Des Gamers bessere Hälfte

Von Roadwarrior · 1. Januar 2020 · ·
Frauen und ihr deutlicher Einfluss im Gamer-Alltag...oft unterschätzt ;)
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  1. Nun habe ich ja vor einigen Jahren zu Zeiten meiner noch bestehenden Ehe immer wieder Tatsachenberichte aus meinem damaligen täglichen Schlachten an der Beziehungsfront in meinem alten Blog gebracht. Dabei ging es sehr oft um Dinge, die in Kombination von Gaming und Ehefrau passiert sind. Manche Themen waren auch abseits von Gaming zuhause – wirklich trennen lässt sich das ab einem bestimmten Punkt eh nicht mehr.
    Wer denkt, dass Mario Barth immer übertreibt, hatte noch keine Beziehung mit der richtigen Frau…

    Unverhofft kommt oft…

    Nachdem Ende 2015 meine Ehe (einvernehmlich) zu Ende gegangen ist und sich zu derselben Zeit meine Mutter dachte, dass dies eine perfekte Zeit wäre um aus dem Leben zu scheiden, waren sowohl Frauengeschichten als auch Gaming nicht unbedingt die Priorität in meiner Welt. Nach einer Weile erwachte wieder mein Interesse am anderen Geschlecht – dazugelernt hatte ich offenbar nichts – und ich so begab es sich, dass wieder Kontakte geknüpft wurden. Dates hier, Beziehungsversuche dort…der Volltreffer war für eine ganze Weile nicht dabei.

    Im Sommer 2019 lernt ich dann auf Umwegen eine junge Frau kennen, die mir in einer Metal-Gruppe auf FB ins Auge stach, weil sie Bayern München toll fand obwohl sie im Norden lebt und außerdem ganz große Stücke auf ihr N64 hielt. Ihre langen blonden Haare und ihr grandioses Aussehen waren mir fast egal. Eeeeeehrlich. J

    Sie berichtete mir dann, dass sie bald ein Date haben würde. Nach ihrer letzten gescheiterten Beziehung – ihr Exfreund ist noch mal älter als ich – werde sie nun einen Mann in ihrem Alter daten. Damit hakte ich die Sache für mich ab und drückte ihr ehrlich die Daumen. Nach einigen Tagen meldete sie sich und verkündete einen Fehlschlag. Mit so unreifen Jungs könne sie Nichts anfangen. Ups…der Weg war wieder frei.

    Logistische Probleme…

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    Knapp 600 Kilometer trennen uns im Alltag - das macht Zeit zusammen wertvoll. Und Gaming schwer.

    Da zwischen der Nordsee und Oberfranken doch der eine oder andere Kilometer liegt und wir beide in der Pflege arbeiten war es am Ende gar nicht so einfach, ein Date auf die Beine zu stellen. Nachdem wir viel geschrieben und telefoniert hatten waren wir mutig genug, uns für das erste Treffen gleich die totale Kante zu geben. Sie würde mich eine Woche lang besuchen und die Zeit mit mir in meiner Personalunterkunft (1 Zimmer) verbringen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt Urlaub, es bot sich also an. Gesagt…getan.

    Eigentlich ist sie aus mehreren Gründen ja eher eine Frau für meinen Bruder. Erstens ist er deutlich jünger als ich und zweitens steht er auf die gleichen bekloppten Spiele wie sie. Ich habe mir erlaubt Kritik zu üben an „Ocarina of Time“ auf dem N64. Meine Aussage das Spiel sei überholt und die Grafik würde mir Augenkrebs verursachen hätten fast zu Misshandlungen durch sie geführt. Sie selbst kann das Spiel nach ich weiß nicht wie vielen Durchläufen inzwischen blind auf einer Luftpumpe durchspielen…mein Friedensangebot ihr das Spiel auch bei mir per Emulator zugänglich zu machen wurde mit einem „Wäääh, ich brauche den originalen Controller dazu…“ abgeschmettert…

    When world collide…

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    Super Mario Bros U Deluxe - lauter Arschlöcher und Pisser unterwegs...

    Nun finden sich in meinem überschaubaren Reich in Bayreuth ja nun wirklich alle modernen Geräte, die im Gaming nötig sind. PS4, Xbox und selbst der Rechner sind ihr aber völlig egal. Wenn überhaupt, dann kann sich das Mädel für die Switch begeistern. Und dort vor Allem für Mario-Spiele. Doch halt…wer nun denkt, dass sie sich für das moderne „Odyssey“ interessiert, wird sich getäuscht sehen. „Mario Party“ („VIEL schlechter als auf der Wii, aber ok…“) und vor Allem „Super Mario Bros. U Deluxe“ sind angesagt. Nachdem sie mich in Mario Party ein paarmal über den Tisch gezogen hatte – sie bescheißt, ich bin sicher – hatte ich die Schnauze voll und überließ sie der Singleplayer-Zockerei. Ich wandte mich „Read Dead 2“ auf dem PC zu und war dann relativ bald in meiner Welt versunken. Das ging eine ganze Weile gut, bis ein abruptes „Du ARSCHLOCH!!!“ mich aus einer Mission riss…

    Ich musste kurz überlegen, was genau ich wohl grade bei dem was ich aktuell tat falsch gemacht haben könnte, dass eine derart rüde Beschimpfung rechtfertigen würde. Ich war noch am Überschlagen der letzten Minuten, als sie mit „Du Pisser kotzt mich SO an, echt!!!“ nachlegte. Da es ja immer noch im Rahmen unseres ersten Dates ablief, wollte ich mich bemüht und interessiert zeigen, wo denn das Problem liegt. Ich nahm also mein Headset ab, drehte mich zu ihr und sah, dass sie völlig uninteressiert an meiner Person auf den großen Bildschirm an der Wand funkelte und dort eine Schildkröte beschimpfte, der sie offenbar mehrfach an der gleichen Stelle einen Bildschirmtod verdankte.

    Wenn das nicht die Gelegenheit ist, den Helden zu geben…den Ritter auf dem weißen Ross, bereit alles für seine Herzensdame zu geben und sie zu retten. Ich bin jetzt kein versierter Jump&Runner, sah aber in der betreffenden Stelle im Level kein großes Problem und beging dann den sehr dummen Fehler, das auch zu laut zu sagen. Ehrlich Freunde – tut das nicht. Sie war eh schon geladen und ihre Hass-Stelle im Spiel dann auch noch als leicht überwindbar zu bezeichnen war nicht meine beste Idee. Man merkte ihr deutlich an, dass sie sich zusammenreißen musste. Nach einer Weile hielt sie mir den Pro-Controller hin und presste ein eiskaltes „Na dann…mach Du doch mal…“ über ihre Lippen.

    Tja und so fand ich mich in etwas wieder, was man eine klassische Lose-Lose-Situation nennen könnte. Jetzt konnte ich im Grunde schon gar nicht mehr das Richtige tun. Würde ich versagen und ebenfalls scheitern, würde sie mich das spüren lassen – als Gamer wäre ich auf jeden Fall beschädigt. Wenn ich es aber mal eben einfach über die Stelle hinweg schaffe, wird sie mich für einen Klugscheißer und Angeber halten – und im schlimmsten Falle noch für jemanden, der kein reales Leben hat und seine ganze Zeit beim Zocken verbringt.

    Ich hatte ja noch einige Sekunden Zeit, ich musste ja den lustigen kleinen Klempner erstmal durch den Level zu der Stelle bringen, an der sich sein – und evtl. auch mein – Schicksal erfüllen würde. Mein Problem war, dass ich mir gar nicht gemerkt hatte, wo denn nun genau der Problempunkt war und ich einfach durch den Level gehetzt bin und dann – dumm, dumm – auch noch die Fahne am Ende des Levels an der höchsten Position erwischt habe…noch dämlicher war es, sich ihr mit einem relativ selbstzufriedenen Lächeln zuzuwenden, dass auch ohne Worte ein deutliches „Und was war da nun schwer dran“ in den Raum stellte.

    Wie so häufig in meinem Leben holte mich die Erkenntnis der Umstände erst wenige Sekunden nach meiner Handlung ein. Ich gehe davon aus, dass ich die Tatsache meines Überlebens lediglich ihrer sozialen Kompetenz verdanke und natürlich dem Umstand, dass sie als Altenpflegerin eine gewisse Hemmschwelle hat, älteren Menschen etwas Böses anzutun.

    Eine Pizza mit Käserand, ein kaltes Curuba und das Wärmen ihrer kalten Füße haben mir dann geholfen, den Kopf für diesen Moment fürs Erste aus der Schlinge zu ziehen…

    Livin‘ on the edge…

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    Das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden ist das Ziel - im Idealfall ohne dabei von ihr platt gemacht zu werden ;)

    Stolperfallen dieser Art gibt es viele in der Zwischenwelt, die sich in der Mitte erstreckt zwischen Gaming und dem Führen einer Beziehung. Begeisterung für die 4K-Grafik in Read Dead 2 zu zeigen aber nicht das Gleiche zur Schau zu stellen für die neue Leggings kann schon ein Schritt in das Minenfeld sein. „Kino? Heute?? HEUTE ist FIFA-Abend wie jeden Montag?!?“ ist dann unter Umständen der Schritt auf den Auslöser.

    Über eine weite, offene Fläche zu laufen im Battle-Royale-Modus „Blackout“ ist nicht viel anders als die Suche nach einer Frau, die das Alles mit macht. Es braucht Glück, Geschick und im entscheidenden Moment vielleicht ein bisschen Risikobereitschaft. Man geht immer ein Wagnis ein, wenn man einen fremden Menschen in sein eigentlich recht durchstrukturiertes Leben lässt. Ich hatte bisher immer das Glück, dass ich mit glücklichem Händchen Frauen gewählt habe, die meine Hobbies mindestens akzeptiert haben. Die meisten haben sie sogar gefördert oder geteilt. Aber auch mit der optimalen Frau kommt man immer wieder in Situationen, die man gelinde gesagt als kompliziert umschreiben kann.

    Im Gegensatz zu jüngeren Jahren hat sich meine Haltung zu diesen Dingen in eine etwas gesündere, sozialere Richtung verlagert. Früher gab es nur ein „Friss oder stirb!“, was meine Hobbies anging. Heute ist es doch eher so, dass große blaue Augen und tolle lange Beine es schaffen, das Pendel zur Couch statt zum Gaming-Sessel ausschlagen zu lassen. Es kommt eben auf die Frau an…die richtige Frau weiß, dass es manchmal einfach nett ist, mit Jogginghose herum zu laufen, damit der Mann seinen Seelenfrieden hat und entspannt und mit freiem Kopf seinem Hobby frönen kann.

    Bitter: bei meinem „Dauergegner“ in FIFA läuft es genau anders herum. Seine Freundin nutzt seine selten gestreuten Spielzeiten aus, um ihn damit zu triezen. Sie stellt sich mitten während des Spiels ins Bild und erpresst ihn mehr oder weniger, jetzt mit ihr ein bestimmtes Thema zu klären. Ich glaube, dass ich sie dafür aus meiner Wohnung und meinem Leben geworfen hätte…obwohl ich nicht direkt betroffen bin, kann ich seine Wut fast nachvollziehen. Es fühlt sich sehr hart an, wenn einem so offensichtlich was kaputt gemacht wird, weil man in diesen Momenten einfach angreifbarer ist für kleine Gemeinheiten.

    Nicht jeder hat das Glück auf Verständnis zu treffen…und auch nicht jeder Konflikt ist lustig zu betrachten, selbst mit Abstand nicht.
    Es ist schon ein deutlicher Unterschied, ob man als Gamer 17 ist oder 40…und noch mehr Unterschied ist zwischen dem Single-Gamer und dem, der in einer Beziehung steckt und am Ende vielleicht sogar noch sein Zuhause mit der Partnerin teilt. Das ist auch einer der Gründe, warum ich mich schwer tu‘, mir nochmal eine Wohnung mit einer Frau vorzustellen. Wenn es mir wie meinem Buddy ginge, wäre das kaum zu verkraften…

    Ich verspüre eine gewisse Dankbarkeit, dass mir das Leben eine junge, hübsche Frau gesandt hat, die noch dazu mit einem gewissen Interesse an Gaming gesegnet ist. Das damit einher gehende Verständnis für mein Hobby betrachte ich als großes Glück – es hätte deutlich schlimmer kommen können. Wenn sie lieber uralte Konsolen bearbeitet oder gar auf dem Handy daddelt...was soll’s. Zocken und zocken lassen… ;)

    Über den Autor

    Roadwarrior
    1975 auf die Welt losgelassen bekam ich 1981 von meinen Eltern zu Weihnachten ein Atari 2600 überreicht - seitdem nahm die Spirale ihren Lauf. Ich bin seit inzwischen etwa 38 Jahren "ingame". Durch verschiedene Berufe, Beziehungen, eine Ehe, Wohnorte und Weltanschauungen hindurch waren in meinem Leben in den letzten 25 Jahren nur 3 Sachen konstant: Motorräder. Heavy Metal. Gaming.

Kommentare

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  1. Roadwarrior
    Das mit dem Störfaktor siehst Du falsch, ich hatte bisher nie das Pech auf eine Frau zu treffen, die sich als solcher herausgestellt hätte.

    In der Tat ist es aber eine interessante Idee, dem Thema mehr Tiefe zu verleihen, in dem man sich weniger auf Humor verlässt sondern eher auf die Fakten. Allerdings verstehe ich nicht, wie Du von der Headline auf eine fast wissenschaftliche Abhandlung schließen kannst - allein die Info meines Blogs stellt ja schon klar, dass ich mich auf subjektiver Ebene bewege und auch so wahrgenommen werden möchte.

    Ich denke, dass auch ein ernsterer Ansatz am Ende immer irgendwo recht vage bleiben würde, weil ja einfach belegbare, wissenschaftliche Grundlagen fehlen. In einem Blog in diesem Umfeld dürfte es sehr schwer sein, nachvollziehbare Beweise für irgendwelche Thesen abzuliefern.
  2. mar0dy
    Die Headline passt nicht zum restlichen Text. Habe eine thematische Auseinandersetzung bzgl. Partner-Hobby-Management unter Einbeziehung persönlicher Erfahrungen erwartet, aber ein mehrdimensionales "weird flex but ok"-Meme bekommen.

    Dein Hauptteil war eine Konfrontation, die keine war und sich disputlos auflöste. Lediglich im Schlussteil ("Dauergegner") gab es einen kurzen Einblick in eine spannungsgeladene und entgleisende Situation, aber ohne folgende Analyse/Hinterfragung. Schlimmer noch, suchst du die Schuld direkt und ausschließlich bei der Frau. Der ganze Text liest sich teilweise wie eine Abrechnung mit dem weiblichen Geschlecht: die drakonische Ehefrau/Freundin, die ausfallende, gewalttätige Gamerin, die undankbare Damsel in Distress, der weibliche Störfaktor. Schon die Headline trifft nur die Frauen und nicht Partner im Allgemeinen. Aber der besonnene Gamer drückt nochmal ein Auge zu, solange sie jung und hübsch ist, mit ihren blauen Augen funkelt und dem edlen Rittersmann seinen Freiraum lässt.

    Kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass das deine Absicht war. Etwas mehr Reflexion wäre hier definitiv angebracht. Das eigentliche Thema dürfte nämlich für viele sehr interessant sein, bedarf aber mehr Fingerspitzengefühl und Tiefe.
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