Was passiert, wenn ich drei unterschiedliche Grafikkarten in meinen PC einbaue?

Ein PC, eine Grafikkarte - so kennen wir das. Aber auf den meisten Mainboards ist doch noch Platz für weitere Grafikkarten übrig! Grund genug für ein kleines Experiment.

von Nils Raettig,
27.05.2022 16:33 Uhr

In Zeiten ohne SLI und Crossfire ein ungewohnter Anblick: Die drei PCI-Express-Slots dieses Mainboards sind alle mit Grafikkarten belegt. Die höchste Bandbreite bietet übrigens meist der PCIe-Slot, der dem CPU-Sockel am nächsten ist. In Zeiten ohne SLI und Crossfire ein ungewohnter Anblick: Die drei PCI-Express-Slots dieses Mainboards sind alle mit Grafikkarten belegt. Die höchste Bandbreite bietet übrigens meist der PCIe-Slot, der dem CPU-Sockel am nächsten ist.

Manche Dinge tut man nicht, weil sie sinnvoll sind oder weil man es müsste, sondern einfach nur, weil man es kann. In diese Kategorie fällt unser kleines Experiment mit mehreren Grafikkarten und einem Windows-Rechner.

Wir haben uns ein Mainboard mit drei PCI-Express-Slots geschnappt, genauer gesagt das X570 Taichi von ASrock. Statt wie von den meisten PCs gewohnt nur eine Grafikkarte einzubauen, verwenden wir gleich drei davon, und zwar sowohl Modelle von AMD als auch von Nvidia.

Neben der Geforce RTX 2060 Super und der Geforce GTX 1050 Ti kommt in unserer bunten Mischung noch AMDs Radeon RX 5500 XT zum Einsatz. Wie werden Windows und die unterschiedlichen Treiber mit der ungewohnten Grafikkarten-Ansammlung umgehen? Und was passiert in Spielen? Finden wir es heraus! Einem ganz anderen Rätsel sind wir dagegen im folgenden Artikel auf den Grund gegangen:

Es gibt eine Taste auf eurer Tastatur, die ihr bestimmt noch nie genutzt habt - Wofür ist »Rollen« gut?

Explodierender PC oder gähnende Langeweile?

Unsere drei Grafikkarten werden problemlos von Windows erkannt und im Gerätemanager von Windows angezeigt. Unsere drei Grafikkarten werden problemlos von Windows erkannt und im Gerätemanager von Windows angezeigt.

Okay, es war zugegebenermaßen nicht davon auszugehen, dass unser Rechner in irgendwelche nennenswerten Schwierigkeiten kommt. Schließlich ist Windows allein durch Notebooks und in Prozessoren integrierte Grafikkarten darauf ausgerichtet, mit mehreren GPUs umzugehen.

Selbst mit einem eher schwachen Netzteil und drei Grafikkarten sollte es keine Probleme geben, weil sie ohne Spielelast nur vergleichsweise wenig Strom verbrauchen. Wir messen dazu passend im Leerlauf für den gesamten PC auch mit drei GPUs nur etwa 70 Watt. Was in Spielen beziehungsweise unter Spielelast geschieht, klären wir im nächsten Abschnitt.

Apropos (zu) schwaches Netzteil: Wie der PC reagiert, wenn er wirklich mal zu wenig Strom geliefert bekommt, haben wir uns in einem etwas praxisnäheren Experiment bereits genauer angesehen:

Was passiert, wenn das Netzteil zu wenig Watt hat?   38     14

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Aber zurück zum Einsatz von drei Desktop-Grafikkarten in einem Rechner. Mit dem ein oder anderen Zicken oder Haken unter Windows beim Betrieb von drei GPUs hatten wir schon gerechnet, allerdings zu Unrecht, zumindest im Falle unserer konkreten Hardware-Konstellation.

Der PC bootet problemlos, alle Grafikkarten werden im Gerätemanager erkannt und auch die unterschiedlichen Treiber von AMD und Nvidia koexistieren friedlich vor sich hin.

Und was ist mit Spielen?

Techniken zum Zusammenschluss mehrerer Grafikkarten für eine höhere Gaming-Performance wie SLI (Nvidia) und Crossfire (AMD) spielen mittlerweile praktisch keine Rolle mehr, auch aufgrund der dafür nötigen Treiberoptimierungen. Außerdem mischen wir in unserem Experiment nicht nur unterschiedliche Modelle, sondern auch Hersteller, was einem solchen Unterfangen zusätzlich im Weg stehen würde.

Dennoch stellt sich die Frage, wie Spiele mit dem Überangebot von GPUs umgehen? Das variiert von Titel zu Titel, erste Grafikkartenwahl ist in unseren Tests aber stets die GPU im obersten PCI-Express-Slot beziehungsweise das Modell, das an den Monitor angeschlossen ist, der unter Windows als Hauptdisplay festgelegt wurde. Die GPU zu wechseln ist auf verschiedene Arten möglich:

Skyrim Selbst das über zehn Jahre alte Spiel Skyrim erlaubt die Auswahl der GPU in einem dem Spiel vorgelagerten Menü. Das klappt in diesem Fall allerdings nur, wenn jede der Grafikkarten an einen eigenen Monitor angeschlossen ist.

Halo Infinite In Halo Infinite können wir über das Menü im Spiel selbst die gewünschte GPU auswählen. Das geht auch dann, wenn nur eine GPU an einen Monitor angeschlossen ist. Die primäre Grafikkarte schleift das Bild der anderen GPU also gegebenenfalls zum Bildschirm durch.

Watch Dogs Legion Auch das Menü von Watch Dogs Legion lässt uns die GPU auswählen, wie in Halo ist aber ein Neustart beim Wechsel nötig. Die VRAM-Anzeige unten rechts passt sich der jeweiligen GPU an.

Total War Troy Total War Troy zeigt nur die automatisch genutzte GPU an, ein direkter Wechsel über das Spielmenü selbst ist nicht möglich.

Die tatsächliche Rechenleistung verrichtet stets nur eine Grafikkarte. Die anderen Modelle drehen währenddessen weitgehend Däumchen beziehungsweise reichen höchstens das von einer anderen GPU berechnete Bild an den Hauptbildschirm weiter.

Es klappt also unserer Erfahrung nach völlig reibungslos, mehrere Grafikkarten in einem PC zu verwenden - auch wenn es zugegebenermaßen nichts ist, das sich wirklich lohnen würde. Das gilt um so mehr bei den immer noch hohen (wenn auch Stück für Stück fallenden) GPU-Preisen.

Habt ihr schon mal abseits von SLI und Crossfire mehrere Grafikkarten in einem PC verbaut? Oder würdet ihr euch sogar eine Rückkehr von SLI und Crossfire wünschen, um die Performance in Spielen wieder durch den Einsatz mehrerer GPUs beschleunigen zu können? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

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