Youtube mit Pop-Ups gegen EU-Urheberrechtsreform - Aber trotzdem für Upload-Filter?

Youtube verstärkt die eigene Kampagne gegen die EU-Urheberrechtserform: Per Pop-Up warnt die Plattform ihre Nutzer neuerdings vor Artikel 13. Allerdings werden auch Youtubes Motive in Frage gestellt.

von Sara Petzold,
22.11.2018 19:05 Uhr

YouTube verschärft mit Pop-Ups die Kritik an Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform. (Bildquelle: YouTube)YouTube verschärft mit Pop-Ups die Kritik an Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform. (Bildquelle: YouTube)

Youtube verstärkt den publikumswirksamen Kampf gegen Artikel 13 der geplanten EU-Urheberrechtsreform. Nachdem Youtubes CEO Susan Wojcicki während der vergangenen Wochen wiederholt in Blog-Beiträgen vor den Folgen von Artikel 13 für Youtuber und ihre Inhalte gewarnt hatte, greift der Konzern jetzt zu direkteren Mitteln.

Wie Torrentfreak mit Bezug auf einen Artikel von TheVerge berichtet, hat Youtube eine Aktion gestartet, die Youtube-Nutzern ein hauseigenes Pop-Up einblendet. Dieses Pop-Up spricht von »ungewollten Konsequenzen«, die Artikel 13 haben könnte - und leitet auf die Webseite der Youtube eigenen SaveOurInternet-Kampagne weiter.

Konkret warnt Youtube, dass Artikel 13 Youtuber und Zuschauer auf der Plattform direkt betreffen werde. Es gebe einen »besseren Weg«, um die Rechte von Künstlern im Internet zu schützen, heißt es außerdem.

Was sind Youtubes Motive?

Allerdings hat der Protests Youtubes gegen Artikel 13 eine Debatte ausgelöst, in deren Zentrum die Frage nach den tatsächlichen Beweggründen der Plattform in Bezug auf die Urheberrechtsreform steht. Julia Reda, EU-Abgeordnete der Piratenpartei etwa erklärte gegenüber Torrentfreak, dass die Youtube-Chefin bei den Verhandlungen sogar aktiv für Content-Filter werbe.

Tatsächlich gehe es Youtube mit der Kritik an Artikel 13 lediglich darum, eine potenzielle gesetzliche Haftbarkeit für die Plattformbetreiber zu verhindern, sollte mit der Reform das sogenannte Provider Privileg (aktuell muss ein Plattformbetreiber erst aktiv werden, wenn er auf Urheberrechtsverstöße hingewiesen wurde) wegfallen. Youtube erwartet vielmehr, dass Plattformen nur dann für Inhalte haftbar gemacht werden können, auf die man sie vorher gezielt aufmerksam gemacht habe oder die sie mithilfe von Systemen wie Content ID identifizieren können.

Welcher Vorteil sich aus einer solchen Interpretation der Notwendigkeit von Upload-Filtern für Youtube ergeben könnte, bringt Julia Reda folgendermaßen auf den Punkt:

"Wenn der ganze Markt solche Filter installieren müsste, hätte Youtube [mit Content ID] nicht nur einen gigantischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz bei der Entwicklung derartiger Technologien, sondern wäre außerdem in der Lage, diese Filter an kleinere Plattformen zu verkaufen. Große Plattformen wie Youtube würden weiter wachsen und bekämen ein völlig neues Geschäftsmodell an die Hand. Die merklich kleineren EU-Mitbewerber blieben dann auf der Strecke."

Eine andere Form der Kritik an Youtubes Vorgehen übt derweil Geoff Taylor, CEO der Musik-Gruppe BPI. Seiner Meinung nach betreibt Youtube ein »Flächenbombardement an Propaganda«, das sich anfühle, als wolle der Konzern die Legitimität des demokratischen Prozesses infrage stellen:

"Artikel 13 wurde während der vergangen vier Jahre sorgfältig von der EU-Kommission, dem EU-Rat und dem EU-Parlament geprüft. Youtube versucht jetzt anscheinend, als Panikmacher aufzutreten und die EU dazu zu bewegen, Entscheidungen zu widerrufen, die nach einer vollständigen Debatte getroffen wurden, weil es das Ergebnis nicht mag."

In welcher Form Artikel 13 tatsächlich in Kraft treten wird, ist derweil noch nicht vollständig geklärt. Eine finale Abstimmung über den genauen Wortlaut des Gesetzes wird für Anfang 2019 erwartet.

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