Dwarf Fortress ist nach 17 Jahren Entwicklung erst halb fertig

Das kuriose Dwarf Fortress bekommt bald einen Release bei Steam mit echter Grafik. Trotzdem steht das Spiel erst bei Version 0.44. Und bis 1.0 ist der Weg weit.

von Dimitry Halley,
04.06.2019 12:38 Uhr

Dwarf Fortress bekommt auf Steam eine grafische Fassung, die sich nicht in Gänze auf ASCII-Darstellungen verlässt.Dwarf Fortress bekommt auf Steam eine grafische Fassung, die sich nicht in Gänze auf ASCII-Darstellungen verlässt.

Dwarf Fortress ist ein faszinierendes Spiel. Hinter den vermeintlich unspektakulären ASCII-Grafiken verbirgt sich eine der spannendsten Fantasy-Simulationen der gesamten Gaming-Geschichte. Seit 2002 wird das Spiel kontinuierlich weiterentwickelt.

Aktuell steht der Zähler bei 0.44, bald folgt eine Steam-Fassung inklusive echter Grafikdarstellungen. Laut Chef-Entwickler Tarn Adams sei man nach 17 Jahren (!) Entwicklung etwa auf halbem Weg zum finalen Release.

Warum begeistert Dwarf Fortress? In dem Spiel steckt eine unfassbar detaillierte Simulation. Ihr lenkt die Geschicke einer kleinen Zwergen-Kolonie, in der bis zum Sozialleben jedes einzelnen Bewohners unheimlich viele Dinge beachtet werden müssen. Beispielsweise simuliert die Spielwelt mit jeder neuen Iteration eine eigene Hintergrundgeschichte. Aus dieser theoretischen Spieltiefe ergeben sich aberwitzige Geschichten, die ihr als Spieler selbst schreibt.

Emergent Storytelling bei Dwarf Fortress & Co: Das Spiel ist die Story

Für Fans ist Dwarf Fortress die beste Fantasy-Sandbox, die man sich vorstellen kann. Und »Vorstellen« gehört hier eigentlich groß geschrieben: Denn wenn das eigene Kopfkino aus ASCII-Zeichen fesselnde Geschichten entwirft, fällt der Mangel an tatsächlicher Grafik quasi gar nicht mehr negativ ins Gewicht. Man muss sich nur darauf einlassen. Falls ihr mal in die Faszination reinschnuppern wollt: Unser Community-Mitglied belerad hat einen famosen Einführungsartikel in die Welt von Dwarf Fortress geschrieben.

Im Interview mit Gamasutra spricht Chef-Entwickler Tarn Adams über den Werdegang des Spiels. In den kommenden Monaten will man an dem grafischen Interface der Steam- und Itch.io-Fassung arbeiten. Danach wird das Spiel grundlegender überarbeitet, um im Anschluss prozedurale Magiesysteme, Weltschöpfungsmythen und andere Komplexe simulieren zu können.

"Und auch danach gibt's noch viel zu tun! Wir sind nicht mal auf halber Strecke zu Version 1.0. Und selbst danach sind wir ja nicht zwangsläufig mit dem Spiel fertig. Womöglich bleibt uns danach nur einfach nicht mehr viel Zeit übrig, an Dwarf Fortress zu arbeiten."

Damit spielt Adams vielleicht auf sein eigenes Alter an. Sollte der 41-jährige noch weitere 17 Jahre bis zu Version 1.0 benötigen, dann befänden wir uns im Jahr 2036. Ein skurriles Gedankenexperiment.

In dem Gamasutra-Interview stecken noch viele weitere spannende Aspekte zur Geschichte hinter Dwarf Fortress. Lesen lohnt sich. Eine Einsteigervariante dieser Art Simulation ist übrigens Rimworld, das sich viele Tugenden von Dwarf Fortress abschaut:

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