Bandersnatch - US-Verlag klagt Netflix wegen Markenrechtsverletzung an

Der in Vermont ansässige Chooseco-Verlag hält die Rechte an den in den USA populären »Choose Your Own Adventure«-Büchern und verklagt Netflix jetzt auf 25 Millionen Dollar Schadenersatz.

von Fabiano Uslenghi,
14.01.2019 17:36 Uhr

Bandersnatch funktioniert im Kern wie die in den 80er und 90ern verbreiteten Choose-Your-Own-Adventure-Büchern.Bandersnatch funktioniert im Kern wie die in den 80er und 90ern verbreiteten Choose-Your-Own-Adventure-Büchern.

Mit Bandersnatch veröffentlichte Netflix im Dezember einen interaktiven Film, bei dem es den Zuschauern möglich ist, Einfluss auf den Handlungsverlauf zu nehmen. Auch aufgrund seiner Zugehörigkeit zur dystopischen Anthologie-Serie Black Mirror fand der Film große Aufmerksamkeit, löste jedoch bei Zuschauern und Kritikern gemischte Gefühle aus.

Dass die Netflix-Produktion aber mit den »Choose Your Own Adventure«-Büchern des Verlages in Verbindung gebracht wird, stieß dem Rechteinhaber Chooseco sauer auf. Der amerikanische Verlag reichte deshalb vergangenen Freitag eine Klage gegen den Streaming-Riesen beim Bundesgericht von Vermont ein, berichtet das US-Magazin Hollywood Reporter.

Zu düster für die Zielgruppe

Grund für die Klage ist die Eröffnungssequenz des Films, in der Protagonist Stefan Butler (gespielt von Fionn Whitehead) einen Pitch für ein Videospiel vorbereitet, welches auf einem fiktiven »Choose Your Own Adventure«-Buch namens Bandersnatch basiert.

In der Anklage heißt es, Netflix habe vorsätzlich von dem guten Namen der Chooseco-Marke Gebrauch gemacht, um die dadurch entstandene Verwirrung der Konsumenten zum eigenen Vorteil zu nutzen:

"Netflix erzielte und erzielt weiterhin durch diesen Akt der verfälschten Ursprungsbezeichnung und falschen Representation, unrechtmäßige und ungesetzliche Profite. Chooseco entstanden dadurch substanzielle Verluste und Schäden."

Neben finanziellen Verlusten soll durch das düstere Setting und die erwachsene Zielgruppe des Netflix-Films auch dem Ruf der »Choose Your Own Adventure«-Marke Schaden zugefügt worden sein. Die Referenzen und Darstellungen von dämonischen Präsenzen, Gewalt, Drogenkonsum oder Mord seien für die Zielgruppe der »Choose Your Own Adventure«-Bücher ungeeignet, wobei es sich vordergründig um Kinder und Jugendliche zwischen sieben und vierzehn Jahren handeln soll.

Chooseco fordert aufgrund der von Netflix begangenen Markenrechtsverletzung eine Summe von mindestens 25 Millionen Dollar Schadensersatz.

Netflix widersetzt sich Unterlassungsschreiben

Bereits Anfang 2016 soll Netflix den Kontakt zu Chooseco gesucht haben, um eine Lizenz für das Choose-Label zu erwerben. Die Verhandlungen blieben allerdings erfolglos. Um zu verhindern, dass Netflix die Marke trotzdem verwendet, soll Netflix noch vor dem Release von Bandersnatch ein Unterlassungsschreiben zugesandt worden sein.

Bei Bandersnatch handelt es sich immerhin nicht um den ersten interaktiven Film auf Netflix. Im November erschien bereits das von Telltale entwickelte Minecraft: Story Mode, was über die gleichen Spielmechaniken verfügt.


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