Jetzt mit Plus alles auf einer Seite lesen

Jahres-AboUNSER TIPP

12 Monate

 Bester Preis
 Heftarchiv jederzeit buchbar
2,99€

pro Monat

Auf geht's
Quartals-Abo
3,99€

pro Monat

3 Monate

 20% günstiger als Flexi-Abo
 Heftarchiv jederzeit buchbar
3,99€

pro Monat

Auf geht's
Flexi-Abo
4,99€

pro Monat

1 Monat

 Monatlich kündbar
 Heftarchiv jederzeit buchbar
4,99€

pro Monat

Auf geht's

Inhaltsverzeichnis
1
2
3
4
5

Historiker analysieren Kingdom Come - Zwischen Realismus und Verklärung

Hält Kingdom Come sein Realismus-Versprechen oder propagiert es ein verklärtes Geschichtsbild? Wir sprechen mit unabhängigen Historikern und betrachten genauer, wie viel reales Mittelalter im Rollenspiel steckt.

von Fabiano Uslenghi,
11.04.2018 08:00 Uhr

Kingdom Come: Deliverance gibt sich sehr authentisch. Aber propagiert das Rollenspiel ein verklärtes Geschichtsbild, vor allem bei der Darstellung von Frauen und Minderheiten?Kingdom Come: Deliverance gibt sich sehr authentisch. Aber propagiert das Rollenspiel ein verklärtes Geschichtsbild, vor allem bei der Darstellung von Frauen und Minderheiten?

Als wenige Wochen vor dem Release von Kingdom Come eine Debatte zum Thema Diversität im Mittelalter ausbrach, ging es dabei um mehr, als das Rollenspiel lediglich für seinen Anspruch auf Realismus zu kritisieren. Kontroverse Aussagen des Lead Designer Daniel Vávra führten zu einer Reihe an Vorwürfen, die sich nicht allein gegen Vávra richteten, sondern auch gegen das Spiel. So soll der Chefentwickler aus rassistischen Gründen dafür gesorgt haben, dass es in Kingdom Come keine schwarzen Figuren gibt. Kingdom Come, so der Vorwurf, propagiere ein Geschichtsbild, das wenig mit der historischen Realität zu tun habe.

Daniel Vávra und Warhorse wehrten sich gegen diese Vorwürfe und begründeten ihre Entscheidung damit, dass es für Menschen anderer Ethnien im alten Böhmen wenige historische Belege gebe. Die Antwort reichte vielen Kritikern nicht aus. Sie werfen den Entwicklern »Whitewashing« vor, also die Beschränkung des Mittelalters auf hellhäutige, mitteleuropäische Menschen. Einige Aussagen Vávras auf Twitter, seine kontroversen Ansichten im Rahmen der Gamergate-Debatte und seine Vorliebe für nicht wissenschaftlich untermauerte Geschichtstheorien auf Youtube sollen gegen eine Ausgrenzung zugunsten der Authentizität sprechen.

Report: Geschichte in Spielen - Wie sich Entwickler historische Settings zurechtbiegen
Vavra, hieß es, sei mindestens rechtskonservativ geprägt, seine positive Positionierung zu Gamergate soll ein Hinweis auf eine sexistische Grundhaltung sein, mit der die Affäre oft in Verbindung gebracht wird. Auch hier soll die Überzeugung des Lead Designers auf Kingdom Come abgefärbt und zu einer verklärten Darstellung von Frauen im Mittelalter geführt haben.

Letztlich haben sich zwei Fronten gebildet und verhärtet, die der jeweils anderen Seite Geschichtsrevisionismus vorwerfen. Unterstützt durch unzählige Aussagen, die sich alle auf Untersuchungen und historische Quellen stützen wollen und trotzdem scheinbar im krassen Widerspruch zueinander stehen. Ja, Geschichte ist nicht so einfach zu entwirren, wie es uns vielleicht lange Zeit in der Schule und durch Geschichtsbücher suggeriert wurde.

Um zumindest ein wenig Licht in dieses Geflecht aus Missverständnissen und gegenseitigem Misstrauen zu bringen, haben wir Geschichtswissenschaftler kontaktiert, die sich mit dem Mittelalter in Böhmen und Europa bestens auskennen. Mit ihrer Hilfe wollen wir klarstellen, wie problematisch die Darstellungen von Kingdom Come wirklich sind - und wo sie der geschichtlichen Realität widersprechen. Dabei geht es nicht darum, einer von beiden Seiten die Wahrheitshoheit zukommen zu lassen, sondern Männer und Frauen an den Tisch zu bitten, die sich mit diesen Fragen ihr ganzes Leben lang beschäftigt haben.

Das tschechische Gothic: Kingdom Come im GameStar-Test

Kostenlose Zusammenfassung
Für alle Besucher von GameStar.de, die sich eher oberflächlich für Kingdom Come und das Mittelalter interessieren, gibt es eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse unserer Analyse. Der folgende Artikel (über 26.000 Zeichen lange) enthält aber noch bedeutend mehr Details zum Spiel und zum Mittelalter im Allgemeinen sowie zahlreiche Zitate der Experten selbst.

Ist GameStar nicht politisch genug? - Video: Reaktion auf die Vorwürfe rund um Kingdom Come: Deliverance 16:09 Ist GameStar nicht politisch genug? - Video: Reaktion auf die Vorwürfe rund um Kingdom Come: Deliverance

»People of Color« im historischen Böhmen

Der Mangel an Spielfiguren unterschiedlicher Hautfarben ist die vielleichte größte Kontroverse, die das Spiel begleitet, seitdem Vávra im Zuge einer ähnlichen Kritik an The Witcher 3 im Mai 2015 mit dem amerikanischen Journalisten Arthur Gies aneinandergeriet.

Doch während es bei The Witcher 3 noch um die Frage nach unterschiedlichen Ethnien in einer - zwar slawisch-mittelalterlich geprägten, letztlich aber erfundenen - Fantasywelt ging, muss sich Kingdom Come auch mit der vollmundig angepriesenen historischen Authentizität auseinandersetzen. Wenn die Entwickler behaupten, das Mittelalter so darzustellen, wie es wirklich war, dann sollten sie dieses Versprechen auch halten. Das hebt die Debatte auf eine ganz neue Stufe.

Jubiläumsgewinnspiele

Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen oder schließen