Steam-Spiele sind beliebter, wenn sie weniger Updates kriegen, sagt Entwickler

Damit Videospieler glücklich sind und ihrem Frust auf sozialen Plattformen keinen freien Lauf lassen, müssen Entwickler weniger Updates veröffentlichen. Das behauptet zumindest Chris Kramer von Digitalmindsoft.

von Valentin Aschenbrenner,
15.09.2019 10:00 Uhr

Steam Reviews werden schlechter, je mehr Patches es gibt, sagt Entwickler Chris Kramer von Digitalmindsoft.Steam Reviews werden schlechter, je mehr Patches es gibt, sagt Entwickler Chris Kramer von Digitalmindsoft.

Früher war alles besser. Eine Devise der vielleicht gar nicht mal so wenige Videospieler zustimmen würden. Damit könnte man zumindest den durchschlagenden Erfolg von WoW Classic in den letzten Monaten oder den Trend von Entwicklerstudios erklären, ständig »zurück zu den Wurzeln« kehren zu müssen.

Oder aber, warum sich laut dem Men-of-War-Publisher Chris Kramer zu viele Updates negativ auf Steam-Reviews auswirken. Immerhin muss man diese Devise nicht zwangsläufig auf Videospiele beziehen, die vor zehn oder 20 Jahren erschienen sind. In der heutigen Zeit krempeln Updates aktuelle Titel oft so gravierend um, sodass sie wenige Monate nach dem Launch kaum wiederzuerkennen sind.

Dieser Prozess findet aber selten von heute auf morgen statt. Stattdessen viel eher schleichend, indem Entwickler beispielsweise im wöchentlichen oder monatlichen Takt am Titel herumschrauben. Der Vorteil daran: ein überarbeitetes oder gar neues Feature wird sofort einer Feuerprobe unterzogen, während das Feedback der Community unmittelbar folgt.

Hinweis
Was Chris Kramer noch zu Toxischen Communitys und die Konsequenzen für Videospielentwickler zu sagen hat, könnt ihr in seinem Gastkolumne auf GameStar Plus nachlesen:

Toxische Communitys: »Der alltägliche Wahnsinn, dem Entwickler ausgesetzt sind«

Ein großes Update anstelle von vielen, kleineren Updates?

Doch daraus ergibt sich laut Chris Kramer von Digitalmindsoft ein Problem für viele Studios. Der Leiter des Teams, das gemeinsam mit Best Way für Titel wie Men of War 2: Assault Squad verantwortlich ist, beschreibt, dass häufige Updates oft für schlechtere User-Wertungen auf Steam sorgen und damit der Beliebtheit eines Titels schaden.

Ihm zufolge ist es für Videospielentwickler gar kontraproduktiv, zu ambitioniert kleinere Veränderungen an einem Titel auf den Weg zu schicken. So wirken sich diese Bewertungen nicht nur auf die öffentliche Wahrnehmung des entsprechenden Titels aus, sondern auch auf den verantwortlichen Entwickler, der seinen Kunden die bestmögliche Spielerfahrung zu bieten versucht.

In einem Gastbeitrag für GameStar Plus, in dem es um toxische Gaming-Communitys und ihren Einfluss auf Videospielentwickler geht, erklärt Chris Kramer konkret:

"Nicht selten bildet sich im Laufe der Zeit eine Hardcore-Community, die große Schwierigkeiten mit den Entwicklern hat, weil diese nicht tun, was einzelne Spieler wollen. Diese Hardcore-User spielen zwar trotzdem täglich, bringen den Entwicklern dabei aber eine Art Hassliebe entgegen.

Das gipfelt in besonders absurdem Verhalten. Beispielsweise haben wir über längere Zeiträume hinweg Daten gesammelt und so herausgefunden, dass regelmäßige Updates für eine erheblich schlechtere Durchschnittsbewertung sorgen. Das liegt daran, dass Spieler besonders gerne etwas schreiben, wenn man sie verärgert, nicht so sehr, wenn man sie glücklich macht.

Und jedes Update birgt Verärgerungspotenzial, besonders bei der Hardcore-Community, die schnell Kritikpunkte findet, und sei's ein Detail à la »Was, nur eine kostenlose Map!?« oder »Warum wurde Waffe XYZ nicht generft!?«. Dieses Verhalten ist dermaßen destruktiv, dass Entwickler mit einem besseren Review-Score und dadurch auch höheren Verkäufen belohnt werden, wenn sie ein Spiel einfach über Monate gar nicht updaten. Absurd."

Dabei bezieht sich Kramer natürlich auf die Produktionen seines eigenen Studios und kann nicht stellvertretend für andere Entwickler sprechen. Folgen wir jedoch Kramers Logik, ist es laut ihm für Entwickler sinnvoller und darüber hinaus gesünder, statt auf mehrerer kleines Updates auf ein großes, gravierendes zu setzen.


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No Man's Sky: Funkstille + Riesen-Update = Erfolg?

Hierfür könnte man No Man's Sky als Beispiel heranziehen: zum Launch des Spiels am 09. August 2016 waren User mehr als nur unzufrieden mit dem Zustand von No Man's Sky. Ihnen zufolge wurden zahlreiche Entwickler-Versprechen gebrochen, während das Spiel nicht dem Zustand entsprach, der beworben wurde.

Doch anstatt über drei Jahre hinweg No Man's Sky mit kleineren Updates zu überarbeiten, hüllte sich Hello Games nach einem nahezu desaströsen Launch in Stillschweigen, brach den Kontakt mit der Community beinahe komplett ab und arbeitete an Beyond, ohne sich zu sehr in die Karten schauen zu lassen. Damit hatte die Community kaum etwas zu meckern - außer, dass sie No Man's Sky noch immer blöd fanden und jetzt nicht einmal mehr Hello Games etwas von sich hören lässt.

Der Lohn dafür: mit dem Launch des Beyond-Updates erlebte No Man's Sky eine kleine Renaissance - die Spieler waren glücklich, überschütteten Hello Games mit Lob und positiven Wertungen und hatte endlich »das Spiel, das sie sich von Anfang an gewünscht hatten«.

Und sogar Chefentwickler Sean Murray erklärte im Juli 2019, dass sie ihre Lehren aus dem zu aktiven Umgang mit der Community gezogen hätten: ihm zufolge würde es »nichts bringen, mit den Spielern zu reden«. Murry beschreibt, dass »Taten wichtiger als Worte« seien. Statt einen Eimer Wasser ins lodernde Feuer zu kippen, ruft mal also lieber gleich die Feuerwehr.

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