Google Duplex - Erste Live-Demo der beeindruckenden KI

Nachdem Google auf der I/O-Keynote mit seiner KI Duplex für viel Wirbel sorgte, hat der Hersteller den smarten Assistenten nun erstmals in einer Live-Demo vorgestellt. Beschränkte Tests sollen im Sommer 2018 an den Start gehen.

von Sara Petzold,
28.06.2018 18:23 Uhr

Googles künstliche Intelligenz Duplex kann Telefongespräche führen, die den Gesprächspartner glauben lassen, sie sei ein Mensch.Googles künstliche Intelligenz Duplex kann Telefongespräche führen, die den Gesprächspartner glauben lassen, sie sei ein Mensch.

Update, 28.06.2018: Konnte Google den smarten KI-Assistenten Google Duplex im Rahmen des I/O-Keynotes nur über eine Aufzeichnung präsentieren, hat der Hersteller das Programm jetzt erstmals ausgewählten Journalisten live vorgestellt. Unter anderem konnte die Redaktion von TheVerge mit Duplex telefonieren, während die KI eine Buchung für ein Restaurant durchzuführen versuchte.

Im Gegensatz zu der ersten Demonstration im Mai 2018 gab sich Google Duplex den angerufenen Personen gegenüber stets mit folgendem Satz als KI zu erkennen: »Hallo, ich rufe an, um eine Reservierung vorzunehmen. Ich bin Googles automatisierter Buchungsservice, deshalb nehme ich den Anruf auf. Ähm, kann ich einen Tisch für Sonntag, den ersten buchen?«

Laut TheVerge testete Google offenbar mehrere Varianten dieses Satzes, um herauszufinden, von welchem sich die Rezipienten am wenigsten abgeschreckt fühlten. Nach dem Satz folgte während der Demo gewöhnlich ein Äh-Laut, um dem Angerufenen die Möglichkeit zu geben, der Aufnahme zu widersprechen. Verweigert man die Aufnahme, sagt Duplex »Ok, ich rufe auf einer unaufgezeichneten Leitung zurück«, woraufhin dann ein Mensch den Anruf erneut durchführt.

Google selbst hat angekündigt, dass man erste Live-Tests mit Google Duplex »im Lauf der kommenden Wochen« starten möchte. Die Demo-Version wird vorerst allerdings nur an eine stark limitierte Gruppe »zuverlässiger Test-Nutzer« herausgegeben.

Update, 11.05.2018: Die Vorstellung der Duplex-KI auf dem I/O-Keynote brachte Google viel Applaus, aber auch jede Menge Kritik ein: KI-Experten fürchteten die Folgen, die eine menschlich klingende KI haben könnte, wenn der humanoide Gesprächspartner die KI nicht als solche erkennt. Mittlerweile hat Google aber auf die Kritik reagiert und in einer offiziellen Stellungnahme erklärt, dass die KI über eine »eingebaute Angabepflicht« verfüge.

»Wir verstehen die Diskussion um Google Duplex und wissen sie zu schätzen«, konstatierte ein Google-Sprecher gegenüber TheVerge. »Wir entwerfen dieses Feature mit einem disclosure built-in, und wir werden sicherstellen, dass das System angemessen identifiziert werden kann.« Inwiefern Google eine derartige Identifikation der KI als solche bei Duplex einbauen will, ist derzeit noch nicht bekannt.

Originalmeldung: Der Turing-Test gilt für KI-Entwickler und ihre Schöpfungen als die Hürde bei der Erschaffung einer dem Menschen ebenbürtigen künstlichen Intelligenz, die wie ein menschliches Wesen reagieren kann. Jetzt hat Google offenbar eine KI programmiert, die den Turing-Test bestehen kann.

Wie die Washington Post und endgadget berichten, hat Google auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz I/O die Google-Duplex genannte KI vorgestellt. Im Rahmen der Demonstration illustrierte Google, wie die KI Anrufe zur Terminvereinbarung vornahm, einmal bei einem Friseur und einmal in einem chinesischen Restaurant - dabei handelte es sich übrigens um eine Aufzeichnung und keine Live-Konversation. Das Video der Telefonanrufe findet ihr etwas weiter unten.

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KI wirkt wie menschlicher Gesprächspartner

Was bei Googles Präsentation von Duplex sofort deutlich wird, ist die Natürlichkeit, mit der die KI kommuniziert. Zu keinem Zeitpunkt scheinen die Gesprächspartner zu realisieren, dass sie mit einem Roboter sprechen - die KI streut sogar typisch menschliche Füllwörter und -Laute wie »Ah« oder »Mhm« ein.

In einem Blogbeitrag schrieben die Google-Entwickler, das Ziel der Duplex-KI bestehe darin, eine möglichst natürliche Konversationserfahrung für den menschlichen Gesprächspartner zu bieten. Dazu setzt Google auf eine Kombination aus einer konkatenativen und synthesischen Text-zu-Sprache-Engine, bei denen Tacotron und WaveNet zum Einsatz kommen.

Mithilfe dieser Technologien kann Duplex in spezifizierten Konversationen auch auf Unterbrechungen oder Nachfragen reagieren, beispielsweise, wenn der Gesprächspartner um die Wiederholung einer diktierten Telefonnummer bittet. Außerdem gelang es den Entwicklern, eine Latenzzeit bei den Antworten und Reaktionen der KI einzurichten, die sich flexibel an die Gesprächssituation anpasst und damit besonders natürlich wirkt.

Duplex führt Gespräche »vollkommen autonom« aus

Google weist daraufhin, dass Duplex in der Lage sei, »anspruchsvolle Gespräche auszuführen und die Mehrheit ihrer Aufgaben vollkommen autonom zu erledigen«. In Fällen, bei denen die KI an ihre Grenzen stößt, ruft sie ihren menschlichen Nutzer zur Unterstützung.

Allerdings kann Duplex nur solche Konversationen ausführen, für die die KI zuvor ausreichend trainiert wurde. Allgemeine Gespräche sollen mit Duplex nicht möglich sein. Als Anwendungsgebiet sieht Google deshalb derzeit vor allem automatisierte Kundenservice-Hotlines, bei denen Anrufer anstatt mit einer abgehackten Computerstimme mit einem natürlich klingenden digitalen Assistenten sprechen können.

Googles KI birgt Chancen, aber auch Gefahren

So bequem und angenehm die Kommunikation mit Duplex und die Nutzung der KI als digitalem Assistenten auch sein mag, so gehen von der Technologie auch Gefahren aus. Die wiederum liegen insbesondere in Googles WaveNet begründet.

Denn wie endgadget erklärt, erlaubt WaveNet die Synthetisierung von Computerstimmen, die wiederum verblüffende Ähnlichkeit zu den Stimmen echter Personen aufweisen. Weil sich Duplex am Telefon praktisch nicht mehr von einer menschlichen Stimme unterscheiden lässt, wäre es möglich, mithilfe der KI und WaveNet Audioaufnahmen bekannter Personen zu fälschen.

Erik Brynjolfsson, Professor am MIT, sagte gegenüber der Washington Post, die Technologie sei »erstaunlich«, aber er denke nicht, dass eine KI in der Lage sein solle, sich als Mensch auszugeben. Die Tatsache, dass der menschliche Gesprächspartner nicht weiß, dass er mit einer Maschine spricht, könnte demnach auf vielen Ebenen für Probleme und Missbrauchsszenarien sorgen. »Ein Bot sollte wenigstens wahrheitsgemäßg antworten, wenn ein Mensch ihn fragt, ob er ein Bot ist«, konstatierte Brynjolfsson.

Google selbst erklärte, man nehme die Gefahren sehr ernst, die von der potenziellen Verbreitung falscher Informationen durch eine KI wie Duplex ausgehen können. Die Entwickler kündigten an, dass Duplex im Sommer 2018 für eine begrenzte Zahl an Nutzern von Google Assistant zum Testen bereit stehen werde. Ob und wann die KI für eine breitere Masse nutzbar sein wird, ist noch unklar.

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