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Die Story von Anthem - Warum Bioware sein Versprechen nicht erfüllt

Bioware verspricht für Anthem persönliche Geschichten und eine Welt mit Tiefe. Wir vermissen beides.

von Maurice Weber,
19.02.2019 18:37 Uhr

Zwar können wir uns in Anthem ein vorgefertigtes Gesicht für unsere Spielfigur aussuchen, aber wir können die Cutscenes an einer Hand abzählen, in denen wir es dann nochmal sehen.Zwar können wir uns in Anthem ein vorgefertigtes Gesicht für unsere Spielfigur aussuchen, aber wir können die Cutscenes an einer Hand abzählen, in denen wir es dann nochmal sehen.

»Die Neuerfindung persönlicher Geschichten in einem Multiplayer-Spiel« verhieß der Story-Trailer von Anthem. »Unsere Welt, deine Geschichte« sollte die Losung sein: Die Open World und ihre spannenden Geheimnisse sollen wir im Vierspieler-Koop entdecken, während im Story-Hub Fort Tarsis jeder Spieler durch tiefschürfende Dialog-Entscheidungen seine ganz persönliche Geschichte schreibt.

Hätte das geklappt, hätte es die sehr unterschiedlichen Zielgruppen von Anthem elegant verheiraten können: Auf der einen Seite die alten Bioware-Fans, für die kein anderer Entwickler so stark für Story-Exzellenz steht. Und auf der anderen Seite die Lootshooter-Fans, die zwar wissen, dass eine spannende Beutejagd sehr wohl über eine mittelmäßige Story hinwegtrösten kann (Hallo, Destiny!), aber trotzdem mit offenen Armen einen Genre-Vertreter willkommen geheißen hätten, der in beiden Bereichen brilliert! Dass sich Koop-Multiplayer und eine packende Geschichte nicht ausschließen müssen, haben ja unter anderem schon Borderlands 2 und sogar Bioware selbst mit The Old Republic bewiesen.

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht anders aus: Anthem ist kein neuer Story-Meilenstein für das Lootshooter-Genre. Und es erzählt - trotz guter Ansätze - auch keine würdige Bioware-Story. Aber warum geht das Konzept der Entwickler nicht auf?

Story-Fazit ohne Spoiler
In diesem Artikel nehmen wir die Kampagne von Anthem unter die Lupe. Wir verzichten dabei auf Spoiler, ihr könnt also gefahrlos weiterlesen!

Im Rahmen unserer Artikel-Reihe beleuchten wir schrittweise jeden Aspekt des Spiels, bis wir pünktlich zum Release am 22. Februar unseren Test mit Wertung veröffentlichen. Der erste Artikel zum Action-Gameplay von Anthem ist bereits erschienen, in den kommenden Tagen werden weitere folgen:
- Mittwoch, 20.02.: Multiplayer - Wie viel Koop steckt im Koop-Shooter Anthem?
- Donnerstag, 21.02.: Endgame - Was bietet Anthem nach Abschluss der Kampagne?
- Donnerstag, 21.02.: Technik-Check von Anthem
- Freitag, 22.02.: Test und Wertung von Anthem

Mehr dazu erfahrt ihr in unserem Artikel zum Thema »Wo bleibt der GameStar-Test von Anthem?«.

Anthem - Gameplay-Trailer erklärt Bedeutung von geteilter Welt & eigener Story 2:30 Anthem - Gameplay-Trailer erklärt Bedeutung von geteilter Welt & eigener Story

Unsere Welt, keine Geschichte

Open World und Story derart strikt zu trennen wie Anthem ist das genaue Gegenteil einer Revolution: Es ist sogar noch ein Rückschritt gegenüber anderen Loot-Shootern und schafft eine Geschichte, die dem eigentlichen Gameplay wie ein Klotz am Bein hängt.

Ja, wir können in Fort Tarsis jede Menge Dialoge führen und sogar immer wieder eine von zwei Optionen auswählen. Das gibt es in keinem Konkurrenzspiel. Allenfalls Warframe bietet Multiple-Choice-Dialoge inklusive vertonter Zwischensequenzen und einem Gesinnungssystem, das unsere Antworten in eine helle und eine dunkle Seite auswertet (wenn auch bislang ohne klare Auswirkungen). Blöd nur: In Warframe dauert es zig Spielstunden, bis man seine (fantastischen!) Story-Highlights auch zu Gesicht bekommt. Warum genau, wollen wir aus Spoilergründen nicht verraten.

Anthem hätte die Chance gehabt, von Anfang an anders zu sein als die anderen Online-Shooter. Und das versucht Bioware ja auch, greift dabei aber zu kurz. Denn unsere Dialog-Entscheidungen können per Definition schon keine großen Konsequenzen nach sich ziehen - wir müssen ja danach trotzdem mit allen vier Mitspielern draußen in der Open World dieselbe Mission durchziehen können.

Beeinflussen können wir also nur die Geschichten jener Nebenfiguren, die das Fort so gut wie nie verlassen und damit in den Außenwelt-Missionen auch kaum auftreten. Was immer noch spannend sein könnte, wäre es so gut geschrieben, wie wir es von Bioware gewohnt sind. Stattdessen sind die Nebengeschichten erschreckend belanglos.

Die Gespräche in Fort Tarsis werden zunehmend zu nerviger Fleißarbeit, die das Gameplay unterbricht - wer die meisten ignoriert, verpasst wenig.Die Gespräche in Fort Tarsis werden zunehmend zu nerviger Fleißarbeit, die das Gameplay unterbricht - wer die meisten ignoriert, verpasst wenig.

Ja, wir können einer bankrotten Bäckerin raten, ihrem Geschäft mit einer neuen Partnerin nochmal eine Chance zu geben. Und ja, wenn wir das das tun, erzählen uns die beiden im nächsten Dialog begeistert von ihrem Erfolg - aber was wir nicht können, ist irgendeinen Einfluss auf die Hauptstory ausüben. Die Story der Schlüsselfiguren ist in Stein gemeißelt.

In der eigentlichen Welt beschränkt sich die Story dann auf ein Minimum: Hier führen wir keine Dialoge und treffen nicht einmal Questgeber wie in Destiny. Überhaupt treffen wir so gut wie niemanden abseits unserer drei Mitspieler, das Spiel beschränkt sich auf belanglose Funksprüche und ganz seltene nicht-interaktive Cutscenes.

Interessante Geheimnisse gibt's auch kaum zu entdecken. Die Welt-Events und Nebenquests beschränken sich meist darauf, Banditennester auszuräuchern. Anthem mag mehr Dialogvolumen bieten als die Konkurrenz, aber seine derart strikte Trennung von Welt und Charakteren ist selbst für dieses story-arme Genre eher ein Rückschritt.

Selbst die wenigen Höhepunkte verpuffen

Im Lauf der Haupt-Story blitzt dann gelegentlich doch mal ein Funken des alten Bioware durch - aber viel zu spät und zu selten. Erst im letzten Drittel brennt das Spiel mal die eine oder andere besondere Mission und größere Story-Wendung ab. Aber weil die Story nach höchstens 15 Stunden schon vorbei ist, hat Anthem nie Zeit, daraus viel zu machen.

Selbst die größten Twists frühstückt es kurz darauf schon wieder banal ab, und kaum gefällt uns ein Charakter mal, ist seine Story auch schon wieder durch. Mag sein, dass die Entwickler den Handlungsbogen mit künftigen Erweiterungen weiterspannen. Derzeit steckt in Anthem aber allenfalls der Ansatz einer interessanten Geschichte.

Bossgegner sind selten besondere Charaktere, spielmechanisch einzigartig oder tiefer story-relevant.Bossgegner sind selten besondere Charaktere, spielmechanisch einzigartig oder tiefer story-relevant.

Ganz ähnlich sieht es mit der Welt aus: Anthem verrät uns viel zu wenig über sie, als dass uns ihr Schicksal je wirklich wichtig wird. Wir sehen ja auch fast nichts davon! Anthems ganze Story nimmt an, dass uns Fort Tarsis enorm viel bedeutet, aber tut viel zu wenig, um eine echte Bindung aufzubauen. Immer wieder hören wir von Orten, die viel spannender klingen - aber wir dürfen sie nicht bereisen. Noch nicht zumindest - hallo, Erweiterungen!

Wie cool es beispielsweise gewesen wäre, den Kampf mal ins Reich der antagonistischen Dominion zu tragen! Stattdessen wachsen die Widersacher nie über generische Weltuntergangs-Fachisten hinaus. Nur wer regelmäßig die Hintergrundeinträge im Cortex liest, bekommt einen etwas tieferen Einblick. Aber selbst dann ergeht sich Anthem noch viel zu oft in vagem mystischem Geschwurbel, um echtes Interesse zu wecken.

Anthem - Screenshots ansehen

Trotzdem hätte die Welt an sich Potenzial. Dafür müsste Bioware aber in Zukunft einiges nachliefern. Dass die Designer das können, haben sie ja schon mit ihrem Online-Rollenspiel Star Wars: The Old Republic gezeigt, das sie regelmäßig um neue Kapitel erweitert haben.

Und die brachten eben nicht einfach nur neue Items und Schauplätze, nein, hier stand die Story klar im Fokus - etwa beim Wiedersehen mit Darth Revan. Und im Krieg-der-Sterne-MMO gelang es Bioware auch von Anfang an, viel bessere, persönliche Geschichten für jede Klasse zu erzählen, die uns dem nächsten Kapitel entgegenfiebern ließen. Das fehlt Anthem derzeit noch.

Dabei versteht sich das Spiel durchaus aufs Inszenieren, es stellt das nur zu selten unter Beweis. Wir erleben wir sehr gut vertonte und optisch eindrucksvolle Zwischensequenzen - aber zu selten. An sich hätte Bioware also alle Werkzeuge an der Hand, die sie für eine packende Geschichte brauchen. Nur: Noch vermögen die Entwickler dieses Potenzial nicht zu nutzen.

Möglich wäre beispielsweise, dass sie in einem künftigen DLC einen zweiten Bereich der Welt mit eigenem Hub eröffnen. Ein derart großes Inhaltspaket wäre aber selbst für ein Service Game nicht selbstverständlich. Derzeit können wir nur sicher sagen: Der Auftakt der Story ist nicht das, was Bioware uns versprochen hat.

Anthem - Test-Video zum Koop-Shooter von Bioware 11:04 Anthem - Test-Video zum Koop-Shooter von Bioware

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