Spannung neu definiert

Valve schlägt erneut zu, diesmal mit einer Mischung seiner bisherigen Spiele: Wenn man Team Fortress mit der Idee eines Half Life kreuzt, kommt wohl ungefähr so...

von kover am: 24.11.2008

Valve schlägt erneut zu, diesmal mit einer Mischung seiner bisherigen Spiele: Wenn man Team Fortress mit der Idee eines Half Life kreuzt, kommt wohl ungefähr so etwas wie Left 4 Dead raus. Ein atmosphärischer Koop-Shooter mit filmreifer Inszenierung und einem ständig wechselnden aber durchweg überzeugenden Spielerlebnis.

Story?

Die meisten werden wohl schon von dem Spiel gehört haben, demnach wissen die meisten wohl auch, dass Left 4 Dead in Sachen Story nicht besonders viel zu bieten hat. Das Intro-Video lässt die Situation erahnen: Ein Virus, der die meisten Menschen in aggressive Zombies (bzw. „Infizierte“) verwandelt, hat sich breit gemacht. Und diese nicht selten in Rudeln auftretenden Zombies machen sich einen Spaß daraus, die ganze Nacht lang unschuldige Überlebende zu jagen.
Diese Hintergrundgeschichte, sofern man sie überhaupt so nennen kann, ist, um es mal positiv auszudrücken, dünn. Man erfährt weder, wie der Virus entstand, noch, wie er sich verbreitet hat usw., wie es für vergleichbare Filme und auch Videospiele eigentlich üblich ist. Verschenktes Potential? Nicht unbedingt. Denn das Spiel legt zuviel Wert auf seine Existenzberechtigung, den Spaß der Spieler, als dass es eine logische und stringente Story erzählen könnte, da die sich mit dem Multiplayererlebnis vielleicht, auf jeden Fall aber nicht mit dem gewünscht hohen Wiederspielwert vereinbaren ließe. So belässt Left 4 Dead es also bei nahezu keiner Story, anstatt auf halbgare Pseudo-Erklärungen für die Lage zurückzugreifen. Dem Spielspaß schadet das jedenfalls nicht.

Zombies?!

Würde man das Spiel mit einem einzigen Wort beschreiben, so wäre dies wahrscheinlich „Zombies“. Das lässt vermuten, dass das Spiel ebenso anspruchslos und monoton ist, wie das behandelte Subjekt. Dem ist aber nicht so: Statt anspruchslosem Geballer ist, vor allem auf höheren Schwierigkeitsstufen, Kooperation und teilweise taktisches Vorgehen gefragt. Auch wird das Spielprinzip so schnell nicht langweilig, da die fünf sinnvoll gewählten „besonderen Infizierten“ permanent für Überraschungen sorgen. Dabei erfordert jeder dieser speziellen Zeitgenossen eine andere Vorgehensweise in der Bekämpfung, sodass beispielsweise das sonst erforderliche „Immer druff“ bei drei von ihnen (Hunter, Boomer, Witch) nicht besonders ratsam ist. Für Abwechslung ist also gesorgt.

Spannung!

Left 4 Dead nimmt sich vor, in seiner Inszenierung guten Hollywood-Produktionen zu gleichen und ist dabei erstaunlich erfolgreich. Zum Einen wäre da die Tatsache, dass alles, was dem Spieler passiert, von immer passender Musik untermalt wird. So ertönt beispielsweise nach der Aktivierung der Alarmanlage eines Autos eine hektische, den Spieler in Panik versetzende Musik, die den Ansturm unerwünschter Zombie-Massen ankündigt oder jegliche Hintergrundgeräusche werden auf ein Minimum reduziert, sobald man das Geschluchze einer in der Nähe befindlichen Witch vernimmt. Zum Anderen erweckt die Licht- und Farbgestaltung der Levels zusammen mit den perfekt integrierten vereinzelt umhertorkelnden Zombies eine unglaublich bedrohliche Atmosphäre. Hinzu kommt die Tatsache, dass der sog. AI Director das Vorkommen von gewöhnlichen und besonderen Infizierten (ebenso wie Waffen, Munition und sonstigen Gegenständen) vom Zufall abhängig macht, sodass man auch beim mehrfachen Durchspielen der Levels niemals weiß, was einen erwartet.

Motivation?

Damit wären wir bei einem sehr wichtigen Punkt: Die Tatsache, dass es nur 4 Kampagnen zu jeweils 5 relativ kurzen Level gibt, die man insgesamt in rund 5-6 Stunden durchspielen kann, erscheint zunächst störend und erinnert an Half Life 2: Episode 1, was zwar kein Vollpreistitel war, aber in ähnlich kurzer Zeit durchzuspielen. Left 4 Dead hingegen ist genau so kurz, und soll an die 50€ kosten? Für die Spieler, die tatsächlich jede Kampagne genau einmal durchspielen wollen, wäre das sicherlich viel zu teuer. Aber ich bezweifle, dass es solche in diesem Fall gibt – denn das Spielerlebnis ändert sich, wie oben beschrieben, bei jedem Neustart gravierend. Ich konnte beispielsweise Die erste Kampagne bereits drei mal bis zum Schluss spielen, die ersten zwei Levels davon sogar 20-30 mal (im Zuge der Demo), und fühlte mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Das Spiel lässt also auf eine Beschäftigungsdauer im Bereich eines Battlefield 2 oder Counterstrike hoffen, vor Allem unter Betrachtung des Versus-Modus’.

Und die Technik?

Grafisch ist Left 4 Dead zwar mit einem Crysis nicht vergleichbar, die Source-Engine leistet aber dennoch ganze Arbeit: Die Effekte sind durchweg gelungen, die Animationen sind wie immer hervorragend und Licht-Effekte waren auch in nicht vielen Spielen so gut eingesetzt. In seltensten Fällen hatte ich das Gefühl, dass etwas „out of place“ wirkte oder schlichtweg einen grafisch schlechten Eindruck erzeugte. Das Spiel sieht also in keinster Weise schlecht aus – es hat schlichtweg andere Stärken als sonstige moderne Shooter. Und dazu kommt die Tatsache, dass es nahezu lächerliche Hardwareanforderungen hat. Auf meinem Mittelklasse-Computer z.B. läuft es auf höchsten Einstellungen ausnahmslos flüssig.
Flüssig laufen übrigens auch die Multiplayer-Partien, bisher zumindest. Dem Multiplayer-Spaß steht also nichts im Wege.

Fazit

Left 4 Dead mag technisch keine Pionierarbeit leisten und keine Story besitzen – was das Gameplay und die Atmosphäre anbelangt ist es jedoch ganz weit oben mit dabei. In meiner gesamten Spieler-„Karriere“ hatte ich nie soviel Spaß bei einem Actionspiel. Vor allem für LAN-Parties gibt es wahrscheinlich kein Spiel, das so gut geeignet ist. Da sehe ich gern über die Tatsache hinweg, dass es technisch wenig neues bringt und auf den ersten Blick langweilig zu sein scheint und bezahle auch gerne die 45€ - zumal es dank Steam keinen störenden Kopierschutz wie SecuRom verwendet.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: Gute Animationen, Schöne Effekte, Beleuchtung
  • Sound: Musik, Spezielle Boss-Geräusche
  • Balance: Dynamische KI,4 Schwierigkeitsgrade,Friendly Fire
  • Atmosphäre: Sound und Licht, Klaustrophobie,
  • Bedienung: Typische Shooter-Steuerung,Übersichtliche Menüs
  • Umfang: Dynamische Anpassung der Level, Wiederspielwert
  • Leveldesign: Stringent und sinnvoll, Wechselnder Inhalt
  • Teamwork: Immer notwendig, Motivierend
  • Waffen & Extras: Alle Waffen sinnvoll,Rohrbomben etc.
  • Multiplayer-Modi: Sehr spaßig, Fair, Teamwork, leicht zugänglich
  • Grafik: Teils unscharfe Texturen
  • Bedienung: Seltene Server-Probleme
  • Umfang: Nur 6 Waffen, 4 kurze Kampagnen
  • Leveldesign: Gelegentlich unglaubwürdig
  • Waffen & Extras: Zu begrenzte Auswahl

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(4)

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