Ein Facebook-Account bringt 294.000 Nutzerdaten - Daten-Weitergabe trotz Nutzereinspruch

Bereits seit 2007 gibt Facebook die Daten seiner Nutzer und sogar von deren Freundesfreunden an Smartphone- und Geräte-Hersteller weiter. Als Begründung dient eine »Verbesserung der Nutzererfahrung«.

von Sara Petzold,
04.06.2018 14:37 Uhr

Nach dem Skandal um Cambridge Analytica zeigt sich, dass Facebook noch längst nicht für Datensparsamkeit hinsichtlich seiner Nutzer gesorgt hat.Nach dem Skandal um Cambridge Analytica zeigt sich, dass Facebook noch längst nicht für Datensparsamkeit hinsichtlich seiner Nutzer gesorgt hat.

Im eigenen Facebook-Profil ausdrücklich der Weitergabe der eigenen Nutzerdaten an Dritte widersprochen? Facebook gibt die Daten trotzdem weiter, nämlich an diverse Smartphone- und Geräte-Hersteller. Wie Heise mit Bezugnahme auf einen Artikel der New York Times berichtet, hat Facebook offenbar seit 2007 mit mindestens 60 Firmen kooperiert, darunter Apple, Amazon, Microsoft und Samsung. Sogar die Daten von nur über den Umweg eines gemeinsamen Freundes verbundenen Accounts macht Facebook auf diesem Weg ohne deren ausdrückliches Einverständnis zugänglich, so die NYT.

Die Rechtfertigung, die Facebook für die Weitergabe der Daten trotz explizitem Nutzer-Widerspruch liefert: Bei den Smartphone-Herstellern handele es sich nicht um »Dritte«, sondern vielmehr um einen Teil der »Facebook-Erfahrung« und sogenannte Service Provider im Rahmen einer Vereinbarung mit der US Federal Trade Commission. Außerdem habe man sie mit entsprechenden Verträgen strikten Einschränkungen beim Gebrauch der Nutzerdaten unterworfen.

Während Facebook seit 2015 den Datenzugriff für Dritte (Cambridge Analytica etwa griff die Daten 2014 ab) angeblich nur noch bei ausdrücklicher Zustimmung der Nutzer erlaubt, sieht Facebook die Geräte-Hersteller davon nicht betroffen.

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Ein Account für 294.000 Nutzerdaten

Die NYT unterzog das System der Datenweitergabe an die Gerätehersteller mit Hilfe eines fünf Jahre alten Blackberry-Modells einem Test und prüfte, welche Daten sich mit nur einem Nutzer-Account darüber konkret auslesen ließen. Die Redaktion kam dabei zu folgendem Ergebnis:

  • User-ID, Nutzername, Geburtsdatum
  • Ortsangaben, e-mail-Adresse und Handynummer
  • »Über«-Informationen mit Beziehungsstatus, Religionszugehörigkeit, Terminen
  • Private Facebook-Nachrichten und User-IDs der Personen, mit denen der Nutzer kommuniziert hatte
  • Daten der Facebook-Freunde: User-IDs, Geburtsdaten, Online-Status, »Über«-Informationen
  • Daten von Freundesfreunden

Insgesamt wurden im Rahmen des Testlaufs nur über das Nutzer-Profil des einzelnen Journalisten in über 50 Kategorien auf die Daten von mehr als 294.000 Facebook-Usern zugegriffen - bei insgesamt nur 556 direkten Facebook-Freunden des Ausgangsprofils.

Auf Nachfrage der NYT äußerten sich bislang nur Apple, Microsoft und Blackberry zu der Datennutzung. Apple gab an, seit vergangenem September die Schnittstelle nicht mehr zu benutzen. Microsoft und Blackberry erklärten, die Daten nicht auf eigene Server heruntergeladen oder ausgewertet zu haben, sondern nur, um dem Nutzergerät direkten Zugriff auf Facebook-Funktionen ohne extra Öffnen der FB-App zu geben. Die entsprechende Zugriffsfunktion sei laut Angaben von Blackberry auf den hauseigenen Android-Geräten gar nicht aktiv. Facebook gibt allerdings an, dass andere Hersteller die Nutzerdaten durchaus auf eigene Server heruntergeladen hätten.

Zwar hat Facebook die Datenweitergabe bereits im April 2018 vor dem Deutschen Bundestag zugegeben, allerdings war hier nur von Blackberry die Rede und nicht von »mindestens 60 Herstellern«. Als Folge des Skandals um Cambridge Analytica begann Facebook angeblich im April dieses Jahres, die Vereinbarungen mit den Geräteherstellern zu überprüfen und hat laut eigenen Angaben mittlerweile 22 davon beendet.

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