Strip Fortnite in den YouTube Trends - Skandal um Nackt-Content: So reagiert das Netz

Fortnite geht nicht nur bei Let’s Playern durch die Decke, auch Prank-Kanäle haben das Potential auf YouTube für sich entdeckt. Als Folge schwappt eine immer größer werdende Zahl von angeblich erotischen Videos in die Trends.

von Sandro Odak,
17.04.2018 18:17 Uhr

Fortnite Strip-Skandal - Das sagt ein YouTube-Profi zu den Clickbait-Vorwürfen 14:16 Fortnite Strip-Skandal - Das sagt ein YouTube-Profi zu den Clickbait-Vorwürfen

Ein neuer Trend macht auf YouTube die Runde. Nachdem eine Zeitlang Pranks und gefährliche Challenges auf der Tagesordnung standen, explodiert im Moment vor allem ein Spielethema: Fortnite. Gut für Epic Games, schlecht für YouTube. Denn nicht alle Videoproduzenten scheinen sich qualitativen Inhalten verschrieben zu haben.

In den letzten Tagen war vor allem ein bestimmter Video-Typ im Gespräch: »Strip Fortnite«. Dabei kündigen YouTuber wie RiceGum, Morgz oder Kwebbelkop in ihren Videotiteln an, bei jedem Kill in Fortnite entweder ein Kleidungsstück zu entfernen oder andere sexualisierte Handlungen auszuführen. Ein YouTuber will zum Beispiel bei jedem Kill an seiner Freundin lecken, ein anderer Viagra-Pillen schlucken.

So weit, so normal, zumindest auf gewissen YouTube-Kanälen. Das jedenfalls erklärt uns Florian Heider, selbst mit dem Satire-Kanal Der Heider auf der Videoplattform aktiv:

"Videoproduzenten nutzen Clickbait, um schnell und einfach Geld zu verdienen. Ein junges Publikum mit Brüsten und Fortnite anzulocken, ist eben ein einfaches und einträgliches Geschäft."

Nackte Minderjährige versprochen

Doch Stein des Anstoßes in der aktuellen Clickbait-Debatte sind nicht nur erfundene Überschriften und gefälschte Titelbilder, sondern ein besonders schwerer Fall, in den sich kurze Zeit sogar die britische Polizei eingeschaltet hat: Der YouTuber touchdalight versprach in einem seiner Video-Titel, dass Zuschauer seine 13-jährige Schwester nackt sehen könnten.

Die Person im Video ist zwar weder 13 Jahre alt, noch seine Schwester. Dennoch musste er das Video nach einem Aufschrei entfernen. Einsichtig ist der Internet-VIP nicht, wie er in einem Video dazu berichtet:

"Ich bin doch nur ein Junge, der in eine Kamera spricht. Ich versuche nur, ein paar Clickbait-Videos zu produzieren, um mir einen Namen zu machen. […] Ich wollte keine Kinderpornografie erstellen und natürlich war meine Drehpartnerin nicht wirklich 13. […] Mein Humor ist einfach abgedreht."

Dass diese Art von Videos beliebt ist, erklärt Florian Heider mit der Unbedarftheit der selbst noch jungen Zuschauer:

"Es kann sein, dass das eine bestimmte Form von Voyeurismus und Naivität ist, vor allem bei dem jüngeren Klientel. […] Eigentlich müsste jedem klar sein, dass zu 99,9% kein krasser Inhalt hinter solchen Versprechungen versteckt ist. Weil YouTube diese Inhalte in seinen Nutzerrichtlinien verbietet."

Strip Fortnite, der neue Trend auf YouTube: Solche Clickbait-Überschriften überschwemmen YouTube.Strip Fortnite, der neue Trend auf YouTube: Solche Clickbait-Überschriften überschwemmen YouTube.

Zuschauer wollen manchmal veralbert werden

Fast alle Videos dieser Machart haben Eines gemein: Sie versprechen mehr als sie tatsächlich einhalten. In den wenigsten Videos zieht sich tatsächlich jemand aus und falls doch, dann achten die YouTuber penibel darauf, die Regeln des Netzwerks einzuhalten. Manche machen sich sogar einen Scherz daraus, mit Absicht zu verlieren, nur um dann in der kommenden Runde abzuräumen, in der das »Strip-Angebot« der Freundin nicht mehr zählt.

Solche Videos ziehen Millionen meist junge Zuschauer an. Die angeblichen Strip-Videos von RiceGum allein haben zusammen fast 37 Millionen Aufrufe generiert. Wie sich das ändern ließe? Einfach nicht einschalten. Denn was erfolgreich wird, kontrollieren die Zuschauer mit ihrem Klick. Florian Heider denkt jedoch nicht, dass das geschehen wird:

"Viele Zuschauer wollen von sowas gelockt und manchmal auch verarscht werden."

Insgesamt 37 Millionen Aufrufe hat der YouTube RiceGum auf seinen Strip-Fortnite-Videos. Florian Heider denkt, dass die meisten zu jung sind, um die Regeln von YouTube zu verstehen.Insgesamt 37 Millionen Aufrufe hat der YouTube RiceGum auf seinen Strip-Fortnite-Videos. Florian Heider denkt, dass die meisten zu jung sind, um die Regeln von YouTube zu verstehen.

YouTube-Videos wie die von touchdalilght und RiceGum werden hunderttausendfach oder mehrere Millionen Mal abgerufen. Die Kanäle dahinter verdienen Geld durch Werbeeinblendungen. Kurioserweise oft durch Fortnite selbst: Viele der kritisierten Videos werden gesäumt von Werbebannern von Epic Games oder anderen Firmen, die sich rund um Fortnite angesiedelt haben.

Ein Phänomen verschafft Clickbait sogar noch mehr Erfolg: die YouTube-Trends. Das ist eine der Kategorien auf YouTube, die angeblich besonders relevante Videos nach Ländern sortiert und Empfehlungen ausspricht. Doch dahinter steckt keine redaktionelle Auswahl, sondern ein Algorithmus:

"In den YouTube Trends landen häufig Videos, die innerhalb der ersten Stunde(n) eine sehr hohe Interaktionsrate haben. Interaktionen sind nicht nur Klicks, sondern vor allem Kommentare, Video-Shares oder Daumen-Bewertungen."

Das Absurde: Selbst, wenn Clickbait-Videos schlecht ankommen, könnten die resultierenden Kommentare und Shares dafür sorgen, dass der Algorithmus einen guten, relevanten Content zu erkennen glaubt. Für Florian Heider, der selbst oft mit seinen Videos in den Trends ist, ist jedenfalls klar:

"Qualität ist kein Kriterium, um in die Trends zu kommen."

Das sagen andere Streamer und Epic Games

Nicht alle Fortnite-YouTuber unterstützen solchen Clickbait. Als dieser Artikel entsteht, sind unter dem Titel »Strip Fortnite« und »Fortnite Strip« zusammen knapp 140.000 Videos zu finden. Insgesamt gibt es jedoch schon mehr als 29 Millionen Videos zu Fortnite.

Und selbst unter Fortnite-Spielern macht sich langsam Unmut breit. TSN_Myth, selbst ein erfolgreicher Spieler und Streamer, findet für seine Kollegen ziemlich klare Worte:

"Wenn RiceGum fragt, wieso er nicht Clickbait-Videos veröffentlichen sollte, wenn sie doch so erfolgreich sind: Weil er großen Einfluss auf junge Menschen im Internet hat. Sie schauen zu ihm und seinen Werten auf. Doch [RiceGums] Werte bestehen nur aus materialistischen Dingen, Frauen und Sex."

Und auch Epic Games, die Entwickler von Fortnite, wollen nun gegen sexualisierte Inhalte vorgehen - zumindest monetär. In einem Statement gegenüber Polygon haben sie Änderungen bei Werbebuchungen angekündigt:

"Diese Fälle waren uns nicht bekannt und wir werden dagegen vorgehen. Obwohl Online-Werbung oft durch den Einsatz von Algorithmen ausgesteuert wird, arbeiten aktiv an einer Liste von Schlüsselwörtern und Filterlisten, um zu gewährleisten, dass unsere Werbung nur in Umfeldern ausgespielt wird, die zu unserer Marke passen. Manchmal rutschen uns Dinge durch, wir werden in Zukunft daher noch aggressiver filtern."


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