Spiele in China: Neben Totenköpfen jetzt auch Englisch verboten

China strafft seine Videospielregulierungen weiter. Selbst simple Begriffe auf Englisch können jetzt zu einer Verweigerung der Freigabe führen.

von Mathias Dietrich,
04.02.2020 16:14 Uhr

China reguliert den Videospielmarkt im eigenen Land stark. China reguliert den Videospielmarkt im eigenen Land stark.

Wie die Analystengruppe Niko Partners berichtet, hat China im April 2019 damit begonnen, weitere Regeln bezüglich der Zulassung von Videospielen aufzustellen. Die neuen Richtlinien konzentrieren sich vor allem auf die Sprache, Lootboxen und den Schutz von Minderjährigen.

Änderungen zu den alten Regeln

In der Vergangenheit versuchte China vor allem den Gaming-Konsum von Kindern einzuschränken und hat Dinge wie Blut und Leichen komplett verbannt. Der Taktik-Shooter Rainbow Six: Siege hatte eine heftige Kontroverse rund um das Verbot von Totenköpfen. Jetzt kommen weitere Regelungen hinzu:

  • Englisch wird verboten: Selbst einfache englische Begriffe wie »Winner« oder »Attack« können dazu führen, dass ein Spiel keine Freigabe erhält. Sämtlicher Text muss in vereinfachtem Chinesisch geschrieben sein.
  • Chancenangabe bei Lootboxen: Die Regelung, dass Lootboxen ihre Chancen offenbaren müssen, wurde verschärft. Statt der reinen Chance müssen die Entwickler jetzt angeben wie häufig man eine Box öffnen muss, um ein Item zu erhalten. Zudem darf ein Spieler pro Tag maximal 50 Boxen öffnen.
  • Keine Heirats-Systeme für Minderjährige: Spiele dürfen Minderjährigen keinen Zugriff auf etwaige Systeme geben, in denen ihr Avatar andere Charaktere heiraten kann.
  • Nur drei Versuche: Ein Spiel darf den Freigabeprozess maximal drei Mal angehen. Danach ist es von weiteren Freigabeprozessen ausgeschlossen.

Weniger Releases pro Jahr

Seit 2019 erlaubt die Regierung nur noch eine bestimmte Anzahl an Releases pro Jahr. Während es im Jahr 2017 noch über 8.500 Veröffentlichungen gab, erschienen 2019 nur noch 1.570 Spiele auf dem chinesischen Markt. Bei den meisten handelt es sich um Smartphone-Spiele.

Dafür soll unter anderem ein stärkeres Vorgehen gegen die unzähligen Mahjong- und Poker-Spiele verantwortlich sein. Dadurch sind die Entwickler dazu angespornt, hochwertigere Titel zu entwickeln, müssen gleichzeitig jedoch auch länger auf eine Freigabe warten.

Ältere Spiele, die die neuen Regelungen nicht befolgen können, müssen eingestellt werden. So beendete der Gaming-Gigant Tencent den Betrieb von 32 Titeln, in denen er das verlangte Anti-Sucht-System - welches auf die nationale Personendatenbank zugreift - der Regierung nicht implementieren konnte.

Im Jahr 2019 gab es eine Reihe von Kontroversen im Bereich der Videospiele, die mit China zu tun hatten. So sperrte Blizzard einen Hearthstone-Profi und der berühmte Streamer PewDiePie wurde im Land der Mitte gebannt.


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