Spieler berichten wie ihnen die knallharte Schwierigkeit von Sekiro geholfen hat

Der Schwierigkeitsgrad von Sekiro löst gerne mal Frust oder Wut aus, hat einigen Spielern aber sogar im echten Leben geholfen.

von Elena Schulz,
08.09.2019 13:37 Uhr

Sekiro: Shadows Die Twice hatte für manche Spieler einen positiven Effekt auf ihr Leben.Sekiro: Shadows Die Twice hatte für manche Spieler einen positiven Effekt auf ihr Leben.

Während manche Spiele nur eine spaßige Ablenkung für zwischendurch sind, können manche Einfluss auf unser Leben nehmen. Sei es, indem sie uns zum Nachdenken anregen oder indem sie uns Fähigkeiten vermitteln, die sich auf das echte Leben übertragen lassen.

So ging es auch einem Spieler namens jesus_lil_stinkr bei Sekiro: Shadows Die Twice, dem knallharten Ninja-Spiel von From Software. Er fragt auf Reddit, ob auch andere Spiele durch die schwierige Herausforderung danach das Gefühl hatten, besser mit Stress umgehen zu können und disziplinierter zu sein. Sein Beitrag erhält über 800 Upvotes und über 140 Antworten. Vielen in den Kommentaren geht es ähnlich.

"Ich habe das Gefühl, es hat mich geduldiger gemacht. Nicht nur im Spiel selbst, sondern allgemein in stressigen Situationen. Tief durchatmen, denken, die Situation von einem anderen Winkel aus betrachten. Ich habe das bei der Arbeit und mit meinem Partner/meiner Partnerin versucht."

Auch an Bloodborne von From Software habe er sich jetzt noch einmal versucht und es zum ersten Mal ohne Hilfe geschafft.

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Sekiro als Health Game

Nach den zahlreichen bekräftigen Reaktionen auf seine Nachricht, führt er seine persönliche Situation noch etwas weiter aus: Der Nutzer sei vor dem Release von Sekiro mit einer seltenen Autoimmunerkrankung diagnostiziert worden. Die Krankheit sorge dafür, dass er vermutlich noch etwa fünf bis zehn Jahre zu leben habe.

Stress sei besonders problematisch, weil er die Krankheit vorantreibe. Sekiro zu spielen, war also ein Risiko. Aber er habe From-Softwar-Spiele schon immer geliebt, auch wenn er oft frustriert beim Spielen sei. Diesmal habe er nicht mehr den Luxus gehabt, gestresst sein zu können, weshalb er sich Strategien überlegen musste, um das Spiel zu spielen, ohne kränker zu werden.

Die Techniken, die er sich dafür zulegte, funktionierten nicht nur in Sekiro gut, sondern halfen ihm auch im echten Leben, Stress zu vermeiden. Auch wenn das vielleicht nicht jeder nachvollziehen könne, habe ihm das Spiel so mit der Zeit geholfen, fokussiert und präsent zu bleiben.

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Sekiro wird zur Fitness-Motivation

In den Antworten finden sich viele Geschichten, wie Sekiro oder andere From-Software-Spiele Spielern durch ihre Schwierigkeit geholfen haben, statt sie einzuschüchtern.

IonianTerrorist schreibt zum Beispiel, dass er durch Sekiro echte Willenskraft entwickelt habe. Er habe angefangen ins Fitness-Studio zu gehen und sei nicht mehr so wütend oder irritiert bei bestimmten Dingen. Er habe sich im Spiel an das Versagen gewöhnt, sehne sich deshalb aber umso mehr nach Erfolgserlebnissen.

Ein anderer Nutzer antwortet scherzhaft, dass man doch das auf die Spielverpackung drucken sollte.

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Der toxische Chef als Bossgegner

Auch Fruitseller92 hat positive Erfahrungen mit Sekiro gemacht. Er habe nicht nur physisch, sondern auch geistig profitiert. Er habe gelernt, dass man die eigene Situation kontrollieren könne, indem man die eigenen Emotionen kontrolliere - eine Fähigkeit, die Sekiro den Spielern durch die harten Kämpfe beibringe.

Durch das Spiel könne er schneller und ruhiger reagieren, er fühle sich fast so, als sei er permanent in einem meditativen Zustand beim Spielen. Deshalb freue er sich auch auf weitere Spiele von From Software, die alle in eine ähnliche Kerbe schlagen.

Er nennt sogar ein konkretes Beispiel aus seinem Leben: So habe er das Gefühl, dass Sekiro ihm geholfen habe, von seinem toxischen Boss wegzukommen. Er sei Teil eines kleinen Unternehmens gewesen, in dem eigentlich alle nett zu einander waren. Er selbst sei aber der Assistent des Sales Managers gewesen und habe regelmäßig mit seinen Stimmungsschwankungen zu kämpfen gehabt.

Für ihn fühlte sich das Verhalten seines Chefs so an, wie das Blocken der Schläge in Sekiro, bei denen die eigene Position mit der Zeit zu brechen droht und die Spielfigur verwundbar wird. Er habe sogar Angst vor seiner Arbeit bekommen. Mit der Zeit seien ihm die Angriffe auch immer gezielter vorgekommen und nicht zufällig. Sein Chef habe ihn ein bisschen an einen emotionalen Genichiro erinnert, einen besonders harten Boss in Sekiro.

Als ihm klar wurde, dass er die Situation nicht ändern oder verbessern könne, habe tief durchgeatmet und sich selbst aus der Situation herausgezogen. Er sei auf der Arbeit immer Druck ausgesetzt gewesen und habe das zuhause teilweise an seinem Partner/seiner Partnerin ausgelassen. Ihm sei aber klar geworden, dass er, wenn er Isshin den Schwertheiligen besiegen könne (ein weiterer Boss) auch die eigenen Gefühle kontrollieren könne und sich selbst gegenüber der Welt stärken.

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Ein Spiel, das erwachsener macht

Herald_of_Sin verdankt Sekiro und From Software laut eigener Aussage ebenfalls viel. Er habe selbst mit seinen Großeltern darüber gesprochen, wie die Spiele ihn verändert hätten. Durch Bloodborne und Sekiro sei er ebenfalls ruhiger in stressigen Situationen und durchdenke Dinge mehr.

Er sei geduldiger und offen für andere Sichtweisen, um sich nicht auf eine Herangehensweise zu versteifen und klügere Lösungen zu vernachlässigen. Durch die Spiele würde er auch eher Verantwortung für sein Handeln übernehmen und sich gründlich überlegen, wie er mit seinen Fähigkeiten und Problemen umgehe, die er nicht verstehe. Dafür sei er sehr dankbar.

Dadurch, dass er sich in den Spielen seinen Ängsten gestellt habe, habe er auch das Gefühl, viel weniger kindisch zu sein und viel ernsthafter an seine Arbeit heranzugehen, mit dem Wunsch, als Person zu wachsen.

Aus diesem Grund freue er sich auch schon auf Elden Ring, um erstmals völlig blind an ein From-Software-Spiel heranzugehen und seinen eigenen Spielstil zu optimieren, statt sich auf Guides zu verlassen. Jedes neue From-Software-Spiel gebe für ihn den Spielern zunächst ein Gefühl der Schwäche, stärke sie dann aber durch das, was sie dort erreichen.

Worum geht es bei Sekiro?

Sekiro orientiert sich spielerisch an Dark Souls, verlegt das Geschehen aber vom einer düsteren Fantasy-Welt in eine fiktive Version des mittelalterlichen Japans.

Der Spieler kämpft als Shinobi zudem nicht nur mit seinem treuen Katana gegen haufenweise Gegner und fiese Bosse, sondern nutzt auch eine Prothese mit unterschiedlichen nützlichen Aufsätzen und einem Greifhaken mit dem man schnell von A nach B kommt.

Im Test konnte Sekiro uns unter anderem durch seine fordernde Schwierigkeit und die schnellen Kämpfe überzeugen, die mit ihrem Fokus auf Timing fast schon an ein Rhythmus-Spiel erinnern.

Welche Spiele haben für euch eine besondere Bedeutung oder haben euch im echten Leben geholfen? Schreibt es in die Kommentare!

Sekiro - Testvideo: Was Sekiro trotz Frust so einzigartig gut macht 11:43 Sekiro - Testvideo: Was Sekiro trotz Frust so einzigartig gut macht


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