Preise für DDR4-RAM und SSDs könnten durch Handelsstreit unerwartet wieder steigen

Die zunehmenden Spannungen zwischen Japan und Südkorea zeigen ihre Wirkung auf dem Markt, kurzfristig könnte mit Preisanstiegen zu rechnen sein. Auf längere Sicht gehen die Vorhersagen zwar auseinander, der Preisverfall scheint aber erst einmal vorbei zu sein.

von Alexander Köpf,
17.07.2019 19:55 Uhr

Preise für Arbeitsspeicher und SSDs fallen seit einigen Monaten - damit könnte jetzt Schluss sein.Preise für Arbeitsspeicher und SSDs fallen seit einigen Monaten - damit könnte jetzt Schluss sein.

Bislang war 2019 ein gutes Jahr, um sich mit günstigem Speicher einzudecken, aktuell sind die Preise so niedrig wie seit 2016 nicht mehr. Eigentlich sollte das auch so bleiben und der Preisverfall von Arbeitsspeicher und SSDs sich noch bis ins späte vierte Quartal fortsetzen.

Doch der Handelsstreit zwischen Japan und Südkorea scheint dem nun ein jähes Ende zu bereiten. Wer noch zu günstigen Konditionen aufrüsten möchte, könnte daher schnell handeln müssen, ehe die Lager der Händler geleert sind und die Preise eventuell sprunghaft steigen.

Bisherige Prognose

Noch Anfang Juni korrigierte DRAMeXchange seine Prognose der Speicherpreisentwicklung für 2019 nach unten. Demnach sollten die Preise für DRAM stärker fallen als erwartet: mit 15 Prozent im dritten und 10 Prozent im vierten Quartal sollte erst Ende des Jahres 2019 der Tiefpunkt erreicht sein.

Prognosen können unvorhersehbare Ereignisse nur schlecht oder gar nicht abbilden. (Bildquelle: TrendForce)Prognosen können unvorhersehbare Ereignisse nur schlecht oder gar nicht abbilden. (Bildquelle: TrendForce)

Als Grund für den generellen Preisverfall wurden die weit hochgefahrenen Kapazitäten der Hersteller und die hohe Marktsättigung genannt.

Zudem befürchteten die Analysten durch den Handelskonflikt zwischen China und den USA einen weiteren Rückgang der Nachfrage für DRAM - zu diesem Zeitpunkt rechnete DRAMeXchange mit einer wieder steigenden Preisentwicklung erst Anfang 2020.

Handelsstreit führt zu DRAM-Verknappung

Aktuelle Spannungen zwischen Japan und Südkorea wirken sich allerdings nicht positiv für Käufer aus. Durch die verstärkten Kontrollen bei der Ausfuhr produktions-relevanter Hightech-Werkstoffe seitens Japan, könnte es zu Engpässen in der Chip-Fertigung kommen.

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Ein 32GB DDR4-3000-Kit der Marke G.Skill Aegis kostete am 15.7.2018 noch 290 Euro. Genau ein Jahr später ist es für 110 Euro zu haben.Ein 32GB DDR4-3000-Kit der Marke G.Skill Aegis kostete am 15.7.2018 noch 290 Euro. Genau ein Jahr später ist es für 110 Euro zu haben.

Die südkoreanischen Großkonzerne Samsung und SK Hynix beziehen die Chemikalien für die Halbleiter-Produktion zu einem Großteil aus dem Nachbarland. Über 70 Prozent der weltweiten DRAM- und Flash-Produktion finden wiederum in der koreanischen Republik statt.

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Laut Trendforce gibt es allerdings keinen Grund zu überhasteten Käufen. Vorerst seien die Lager der Zulieferer gut gefüllt, Engpässe gibt es aktuell (noch) nicht.

Zwar gebe es erste ansteigende Preise, davon seien jedoch ausschließlich die Spot-Märkte betroffen, die aber nur 10 Prozent des gesamten DRAM-Marktes ausmachen. Der weitaus größere Teil (90 Prozent) ist demnach mittel- und langfristig in Verträgen gebunden und daher weniger volatil.

NAND-Flash für SSDs auch betroffen

Auf dem NAND-Flash-Markt soll es sich laut den Analysten ähnlich verhalten - die Lagerbestände an Wafern reichen in der Regel für zwei bis drei Monate. Der Markt leidet aber auch unter dem Produktionsausfall bei Toshiba Memory, im japanischen Yokkaichi. Dadurch sollen im dritten Quartal bis zu 6 Millionen Terabyte 2D-NAND-Flash-Speicher fehlen.

Ein Stromausfall legte die komplette Fertigung bei Toshiba Memory in der japanischen Hafen-Stadt Yokkaichi lahm. (Bildquelle: Mie Info)Ein Stromausfall legte die komplette Fertigung bei Toshiba Memory in der japanischen Hafen-Stadt Yokkaichi lahm. (Bildquelle: Mie Info)

Dazu kommt, dass die Kurse für entsprechende Wafer ohnehin auf einem sehr niedrigen Niveau liegen und allein deshalb schon mit leichten Preisanstiegen zu rechnen sei.

Trotz des kurzfristigen Anstiegs der NAND-Flash-Preise sehen die Marktforscher die Angebote von OEMs für verschiedene SSD- und eMMC / UFS-Produkte langfristig aber auf einem niedrigen Preisniveau.

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Kommt die Teuerung doch früher?

Computerbase sieht die Lage weniger entspannt: Da neben DRAM (+3 bis +6 Prozent) auch die Preise für eMMC- und TLC-Speicher (ca. +10 Prozent) auf den Spot-Märkten anziehen, könnten darauf basierende Produkte, wie RAM und SSD-Massenspeicher, bald teurer werden.

Zudem sollen sich auch einige Händler zur aktuellen Situation geäußert haben. Demzufolge haben sich viele Shops vorsorglich mit Arbeitsspeicher und SSDs eingedeckt.

Da nicht alle Distributionen entsprechende Produkte vorrätig haben, müssen Chargen zu den Preisen auf den Spot-Märkten nachbestellt werden, was zu Teuerungen bis zu 20 Prozent führen kann.

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Unserer Meinung nach ist daher aktuell (noch) ein guter Zeitpunkt, um sich mit DDR4-RAM einzudecken, falls man es benötigt - viel günstiger wird es in absehbarer Zeit nicht mehr werden, da die Preise bereits sehr niedrig sind.

SSDs dürften dagegen kaum ansteigen und den jahrelangen Abwärtstrend beim Preis pro Gigabyte mit höchstens kurzen Ausreißern nach oben, weiterhin fortsetzen.

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