Russland - Sperrt Millionen IP-Adressen, Twitch blockiert, Telegram gebannt, Regierung empfiehlt ICQ

Durch ein Urteil gegen das Chat-Tool Telegram entsteht eine gigantische Bannwelle, die Amazon- und Google-Dienste betrifft. Darunter auch Twitch.

von Dimitry Halley,
19.04.2018 13:17 Uhr

Russland reitet gegen Telegram (Symbolbild).Russland reitet gegen Telegram (Symbolbild).

In Russland kam es zum Kampf zwischen zwei Giganten: Der Messaging-Dienst Telegram (eine beliebte Alternative zu Whatsapp) geriet mit der Roskomnadsor aneinander, dem russischen Aufsichtsapparat von Kommunikation, Informationstechnologie und Massenkommunikation.

Der Grund: Seit dem Terroranschlag in Sankt Petersburg am 3. April 2017 fordert die russische Regierung (also der Roskomnadsor) wiederholt Zugriff auf die verschlüsselten Nachrichten der Telegram-Nutzer, um nach eigenen Angaben potenziell gefährliche Korrespondenzen gezielter zu überwachen.

Viele halten den Anschlag jedoch für einen vorgeschobenen Grund Russlands, vertrauliche Konversationen auszuspionieren - so auch Telegram-Gründer Pawel Durow, der sich seit Monaten gegen Klagen und Gerichtsurteile wehrt.

Jetzt greift die russische Regierung durch: Seit Montag, 16. April, ist der Telegram-Dienst kurzerhand blockiert. Aus dieser Blockade entstand eine gigantische Bannwelle, denn Millionen von gesperrten Telegram-IP-Adressen hängen mit Google und Amazon zusammen. Im Zuge dessen sind deren Dienste nun auch eingeschränkt, darunter auch Twitch, das seit Tagen in Russland nicht mehr verfügbar ist.

So schreibt der russische Twitch-Streamer Angry Roleplayer:

"Gestern hat die russische Regierung damit begonnen, die IP-Adressen von Telegram- und Amazon-Servern landesweit zu sperren. In der Folge wurden über 20 Millionen IP-Adressen und Gates gebannt, was unzählige Dienste zum Einsturz brachte, die Amazon- und Google-basierte Server nutzen. Leider betrifft das für die meisten Russen auch Twitch. Ich musste VPN und TOR nutzen, um über meine eigene Twitch-Seite Nachrichten zu schreiben. Ich habe keine Ahnung, wie ich so streamen soll. Ich bin ein Vollzeit-Streamer und Twitch-Partner und bekomme jetzt nur noch eine »2000: Network Error«-Meldung."

Dass so viele Nutzer auf VPN-Proxy-Verbindungen ausweichen, sorgt laut Durow dafür, dass die Telegram-Nutzerzahlen nicht signifikant einbrechen. Und er dankt Amazon, Apple, Google und Microsoft dafür, dass sie »keine Anteilnahme an politischer Zensur« an den Tag legen. Bleibt abzuwarten, wie diese Blockade ausgeht.

Die russische Regierung schlägt derweil Journalisten, die vorher Telegram verwendet haben, eine Alternative vor, die seit 2010 dem russischen Investment-Unternehmen Mail.Ru gehört: Das gute, sehr, sehr alte ICQ. Ao!

Quelle: Reuters


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