Erfrischend - Rainbow Six Siege Beta Fazit

Von Gisty 13 · 4. Oktober 2015 ·
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  1. Des einen Leid, des anderen Freud

    Nach zwei Verlängerungen endet die Beta zu "Rainbow Six Siege" jetzt doch noch. Verlängert wurde sie, wegen der schlechten Key-Verteilung von Publisher Ubisoft. Dabei haben zuerst nicht einmal alle Vorbesteller des Spiels ihren Key zugeschickt bekommen. Danach „entschuldigte“ man sich mit den beiden Beta-Verlängerungen. Mir soll´s recht sein, ich hatte da nämlich ein wenig mehr Glück. Ich erhielt meinen Zugang zwar auch erst 3 Tage nach Beta-Start, hatte somit aber doch noch eine ganze Woche Zeit das Spiel zu testen. Dabei konnte ich so einige Matches absolvieren und fast alle Operater, die in der Beta zu Verfügung standen, freischalten. Operater heißen übrigens die Charaktere, die ähnlich wie in einem MOBA verschiedene Fähigkeiten besitzen. So kann der „Sledge“ zum Beispiel Wände mit seinem Hammer einreißen, oder der „Bandit“ Elektroschockfallen auslegen. Zu den weiteren Charakteren komme ich aber später nochmal genauer.



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    Das Spielprinzip – Schnell erklärt

    Beginnen wir aber mit dem eigentlichen Spielprinzip. Ich habe vorzugsweise die beiden Modi „Bomb“ und „Secure Area“ gespielt und den „Terrorist Hunt“-Modus mal komplett weggelassen. Die beiden von mir gespielten Modi unterscheiden sich dabei leicht. In „Bomb“ muss das angreifende Team (ein Team besteht normalerweise aus 5 Spielern) eine der beiden Bomben ausfindig machen und dort den „Defuser“ platzieren, den ein Teammitglied transportiert. Das verteidigende Team sollte das so gut wie es geht verhindern. Gelingt es den Angreifern doch irgendwie eine Bombe zu „erobern“, müssen die Verteidiger so schnell wie möglich den „Defuser“ an der Bombe deaktivieren, indem sie lustigerweise mit ihrer Waffe darauf einschlagen. Ist das geschafft, oder sind alle Angreifer bzw. Verteidiger besiegt, gewinnt das jeweilige Team. Wenn man stirbt hat man übrigens keine Möglichkeit mehr in die laufende Runde einzusteigen, was das ganze Geschehen noch ein wenig prickelnder macht.

    Beim zweiten Modus „Secure Area“ haben die Angreifer die Aufgabe, einen bestimmten Bereich der Karte einzunehmen. Dieser Modus ist ein wenig einfacher und einsteigerfreundlicher als „Bomb“, da man nur auf einen Bereich achten muss, anstatt auf zwei und, weil jeder den Bereich erobern kann und nicht nur der Spieler mit dem „Defuser“.

    Ich weiß zwar nicht, ob im Hauptspiel dann noch mehrere Modi hinzukommen werden, vielleicht seid ihr da aber sowieso besser informiert ;)



    Die Liebe fürs Detail

    Jetzt aber zu den Charakteren. Im Hauptspiel wird es ganze 20 zur Auswahl geben. Die meisten davon waren auch schon in der Beta enthalten. Die Hälfte davon können dabei nur von Verteidigern gespielt werden, die Hälfte von Angreifern. Um einen dieser Charaktere freischalten zu können muss man ihn mit dem im Spiel verdienten Geld kaufen. Jeder dieser Charaktere hat dabei seinen eigenen Spielstil. „Montagne“ und „Blitz“ haben beispielsweise ein Schild zum Schutz mit dabei, bewegen sich dafür aber eher langsam und können mit ihrer Pistole eher schlecht zielen. So hat jeder Charakter seine Vor- und Nachteile. Viele Begegnungen basieren daher auf einem „Schere-Stein-Papier“ Prinzip. Schildträger können meist nur im Team ausgeschaltet werden. „Thermites“, die verbarrikadierte Wände sprengen können, können durch einen vom „Bandit“ angebrachten Elektroschocker gestoppt werden. Daraus ergeben sich viele verschiedene Möglichkeiten, bestimmte Charaktere zu eliminieren. Der Entwickler hintergeht ein wichtiges Problem übrigens schon bei der Charakterwahl: Jeder Charakter kann immer nur von einem Spieler gespielt werden. So wird es keinen Operater geben, der mit Abstand am stärksten ist und alle Spieler wählen.

    In der Beta waren drei spielbare Maps enthalten. Im Hauptspiel werden es dann elf sein. Der Entwickler verspricht aber, dass Maps, die per DLC nachgereicht werden, kostenlos sind. In der Beta störte es mich aber eigentlich kaum, dass es nur drei Maps gab. Die Entwickler haben diese nämlich ordentlich und mit Liebe zum Detail designt. Mich wundert es dabei sogar ein bisschen, dass ein großer Publisher wie Ubisoft hier so viele Freiheiten lässt und nicht NUR auf einen möglichst großen Umfang schaut. Zurück zu den Locations: Durch die hohe Komplexität einer Map, die vor allem durch ihren hohen Zerstörungsgrad hervorgerufen wird, werde ich auch bei der 100sten Partie im gleichen Gebäude nicht müde. Dabei spielt die „havok-Physikengine“ all ihre Asse aus und liefert eine dermaßen detailreiche Zerstörung, wie ich es noch selten in einem Spiel gesehen habe. In „Battlefield“ gibt es zwar auch beeindruckende Zerstörungsmöglichkeiten, diese sind aber meist auf Größe ausgelegt und außerdem zum Teil geskriptet. Während dort das Hochhaus zum zehnten Mal auf die gleiche Weise umfällt und ich nicht mehr ganz so beeindruckt bin, staune ich in Rainbow Six beispielsweise darüber, wie das Holz des Treppengeländers physikalisch korrekt zersplittert. Herrlich!



    Eine offene Tür für Neueinsteiger

    Ich bin eigentlich ein Spieler, der fast aller Spielegenres einmal ausprobiert und sich auch für viele davon begeistern kann. Shooter bin ich bisher aber eher fern geblieben. Ich habe nämlich vor allem ein Problem damit: Sich in das Multiplayer-Konzept hineinzuspielen würde mich schlichtweg zu viel Zeit kosten. Die unglaublich hohe Geschwindigkeit in Shooter, wie „Call of Duty“ oder „Battlefield“ könnte ich anfangs einfach nicht mithalten und ich würde wahrscheinlich auch zu selten spielen, als dass ich mich richtig reinspielen könnte. Vor allem auf die, meist eher weniger sachliche, Kritik anderer Spieler habe ich dann keine Lust. Und genau an dieser Stelle öffnet „Rainbow Six Siege“ eine Tür für mich und alle Neueinsteiger im Shooter-Genre.

    Wenn man sich hier nämlich einmal zu schnell bewegt oder einen falschen Schritt macht, ist man raus. Genau das ist auch der größte Reiz an dem Spiel. Du weißt, hinter jeder Ecke könnte dich ein Gegner erwischen und du musst jede Deckung so gut wie möglich nutzen. Wenn du dann auch noch der letzte deines Teams auf der Map bist, wirst du meist mit einem Adrenalinkick besonderer Art belohnt. So ein Konzept hatten wir bis jetzt noch in keinem Shooter und so ist es für wirklich ALLE Spieler gleich schwer sich einzuarbeiten und niemand hat große Vorteile, auch geübte Shooter-Spieler nicht. Teamarbeit ist hier ebenfalls enorm wichtig. Einfach auf eigene Faust ins Gebäude zu stürmen, ist meistens Selbstmord. Dadurch schränkt das Spiel eben genau jene erfahrenen Shooter-Spieler enorm ein, die dadurch gezwungen sind, sich an das Tempo ihres Teams anzupassen. Auf dieses Weise ist „Rainbow Six Siege“ das perfekte Spiel für Typen wie mich, die unbedingt schon einmal in das Shooter-Genre hineinschnuppern wollten, aber bis jetzt zurückgeschreckt sind.



    Spaßbremse Publisher?

    „Rainbow Six Siege“ hat damit zwar ein außerordentlich gutes Spielprinzip, dass wirklich Spaß macht, ein Problem gibt es dann aber doch: Den Zeitdruck. Publisher Ubisoft will das Spiel natürlich auf alle Fälle noch vor dem Weihnachtsgeschäft rausdrücken. Ob das allerdings gesund für das Spiel selbst ist, ist eher zu bezweifeln. Es gibt nämlich noch so einige Kanten zu schleifen. Im Match selbst habe ich bisher nur ein größeres Problem entdecken können: Es gibt immer wieder Situationen, in denen die Waffe von Spielern durch die Wand glitcht. So werden diese sofort enttarnt und eliminiert, was vielen einen unfairen Vorteil verschafft. Viel schlimmer sind die Probleme aber beim Matchmaking. Es passiert einfach zu oft, dass ich sofort wieder aus einer Partie geworfen werde, oder in einem Ladebildschirm festhänge, weil das Spiel bei einem Mitspieler nicht weiterlädt. Außerdem ist es recht oft vorgekommen, dass ich in Partien gesetzt werde, die eigentlich schon zu Ende sind. So bekomme ich nur den netten Ergebnisscreen präsentiert, an dessen Spiel ich gar nicht teilgenommen habe. Außerdem werden nicht immer alle Teams sofort wieder „aufgefüllt“, wenn einmal ein Mitspieler aussteigt. So kann es leicht passieren, dass wir nur zu dritt, gegen ein 5-Mann Team spielen. Das ist natürlich alles andere als fair und macht dann auch nicht wirklich Spaß. Und das für keine der beiden Seiten.

    Ein weiterer Grund der mir Sorgen bereitet, sind die restlichen Maps. In der Beta gab es drei zu sehen. Wie gut werden die restlichen acht funktionieren? Sind sie von Bugs befreit und ebenfalls so komplex konstruiert?

    Das letzte Thema, dass ich ansprechen möchte, ist der Preis. Nach dem Streichen der Singleplayer-Kampagne, bin ich mir nämlich nicht sicher, ob mir reine Multiplayererfahrung wirklich den Preis in der Höhe eines Vollpreisspieles wert ist. Da kann jene noch so gut sein, ohne wirklichen Singleplayer-Aspekt schrumpft der Umfang natürlich immer mehr und mehr und der Preis wirkt frecher und frecher.



    Fazit

    Rainbow Six Siege könnte eine Perle im Shooter-Genre sein, läuft aber unter der Gefahr vom Druck des Publishers zerquetscht zu werden. So bleibt nur noch die Frage, ob die Entwickler das alles stemmen und auch bis zum Erscheinungstermin halten können. Ich würde euch an dieser Stelle eher nicht raten das Spiel vorzubestellen und eher auf die ersten Tests und Bewertungen zu warten.

Kommentare

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  1. RenegadeSU
    Gameplaytechnisch bin ich ebenfalls ganz hin und weg von R6S, kann mich deinem Eintrag hier voll und ganz anschließen.

    Mir sind leider die selben Probleme aufgefallen. Zum Beispiel habe ich teilweise 10 Minuten mit der Suche nach einer Lobby verbracht, wobei mein Team bereits komplett gefüllt war, während das Gegner Team leer blieb. Außerdem ist mir und meine Freunden mit denen ich ab und an im Squad gespielt habe aufgefallen, dass das Matchmaking zunehmend schlechter funktioniert, je mehr Mitspieler sich im selben Squad befinden. So war es uns nahmezu unmöglich ohne ausreichend Zeit und Nerven mit einem 5 Mann Team ein Spiel zu starten (unabhängig ob Terrorist Hunt oder Multiplayer).

    Ebenso haben mich "Host-Migrations" während eines laufenden Matches gestört auch wenn diese seltener auftraten.

    Würde Ubisoft also die Serverarchitektur/ das Matchmaking überarbeiten hätte ich nichts mehr an dem Spiel zu bemängeln :)
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  2. -zwecki-
    Eine offene Beta gibt es ja üblicherweise erst, wenn das Spiel schon in einem sehr fortgeschrittenen Zustand ist. Was du an Kritik anführst, sind ja auch alles eher "Kleinigkeiten". Ich bin zuversichtlich, dass das Spiel zum Start laufen wird. Vorbestellen würde ich es trotzdem nicht.

    Ich habe kurioserweise während der Beta ausschließlich Terrorist Hunt gespielt, da es dem klassischen Rainbox Six Gameplay am Nächsten kommt. Dabei sind mir keine Probleme aufgefallen.

    Danke für deine Einschätzung! :)

    EDIT: Da muss ich mich mal selbst korrigieren. Das war ja eine Closed Beta, hatte ich ganz vergessen... Naja, ich bleibe trotzdem erstmal zuversichtlich.
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