Aus alt mach' neu...!!?

Von Roadwarrior · 28. Mai 2020 · ·
Die Welle an Remaster, Remake und anderen Varianten von "Ich wärm' das Süppchen nochmal auf..." fängt an mich zu überfordern.
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  1. Ich verliere langsam den Überblick...

    Inzwischen vergeht ja kaum noch eine Woche, in der nicht eine Ankündigung erfolgt von wegen "Wir bringen Klassiker YXZ zurück..." und es fängt an, mich etwas zu verwirren.

    Natürlich freut es auch mich irgendwie, wenn mir liebgewordene "alte" Games in neuer Form noch einmal serviert werden. Auf der anderen Seite hat mich die Welle der "Remaster" und Konsorten dazu bewegt, mir wirklich Gedanken über diese Entwicklung zu machen. Was ist also nun der tiefere Sinn hinter dem Ganzen? Es sind ja nun wirklich keine Einzelfälle mehr, es ist eine klar zu verfolgende Tendenz zu erkennen.

    Klar, es gibt ja verschiedene Arten aus einem alten Hut nochmal Geld zu machen. Es gibt "Remaster", wo im Grunde das ursprüngliche Spiel nur etwas aufgehübscht wird. Dann gibt es "Remakes", bei denen die alte Idee in eine komplett neue Verpackung gequetscht wird und vielleicht die eine oder andere inzwischen etablierte Komfortfunktion eingefügt wird. Und dann gibt es die Idee, Spiele - vor Allem vom Konsole - nach einer ganzen Weile doch noch auf dem PC verfügbar zu machen, um dort noch einen Gewinn damit zu erzielen.

    Ich möchte in meinem Blogbeitrag auf diese verschiedenen Varianten des "Aufwärmens" eingehen, meine eigenen Erfahrungen einfließen lassen und natürlich am Ende ein kleines Fazit zum Thema ziehen. Bei der Beschreibung der 3 verschiedenen Wege versuche ich weitgehend frei von Wertungen zu bleiben, das hebe ich mir für den Schluss auf.

    Remaster-Spaß ?!

    Sogenannte "Remaster" sind vordergründig betrachtet die billigste Art, aus einer alten Zitrone noch ein wenig Saft zu pressen. Die Grafik wird etwas aufgehübscht, am Spielprinzip selbst wird kaum etwas verändert. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, für gewöhnlich verhält es sich aber in etwa so. Bekannte aktuelle Vertreter dieser Variante sind "Warcraft 3 Reforged" oder das kürzlich angekündigte "Mafia 2 Definitive Edition". Auch der von Vielen so freudig erwartete Reboot von "Command & Conquer" fällt in diese Sparte. Manchmal bekommen Besitzer des originalen Spiels das Upgrade geschenkt, meist ist aber ein Kaufpreis fällig. Für gewöhnlich kosten Remaster keinen "vollen" Preis, sind aber dennoch nicht wirklich billig...zumindest dann nicht, wenn man bedenkt, dass man ein uraltes Spiel bekommt, für das der Hersteller keinen wirklich großen Aufwand betreiben muss.

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    Mafia 2 - links das Original, rechts das Remaster

    Remakes ersparen vielleicht wirkliche Kreativität...

    "Remakes" unterscheiden sich von "Remastered"-Spielen in einigen Punkten. In erster Linie sind die deutlich aufwendiger, weil das Spiel zumindest technisch in ein komplett neues Gewand gepackt wird und damit auch viel mehr Ressourcen gebunden werden. Zusätzlich zu den "Äußerlichkeiten" werden solche Spiele meistens auch vom Gameplay her an moderne Standards angepasst, Komfortfunktionen werden eingebaut und manchmal werden die Spiele auch dezent erweitert. Außerdem finden gelegentlich auch damals separat verfügbare Erweiterungen den Weg in's Game, ohne extra erworben werden zu müssen. Beispiele für diese Strategie sind "Mafia 1", "Resident Evil 2" und auch "Halo" - Halo ist doppelt interessant, weil es auch in der letzten Kategorie gezählt werden kann, zu der ich im Anschluss kommen werde. Das eine oder andere Remake ist in der Tat in der Lage absolut zu überzeugen und zu begeistern und so eine wirkliche Existenzberechtigung zu erzielen. Der Nachteil zumindest mancher Remakes ist, dass sie fast immer im Preis über Remastered-Games liegen, manchmal kommen sie sogar fast zum Vollpreis daher.

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    Resident Evil 2 Remake - der Unterschied ist schon technisch gewaltig. Aber nicht nur...

    Die Portierung - besser spät als nie ?!

    Spätestens seit Konsolen sich technisch immer mehr den PCs annähern wurde ein Tor aufgestoßen, durch das die Hersteller von Konsolenspielen nun mehr und mehr treten wollen. Microsoft hat schon vor einer ganzen Weile damit begonnen, seine exklusiven Spiele-Reihen wie "Forza-Motorsport" oder "Gears of War" direkt bei Release auch auf dem PC zugänglich zu machen - eine Xbox One ist seit Jahren nicht mehr wirklich nötig, um diese Spiele zu genießen. Früher waren solche Spiele ein Grund, sich eine Konsole zuzulegen. Die Strategie dahinter habe ich noch nicht verstanden, immerhin gräbt man sich ja selbst das Wasser ab, wenn die Leute keine Hardware mehr kaufen müssen.
    Aktuelle Spiele innerhalb dieser Variante der Umsatzsteigerung sind die erwähnten Exklusivspiele von Microsoft, dazu die Halo-Sammlung und auch das sehr stark erwartete "Horizon - Zero Dawn". Vermutlich darf man auch Spiele wie "The Last of Us II" dazu zählen, Sony reißt ebenso wie Microsoft die Mauern zwischen PC und Konsolen ein.
    Es wird ziemlich sicher weiter exklusive Spiele auf Konsole geben, zumindest zeitlich begrenzte Exklusivität ist zu erwarten. Der PC-Markt ist im Vergleich zu den Konsolen im Grunde zu klein, um einen krassen Aufwand zu rechtfertigen. Aber er ist offensichtlich auch zu groß, um ihn nicht doch abzugrasen...

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    Horizon - Zero Dawn...der neidische Blick auf die Konsolen ist bald Geschichte

    Mein eigenes Verhalten ist nicht grade vorbildlich...

    Bevor ich in einem Fazit Stellung beziehe und meine Meinung zu der Entwicklung kund tu', finde ich es nur angemessen, dass ich mich mit vernünftiger Reflexion der Thematik stelle. Ich bin auch ein Mensch, der für ein und dasselbe Spiel mehrfach Geld ausgibt. Dazu waren nicht mal Remakes und Remaster nötig. Ich habe mir auf meinem Highend-PC Spiele gekauft, um sie einfach in noch schönerer Optik nochmal zu zocken. Dazu zählt etwa Far Cry 5, AC Odyssey oder auch diverse Rennspiele. Richtig auf die Spitze getrieben habe ich es mit GTA5 (4 Käufe - 360, XOne, PS4, PC), RDR2 (3 Käufe, XOne, PS4, PC) und Diablo III (4 Käufe, XOne, PS4, Switch, PC). Es gäbe sicher noch deutlich mehr Beispiele, wenn ich mir die Mühe einer eingehenderen Überlegung machen würde.

    Ich bin weder sehr geduldig noch sehr standfest was dem "Widerstehen" von Verlockungen angeht, sobald es sich um Games dreht. Dennoch ist mittlerweile ein Punkt erreicht, bei dem selbst ich ins Grübeln komme - den Grund dafür lege ich im folgenden Fazit etwas genauer dar.

    Die Entwicklung erfüllt mich mit Sorge - ein Fazit.

    Natürlich könnte man jetzt grundsätzlich sagen, dass man sich ja einfach nicht beteiligen muss an diesen Sachen und schlicht und einfach "aufgewärmte" Spiele nicht zu kaufen braucht. Ich glaube aber nicht, dass das wirklich eine Lösung ist wenn man dieser Entwicklung wirklich entgegentreten will. "Boykott" ist nur noch in wenigen Fällen effektiv.

    Ein Argument der Hersteller - und auch vieler Fans - ist es, dass man das Spielerlebnis auch neuen Generationen von Zockern ermöglichen will. Auf den 1. Blick betrachtet ein ziemlich guter Punkt, der da ins Feld geführt wird. Auf den 2. und 3. Blick finde ich dieses Argument aber leer und kraftlos. Das liegt daran, dass man es leicht zerbröseln kann. Man müsste nach dieser Logik ja nahezu jedes etwas bessere Spiel neu auflegen - und das alle paar Jahre. Mafia 1 wird nach dem Remake grandios aussehen, da bin ich sicher. In 10 Jahren ist aber auch diese Variante wieder gnadenlos überholt und bräuchte Überholung - das kann doch kaum der Weg sein, der beschritten werden soll.
    Außerdem wissen neue Spieler ja gar nicht, wie toll das Spiel mal war und vermissen daher auch nix. Meistens erscheinen solche Spiele auch deutlich besser in der Erinnerung, als sie es bei einem erneuten Spielen dann wirklich sind. ich habe es mit "Mafia 2" ausprobiert, der Zauber von früher stellt sich einfach nicht mehr so ein. Zumindest bei mir nicht.

    Abgesehen davon würden sich die Fans des Originals bei einem Klassiker auch über ein komplett neues Spiel freuen, wenn es denn mit ähnlich viel Liebe und Hingabe produziert wird. Ein "Mafia 4" in Top-Zustand, mit toller Story und überzeugender Technik...das wäre sicher kein Flop. Und ALLE hätten ein komplett neues, unverbrauchtes Spielerlebnis. Auch die "alten" Zocker, die den Urvater einer Spielereihe noch kennen.

    Ein weiterer wichtiger Punkt in der Betrachtung dieser ganzen Thematik ist, dass solche Wiederaufbereitungen Ressourcen binden, die in der Entwicklung komplett neuer Konzepte fehlen. Kreativität und Fortschritt werden an den Rand gedrängt. Das ist zwar eine wahre Pracht für Kapitalisten, weil mit vergleichsweise geringem Aufwand produziert werden kann - einem Fan und "Alt-Zocker" wie mir treibt es eher die Schweißperlen auf die Stirn. Ich mache mir Sorgen, dass Innovationen auf der Strecke bleiben. Vor Allem im AAA-Bereich, Indie-Games sind einfach ein komplett anderes Feld.

    Lustig an der Sache: fast jedes Jahr wird gemeckert, wenn vergleichsweise wenig veränderte Ableger von Spieleserien wie "Far Cry", "Assassins Creed", "Call of Duty" oder "FIFA" erscheinen - die Ankündigung von recycelten Spielen mit noch deutlich geringeren Veränderungen zum Original werden aber gefeiert. Während bei den von mir erwähnten Spielen wenigstens das Setting und die Story noch komplett verändert werden wie etwa bei "Far Cry 4" (Himalaya//Warlord) zu "Far Cry 5" (Montana//Sekte) oder die schon recht aufwändigen Sprünge bei "Assassins Creed" (Piraten, Indianer, Ägypten, Griechenland)...passiert bei dem weitaus größten Teil rebooteter Spiele deutlich weniger. Faszinierend zu verfolgen, wie unterschiedlich da gewertet wird.

    Ich gönne freilich jedem seine Freude an den jeweils bevorzugten Spielen, das ist ganz klar. Ich würde mir nur wünschen, dass die Welle des "Auspressens" auch wieder abebbt und man sich bei den renommierten Herstellern mal wieder komplett neuen Projekten zuwendet. "Crysis", "Far Cry" und "Assassins Creed" waren zu Beginn der Serien jeweils große Innovationen. "GTA" und "RDR" erzählen fantastische Stories in so uferlos großen Welten, in denen man mit so viel Freiheit den ganzen Tag entdecken kann. Mir fehlen solche Meilensteine einfach seit einer ganzen Weile, nur selten noch passiert mir, dass ich komplett eingefangen werde. Ich weiß nicht, ob ich jedem Remake und Remaster widerstehen kann, meine Sammelwut ist leider recht ausgeprägt. In jedem Fall werde ich es ziemlich motiviert versuchen, weil ich mir dann einreden kann, dass ich meinen Teil dafür tu', komplett neues Futter zu bekommen.

    Ich bin jetzt 45 Jahre alt und glaube wie man am letzten Satz erkennen kann noch immer an meinen ganz persönlichen Weihnachtsmann. Dieses Hobby liebe ich einfach und ich hoffe für uns alle, dass es in kreativer und interessanter Form weitergehen wird.

    Ich seh' euch auf dem Schlachtfeld ;)

    Über den Autor

    Roadwarrior
    1975 auf die Welt losgelassen bekam ich 1981 von meinen Eltern zu Weihnachten ein Atari 2600 überreicht - seitdem nahm die Spirale ihren Lauf. Ich bin seit inzwischen etwa 38 Jahren "ingame". Durch verschiedene Berufe, Beziehungen, eine Ehe, Wohnorte und Weltanschauungen hindurch waren in meinem Leben in den letzten 25 Jahren nur 3 Sachen konstant: Motorräder. Heavy Metal. Gaming.
    CallMeTeci und Kalnasir gefällt das.

Kommentare

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  1. AlBundyFan
    ich finde diesese "ich mag xy nicht in spielen" oder "ich mag xy-spiele nicht" ziemlich entbehrlich.
    wenn man diese art spiele nicht mag dann besorgt man sich halt andere, die den eigenen interessen entsprechen. es gibt doch soviele spiele da drausen (tausende),daß sich wirklich niemand beschweren kann, daß gerade spiele, die ihm gefallen, nicht gemacht werden.

    ich z.b. mag 1st-person-shooter nicht....und? dann kaufe und spiele ich halt solche nicht aber ich schreibe keinen artikel darüber, daß man doch gefälligst die ganzen resourcen für 1st-person-shooter in andere projekte stecken sollte nur weil diese spiele mich nicht interessieren.

    interessiert dich/euch remaster-spiele nicht dann ignoriert sie halt einfach und spielt was anderes.
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    1. Roadwarrior
      Ganz so einfach ist das leider nicht, weil solche Spiele gern mal anderen Spielen das Wasser abgraben - und weil breit drüber berichtet wird.

      Mit der Begründung "wenn's Dich nicht interessiert, lass es..." könntest Du auch bei Politik oder bei Gewalt gegen Menschen alles entschuldigen. Wegschauen bzw. Ignorieren ist nur selten ein wirklicher Lösungsansatz.

      Danke für's Feedback.
  2. CallMeTeci
    Schöner Beitrag. Persönlich denke ich, dass man eben unterscheiden muss, zwischen Nostalgie-Cashgrab und der tatsächlichen Intention eine alte Spielvision, für ein jüngeres Publikum, ertragbar erneut aufzubereiten. Persönlich krebs ich meinen frühen Zwanzigern herum und hätte die alten Resis wohl nie auch nur mit der Zange angefasst - jetzt denk ich mir, dass ich das Remake vom Zweiten durchaus mal bei einem Sale mitgehen lassen werde. Und ja, ich denke, dass solche Spiele eine absolute Existenzberechtigung für die jüngeren Zielgruppen haben.

    Remakes wiederum sind idR einfach nur unnötig, weil es da ein Grafik- und ggf. Animations-Patch oftmals auch tun würden. Im Zweifel halt als DLC für nen Fünfer oder Zehner verkauft. Aber selten werden die Remasters ja derart hübscher, dass man die verwöhnten Augen der "jungen Gamer" plötzlich ansprechen könnte, wenn es das Original nicht schon konnte.

    Ich bin tatsächlich gespannt, wie ich irgendwann mal reagieren werde, wenn "meine" alten Perlen geremaked oder billig remastered werden - Bitte ein Overlord! Bitteeeeee! :bet:

    Immerhin kommen viele Remasters im Zuge der PR von Nachfolgern auf den Markt und wenn man einen hochgelobten Vorgänger spielen kann, bevor man sich für den Vollpreis später das neue Spiel holt, dann kann man das ja auch als indirekte Demo sehen, da Spieleserien ja meistens versuchen das "Feeling" beizubehalten.
    ...*schielt auf AC:Odyssey
    ...naja, meistens zumindest. ;D
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  3. Kalnasir
    Das ist eine schöne Differenzierung des Phänomens "Neuauflage" mit Kritikpunkten, denen ich in weiten Teilen zustimme. Gerade das Argument "Alte Spielerfahrungen der neuen Generation zugänglich machen" hast du schön aufgegriffen. Ergänzend dazu würde ich schätzen, dass die Zielgruppe von Remaster-Spielen gar nicht so sehr neue Generationen sind, sondern nostalgie-erfüllte Veteranen. Die alten Infinity-Engine-Spiele, Command & Conquer, etc... werden als Remaster vermutlich vor allem an den Leuten verdient haben, die die Spiele ohnehin schon gespielt haben. Als ich gestern von der Anno History-Collection gelesen habe, habe ich mich erst noch gefreut. Ich musste mich dann beim Sichten der Screenshots aber fragen, wo eigentlich der Unterschied zum Original ist. Anno 1602 wird auch durch höhere Auflösungen nicht schöner. Anno 1404 hingegen sieht so zeitlos gut aus, dass es kein Remaster braucht...
    Ich fürchte unser einziger Hebel als Konsument ist hier, lieblose Remaster finanziell abzustrafen und innovative Spielkonzepte durch Käufe zu belohnen. Und natürlich Aufklärungsarbeit zu betreiben, damit das auch andere so sehen. In dieser Hinsicht gilt dir mein doppelter Dank für den Artikel!

    Keep it up!
      Roadwarrior gefällt das.
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