Künstliche Intelligenz verwandelt 125 Jahre alten Film in ein 4K-Video mit 60 fps

1895 sorgten zwei Brüder aus Frankreich mit einem Kurzfilm für Aufsehen. 125 Jahre danach zeigt ein Youtuber, wie der Filmklassiker in moderner Auflösung aussieht.

von Alexander Köpf,
06.02.2020 11:46 Uhr

Ende 1895 führten die Brüder Auguste und Louis Lumière ihren Stummfilm »L'arrivée d'un train en gare de La Ciotat«, zu deutsch »Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat«, im Pariser Grand Cafè erstmals einem zahlendem Publikum vor.

125 Jahre nach seiner Uraufführung zeigt ein Youtuber (im oben verlinkten Video), wie der nur knapp 50 Sekunden dauernde Kurzfilm in 4K-Auflösung und 60 Bildern pro Sekunde aussieht.

Wie wurde das Material bearbeitet?

Um die Einfahrtszene aus dem 19. Jahrhundert in moderner Auflösung erstrahlen zu lassen, verwendete Youtuber Denis Shiryaev frei verfügbare neurale Netzwerke (also eine künstliche Intelligenz).

So wurde das Videomaterial durch die Gigapixel AI geschärft und von Störungen befreit. Um auf 60 Bilder pro Sekunde zu kommen, setzte Shiryaev DAIN ein, das unter anderem von Google entwickelt wird und auf Zwischenbildberechnung spezialisiert ist.

Ergebnis gut, aber mit Schwächen

Der Film wirkt in 4K insgesamt deutlich schärfer und dank 60 fps flüssiger als das verwendete Quellmaterial. Auch das Format - obgleich einfach nur beschnitten - entspricht modernen Standards. Dennoch gibt es auch erkennbare Schwächen.

Das Original ist zwar nicht besonders scharf, dafür ist die Qualität gleichbleibend, während die durch KI-Algorithmen hochskalierte Variante eher inkonsistent wirkt. Immer wieder verschwimmen Objekte, wie beispielsweise die karierte Bluse der Dame bei Zeitindex 0:39 - im Original (bei 0:27) ist das nicht der Fall.

Allerdings müssen wir anmerken, dass das Quellmaterial ebenfalls von Youtube stammt. Dieses wird standardmäßig komprimiert und ist daher eher schlecht für derartige Bearbeitungen geeignet.

In Farbe noch besser

Der Youtube-Kanal »Deoldify videos« hat die hochskalierte Version von »Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat« sogar noch nachkoloriert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und versprüht durchaus den Charme früher Farbfilme:

Wer waren die Lumière Brüder?

Die Brüder Auguste und Louis Jean Lumière stammen aus Frankreich und zählen zu den Pionieren der Filmindustrie. Sie entwickelten den Kinematograph (französisch Cinématographe), der gleichsam Filmkamera, Kopiergerät und Filmprojektor ist. 1895 führten sie damit erstmals Filme öffentlich vor (via Wikipedia).


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