Update: Donald Trump & führende US-Republikaner geben Videospielen Mitschuld an Attentaten in den USA

In Texas und Ohio starben am vergangenen Wochenende 29 Menschen bei zwei Schießereien. Laut US-Präsident Donald Trump sowie dem Vorsitzenden der Republikaner im US-Repräsentantenhaus seien Videospiele einer der Gründe für solche Gewalttaten.

von Michael Herold,
06.08.2019 11:55 Uhr

Der US-Republikaner Kevin McCarthy erklärt im Interview mit Fox News, wie gefährlich Videospiele seiner Erfahrung nach sind. (Bildquelle: Fox News)Der US-Republikaner Kevin McCarthy erklärt im Interview mit Fox News, wie gefährlich Videospiele seiner Erfahrung nach sind. (Bildquelle: Fox News)

Update vom 6. August: Inzwischen hat auch US-Präsident Donald Trump Videospiele mit den Attentaten in Texas und Ohio in Verbindung gebracht. In einer 10-minütigen Ansprache aus dem Weißen Haus erklärte er, dass man "Gewalt nicht unnötig zelebrieren dürfe":

"Wir müssen die Glorifizierung von Gewalt in unserer Gesellschaft stoppen. Das betrifft auch die grausamen und grausigen Videospiele, die heute zu unserem Alltag gehören. Es ist heutzutage viel zu leicht für aufgewühlte Jugendliche, sich mit einer Kultur zu umgeben, die Gewalt zelebriert. Wir müssen das beenden oder zumindest erheblich reduzieren, und das muss sofort passieren."

Neben Videospielen kritisierte er aber auch ausdrücklich das Internet im Allgemeinen. Laut Trump dürfe man "die Gefahren des Internets und sozialen Medien nicht ignorieren" und das hätte er auch nicht vor. Er hätte die Bundesbehörden sowie Social-Media-Unternehmen bereits angewiesen, "Werkzeuge zu entwickeln, um Amokläufer zu erkennen, bevor sie zuschlagen".

29 Tote bei Attentaten in Texas und Ohio

Original-Meldung vom 5. August: Am vergangenen Wochenende wurden in den USA zwei Attentate verübt, bei denen insgesamt 29 Menschen ums Leben kamen. Einer der Auslöser für diese Gewaltakte sollen angeblich Videospiele gewesen sein, das behauptet zumindest Kevin McCarthy, der Vorsitzende der Republikanischen Partei im US-Repräsentantenhaus.

Was genau ist bei den Attentaten passiert? Am Samstag, den 3. August eröffnete zunächst ein 21-jähriger US-Amerikaner das Feuer in einem Walmart in der texanischen Grenzstadt El Paso. Bei der Schießerei starben 20 Menschen und 26 weitere wurden verletzt, anschließend ließ sich der Täter ohne Widerstand von der Polizei festnehmen.

Nur knapp 13 Stunden später fand in der Stadt Dayton im Bundessaat Ohio ein zweites Attentat statt. Dort erschoss in der Nacht zum Sonntag, den 5. August ein 24-jähriger neun Menschen (darunter offenbar auch seine eigene Schwester) und verletzte zudem noch 26 weitere. Der Schütze wurde noch am Tatort von der Polizei erschossen.

Videospiele würden "Individuen entmenschlichen"

Was sollen Videospiele damit zu tun haben? In einem Interview mit dem Fernsehsender Fox erklärte Dan Patrick, der republikanische Lieutenant Gouverneur von Texas (also der zweitwichtigste Mann im Bundesstaat nach dem Gouverneur), dass der erste der beiden Täter im Internet ein Manifest veröffentlicht hätte. Darin stünde, dass der Schütze "seine Super-Soldaten-Fantasien aus Call of Duty ausleben wolle." Die Echtheit dieses Manifests ist allerdings noch nicht bestätigt.

In einem zweiten Fox-Interview nahm der US-Republikaner Kevin McCarthy dieses Thema auf und erklärte auf konkrete Nachfrage der Moderatorin, dass Videospiele ein großes Problem in diesem Kontext seien. Dafür gebe es angeblich auch Studien, welche genau er meint, verrät er allerdings nicht. Dennoch würden Spiele "Individuen entmenschlichen" und das sei eine Gefahr:

"Das ist ein Problem für künftige Generationen und andere. Wir schauen auf Studien, die schon früher gezeigt haben, was das mit einem Individuum anstellt. Wenn man sich auf diesen Fotos anschaut, wie das alles von statten ging, kann man dieselben Aktionen auch in Videospielen sehen."

Wer genau ist Kevin McCarthy? Diese kritischen Worte gegenüber Videospielen kommen nicht von irgendwem, denn McCarthy sitzt auf einem der wichtigsten politischen Posten der gesamten republikanischen Partei. Der 54-jährige Kalifornier ist seit 2014 der Fraktionsvorsitzende der Republikaner im US-Repräsentantenhaus.

Auch wenn in der Kongresskammer zurzeit die Demokraten die Mehrheit halten, führt McCarthy die (mit 197 von 435 Sitzen) recht starke Minderheit an, ist in diesem Gremium also der Oppositionsführer.

US-Demokraten sehen das Problem eher bei Waffen

Einige US-Demokraten widersprechen McCarthy bereits, zum Beispiel die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez via Twitter. Die Vorsitzende der Demokraten und Sprecherin des US-Repräsentantenhaus Nancy Pelosi, also quasi das direkte Gegenstück zu McCarthy, erklärt in einem Statement, dass Waffengewalt das eigentliche Problem sei.

Videospiele werden in den USA immer wieder als mögliche Ursache für Attentate thematisiert. Nach einem Schulamoklauf in Florida im Februar 2018 erklärte zum Beispiel der Gouverneur von Kentucky, dass Videospiele Schuld daran seien und "genauso schlimm wie Pornografie" wären. Auch US-Präsident Donald Trump äußerte sich bereits kritisch gegenüber Spielen, denn die Gewalt darin "formt junge Menschen", deshalb sollten sie besser kontrolliert werden.

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