bericht von Nikkei zufolge der Plan zu sein, zumindest teilweise. Bis zu 30 Prozent der Produktionskapazitäten könnten in den kommenden Jahren in Länder wie Mexiko, Indien, Vietnam, Indonesien oder Malaysien verlagert werden.

Apple mit riesigem Firmen-Netzwerk in China

Aktuell sind laut Nikkei rund fünf Millionen Arbeiter in China direkt oder indirekt mit der Produktion von Apple-Geräten beschäftigt, Apple selbst hat rund 10.000 Mitarbeiter im Land.

Über zwei Jahrzehnte hat Apple sich dort ein Netzwerk aus Zulieferern und Fertigern aufgebaut. Foxconn, Pegatron, Wistron, Quanta Computer und Compal Electronics zählen dazu.

Sie alle wurden von Apple gebeten, Optionen für die Produktion außerhalb Chinas (speziell in Südost-Asien wie Vietnam, Indonesien und Malaysien) zu evaluieren.

Einfach wird es jedoch nicht sein, ähnliche Konditionen für die Herstellung zu bekommen, denn seit 20 Jahren hat China für internationale Großkonzerne viel Geld in Produktionsstandorte investiert.

Apples iPods werden zu 90 Prozent in China produziertApples iPods werden zu 90 Prozent in China produziert

Straßen, Wohnungen, Wasser- und Energieversorgung wurden teils durch chinesisches Geld finanziert um die Infrastruktur für die Produktion zu schaffen, dazu kamen vereinfachte Im- und Export-Prozesse sowie arbeitgeberfreundliche gesetzliche Regelungen.

Allerdings bergen die starke Zentralisierung auf ein Land als Hauptproduktionsstandort sowie die mittlerweile niedrige Geburtenrate und drohender Nachwuchsmangel in China für Apple mittlerweile auch ein Risiko abseits des Handelskrieges.

Viele internationale Konzerne wollen aktuell ihre Produktion mehr dezentralisieren und damit robuster gegen Krisen machen.

Umschwung frühstens 2021

Der Handelskrieg ist also möglicherweise nur einer der Gründe für die Entscheidung des Technikproduzenten aus Kalifornien.

Die Grundlagen für eine Produktion an einem anderen Standort müssten aber erst geschaffen werden, was mehrere Jahre dauert.

Gleichzeitig sind die Arbeitskräfte in China sehr gut auf die Produktion geschult, wie Apple-Chef Tim Cook im Dezember 2017 einräumte:

"Der Hauptgrund, warum wir in China produzieren, sind die Leute. Sie sind einfach außergewöhnlich gut."

Dass die Produktion nur wegen geringer (Lohn-)Kosten nach China verlagert worden sei, ist Cooks Aussage nach ein Irrtum.

Laut Nikkei dauert ein Standortwechsel aber mindestens 18 Monate, zwei bis drei Jahre sind realistischer. Und selbst dann sei die Produktion aufgrund von mangelnder Infrastruktur sowie fehlenden Zulieferern in der Regel nur in geringeren Stückzahlen möglich.

Das zeige auch ein Versuch in Indien, wo eine Produktion von günstigeren Iphones bereits seit Jahren läuft, allerdings immer noch nur sehr niedrige Stückzahlen liefere.

Eine Anzahl iPhones wird bereits seit längerem in Indien produziert, allerdings erheblich weniger als in China.Eine Anzahl iPhones wird bereits seit längerem in Indien produziert, allerdings erheblich weniger als in China.


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