Steuer auf brutale Spiele - Gesetzesvorstoß eines US-Bundesstaats sorgt für Diskussion

Erneut gibt es in den USA Bemühungen, gewalthaltige Spiele mit einer Sondersteuer zu belegen. Beim ESRB regt sich bereits Widerstand.

von Christian Just,
08.02.2019 14:54 Uhr

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Gesetzgeber im US-Bundesstaat Pennsylvania haben einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der eine Sondersteuer auf gewalthaltige Computerspiele vorsieht. Urspünglich hatte der republikanische Politiker Christopher Quinn den Vorschlag bereits 2018 auf den Weg gebracht, allerdings verließ das Papier erst jetzt das entsprechende Komittee (via Gamespot).

Konkret schlägt der Gesetzesentwurf vor, eine sogenannte »Sündensteuer« von 10 Prozent zusätzlich zur regulären Steuer zu erheben, wenn ein Videospiel vom ESRB als Kategorie M (Mature, zu Deutsch »Für Erwachsene«) eingestuft wird. Der Begriff Sündensteuer (engl. Sin Tax) fällt immer wieder im Zusammenhang mit einer Sonderstellung von Produkten, die als »sündig« gelten.

Virtuelle Gewalt gleich reale Gewalttaten?

Als Grund, warum Videospiele für Erwachsene einer solchen Steuer würdig seien, erklärte Christopher Quinn im September letzten Jahres, dass er einen Zusammenhang zwischen virtueller und realer Gewalt sehe:

"In den letzten Jahren scheinen Gewalttaten an Schulen häufiger und intensiver zu sein. [...] Ein Faktor, der zum Anstieg und zur Intensität der Gewalt an Schulen beitragen kann, ist das Material, das Kinder in Videospielen sehen und ausleben."

Um diese These zu stützen, zitierte Quinn einen Artikel des National Center for Health Research, einer US-amerikanischen Nonprofit-Organisation zur Erforschung von Krankheitsprävention. Der Artikel stellt einen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Konsum von gewalthaltigen Computerspielen und einer Zunahme aggressiver Gedanken, Verhalten und Gefühle bei Spielern her. Der Artikel selbst beruft sich bei dieser Aussage auf eine Analyse, die 2010 im Psychologie-Fachmagazin Psychological Bulletin veröffentlicht wurde.

Allerdings gibt der Artikel ebenfalls zu bedenken, dass es für den Anstieg von real ausgelebter Gewalt im Zusammenhang mit Videospielen keinen wissenschaftlichen Beweis gibt. Zudem werden weitere potenzielle Faktoren für erhöhtes Gewaltaufkommen wie »Geisteskrankheit und einfacher Zugang zu Waffen« genannt, beides Punkte, die in der Argumentation des konservativen Politikers unerwähnt bleiben.

Christopher Quinn beabsichtigt, die per Sondersteuer eingenommenen Gelder ausschließlich für das Einrichten und Füttern von Fonds aufzuwenden, die zur Sicherheit und Aufklärung an Schulen beitragen sollen.

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Widerstand formiert sich

Das Entertainment Software Rating Board (ESRB), verantwortlich für die Alterseinstufung von Videospielen in den USA, zeigte sich bereits kämpferisch, gegen den Gesetzesvorschlag vorgehen zu wollen. Dabei berief sich das ESRB seinerseits auf Studien, die keinen Zusammenhang zwischen virtueller und realer Gewalt feststellen konnten. Gegenüber Variety äußerte das ESRB:

"Zahlreiche Behörden - darunter Wissenschaftler, Mediziner, Regierungsbehörden und der US Supreme Court - fanden heraus, dass Videospiele keine Gewalt verursachen. Wir ermutigen die Gesetzgeber in Pennsylvania, mit uns zusammenzuarbeiten, um das Bewusstsein für die elterliche Kontrolle und das ESRB-Bewertungssystem für Videospiele zu schärfen, die wirksame Instrumente sind, um sicherzustellen, dass Eltern die Kontrolle über die in ihrem Haus gespielten Videospiele behalten."

In den USA gab es bereits mehrfach den Versuch, eine Sondersteuer auf gewalthaltige Computerspiele zu erheben, bislang allerdings ohne Erfolg. Ob der neuerliche Vorstoß nun als Gesetz verabschiedet wird, muss die Zeit zeigen.

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