Billige Keys für Windows und Office: Edeka beendet Verkauf von Lizengo-Angeboten

Nachdem Microsoft rechtliche Schritte gegen Lizengo angekündigt hat, beendet Edeka den Verkauf entsprechender Windows- und MS-Office-Lizenzen in eigenen Läden. Laut Lizengo stand das Ende der Kooperation aber schon länger fest.

von Sara Petzold,
24.10.2019 12:18 Uhr

Windows 10 Keys gibt es teils sehr viel günstiger als bei Microsoft zu kaufen - den deutschen Anbieter Lizengo will Microsoft nun in Deutschland verklagen. Windows 10 Keys gibt es teils sehr viel günstiger als bei Microsoft zu kaufen - den deutschen Anbieter Lizengo will Microsoft nun in Deutschland verklagen.

Update, 24.10.2019: Edeka beendet in Kürze den Verkauf der im Vergleich zum offiziellen Preis sehr günstigen Lizenzen von Lizengo für Windows 10 und Microsoft Office. Beide Unternehmen hätten das Ende dieser Kooperation allerdings bereits im August 2019 beschlossen, sagte Lizengo-CEO Tobias M. Zielke gegenüber Heise:

»Die Markt-Kunden haben unsere Produkte sehr positiv aufgenommen, jedoch ist für Lizengo als reiner e-Commerce-Shop die Optimierung auf Tagesbasis zielführender.«

Des Weiteren verweist das Unternehmen in Bezug auf die Legalität der verkauften Lizenzen auf ein in »urheberrechtlicher Hinsicht zulässig[es]« Geschäftsmodell und eine anwaltliche Prüfung der Rechtslage im Jahr 2018. Auf der Homepage von Lizengo heißt es dazu:

"Um für uns selbst weiterhin sicher zu stellen, dass unser Geschäftsmodell rechtlich valide und somit legal ist, haben wir uns erneut Ende 2018 anwaltlich prüfen lassen. Hierzu wurde lizengo durch eine der renommiertesten deutschen Anwaltskanzleien mit mehreren hundert Anwälten tiefgehend rechtlich geprüft.

Dabei wurden insbesondere Einkaufsprozesse, Produkte und die entsprechenden rechtlichen Grundlagen durchleuchtet und somit das gesamte Businessmodell auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis dieser anwaltlichen Prüfung ist positiv: das Geschäftsmodell von lizengo ist in urheberrechtlicher Hinsicht zulässig.

Zusätzlich kontrollieren wir ständig unsere weltweiten Einkaufsquellen. Nur offizielle Distributoren der Hersteller dürfen uns beliefern. Des Weiteren lassen wir uns bestätigen, dass unsere angebotenen Produkte für den vorgesehenen Wirtschaftsraum freigegeben sind. "

Lizengo hat keine Klage von Microsoft bekommen

Update, 22.10.2019: Lizengo hat mittlerweile auf Berichte reagiert, denen zufolge Microsoft den Softwareanbieter wegen des Verkaufs sehr günstiger Windows- und MS-Office-Keys (unter anderem bei Edeka) weit unter offiziellem Microsoft-Preis verklagt habe. Lizengo gab gegenüber Heise an, eine Klage von Microsoft liege nicht vor.

Microsoft selbst hatte zuvor angegeben, gegen Lizengo rechtliche Schritte einzuleiten, weil die von dem Unternehmen verkauften Lizenzen aus fragwürdigen Quellen stammten.

Windows 10 Key allein reicht nicht

Die beanstandeten Windows 10-Keys kommen laut Microsoft aus chinesischen Volumenlizenzen oder von ausländischen Universitäten. Und nur weil ein Key technisch funktioniere, sei das kein Garant, dass auch die zur legalen Nutzung benötigte Lizenz zum Einsatzzweck passe.

Lizengo hält dagegen, dass alle bei Edeka und über andere Vertriebswege verkauften Keys und Lizenzen aus Microsoft-zertifizierten Quellen stammen und legal in der EU handelbar seien.

Was Microsoft unter »rechtlichen Schritten« versteht, ließ CRN in dem zugehörigen Artikel offen. Möglicherweise befindet sich eine entsprechende Klage Microsofts auch noch in Vorbereitung.

Originalmeldung: Nachdem wir erst kürzlich darüber berichtet haben, dass der Softwareanbieter Lizengo unter anderem bei Edeka auffallend günstige Keys für Windows und MS-Office verkauft, gibt es jetzt Neuigkeiten zu dem Thema: Microsoft selbst ist offenbar aufgrund entsprechender Recherchen der c't und CRN auf die Lizenzen aufmerksam geworden - und hat gegen Lizengo eigenen Angaben zufolge rechtliche Schritte eingeleitet.

Lizengo-Keys sind OEM-Lizenzen aus China?

Das US-Unternehmen prüfte laut Heise und CRN verschiedene eingereichte Software-Karten von Lizengo über den hauseigenen Produktidentifikationsdienst (PID). Dabei stellte sich heraus, dass einige Schlüssel als chinesische OEM-Lizenzen fungierten, während andere aus Verträgen mit Universitäten aus dem europäischen Ausland stammten.

Das Problem dabei: Die OEM-Lizenzen aus China sind für den Verkauf in Deutschland nicht zugelassen - egal ob neu oder gebraucht. Im Fall einiger Schlüssel stellte sich heraus, dass die dänische Universität, auf deren Namen der Lizenzvertrag ausgestellt war, letzteren tatsächlich gar nicht abgeschlossen hatte.

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Die Behauptung seitens Lizengo, die verkauften Schlüssel stammten aus Überbeständen, lässt sich dementsprechend wenigstens anzweifeln. Lizengo selbst hält trotzdem weiterhin an dieser Aussage fest und beteuert, es handele sich um legale Lizenzen.

Haben Kunden die Keys gutgläubig erworben?

Ob und inwiefern Lizengo die günstigen Lizenzen für Windows und MS-Office weiterhin verkaufen darf, muss jetzt ein deutsches Gericht klären.

Dabei geht es unter anderem auch um die Frage, ob Kunden, die die billigen Keys erworben haben, beim Kauf gutgläubig gehandelt haben, sprich: ob sie hätten ahnen müssen, dass es sich um Lizenzen aus fragwürdiger Quelle handelt.

Die Redaktion von t3n empfiehlt deshalb, von weiteren Käufen der Lizengo-Lizenzen vorerst Abstand zu nehmen. Wer bereits einen derartigen Key gekauft hat, sollte den Ausgang des Gerichtsverfahrens abwarten und den Kassenbon aufbewahren, um gegebenenfalls Ersatzansprüche gegen Lizengo gelten machen zu können.


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