Ex-Bioware-Entwickler - "EA ist egal, was die Spieler wollen"

"Lineare Singleplayer-Spiele von EA sind tot!" Mit diesen und weiteren Vorwürfen kritisiert ein ehemaliger Mass-Effect-Entwickler Electronic Arts. Zukünftige EA-Spiele wie Anthem würden nur noch darauf aus sein, den Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen.

von Michael Herold,
24.10.2017 12:13 Uhr

Mass Effect: Andromeda war ursprünglich als Prequel unter dem Namen Mass Effect: Contact geplant, dann hat sich EA in die Entwicklung eingemischt.Mass Effect: Andromeda war ursprünglich als Prequel unter dem Namen Mass Effect: Contact geplant, dann hat sich EA in die Entwicklung eingemischt.

Electronic Arts wird künftig nur noch Open-World-Spiele entwickeln, aus denen sich durch Mikrotransaktionen möglichst viel Geld herausholen lässt - das behauptet zumindest der ehemalige Bioware-Entwickler Manveer Heir.

In einem Interview mit Waypoint Radio packte der Gameplay Designer, der unter anderem an Mass Effect 3 und Mass Effect: Andromeda mitgearbeitet hat, mit haufenweise Insiderwissen aus und kritisierte dabei die neue Geschäftsausrichung von EA. Heutzutage ginge es dem Publisher-Giganten nur noch darum, so viel Geld wie möglich aus einem Spiel herauszuholen.

Hintergrund des Interviews war die Schließung von EA Visceral und die neuen Pläne mit dem namenlosen Star-Wars-Spiel. EAs Executive Vice President Patrick Söderlund sagte dazu vor Kurzem, dass das Spieldesign geändert werden müsste, damit die Spieler das Abenteuer "lange genießen können und immer wieder zurückkehren."

"EA setzt auf Open-World-Spiele und Mikrotransaktionen"

Nachdem der Branchen-Insider und Journalist Jason Schreier erst kürzlich behauptet hatte, dass Visceral doch nicht wegen dem Singleplayer-Fokus dichtgemacht wurde, spricht Manveer Heir nun vom genauen Gegenteil:

"EA setzt seinen Fokus definitiv auf mehr Open-World-Spiele und der Grund dafür ist, dass man sie besser monetarisieren kann. Die Worte, die (von Patrick Söderlund, Anm. d. Red.) genutzt wurden, waren 'dass [die Spieler] immer wieder zurückkehren'. Doch warum interessiert EA das? Der Grund sind Mikrotransaktionen: Kartenpakete wie im Multiplayer von Mass Effect. Genau deshalb haben wir auch Ausrüstungskarten in Mass Effect 3 eingebaut: Wie sonst schafft man es, Spieler immer wieder abzuholen, anstatt sie ein Spiel einfach 'nur' 60 bis 100 Stunden spielen zu lassen?"

Electronic Arts verfolge allerdings nicht als einziger Publisher die Strategie, künftig noch mehr Spiele zu veröffentlichen, die langfristig Profit abwerfen.

"EA und allgemein all diese großen Publisher interessieren sich nur noch dafür, den größtmöglichen Gewinn aus ihrem Investment zu ziehen. Was die Spieler wollen, ist ihnen egal. Sie interessiert nur, wofür die Spieler Geld ausgeben würden."

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"Singleplayer AAA-Spiele sind tot"

Das Problem sei, dass Mikrotransaktionen einfach extrem viel Geld einbringen und die Publisher deswegen natürlich am liebsten all ihre Spieler auf dieses Geschäftsmodell ausrichten würden, so Heir.

"Ich darf keine Zahlen verraten, aber ich kann Ihnen sagen, dass sich die Item-Pakete wie warme Semmeln verkauft haben, als der Multiplayer von Mass Effect 3 raus kam. Die Menge an Geld, die wir aus diesen Karten rausgeholt haben, war gigantisch. Das hat den Ausschlag dafür gegeben, dass auch Dragon Age und andere EA-Spiele einen Multiplayer bekommen mussten, die früher überhaupt nicht darauf ausgelegt waren. Da stand ein dauerhafter Gewinn gegen einen einmaligen Gewinn. [...] Ich weiß von einzelnen Personen, die 15.000 Dollar für Waffen, Mods und Equipment in Mass Effect ausgegeben haben."

Die geradezu zynische Jagd nach der besten Möglichkeit, um mit Spielen das große Geld zu machen, würde laut Heir auch an der nächsten Marke aus dem Hause BioWare deutlich: Anthem.

"Das sieht nicht gerade aus wie ein traditionelles BioWare-Spiel, nicht wahr? Wenn man sich dieses Spiel anschaut und wenn man sich sieht, dass Visceral nun schließt und alles an das Studio in Vancouver übertragen wird, dann bedeutet das vor allem eines: Lineare Singleplayer-Triple-A-Spiele aus dem Hause EA sind tot, zumindest im Moment."

EA schließt Visceral Games - Video: Von wegen »Singleplayer ist tot«! 12:35 EA schließt Visceral Games - Video: Von wegen »Singleplayer ist tot«!

Herausforderung für Entwicklerstudios

Diese Neuausrichtung des Spielemarktes würde vor allem Entwicklerstudios unter Druck setzen, die keine Erfahrung mit Open-Worlds und Mehrspielermodi haben. Bei Mass Effect: Andromeda hätte BioWare zum Beispiel große Probleme mit dem Erschaffen einer offenen Spielwelt gehabt, weil ihnen schlicht die Erfahrung darin gefehlt hat.

Vor allem nachdem das Spiel ursprünglich völlig anders geplant war. Eigentlich sollte es unter dem Namen Mass Effect: Contact erscheinen und kein Sequel, sondern ein Prequel zur Spiele-Reihe werden. Nachdem die Spielidee dann komplett verworfen wurde und die Entwicklung in Windeseile fertig gestellt werden musste, war Manveer Heir froh, dass Studio verlassen zu können.

Passend dazu: Manveer Heir über die Probleme von Mass Effect: Andromeda

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