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Nintendos vergessene Geschichte - Gangster, Sex und Mario

Videospiele und Nintendo, das gehört zusammen wie Schoko-Eis und ein großer Löffel. Aber die Wurzeln des Unternehmens sind mehr als ungewöhnlich, denn einst wollte Nintendo in ganz anderen Geschäftsfeldern einen Fuß in die Tür kriegen.

von Michael Förtsch,
02.06.2018 08:00 Uhr

In Nintendos Firmengeschichte gibt es einige vergessene Kapitel - die unter anderem mit dem organisierten Verbrechen zu tun haben. Der Mafia-Mario in unserem Aufmacherbild stammt vom Youtube-Channel FuggedabouditNL.In Nintendos Firmengeschichte gibt es einige vergessene Kapitel - die unter anderem mit dem organisierten Verbrechen zu tun haben. Der Mafia-Mario in unserem Aufmacherbild stammt vom Youtube-Channel FuggedabouditNL.

Selbst in Momenten des Zweifelns und Strauchelns gilt es, Ruhe und Zuversicht zu demonstrieren. Das ist das Credo vieler japanischer Konzerne. Trotz der katastrophalen Havarie des Atomkraftwerks in Fukushima im Jahr 2011 war das Betreiberunternehmen Tepco zwanghaft bemüht, keine Hektik, Unsicherheit oder Panik aufkommen zu lassen. Selbst als die Kraftwerkseigner nicht mehr wussten, wie sie mit dem Unfall umgehen sollten, und Klagen und Kosten in Milliardenhöhe erwarteten.

Auch wenn der Vergleich hinken mag: Ebenso stur zeigte Nintendo in den Jahren zwischen der glücklosen Wii U und der phänomenal erfolgreichen Switch stets Optimismus und Zuversicht. Denn die Wii U tat sich schwer, große Entwickler und Hersteller scheuten vor der Konsole zurück, der Aktienwert von Nintendo schrumpfte teilweise um bis zu 80 Prozent.

Und ob das NX-Projekt - die heutige Switch - das Unternehmen retten könnte, war da noch nicht zu sagen. Es war eine Zeit, die sowohl für Nintendo als auch die Fans von Ungewissheit und Risiko geprägt war. Jedoch war das auch eine Phase, wie sie Nintendo schon mehrfach durchlebt und überlebt hat - und das nicht nur als Videospielentwickler.

Mehr unbekannte Hintergründe: Die dunkle Seite von Tetris

Nintendo begann 1889 unter dem Namen Marufukur Nintendo Card Co. mit der Produktion und dem Vertrieb der kunstvollen Hanafuda-Karten. (Bild: Japan Experterna)Nintendo begann 1889 unter dem Namen Marufukur Nintendo Card Co. mit der Produktion und dem Vertrieb der kunstvollen Hanafuda-Karten. (Bild: Japan Experterna)

Stille Anfänge

Bereits 1889 war Nintendo in Kyoto, Japan gegründet worden. Und zwar, wie mittlerweile vielen Spielern bekannt, als Manufaktur und Vertrieb für die fein mit Blumenmotiven verzierten Hanafuda-Spielkarten - eine Art japanisches Rommé, wenn man so will. Entsprechend wird die Namenskomposition »nin-ten-do« je nachdem als »Die Firma, die Hanafuda verkaufen darf«, »Der Tempel der freien Hanafuda« oder - wie es Nintendo heute gerne selbst interpretiert - »Überlasse dein Glück dem Geschick des Himmels« ausgelegt.

Egal, welche Deutung davon richtig ist: Mit dem Motto hatte das von Fusajiro Yamauchi geleitete Unternehmen durchaus Erfolg. Denn die Marufukur Nintendo Card Co. war bald Marktführer. Auch Dank der Aizukotetsukai, einem Zusammenschluss mehrerer Gruppen der japanischen Yakuza-Mafia, die diese hochwertigen, aber günstigen Karten zu schätzen wussten.

Hinter dem Erfolg von Nintendo stehen auch die Yakuza. Nein, nicht die zahlreichen Ableger der Videospiel-Reihe von Sega, sondern die Angehörigen der echten japanischen Mafia. Um genau zu sein: Die Aizukotetsukai, eine der größten Yakuza-Familien. Sie waren dereinst sehr treue Abnehmer der Hanafuda-Spielkarten, die Nintendo herstellte.Hinter dem Erfolg von Nintendo stehen auch die Yakuza. Nein, nicht die zahlreichen Ableger der Videospiel-Reihe von Sega, sondern die Angehörigen der echten japanischen Mafia. Um genau zu sein: Die Aizukotetsukai, eine der größten Yakuza-Familien. Sie waren dereinst sehr treue Abnehmer der Hanafuda-Spielkarten, die Nintendo herstellte.

Im Jahr 1965 hatte der studierte Elektroniker Gunpei Yokoi bei Nintendo angeheuert. Er war für die Wartung und Instandhaltung der Fließbänder zuständig. Im Buch »The History of Nintendo« erinnert er sich, dass dann und wann dennoch verärgerte Yakuza in den Geschäftsräumen standen, wenn sie bei einem Spiel verloren hatten. Denn das schoben sie auf angeblich fehlerhafte Spielkarten. Über Jahrzehnte war die Firma unter dem späteren Namen The Nintendo Playing Card Co. mit den Hanafuda gut im Geschäft und sah keinen Grund zur Veränderung - aber das währte nicht ewig.

Heute sollen die Bande zwischen Nintendo und den Yakuza alles andere als rosig sein. 2015 erklärte ein anonymer Nintendo-Entwickler, dass die Yakuza einmal seine Schwester entführt hätten. Er sollte damit gezwungen werden, bei Nintendo zu kündigen. Denn das Mario-Unternehmen sei eine der wenigen japanischen Firmen im Videospielgeschäft, die sich dem Einfluss der Yakuza widersetzen. (Bild: Jorge / Elmimmo)Heute sollen die Bande zwischen Nintendo und den Yakuza alles andere als rosig sein. 2015 erklärte ein anonymer Nintendo-Entwickler, dass die Yakuza einmal seine Schwester entführt hätten. Er sollte damit gezwungen werden, bei Nintendo zu kündigen. Denn das Mario-Unternehmen sei eine der wenigen japanischen Firmen im Videospielgeschäft, die sich dem Einfluss der Yakuza widersetzen. (Bild: Jorge / Elmimmo)

Wusstet ihr schon, dass ...
... die Ultra Hand heute noch in Nintendo-Videospielen geehrt wird? Sie taucht unter anderem in Wario Ware, Animal Crossing: New Leaf und Mario Kart 8 auf.
... trotz aller Erfolge von Mario, Zelda und Tetris das erfolgreichste Nintendo-Videospiel Wii Sports ist? Es hat sich über 90 Millionen Mal verkauft. Noch erfolgreicher überhaupt sind lediglich Tetris und Minecraft.

Karten für Soldaten

Mitte der 1940er-Jahre zeichnete sich ab, dass die Nachfrage nach Hanafuda allmählich nachzulassen begann und diese doch recht speziellen Spielkarten nicht die Zukunft von Nintendo bedeuten könnten. Daher druckte das Unternehmen nach dem zweiten Weltkrieg beispielsweise auch Poker- und Skatkarten für die US-Soldaten im Land - natürlich mit nackten Damen oder Disney-Figuren auf den Vorderseiten. Als dann 1949 Hiroshi Yamauchi das Unternehmen von seinem verstorbenen Großvater übernahm, suchte er - während die Kartenproduktion weiterlief - nach gänzlich anderen Geschäftsfeldern, um Nintendo nötigenfalls neu zu erfinden.

Auch als Taxi-Betreiber hat sich Nintendo kurzzeitig versucht. Jedoch verkrachte man sich mit den Fahrern und Gewerkschaften. (Bild: Dantada)Auch als Taxi-Betreiber hat sich Nintendo kurzzeitig versucht. Jedoch verkrachte man sich mit den Fahrern und Gewerkschaften. (Bild: Dantada)

Unter anderem stellte der heutige Videospielgigant im Nebengeschäft kurzzeitig Nudelsuppen, Instant-Reis, Kugelschreiber und sogar Fotokopierer her. Nichts davon mochte aber wirklich fruchten oder sich als ein neues Standbein etablieren. Dennoch gab Hiroshi Yamauchi nicht auf und fand sogar Investoren, die die Experimente der Traditionsfirma unterstützten.

Um die Neuausrichtung zu unterstreichen, wurde die The Nintendo Playing Card Co. in den 1960ern in Nintendo Co. umgetauft. Wenig später startete Nintendo schon ein Taxiunternehmen namens Daiya, das durchaus profitabel war. Jedoch geriet Yamauchi regelmäßig in Streit mit Fahrern und Gewerkschaften, die höhere Löhne forderten. Entnervt wickelte er das Taxi-Unternehmen daher ab - und zwar zugunsten eines weiteren Experiments.

Spiele-Mythen unter der Lupe: Vulkane, Geister und ein Maisfeld

Nintendo-Hauptquartier 1933 Sicherlich habt ihr schon oft gelesen, dass das hier das ursprüngliche Nintendo-Hauptquartier war. Doch das ist nicht wahr. Der wuchtige Bau stammt aus dem Jahr 1933 war lediglich der zweite Hauptsitz des heutigen Weltkonzerns. (Bild: Kokoron78)

Nintendo-Hauptquartier 1889 Gegründet und geführt wurde Nintendo über Jahrzehnte in diesem Holzbau, der unweit des späteren Steingebäudes lag. Auf dessen ehemaligem Standort liegt heute ein kleiner Parkplatz. Dieses Bild zeigt das Nintendo-Hauptquartier im Jahre 1889. Es wurde erst 2017 von Historikern wiederentdeckt. (Bild: City of Kyoto)

? ?Nintendo-Hauptquartier heute Natürlich wurde Nintendo alsbald auch der dreistöckige Steinbau zu klein. Aber seiner Heimatstadt Kyoto bleibt das 128 Jahre alte Unternehmen treu. Das Hauptquartier steht auch heute noch in der westjapanischen Metropole – wobei Nintendo natürlich Außenstellen und Büros in aller Welt unterhält. (Bild: Tobias Lorax)

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