Andrzej Sapkowski: Gieriger Sack oder geprellter Künstler. Eine persönliche Betrachtung

Von Relix · 29. Oktober 2018 · ·
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  1. Als bekannt wurde, dass Andrzej Sapkowski Nachzahlungen in der Höhe von umgerechnet 14 Millionen Euro von CD Projekt für die Spielumsetzung seiner Witcher Marke fordert, wurde die Diskussion schnell sehr emotional. Einige beschimpften Sapkowski als habgierig und dumm, andere sahen seine Ansprüche durchaus als gerechtfertigt an. Ich selbst muss zugeben, dass ich Sapkowski in einem Kommentar als "undankbaren geldgierigen Sack" bezeichnet habe. Mittlerweile sehe ich die Sache etwas differenzierter und werde versuchen in meiner Darstellung etwas neutraler zu bleiben und mich mit derartiger Polemik zurück zu halten. Dennoch ist der folgende Text von meiner Meinung gefärbt, doch ich werde versuchen meine Standpunkte und die Fakten möglichst klar zu trennen.

    Die Hintergründe:


    1. Was ist geschehen?
    (Einige wichtige Eckdaten)
    In den Jahren 1992 und 1993 veröffentlichte Andrezj Sapkowski mehrere Kurzgeschichten mit der Figur des Geralt von Riva, welche er zuerst für einen Kurzgeschichten Wettbwerb im Jahre 1985(dritter Platz) erdacht hatte. Beide wurden in den Jahren 1998 auf Deutsch unter den Titeln "Schwert der Vorsehung" und "Der letzte Wunsch" herausgebracht.
    In den Jahren 1994-1999 veröffentlichte er dann die fünf Bücher seines Hexerzyklus, welche 2008-2011 auch ins Deutsche übetragen wurden.
    2001 wurde der Witcher zum ersten Mal für polnische Publikum als Film und Fernsehserie umgesetzt.
    Quelle:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Andrzej_Sapkowski
    (Hier geht es nicht um meine Fähigkeit Wikipedia abzuschreiben, diese Daten sind wichtig für die spätere Argumentation.
    1997 kauft Adrian Chmielarz zum ersten Mal die Lizenz für eine Videospielumsetzung der Witcher Reihe. Es fand eine einmalige Zahlung statt, doch das Spiel erschien nie.
    Quelle:
    https://www.eurogamer.net/articles/2014-06-16-the-witcher-game-that-never-was
    Später gibt es einen Vertrag zwischen CD Projekt und Andrezej Sapkowski über die Rechte einer Videospielumsetzung der Witcher Bücher. Der Autor lehnt eine Prozentuelle Gewinnbeteiligung ausdrücklich ab. Eine Summe von umgerechnet 8000 wird an den Autor gezahlt. Das Spiel erschien 2007
    Quelle:
    https://www.gamestar.de/artikel/the...14-millionen-euro-von-cd-projekt,3335405.html
    https://www.eurogamer.net/articles/...-sapkowski-the-writer-who-created-the-witcher

    Die Witcher Spiele werden sehr erfolgreich und es erscheinen DLCs und Addons. Witcher 3 erwirtschaftet
    bis März 2017 rund eine Milliarde Zloty (etwa 236 Millionen Euro) Umsatz.
    Quelle:
    https://de.wikipedia.org/wiki/The_Witcher_3:_Wild_Hunt

    Oktober: 2018: Sapkowski fordert: 60Millionen Zloty (etwa 14 Millionen Euro) Nachzahlung von CD Projekt Red für die Rechte an seinem Werk.
    Quelle:
    https://bit.ly/2NgjKfl


    2.Was fordert Sapkowski und wie begründet er seine Forderung?

    Sapkowski fordert die unverzügliche Zahlung der oben erwähnten 14Millionen Euro und droht mit rechtlichen Schritten.
    Er/seine Anwälte begründen die Forderungen im wesentlichen mit zwei Argumenten.
    Das erste Argument ist, dass nach ihrer Ansicht CD Projekt wenn überhaupt, dann nur die Rechte hatte ein einziges Spiel zu machen. Die anderen Teile seien illegal erschienen.
    Außerdem berufen sie sich auf Artikel 44 des polnischen Urheberrechts laut dem einem Autor eine Nachzahlung zusteht, falls die durch sein Werk erwirtschafteten Gewinne die im ursprünglichen Vertrag festgelegte Entlohnung bei weitem übersteigen.
    Quelle:
    https://www.gamestar.de/artikel/the...14-millionen-euro-von-cd-projekt,3335405.html
    Ähnliche, wenn auch nicht gleiche Regelungen gibt es auch im deutschen Urheberrecht (Bestsellerparagraph)
    (Interessanter Artikel dazu)
    https://www.wbs-law.de/urheberrecht...ozess-kameramann-erhaelt-nachzahlungen-67768/

    Der Rechtsstreit und der Streitende:

    1. Was ist rechtlich zu klären?
    Da CD Projekt nach meinem derzeitigen Wissenstand die Zahlung abgelehnt hat und sich im Recht sieht (siehe bereits erwähnte Gamestar Artikel zu diesem Thema) wird es entweder zur einer außergerichtlichen Einigung kommen oder aber einen Prozess geben. Ein solcher Prozess wäre bestimmt sehr spannend, da er einige Grundfragen klären muss:
    1. Galt der Vertrag tatsächlich nur für 1 Spiel
    2. Wie Hoch ist der Anteil Sapkowskis am Erfolg der Witcher Spiele und steht ihm eine Mehrzahlung zu?
    3. Ganz besonders spannend: Kann Sapkowski überhaupt auf eine Nachzahlung klagen, da er es ja selbst war, der eine einmalige Zahlung gefordert hat? (Siehe Eurogamer Interview)
    Dummerweise muss dieses interessante Thema an dieser Stelle offen bleiben, da der genaue Wortlaut des Vertrages öffentlich nicht bekannt ist. Außerdem bin ich kein Jurist und Meinungen zu juristischen Fragen sind ohne Fachwissen gefährlich!
    Ich würde mir also so oder so nicht die Finger bei dem Thema verbrennen wollen.

    2. Andrzej Sapkowski und sein Ruf in der Gamingwelt

    An dieser Stelle will ich gleich vorweg sagen, dass es um meine ganz persönliche Sicht der Dinge geht. Ich will auch festhalten, dass ich den Mann nicht persönlich kenne, ihm nie begegnet bin und bei allen Aussagen auf Drittquellen angewiesen bin. Diese Drittquellen vermitteln mir jedoch den Eindruck, dass Andrzej Sapkowski in der Gamingwelt spätestens seit dem öffentlich werden seiner Forderungen einen sehr umstrittenen Ruf genießt. Er gilt als ein Mann, der mit Videospielen nicht viel anfangen kann, sie vielleicht sogar für dumm hält und generell bei der Adaption seiner Werke nur am Geld interessiert ist:
    Quelle: https://www.eurogamer.net/articles/...-sapkowski-the-writer-who-created-the-witcher
    Persönlich denke ich jedoch mittlerweile (und ja ich habe das auch schon anders formuliert), dass Sapkowski nicht der raffgierige Ignorant ist, als den ihn alle hinstellen. Er ist in einer anderen Zeit aufgewachsen, in der Videospiele einfach blinkende Punkte am Bildschirm waren und hat in dieser Sicht einfach den Anschluss verpasst. In dieser Sicht hat er sich vielleicht zu Entscheidungen hinreißen lassen, die sich im Nachhinein als Fehler herausgestellt haben. Erfahrung ist dummerweise etwas, das man erst bekommt, kurz nachdem man es gebraucht hätte. Ansonsten bekomme ich persönlich und natürlich nur aus den Interviews und nicht aus eigener Erfahrung den Eindruck, dass Sapkowski den Fehler hat, Ausdrucks- und Kunstformen, die er nicht versteht zu schnell abzuurteilen und als der eigenen Kunstform unterlegen zu deklarieren. An anderer Stelle lobt er die Witcher Games jedoch. Vielleicht tut es ihm nur weh, dass die Spiele in mancher Sicht mehr Aufmerksamkeit bekommen als seine Bücher.

    Wer ist im Recht, CD Projekt oder Sapkowski und soll er mehr Geld bekommen?

    An dieser Stelle geht es NICHT um die rechtlichen Aspekte sondern um das, was für mich gefühlt richtig ist. In diesem Sinne ist die Argumentation hier sehr persönlich und entspricht meinem Moralempfinden eher als dem Gesetzbuch:

    1. Ein fairer Vertrag?
    Zu Beginn steht die Frage: War die Übereinkunft zwischen Sapkowski und CD Projekt ein fairer Vertrag oder wurde jemand übervorteilt?
    In meinen Augen war der Vertrag über 8000€ absolut fair und zwar aus folgenden Gründen:
    1. 8000€ waren damals eine Stange Geld und viel mehr als heute.
    2. Sapkowski war international noch nicht annähernd so bekannt wie heute und CD Projekt war bestenfalls eine Garagenfirma.
    Ein Haufen, verzeiht den Ausdruck "lausiger Lokalisierer", die bis dahin noch nie ein Spiel selbst gemacht hatten.
    Quelle:
    https://en.wikipedia.org/wiki/CD_Projekt
    Es war also ein ich nenne es jetzt mal "kleines Geschäft unter kleinen Leuten", das beweist in meinen Augen schon die Tatsache, dass sie die 8000 € in zwei Raten gezahlt haben und es nicht als Bagatellsumme einfach überwiesen haben.
    3. Der Autor selbst hat eine Gewinnbeteiligung abgelehnt und wollte das Geld sofort!
    Ja natürlich ist es im Nachhinein leicht zu spotten, aber ganz ehrlich ich finde seine Entscheidung absolut nachvollziehbar. CD Projekt war eine Garagenfirma und er hatte schon einmal miterlebt wie so ein Projekt gescheitert ist. Er rechnete also nicht damit, dass es diesmal zum Erfolg führen würde!
    So gesehen wollte er lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Ein verständlicher Ansatz, der sich halt im Nachhinein als falsch herausgestellt hat.
    2: Was ich an den Forderungen seltsam finde:
    Eine Frage habe ich mir bei dem Forderungsbrief von Sapkowskis Rechtsbeiständen von Anfang an gestellt:
    Warum erst jetzt? Wenn ich als Autor der Meinung bin, dass mein Vertragspartner nur das Recht hat ein einziges Spiel zu machen, dann steige ich doch spätestens dann auf die Barrikaden, wenn sie das zweite Spiel ankündigen! Warum hat der Autor nicht sofort gesagt: Hey Leute, das war nicht der Deal, ihr müsst nochmal zahlen! Meine Erklärung ist die folgende und die schmeichelt Sapkowski leider nicht besonders: Sapkowski selbst war, ebenso wie CD Projekt der Meinung, dass er alle Rechte verkauft hat. Doch als er später mit dem Vertrag unzufrieden war, hat er ihn von seinem Rechtsbeistand analysieren lassen. Der hat ihm dann gesagt: Wenn wir Geld aus der Sache raus holen wollen, dann sollten wir aus möglichst vielen Rohren gleichzeitig feuern! Die Sache mit dem Urheberrecht wird schwierig, da Sie ja schon mal eine Beteiligung abgelehnt haben. Wir sollten den Vertrag lieber noch mehr anfechten. Sehen Sie diese Formulierung? Das ist nicht ganz eindeutig, das kann man auch so auslegen, dass vielleicht nur ein Spiel gemeint ist. So können wir den Vertrag an sich anfechten und haben bessere Chancen.
    Rechtlich macht das natürlich Sinn, doch von unserem Gerechtigkeitsempfinden soll man sich an Abmachungen halten. Doch wie gesagt, das ist nur meine persönliche Erklärung dazu und hat keinen Anspruch auf Wahrheit.


    3. Wer sollte am Erfolg einer Sache profitieren?
    Auch wenn die rechtliche Realität natürlich etwas anders aussieht ist die Frage vom Gerechtigkeitsgefühl her für mich persönlich leicht zu beantworten: Profitieren sollen diejenigen, die für den Erfolg arbeiten, das Risiko tragen und ihn erst möglich machen.
    Und diese Argumentation geht in meinen Augen 2:1 an CD Projekt.
    1. Das Risiko:
    CD Projekt hat das volle Risiko bei der Entwicklung der Witcher Spiele ganz allein getragen!
    Quelle:
    https://www.eurogamer.net/articles/2013-11-06-seeing-red-the-story-of-cd-projekt
    Wenn Witcher 1 kein Erfolg gewesen wäre, dann hätte das Studio dicht machen können und auch bei Teil 2 und 3 flossen Millionen in die Entwicklung. Millionen die verpufft wären, hätten die Spiele keinen Erfolg gehabt. Sapkowski hätte das nicht betroffen. Er wollte kein Risiko tragen folglich steht ihm auch nichts zu, wenn sich das Risiko auszahlt.
    2. Die Arbeit:
    Andrzej Sapkowski hat die Bücher geschrieben. Bücher die für sich selbst Profite abgeworfen haben. An der Herstellung der Spiele war er zu keiner Zeit beteiligt. Er hat keine Storylines geschrieben, keine Dialoge verfasst, ja er war nicht mal als Berater tätigt und beworben hat der die Spiele auch nicht! Dementsprechend hat er nichts getan um den Spielen zum Erfolg zu verhelfen und verdient dementsprechend auch keine Entlohnung! Und wie wir alle wissen sind Spiele weit mehr als nur Story. Grafik, Questdesign, Level, Programmieren, Debuggen, Komponieren, Vermarkten und und und...: Alles allein Leistung von CD Projekt und ihrer Partner.
    3. Den Erfolg möglich machen:
    Der Witcher ist die Erfindung von Andrzej Sapkowski. Er hat die Welt und viele der Figuren erschaffen, um die es in den Witcher Spielen geht (Einige davon sind natürlich Eigenproduktionen von CD Projekt) dafür verdient der Mann Anerkennung und Bezahlung, da es ohne ihn diese Spiele so natürlich nicht geben würde. Doch ist Sapkowski auch für den Erfolg der Spiele verantwortlich? mehr dazu im nächsten Absatz:

    4: Wer ist für den Erfolg der Witcher Spiele verantwortlich? CD Projekt oder Sapkowski?

    Fest steht: Die Witcher Spiele würde es ohne Sapkowski nicht geben! Doch ist er auch für den Erfolg der Spiele verantwortlich?
    Sapkowski sieht das so:

    Zitat:
    "I believe it is the success of my books that significantly affects the popularity of the games," he returned. "That in reality, the games used this fact, as my success beat the games to the punch.

    "The translations of my books into most European languages - including English - preceded the release of the first game. Long before the game - and it's a known fact - I was a well known writer, even there, where there have been no translations of my work.

    "Of course I don't want to diminish the role of the video game, it is obvious that it had a positive impact on the interest of foreign publications and the number of translations. A lot of gamers, of course, have only gained interest in the books because they liked the games. Otherwise, they would have never read it.

    Quelle:

    https://www.eurogamer.net/articles/...r-of-the-witcher-books-thinks-about-the-games

    Er gibt hier zwar zu, dass viele Gamer erst durch die Spiele zu seinen Büchern kamen, doch, dass er selbst schon zuvor ein international erfolgreicher Autor gewesen ist, dessen Bekanntheit den Spielen sehr geholfen hat. Sorry aber in meinen Augen irrt sich Sapkowski hier ganz gewaltig!
    Das hier ist eine Liste der polnischen englischen und deutschen Veröffentlichungen der Witcher Bücher:

    Kurzgeschichten:
    Ostatnie ?yczenie (The Last Wish) (1993, English edition: 2007)
    Deutsch: Der letzte Wunsch, 1998, Neuausgabe 2007)
    Miecz Przeznaczenia (Sword of Destiny) (1992, English edition: 2015)
    Deutsch: Das Schwert der Vorsehung, 1998, Neuausgabe 2008
    Krew elfów (Blood of Elves) (1994, English edition: 2008)
    Das Erbe der Elfen, 2008)
    Czas pogardy (Time of Contempt) (1995, English edition: 2013)
    deutsch: Die Zeit der Verachtung, 2009
    Chrzest ognia (Baptism of Fire) (1996, English edition: 2014)
    deutsch: Feuertaufe, 2009)
    Wie?a Jaskó?ki (The Tower of the Swallow) (1997, English edition: 2016)
    deutsch: Der Schwalbenturm, 2010)
    Pani Jeziora (The Lady of the Lake) (1999, English edition: 2017)
    deutsch: Die Dame vom See, 2011))

    Quelle:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Andrzej_Sapkowski
    https://en.wikipedia.org/wiki/The_Witcher#Games
    https://en.wikipedia.org/wiki/The_Last_Wish_(book)

    Bei den französischen und Übersetzungen sieht es genauso aus lediglich einige spanische Übersetzungen kamen früher.
    Ich denke, dass wir uns darüber einig sein können, dass der englischsprachige Markt international am bedeutsamsten ist. Wer nicht auf englisch raus gebracht wird, mag sich lokal verkaufen, ist aber weltweit mit Sicherheit kein erfolgreicher Autor!
    Und wie wir deutlich sehen können erschien nur ein einziges Buch (vielleicht einige Monate vor dem Witcher Game) auf englisch 2007 Alle anderen kamen danach! Da es Zeit braucht eine Fanbase aufzubauen ist seine Behauptung, dass die Spiele gleichermaßen von den Büchern profitiert haben wie umgekehrt in meinen Augen absolut nicht haltbar! Ich sehe hier den Hauptgrund für die Popularität der Marke Witcher eindeutig bei den Spielen und die Veröffentlichungsdaten in vielen Ländern unterstreichen das. Zum Beispiel auf Deutsch: 1998 kommen die ersten Bücher raus und dann Sendepause! Obwohl es genug polnisches Material gibt wird nichts übersetzt, weil die Verlage wohl offensichtlich keinen Profit darin sehen und die Leserschaft für zu klein halten. Erst nach den Games ändert sich das.

    Ich halte hier also für meine Argumentation fest, dass Witcher keinesfalls eine wertlose Marke war, aber eben bei weitem nicht so bekannt und wertvoll wie heute. Anders ausgedrückt: Wenn ich irgendwo Harry Potter, Star Wars, oder Batman draufklebe, dann gibt es eine gewisse Menge an Leuten, die das Produkt kaufen werden, nur deshalb weil es eben diese Marke ist. Dass das international bei den ersten Witcher Spielen eine große Rolle gespielt haben soll bezweifle ich stark!
    Außerdem wissen wir als Gamer: Eine gute Marke allein macht noch lange kein gutes Spiel! Der Markt ist voll von jämmerlichen Lizenzmüll nach dem kein Hahn kräht. Die Witcher Games stimmen einfach vom Spielspaß her und bieten ein gutes Preis-Leistungsverhältnis

    Zusammenfassung:

    Was rechtlich noch auf uns zukommt wissen wir nicht. Doch wenn man mir rein nach meinem Gerechtigkeitsempfinden die Frage stellt ob Sapkowski noch mehr Geld bekommen soll, dann antworte ich mit einem entschiedenen NEIN!
    Er wurde für das bezahlt, was die Marke damals wert war und der Erfolg der Games ist in erster Linie der Verdienst von CD Projekt und nicht seiner! Er hat den Grundstein gelegt (und wurde dafür bezahlt), doch CD Projekt hat das Haus allein gebaut und jetzt profitieren sie davon so wie es sich gehört!
    Der Gewinn bei einem riskantem Geschäft steht nur dem zu, der auch bereit ist einen Teil des Risikos zu tragen und das wollte Sapkowski nicht! Er selbst profitiert durch die gestiegenen Verkäufe seiner Bücher ebenfalls stark vom Erfolg der Games und soll damit zufrieden sein!
    Was ist eure Meinung ich freue mich auf eure Kommentare:

    (Sorry wegen der Rechtschreibung)
    Yeager gefällt das.

Kommentare

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  1. Yeager
    Hätte ja nie gedacht, dass jemand wie ich, der gewaltige Probs hat sich kurz zu fassen, mal sowas sagt, aber: Der Blog ist zu lang! Gut, aber zu lang :D

    Über eines kann man eigentlich einig sein:
    Sapkowski hat sich unter Spielern keine Freunde gemacht, als er über sie herzog und seine Bücher drüber stellte. Ich kann verstehen, dass er sauer ist, ich verstehe auch, dass es nicht seine Generation ist (wobei man das nicht pauschalisieren kann, hab schon bei WoW mit ü80j. gezockt) - aber es hätte ihm klar sein müssen, dass seine Statements negativ ankommen und sein Image negativ einfärben werden. Jetzt mal völlig unabhängig davon, wie die juristische oder sachliche Schiene aussieht. Da sich sowas auch negativ auf den Sekundärvertrieb seiner Bücher auswirkt, also Witcher-Zocker, die erst NACH dem Spiel, bzw. wegen der Spiele seine Bücher lesen, hätte ihm ebenfalls klar sein müssen. Das war keinesfalls geschickt von ihm gelöst.

    Ganz nebenbei: Ich glaube, dass Geralt selbst auch keine "reine" Erfindung von Sapkowski ist, sondern inspiriert wurde von Janosik, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Juraj_Jánošík bzw. https://i.ytimg.com/vi/eZhwZOS_X9U/maxresdefault.jpg .
    Aber das ist kein Plagiat, halt eine Inspiration.
  2. Tsabotavoc
    Also für mich ist die Situation klar: Dem Autor steht eine Nachzahlung zu. Ich kann ihn nicht leiden und ich finde der Witcher als Charakter ist ein Volltrottel der sich von jeder halbwegs hübschen Frau über den Tisch ziehen lässt. Ich verstehe CD Projects Entscheidung auch nicht warum sie ihre Spiele immer auf komplett unbekannten Marken aufbauen. Der Vorteil ist null. Und das ihnen selber auch Einiges einfällt haben sie ja hinlänglich gezeigt. Bei Cyberpunk das Gleiche: Ich kenne ziemlich viele Pen&Papers aber das ist mir nie untergekommen. Für die drei Leute die es kennen ist es sicher ne tolle Sache. Aber für mich wird es einfach ein tolles Scifi-RPG.
    1. Vainamoinen
      Also... Cyberpunk 2020 hat meine Gruppe von '92 bis '96 wie bescheuert gespielt. Hat sogar Shadowrun abgelöst, wobei, das war mir nicht so recht. ;)
    2. Yeager
      Geralt ein Volltrottel? Da kann ich dir nicht zustimmen, Tsa. Was die Frauen angeht: Geht so. Es bleibt dir ja teilw. überlassen, wieweit du darauf eingehst und ergibt sich ja durch seine Veränderung, die Welt und das ganze Drumherum. Ausserdem ist es natürlich was, was sich verkaufen lässt. Ob das also nun Geralt wäre oder Held XY, Sex sells, always.
  3. Vainamoinen
    (2/2) Die Witcher-Spiele haben sich rasend gut verkauft. Nun besagt ein Gesetz, wie du richtig beschrieben hast, dass in exakt diesen Fällen eine Nachzahlung bzw. Neuverhandlung vorgeschrieben ist. CDPR hat auch eine kleine Armee an Anwälten. Die wissen, was abgeht in der Welt. Ist CDPR zwischenzeitlich auf Sapkowski zugekommen, um diese rechtlich vorgeschriebenen Zahlungen zu verhandeln? Nein. Sie haben sich versteckt und gebetet, dass Sapkowski nie auf die Idee kommt.

    Der Zeitpunkt war so gut oder schlecht wie jeder andere auch. CDPR streicht von der polnischen Regierung sieben Millionen US-$ allein für Cyberpunk 2077 ein. Da darf ein Autor, der faktisch den Erfolg der Firma begründete, ruhig die Ohren spitzen.

    Ob er Spiele für ein Geschenk Gottes oder für Kinderspielzeug hält, ist für eine moralische und rechtliche Bewertung seiner Ansprüche absolut bedeutungslos.

    Man kann sich auch darüber streiten, ob die Übersetzung ins Englische einen internationalen Erfolg begründet. Nüchtern betrachtet interessiert den US-Markt keine übersetzte Literatur und noch nicht mal Bücher aus dem UK (mit einer einzelnen Ausnahme). Unsere eigenen literarischen Exporte rechnen sich erheblich größere Chancen bei der Übersetzung in osteuropäische Sprachen und insbesondere auch das Japanische aus. Sapkowski war vor dem lachhaften Deal mit CDPR bereits ins Deutsche übersetzt. Ich halte das für beachtlich.

    Jetzt ist Sapkowski eben gegenwärtig auf die Idee gekommen, und - das glaube ich fest - eine Einigung ist bereits erzielt worden. Denn CDPR ist nicht dumm wie Brot. Die sind sofort eingeknickt, weil sie seit Jahren den Anteil Sapkowskis unterschlagen haben. Inzwischen haben sich die Anwälte an den Tisch gesetzt und türkischen Basar gespielt. Ich glaube, Sapkowski ist inzwischen einige Millionen reicher. Nicht 16 Mille, aber immerhin. Das Ergebnis der Verhandlungen dürfte aus Gründen der Gesichtswahrung nicht öffentlich sein. Wir hören also vermutlich nie davon.
      Relix gefällt das.
  4. Vainamoinen
    (1/2) Eine gute Auflistung der wesentlichen Fakten zu Anfang. Leider färbt sich das Ganze dann doch sehr schnell sehr tiefschwarz für den Herrn Sapkowski, und das wirklich unverdient.

    Die Idee, dass Sapkowski vor den Witcher-Spielen mehr oder minder unbekannt war, ist einfach nur verkehrt. Hall of Fame Author der European Science Fiction Society ist er seit 1996. Im Jahr 1997 bekam er den 'Paszport Polityki'-Award, der an Autoren verliehen wird, deren internationaler Erfolg praktisch vorgezeichnet ist. Witcher-Film und 13-teilige Miniserie: SECHS JAHRE vor dem ersten Witcher-Spiel.

    Du siehst ganz richtig, dass zum Zeitpunkt, da CDPR an Sapkowski herantrat, die Firma kaum mehr als ein paar Irre in einer Garage gewesen sind. Niemand hätte ahnen können, dass deren Unternehmung ein Erfolg beschieden ist. Auch Sapkowski nicht.

    Der initiale Erfolg CDPRs gründete also völlig ohne Zweifel auf der Witcher-Lizenz. Spätere Synergieeffekte, die den Autoren dann wieder bekannter machten, definitiv unbenommen: Selbstverständlich wurde danach Sapkowski auch bekannter, weil es die Witcher-Spiele gab. The Witcher jedoch hat CDPR 'gekickstartet'. Ohne diese Lizenz wären sie noch immer mit ihren Nasen im Dreck. Und das ist eine Antwort auf die gestellte Frage, die auch gegeben werden muss.

    Und eine so fein ausgearbeitete Welt als Basis für Spiele zu bekommen, ist Gold wert (und übersteigt bereits ohne den Bonus Bekanntheitsgrad weit die Pfennige Obulus, die Sapkowski für das Abtreten der Lizenz bereits bekommen hat). Ich will gar nicht durchrechnen, was moderne Autoren komplexer Spielewelten für den Entwurf von mehreren tausend Seiten Quellenmaterial abgegriffen hätten. Da ist echt keine Verhältnismäßigkeit gegeben. Auch hier sieht der Versuch, Sapkowskis Anteil am Erfolg herunterzuspielen, wirklich nicht gut aus. Es war Sapkowski, nicht CDPR. Tolkien, nicht Jackson.
      Yeager und Relix gefällt das.
  5. Immortal technique
    Perfekt zusammengefasst.

    4: Wer ist für den Erfolg der Witcher Spiele verantwortlich? CD Projekt oder Sapkowski?

    Das ist die wichtige Frage, die sich klar mit "CD Projekt" beantworten lässt. Selbst mit TW2 war CD Projekt erfolgreich, das Spiel selbst hat sich aber nur "Gut" verkauft. The Witcher 3 hat sich nicht wegen der Marke stark verkauft, sondern wegen der Qualität des Spiels an sich.
      Relix gefällt das.
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