Interview mit Minh Le - Der Counter-Strike-Erfinder über Battle Royale und Free2Play in CS:GO

Der Counter-Strike-Erfinder Minh Le spricht mit uns über die Free2Play-Umstellung von CS:GO und dessen neuen Battle-Royale-Modus Danger Zone.

von Michael Graf, Heinrich Lenhardt,
11.12.2018 15:00 Uhr

Wir haben mit Minh Le über die Free2Play-Umstellung und den Battle-Royale-Modus von Counter-Strike: Global Offensive gesprochen.Wir haben mit Minh Le über die Free2Play-Umstellung und den Battle-Royale-Modus von Counter-Strike: Global Offensive gesprochen.

Am 19. Juni 1999 veröffentlichen der Modder Minh »Gooseman« Le und sein Mitstreiter Jess Cliffe die erste Beta einer Mod für Half-Life, die Geschichte schreiben wird - nämlich die von Counter-Strike, einem der erfolgreichsten Multiplayer-Spiele aller Zeiten. Counter-Strike steht sinnbildlich für den Aufstieg des E-Sports, die Macht der Modding-Community und den Geschäftssinn von Valve, das Le und Cliffe am 12. April 2000 kurzerhand einstellt.

Seitdem ist Counter-Strike zum Multiplayer-Phänomen gewachsen, bis heute erfreut sich die Ex-Mod enormer Beliebtheit. Doch es gibt Herausforderer - aktuell stehen Battle-Royale-Spiele wie Fortnite und Playerunknown's Battlegrounds hoch im Kurs, vor allem bei jüngeren Spielern. Das veranlasst Valve zu drastischen Schritten: Seit dem 7.Dezember 2018 ist Counter-Strike: Global Offensive Free2Play und hat nun selbst einen Battle-Royale-Modus namens Danger Zone!

Prompt haben wir unsere Interview-Fühler ausgestreckt und Minh Le kontaktiert, der heute für den koreanischen Publisher Pearl Abyss an einem Geheimprojekt arbeitet. Mit uns sprach der Counter-Strike-Erfinder über Battle Royale in Fortnite und PUBG, die Tücken von Danger Zone - und darüber, warum die Free2Play-Umstellung unvermeidlich war.

Der CS-Report: Wie Minh Le und Jess Cliffe ein Meistwerk erschafften

Wer ist Minh Le?
Als Teenager träumt der im kanadischen Surrey bei Vancouver aufgewachsene Minh Le von einer Programmiererkarriere bei Microsoft und übt sich im Modding. Seine erste Fingerübung heißt Navy Seals, eine Einzelspieler-Mod für Quake, in der man mit realistischen Waffen kämpft. Deren Modelle bietet er den Machern der Multiplayer-Mod Action Quake 2 an, die ihn prompt ins Team aufnehmen.

Als er das erste Rainbow Six ausprobiert, kommt ihm die Idee zu einer eigenen Multiplayer-Mod, die taktischer ablaufen und auf dem modfreundlichen Half-Life basieren soll. Sein ICQ-Bekannter Jess Cliffe, der eine Action-Quake-Fanpage betreibt, ist Feuer und Flamme. Er kümmert sich um Website und Community, vertont die Funksprüche (»Bomb has been planted!«) - und korrigiert den Titel der Mod. Minh Le schwebt der Name »Counter-Terrorist Forces« vor, Cliffe bevorzugt das knackigere »Counter-Strike« - der Rest ist Geschichte.

Nach ihrer gemeinsamen Zeit bei Valve gehen die einstigen Weggefährten wieder getrennte Wege. Minh Le arbeitet heute für den südkoreanischen Publisher Pearl Abyss; Cliffe bleibt als Game Designer bei Valve, wird Anfang 2018 aber aufgrund einer Strafanzeige von seinem Job suspendiert.

PUBG vs. Fortnite vs. CS:GO

Battle Royale und Counter-Strike haben eine wichtige Gemeinsamkeit: Beide entstammen ursprünglich einer Mod und wurden gemeinsam mit der Community weiterentwickelt. Gerade ein Ex-Modder wie Minh Le müsste da doch die Vorzüge von Battle Royale zu schätzen wissen, oder? In der Tat hat er PUBG ausprobiert:

"Ich habe PUBG kurzzeitig gespielt und fand es sehr fesselnd. Ich kann verstehen, was den Leuten so gut daran gefällt. Ich erlebte dabei von Anfang an spannungsgeladene Situationen. Selbst als neuer Spieler, der die Steuerung noch nicht komplett kannte, konnte ich meinen Spaß haben, denn die Regeln sind sehr unkompliziert. Je nachdem, wo du landest, kann der Spielbeginn sehr stressig oder recht entspannt sein, und die Mechanik des schrumpfenden Spielgebiets erhöht die Spannung. Es ist ein brillantes Konzept und wurde sehr gut umgesetzt."

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