Landesmedienanstalten möchten Jugendschutz für Mikrotransaktionen in Spielen verschärfen

Die Landesmedienanstalten haben den Entwurf einer neuen Richtlinie vorgestellt, die sich nach aktuellen Einschätzungen auch auf Mikrotransaktionen in Spielen auswirken könnten.

von Kevin Nielsen,
09.05.2019 12:44 Uhr

Die Landesmedienanstalten möchten diese Form der Werbung in Spielen weiter erschweren.Die Landesmedienanstalten möchten diese Form der Werbung in Spielen weiter erschweren.

Ein Entwurf mit neuen Richtlinien zur Gewährleistung des Schutzes der Menschenwürde und des Jugendschutzes wurde Anfang des Jahres vorgestellt. Diese Richtlinien wurden von den Landesmedienanstalten gemeinsam erarbeitet und veröffentlicht.

Darin ist vor allem ein Abschnitt interessant, der auch auf Spiele angewendet werden kann, wie nun Rechtsanwalt Sebastian Schwiddessen in einem Blog-Eintrag auf LinkedIn feststellte.

Werbung in Mobile Games könnte sich ändern

Die Richtlinie bezüglich Werbung in Spielen im Wortlaut:

"4.6. Werbung, die sich nach § 6 Abs. 4 JMStV auch an Kinder richtet, kann insbesondere unzulässig sein, wenn (1.) für das Betrachten von Werbung ein Vorteil gewährt wird; (2.) für eine Verknüpfung von Profilen mit einer anderen Plattform geworben wird."

Kein Ausnutzen von Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit: Werbung, die sich an Kinder oder Jugendliche richtet, ist laut Abschnitt 4.3 der neuen Richtlinien insbesondere unzulässig, wenn diese »direkte Aufrufe zum Kaufen oder Mieten von Waren oder Dienstleistungen enthält, die deren Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit ausnutzt«.

Außerdem heißt es in der Richtlinie: »Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit werden bei Kindern stets vermutet«.

Was bedeutet das für Spiele? Vor allem in Mobile Games gibt es Werbung, die nach dem Anschauen gewisse Vorteile verschafft. Zum Beispiel erhält der Spieler in Harry Potter Hogwarts Mystery Edelsteine, die sonst nur gegen Echtgeld zu kaufen sind und sehr selten durch Aktionen im Spiel erhalten werden können. Mit diesen Edelsteinen wiederum kann sich der Spieler Vorteile oder Items im Spiel kaufen.

Mobile Games richten sich auch an Kinder und Jugendliche, sodass in Zukunft Verbraucherzentralen und die Kommission für Jugendmedienschutz entsprechend gegen Werbung in dieser Form vorgehen könnten. Noch sind allerdings keine Fälle bekannt, die die neue Richtlinie anwenden.

Wo die Lootboxen herkommen - Und warum sie einfach nicht weggehen

Gesetzesentwurf gegen Lootboxen und Pay-To-Win

US Senator mit Vorstoß gegen Lootboxen: Nicht nur in Deutschland wird daran gearbeitet Kinder und Jugendliche vor möglichen Fallen solcher Werbemechaniken zu schützen. In den USA hat Senator Josh Hawley nun einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der Lootboxen und Pay-To-Win Mikrotransaktionen in Spielen verbietet, die von Kindern und Jugendlichen gespielt werden.

Dieser Entwurf soll in Kürze dem Senat vorgelegt werden, wie Kotaku berichtet. Als ein Beispiel für »ungeheuerliches Pay-To-Win« führt Hawley das Mobile Game Candy Crush von Activision an.

"Wenn ein Spiel für Kinder gemacht ist, sollte es Entwicklern nicht erlaubt sein aus der Abhängigkeit dieser Gewinn zu schlagen. Und wenn Kinder Spiele spielen, die für Erwachsene entwickelt wurden, dann sollten sie vor zwingenden Mikrotransaktionen bewahrt werden. Spiele-Entwickler, die wissentlich Kinder ausnutzen, sollten mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen."

Mittlerweile hat sich dazu auch The Entertainment Software Association zu Wort gemeldet. Dies ist eine US Organisation der Publisher und Entwickler der Spielebranche. Außerdem ist sie Ausrichter der E3.

"Zahlreiche Länder wie Irland, Deutschland, Schweden, Dänemark, Australien, Neuseeland und Großbritannien haben ermittelt, dass Lootboxen kein Glücksspiel sind. Man freue sich darauf, dem Senator Tools zu zeigen, die die Industrie eingeführt hat, damit Eltern die Kontrolle darüber haben, was im Spiel ausgegeben wird. Eltern haben bereits die Möglichkeit auf einfache Art Käufe im Spiel zu limitieren oder ganz zu verbieten."

Mehr: Lootboxen - USK und EU-Jugendschutz PEGI sehen auch kein Glücksspiel

GameStar TV: Jugendschutz in Deutschland - Aufzeichung unserer Live-Fragestunde mit der USK PLUS 1:10:17 GameStar TV: Jugendschutz in Deutschland - Aufzeichung unserer Live-Fragestunde mit der USK


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