Dragon Age 4 - Heists & Entscheidungen statt Sammel-Quests: Nachfolger sollte das Gegenteil von Inquisition werden

Das mittlerweile eingestellte Dragon Age 4 klang vielversprechend. Laut eines Kotaku-Berichts hätte es magische Heists und packende Entscheidungen geboten.

von Elena Schulz,
10.04.2019 13:27 Uhr

Was ist los mit Dragon Age 4? - Rollenspiel zwischen Reboot & Anthem-Panik 11:46 Was ist los mit Dragon Age 4? - Rollenspiel zwischen Reboot & Anthem-Panik

Dragon Age: Inquisition ist trotz seines Erfolges mittlerweile oft das Paradebeispiel für ödes Quest-Design in einer zu leeren XXL-Open-World. Dragon Age 4 sollte mit interessanten Entscheidungen und packenden Heist-Missionen deshalb eine komplett andere Richtung einschlagen.

Allerdings wurde die ursprüngliche Version mit dieser Idee laut eines Kotaku-Berichts von Jason Schreier eingestellt. Das aktuelle Dragon Age 4 soll nun ein Live Service Game auf der Basis von Anthem werden.

Dragon Age 4 als Live-Service - Das kann Bioware von Assassin's Creed: Odyssey lernen

Ein kurzer Abriss: Jason Schreier führte einige Interviews mit BioWare-Mitarbeitern, um die holprige Entwicklung von Anthem aufzuarbeiten. Dabei kamen die Gespräche auch auf Dragon Age. Demnach hätten viele Entwickler sogar auf ein kritisches Scheitern von Dragon Age 3 gehofft.

Der Grund dafür: Die Entwicklung war von Crunch, Stress und Burnout geplagt. Nur die sogenannte »BioWare-Magie« ließ das Spiel im letzten Moment noch zusammenkommen. Viele Entwickler wünschten sich deshalb ein Zeichen, dass es so nicht weitergehen kann.

Inquisition wurde aber das Spiel des Jahres 2014 und der interne Höllentrip sollte in den kommenden Jahren bei Mass Effect: Andromeda und Anthem seinen Höhepunkt finden.

Risiko Crunch - Warum so viele Spieleentwickler überarbeitet sind (Podcast-Reportage)

Was nun, Bioware? - Die Zukunft von Mass Effect & Dragon Age - GameStar TV PLUS 18:55 Was nun, Bioware? - Die Zukunft von Mass Effect & Dragon Age - GameStar TV

Das Inquisition-Problem: Zu viele Menschen, zu wenige Entscheidungen

Für die Probleme bei Inquisition habe es unterschiedliche Gründe gegeben: Zum einen sei da die Entwicklung für viele unterschiedliche Plattformen gewesen, zum anderen die technischen Probleme mit der Frostbite-Engine, die sich sogar noch bei Anthem finden.

Zudem waren laut Schreier zu viele Leute an dem Projekt beteiligt, was Führung und Richtungsfindung schwierig machte und das negative Feedback zum linearen und mitunter repetitiven Dragon Age 2, was für Unsicherheit sorgte.

Daraus wollte man 2015 zum Entwicklungsstart des ursprünglichen Dragon Age 4 lernen. Von Anfang an sollte der Schwerpunkt »auf einer expliziten und konsistenten Vision liegen, die möglichst klar und effizient an das Team kommuniziert werden muss«.

Während einige Entwickler an das damals schon mit Problemen behaftete Mass Effect: Andromeda weitergereicht wurden, arbeitete ein kleines Team (darunter Mark Darrah und Mike Laidlaw) an Dragon Age 4, das damals den Codenamen »Joplin« trug.

Werbung oder Wahrheit: Dragon Age: Inquisition - Die Werbeversprechen von EA auf dem Prüfstand 10:54 Werbung oder Wahrheit: Dragon Age: Inquisition - Die Werbeversprechen von EA auf dem Prüfstand

BioWare wollte alles besser machen

Den Quellen zufolge ein äußerst aufregendes Projekt: Werkzeuge und Produktionsabläufe seien durch Inquisition schon geklärt gewesen. Deshalb konnte man sich sofort auf das Ausprobieren erster Ideen und Prototypen konzentrieren.

Das habe zu einem sehr angenehmen Arbeitsklima geführt. Zumal es den Entwicklern wohl tatsächlich gelang, sich auf eine klare Vision festzulegen, regelmäßig die Arbeitsabläufe für neue Team-Mitglieder festzuhalten und tatsächlich Entscheidungen zu treffen.

Einem ehemaligen Entwickler zufolge schlug sich das auch auf das Spiel selbst nieder. Es sei zwar kleiner gewesen als Inquisition, aber deutlich reaktiver, mit einem Fokus auf Spieler-Entscheidungen. Auf die verhassten Sammel-Quests wollte man größtenteils verzichten. Damit sollte Joplin in etwa das Gegenteil des Vorgängers werden.

Entscheidungen bis zum Game Over

Der Spieler hätte eine Gruppe von Spionen in Tevinter begleitet, einem von Magiern regierten Land im Norden des Haupt-Kontinents. Die Areale dort sollten sich mit der Zeit verändern und Missionen sich auf Basis der Spieler-Entscheidungen aufspalten. Das sollte sogar soweit gehen, dass manche Pfade zu einem Game Over führen konnten.

Hinzu kamen laut der BioWare-Entwickler sogenannte Heist-Missionen. Das sollten Raubüberfälle werden, bei denen die Spieler mithilfe von narrativen Systemen zum Beispiel Wachen überzeugen oder erpressen können sollten, ohne dass jede Szene von den Entwicklern handgefertigt werden musste. Natürlich hätte sich im späteren Projektverlauf daran noch viel ändern können, die ersten Ideen sollen das Team damals aber begeistert haben.

Allerdings wurde aus den damaligen Plänen nichts, wie wir inzwischen wissen: 2016 wurde Dragon Age 4 laut Schreier auf Eis gelegt, damit das Team Schadensbegrenzung bei Andromeda betreiben konnte. 2017 ging es weiter mit dem damaligen Dragon Age, allerdings fragten sich immer mehr Entwickler wohl beunruhigt, wie es in die Vision von EA passte. Von Multiplayer oder Live Service sei damals keine Rede gewesen.

GameStar-Podcast: Streitgespräch - Games as a Service: grausig oder grandios?

Die Geschichte von Bioware - Der Weg in den Abgrund? PLUS 9:16 Die Geschichte von Bioware - Der Weg in den Abgrund?

Zu wenig Live Service?

Ende 2017 folgte dann das böse Erwachen: Joplin wurde eingestellt und die Entwickler zu Anthem abgezogen, während ein kleines Team an einem neuen Dragon Age unter dem Codenamen »Morrison« arbeiten sollte. Dieses Reboot ist das Dragon Age 4, das wir jetzt bekommen. Im Dezember 2018 wurde es mit einem ersten Teaser vorgestellt, der einen altbekannten Charakter zeigt.

Wie viel und ob überhaupt etwas vom ursprünglichen Dragon Age 4 nach dem Relaunch übrig ist, ist nicht konkret bekannt. Einem Entwickler zufolge soll aber zumindest ein Teil der Vision trotz neuer Live-Service-Komponente übernommen werden.

Neben Dragon Age ist aktuell natürlich vor allem Anthem ein großes Thema bei BioWare. Jason Schreier thematisierte hier in einem weiteren Bericht Crunch, Burnout und Stress, die die Entwicklung des Loot-Shooters prägten. Wir haben die wichtigsten Punkte für euch zusammengefasst:

>> Stress & Burnout bei BioWare: Anthem-Chef gelobt Besserung
>> Anthems Content-Problem: Umstrittene Gräber-Challenge sollte tatsächlich Spielzeit strecken
>> Anthem statt Beyond: Der Name wurde kurz vor der Ankündigung geändert
>> BioWares Reaktion auf die Kritik: Angeblich sollten Mitarbeiter nicht mit Journalisten reden

Dragon Age: The Dread Wolf Rises - Game-Awards-Teaser stellt Fortsetzung von Inquisition vor 1:06 Dragon Age: The Dread Wolf Rises - Game-Awards-Teaser stellt Fortsetzung von Inquisition vor


Kommentare(63)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.

Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen oder schließen