Destiny 2: Kolumne zum Skandal-Marathon - Reißt euch zusammen, Bungie!

Destiny 2 tritt einen Shitstorm nach dem anderen los - selbst Weihnachten kann es nicht ohne Skandal feiern! Das darf so nicht weitergehen, findet Maurice.

von Maurice Weber,
24.12.2017 16:44 Uhr

Mit Destiny 2 wird alles gut. Ich komme mir heute blauäugig bis behämmert vor, das je gedacht zu haben - aber es hätte doch stimmen können! Das erste Destiny war ein Riesenerfolg, aber einer mit überraschend auffälligen Problemen. Die Story zum Beispiel, die Bungie gerade mal ein Jahr vor Release komplett in die Tonne trat und hastig neu zusammenstückelte.

Aber das Spiel wurde stetig besser und erreichte mit der Erweiterung The Taken King einen echten Höhepunkt. In meiner naiven Traumwelt würde Bungie all diese Erfahrung - und all das so verdiente Geld! - einsetzen, um mich mit einem aus dem Stand perfekten Destiny 2 aus den Socken zu hauen. Einer Fortsetzung, die aus all den Fehlern des ersten Teils lernen würde. Aber Pustekuchen: Die Entwickler kriegen es ja nicht mal hin, aus den Fehlern der letzten paar Wochen zu lernen.

Lügen, bis der Shitstorm kommt

Nun sah es zunächst sogar aus, als würde ich meinen Wunsch kriegen. Destiny 2 ist im Kern ein richtig guter Shooter - und erschien endlich auch auf dem PC, wo gute Shooter hingehören! Sogar mit einer der besten Portierungen seit langem! Der Release war also nicht das Problem - aber seitdem hat Bungie fast jeden weiteren Schritt verbockt.

Der Autor
Maurice Weber (@Froody42) mag Shooter eigentlich nur in Ausnahmefällen. Zum Beispiel, wenn sie ihn mit einer Beutesucht-Spirale der Marke Diablo ködern! Und weil Gearbox lieber ein Desaster nach dem anderen veröffentlichen, statt endlich mal Borderlands 3 auf die Kette zu kriegen, hatte er sich richtig auf Destiny 2 gefreut. Nur um jetzt auch hier ein Desaster nach dem anderen zu erleben.

Da war zum Beispiel die große Erfahrungspunkt-Lüge. Nahm sich ein Spieler heraus, bestimmte Endgame-Aktivitäten zu lange zu spielen, rückte Destiny 2 irgendwann nur noch lächerliche vier Prozent der dafür versprochenen XP raus - zeigte aber völlig schamlos weiter den vollen Wert an.

Erst, als die Spieler dem XP-Scaling von sich aus auf die Schliche kamen und über alle Kanäle Sturm liefen, gestand Bungie die Drosselung überhaupt ein. »Wir sind nicht zufrieden mit den Ergebnissen des Systems«, hieß es im offiziellen Statement, »und wir haben das gleiche von der Community gehört«. Nur: Warum sie die gefälschten XP-Anzeigen überhaupt je für eine gute Idee hielten, das wollten die Entwickler nicht erklären. Also zog die Community ihre eigenen Schlüsse: Könnte es damit zu tun haben, dass wir für Erfahrungspunkte Lootboxen kriegen, die wir sonst für Echtgeld kaufen müssten? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Die Bright Engrams sind die Lootboxen von Destiny 2 und werden mit jedem Levelaufstieg über die Maximalstufe ausgeschüttet. Die Bright Engrams sind die Lootboxen von Destiny 2 und werden mit jedem Levelaufstieg über die Maximalstufe ausgeschüttet.

Zumal Bungie danach einfach unbeirrt weitermachte. Ja, das XP-Scaling flog raus - dafür brauchte jede Lootbox jetzt einfach mal doppelt so viel Erfahrung wie vorher. Wieder ganz still und geheim, versteht sich. Was zum Geier, Bungie? Wenn ihr schon nicht auf eure Fans hört, dann nehmt euch bitte zumindest die Worte des großen Philosophen Gabe Newell zu Herzen: »Belügt niemals das Internet, denn es wird euch dabei ertappen!«

Die Anti-Erweiterung

Zu allem Überfluss setzte Bungie jede große Gelegenheit in den Sand, die Fans wieder auf ihre Seite zu bringen. Mit dem ersten Addon Curse of Osiris hätten die Entwickler einen Triumph vom Kaliber eines Taken King abliefern müssen. Stattdessen machten sie doch allen Ernstes alles nur noch schlimmer. Nicht nur, dass sich Fluch des Osiris für 20 Euro als regelrechte Mogelpackung entpuppte, nein, die »Erweiterung« nahm Käufern des Originalspiels sogar Inhalt weg!

Merkur als neuer Planet klingt vielleicht nach viel Inhalt, aber die neuen Gebiete sind winzig. Merkur als neuer Planet klingt vielleicht nach viel Inhalt, aber die neuen Gebiete sind winzig.

Plötzlich mussten wir uns ein Addon kaufen, wenn wir weiter Prestige-Raids bestreiten wollten. Und wieder das gleiche Spielchen: Fan-Aufschrei, Bungie gibt sich einsichtig - und tritt noch im gleichen Monat den nächsten Shitstorm los.

Denn nicht einmal Weihnachten kann Destiny 2 feiern, ohne die Fans auf die Barrikaden zu bringen. Das Dawning-Event lieferte vor allem jede Menge neuer Items für die Lootboxen. Aber anders als bei solchen Ereignissen üblich verdienen wir uns durch normale Levelups keine Event-Boxen. Die verteilt das Spiel so knausrig, dass es eine klare Botschaft sendet: Wollt ihr die Weihnachts-Items, dann lasst mal Echtgeld rüberwachsen.

Im offiziellen Forum entlädt sich der Protest gegen den Eververse-Store. Im offiziellen Forum entlädt sich der Protest gegen den Eververse-Store.

Ich habe selten erlebt, dass ein Entwickler die Beziehung zu seinen Fans so blindlings gegen die Wand fuhr wie Bungie es gerade tut. Nicht nur, dass sie aus keinem ihrer Fehler etwas gelernt zu haben scheinen und immer gleich wieder in dieselbe Kerbe schlagen. Nein, was mich über alles andere ärgert: Diese Fehler kann doch eigentlich nur jemand machen, der über Kundenfeundlichkeit keine fünf Minuten nachgedacht hat.

Dass die Fans eine ehrliche XP-Anzeige wollen, dass sie sich über ein Addon empören, das ihnen Inhalte wegnimmt - was könnte offensichtlicher sein? Und doch waren die Entwickler entweder tatsächlich unfähig, das zu erkennen, oder es war ihnen schlichtweg egal. So oder so: 2018 könnt ihr so nicht weitermachen, Bungie! Reißt euch am Riemen - bevor ihr eure Fans unwiederbringlich vergrault.


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Destiny 2

Genre: Action

Release: 24.10.2017 (PC), 06.09.2017 (PS4), 06.09.2017 (Xbox One)

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