Steam - Publisher manipulierte möglicherweise User-Reviews, Valve wirft alle Spiele aus dem Shop (Update: Stellungsnahme des Publishers)

Eine scheinbar durchgesickerte Email des CEO wurde dem Publisher Insel Games zum Verhängnis. Sie sollen Reviews zu ihrem eigenen Spiel auf Steam verfasst haben und sind nun aus dem Shop geflogen.

von Martin Dietrich,
14.02.2018 16:52 Uhr

Der Publisher von Wild Buster hat vermutlich Steam Reviews manipuliert und ist jetzt von der Online-Plattform geflogen. Der Publisher von Wild Buster hat vermutlich Steam Reviews manipuliert und ist jetzt von der Online-Plattform geflogen.

[Update 14.02.18 - 16:45 Uhr] Mittlerweile hat sich Insel Games bei der GameStar gemeldet und mitgeteilt, dass sie den Vorfall bedauern. Die Email ist echt, sei aber nicht als Drohung an die Mitarbeiter gemeint gewesen. Wild Buster und Guardians of Ember sollen weiter unterstützt werden. Der Publisher hat auch Steam kontaktiert und möchte den Vorfall aufklären:

"Am Tag des EA-Starts [Early-Access-Starts] im Dezember wurde eine E-Mail an alle Mitarbeiter im Unternehmen geschickt (ca. 20 Personen einschließlich Freiberufler), wie wichtig Bewertungen im Steam-Ökosystem sind und dass ein Scheitern von Wild Buster bedeuten würde, dass das Unternehmen in Gefahr ist. Es sollte die Unterstützung der Menschen mobilisieren, einschließlich das Spiel bei Familie und Freunden zu bewerben. In der Hoffnung, einfach mehr Rezensionen zu bekommen.

Es war nie beabsichtigt, irgendjemanden zu bedrohen, sondern nur die Wichtigkeit von Bewertungen für das gesamte Unternehmen darzustellen. Kein Mitarbeiter hat Strafen erhalten, weil er das Spiel nicht gekauft oder keine Rezension geschrieben hat. Es wurden auch nie Texte oder Anleitungen für Bewertungen bereitgestellt. Wir entschuldigen uns für die irreführende Formulierung in der E-Mail und der Praxis im Allgemeinen.

Wir, das komplette Team hinter Insel Games, werden weiter daran arbeiten, Guardians of Ember und Wild Buster zu verbessern, während wir durch andere Kanäle den Zugang zu unseren Spielen weiter gewähren. Wir hoffen, dass wir das Vertrauen der Spieler durch unsere zukünftigen Aktionen wiedergewinnen können und befinden uns in Gesprächen mit Steam über diesen Vorfall.

Bis dahin können aktuelle Steam-Besitzer oder Besitzer eines Steam-Key weiterhin normal spielen."

Originalmeldung:
Valve hat alle Spiele des Publisher Insel Games aus dem Steam-Shop entfernt und jegliche Geschäftsbeziehungen mit der in Malta ansässigen Firma beendet. Grund seien manipulierte Steam-Reviews. Der Vorwurf lautet, dass Mitarbeiter des Unternehmens Kritiken zu ihren eigenen Spielen verfasst haben.

Den Stein ins Rollen brachte ein Reddit-Post. Im Forum tauchte eine mutmaßliche Email des CEOs von Insel Games auf. In dieser Mitteilung an alle Mitarbeiter erklärt der Manager, dass ihr kürzlich im Early Access veröffentlichtes MMO-RPG Wild Buster: Heroes of Titan die Verkaufserwartungen nicht erfüllt hat und bisher kaum Reviews bei Steam zu finden sind. Da die ersten Tage die wichtigsten seien, legte der CEO den Mitarbeitern nahe, ein Review zu verfassen:

"Natürlich kann ich Sie nicht zwingen ein Review zu schreiben (Ganz zu schweigen davon, was Sie schreiben sollen) - ich sollte das nicht tun müssen. Wenn man aber die Wichtigkeit von Reviews vernachlässigt, wird das letztlich Arbeitsplätze kosten. Wenn WB [Wild Busters] fehlschlägt, schlägt Insel [Games] fehl, IME [Interactive Media and Entertainment] scheitert und dann werden wir alle nächstes Jahr keinen Job haben. Ich bitte Sie eines der folgenden Dinge zu tun: Kaufen Sie das Spiel und legen Sie mir die Quittung bis Freitagabend vor, für das Sie (zusammen mit einem Antragsformular) innerhalb von 24 Stunden eine Rückerstattung erhalten oder mir morgen erklären, warum Sie das nicht möchten."

Käufer haben weiter Zugang zu Wild Buster und Co.

Valve forschte kurz nach Bekanntwerden der Email selbst nach und teilte heute in einem Blog-Post mit, dass sie ebenfalls einige Unregelmäßigkeiten feststellten. Mehrere Reviews stammen von Accounts, die von Insel Games kontrolliert werden. Damit wurden laut Valve eindeutig die Nutzungsbedingungen verletzt und der Publisher muss Steam verlassen.

Spieler, die im Besitz von Insel Games Spielen wie Wild Busters, World of Fishing oder Guardians of Ember sind, können in ihrer Bibliothek weiter darauf zugreifen. Es ist aber nicht mehr möglich Wild Busters und Co. auf Steam zu kaufen. Eine Suche der Titel leitet auf die Startseite weiter. Für ein MMO-RPG dürfte der Steam-Ausschluss einen herben Rückschlag darstellen.

Wild Buster: Heroes of Titan ist ein MMO-RPG mit Hack'n'Slay- und Moba-Elementen. In Korea war das Spiel bereits seit längerer Zeit erhältlich. Wild Buster: Heroes of Titan ist ein MMO-RPG mit Hack'n'Slay- und Moba-Elementen. In Korea war das Spiel bereits seit längerer Zeit erhältlich.

Null-Toleranz-Politik gegenüber gefälschten Reviews

Die Echtheit der Email ist bisher nicht bestätigt. Die Ermittlungen von Valve selbst, scheinen jedoch sehr eindeutig zu sein. Wir haben Interactive Media and Entertainment (IME) kontaktiert, die zusammen mit Insel Games bei einigen ihrer Spiele als Co-Publisher aufgetreten sind und sie unterstützten. Insel Games selbst reagierte nicht auf eine Anfrage. IME arbeitet als Lizenzagentur, Co-Publisher und Beratungsunternehmen für Online- und Mobile-Spiele. Sie sind nicht direkt in den Vorfall verwickelt, sondern kennen den Publisher durch ihre Zusammenarbeit.

Den Wahrheitsgehalt der Email ihres Kunden Insel Games ziehen sie in Zweifel. Der Publisher besitze auch nur wenige dutzend Mitarbeiter und verfüge demnach gar nicht über die Mittel, massenhaft gefälschte Reviews zu verfassen. Möglicherweise hat Valve hier vorschnell gehandelt, sagt das Unternehmen.

Valve hatte in der Vergangenheit schon häufiger eine Null-Toleranz-Politik gegenüber gefälschten Reviews gezeigt. Alle Spiele des Entwicklers von Platformica wurden 2017 von Steam entfernt, nachdem bekannt wurde, dass der Entwickler einige Kritiken selbst verfasste und später seinen Fehler auch zugab. Art of Stealth ereilte ein ähnliches Schicksal. Der Macher legte sich mit dem Youtuber Jim Sterling an, der sein Spiel heftig kritisierte. Später kam heraus, dass der Entwickler eigenhändig Reviews verfasste.

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