Post Scriptum - Weltkriegs-Shooter erhält in unzensierter Version wegen Nazi-Symbolen keine USK-Freigabe

Periscope Games äußerte in einem Twitch-Stream, dass die unzensierte Fassung von Post Scriptum: The Bloody Seventh keine USK-Freigabe erhält.

von Christian Just,
26.09.2018 13:31 Uhr

Die unzensierte Version von Post Scriptum erhält offenbar keine USK-Freigabe.Die unzensierte Version von Post Scriptum erhält offenbar keine USK-Freigabe.

Die Entwickler des Zweiter-Weltkriegs-Shooters Post Scriptum: The Bloody Seventh, Periscope Games, gaben bekannt, dass die USK dem Spiel in unzensierter Form keine Freigabe erteilt.

"[Die USK] musste das Spiel intern prüfen und feststellen, ob es klappt oder nicht. Leider war das Ergebnis nicht positiv, sie haben das Spiel nicht genehmigt."

Die Frage kam in einem Entwickler-Stream auf Twitch auf. Ein Zuschauer fragte, wann mit einem Patch zu rechnen sei, der NS-Symbole wie Hakenkreuze und SS-Runen nachliefert. Derzeit enthält die Steam-Version von Post Scriptum weltweit keine Symbole dieser Art. Der Entwickler gibt an, diese aus dem Spiel entfernt zu haben, da ein großer Teil der Alpha-Tester aus Deutschland stamme. Mit der Symbolik-freien Version habe man sicherstellen wollen, dass es keine Probleme gibt. Mittlerweile habe man das vom Squad-Hersteller Offworld Industries unterstützte Post Scriptum gemeinsam mit Mitarbeitern der USK gespielt, die demnach einer Version mit verfassungsfeindlichen Symbolen keine Freigabe erteilen wird.

Nun würde Periscope Games daran arbeiten, Post Scriptum in zwei Fassungen veröffentlichen zu können - einer internationalen Version mit Nazi-Symbolik und einer deutschen, ohne die hierzulande verfassungswidrigen Zeichen. Die Schwierigkeit bestünde darin, deutsche Spieler trotz unterschiedlicher Versionen mit allen anderen zusammen auf internationalen Servern spielen zu lassen.

Der Chef und Kreativdirektor von Periscope Games, Romain Ferchat, bestätigte die oben genannte Auslegung auf Anfrage: Wir werden später in diesem Jahr untersuchen, wie man die Zensierung des Spiels für Länder, in denen [NS-Symbole] erlaubt sind, am besten aufhebt.

Die USK teilte auf Anfrage mit, keine näheren Angaben zu Prüfvorgängen machen zu können, solange sie nicht in der Titelsuche auf der offiziellen Website auftauchen. Taucht ein Spiel dort nicht auf, kann das an einer fehlenden Anfrage liegen, einem nicht abgeschlossenen Prüfverfahren oder auch am ausdrücklichen Wunsch der Anbieter, keine Prüfdetails zu veröffentlichen.

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Kürzlich sorgten Entwicklungen für Aufsehen, nach welchen die USK Spielen mit NS-Symbolen in Zukunft nicht mehr per se eine Prüfung verweigert. Vielmehr wird in Zukunft unter Einbeziehung der Sozialadäquanzklausel des Paragrafen 86 des Strafgesetzbuchs im Einzelfall entschieden.

Damit erklärte man auch das »Wolfenstein-Urteil« des Landgerichts Frankfurt von 1998 für veraltet. In der Folge hatte die USK das Spiel Through the Darkest of Times unter Anwendung der Sozialadäquanzklausel als erstes Spiel mit NS-Symbolik als »ab 12 Jahre« gekennzeichnet. Später erhielt auch das Dialog-Adventure Attentat 1942 eine Freigabe durch die USK.

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Paragraf 86 StGB stellt das Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen unter Strafe. Die Sozialadäquanzklausel dagegen formuliert Ausnahmen, wenn es sich um Beiträge zu Bildung, Kunst oder Wissenschaft handelt. Während Filme und Bücher seit jeher unter diese Klausel fallen, wurde Computerspielen diese Behandlung bis vor Kurzem verwehrt.

Mehr über diese spannende Thematik lest ihr in unserem Interview mit Rechtsanwalt Sebastian Schwiddessen.

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