Frankreich umwirbt Spiele-Entwickler, den Standort zu wechseln

Mit der Kampagne »Join the Game« umgarnt Frankreich Entwickler und verspricht finanzielle Anreize sowie technische Unterstützung.

von Christian Just,
05.07.2019 13:53 Uhr

Die französische Kampagne »Join the Game« soll internationale Entwicklerstudios nach Frankreich locken.Die französische Kampagne »Join the Game« soll internationale Entwicklerstudios nach Frankreich locken.

Mit der Kampagne »Join the Game« umwirbt die französische »Generaldirektion Unternehmen« (Direction générale des entreprises) gezielt Spiele-Entwicklerstudios, nach Frankreich zu wechseln. Dafür werden diverse Vergünstigungen in Aussicht gestellt.

Dies könnte Spiele-Unternehmen in weniger günstig situierten Ländern motivieren, den Standort zu wechseln. Wir fassen die Eckpunkte von »Join the Game« zusammen und geben eine Einschätzung ab, an welchen Orten die Kampagne insbesondere Interessenten finden könnte.

Das verspricht »Join the Game«

Die Kampagne weist auf französische Fördermöglichkeiten und Steuererleichterungen hin, um Frankreich als Entwicklungsstandort anzupreisen. Auf der Kampagnen-Website werden Studios, die nach Frankreich umziehen, mit zahlreichen finanziellen Anreizen umworben.

  • eine 30-prozentige Steuergutschrift auf förderfähige Produktionsausgaben
  • Zugriff auf französische Fördertöpfe, darunter für Original-Kreationen und Prototyp-Produktion
  • bis zu 2 Millionen Euro Kredit pro Studio für Entwicklung und Produktion
  • technische Unterstützung bei Forschung und Entwicklung
  • diverse Steuervergünstigungen

Allgemein formuliert: Frankreich umwirbt nicht gezielt Studios bestimmter Länder, sondern allgemein alle Entwickler, die einen Umzug nach Frankreich in Betracht ziehen. Dennoch dürften besonders Unternehmen in Ländern mit schwierigen politischen Lagen oder weniger finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten aufhorchen.

Wo könnte die Kampagne auf fruchtbaren Boden fallen?

Etwa Entwickler aus Großbritannien, wo der bevorstehende Brexit auch Vertretern der Spiele-Industrie Sorgen bereitet, könnten sich angesprochen fühlen. Kritiker befürchten, dass die Entfernung von der Europäischen Union auch einen Einfluss auf den Erfolg am europäischen Markt nehmen würde.

Auch deutsche Entwickler könnte die »Join the Game«-Kampagne anziehen. Schließlich hat die Bundesregierung erst kürzlich die im Koalitionsvertrag beschlossene Förderung für die deutsche Spiele-Entwicklung aus dem vorläufigen Haushaltsentwurf für 2020 gestrichen.

Sollte der Entwurf in dieser Form final verabschiedet werdet, fällt die erst in diesem Jahr angelaufene Finanzierung von insgesamt 50 Millionen Euro 2020 komplett weg. Damit würde die Bundesregierung ein Versprechen im Koalitionsvertrag brechen. Dort heißt es, man wolle die deutsche Spiele-Industrie bis zur internationalen Konkurrenzfähigkeit fördern (siehe Zeile 1951 im Koalitionsvertrag).

Sollten sich die in »Join the Game« versprochenen Zuwendungen also für Entwickler aus Großbritannien und Deutschland unter'm Strich rechnen, wäre denkbar, dass Studios einen Umzug in Betracht ziehen könnten.

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