Faszienierende Landschaften - Sinking Island

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    Darauf kommt auch Ermittler Jack Norm kurz nach seiner Ankunft auf der Insel sehr schnell. Was für seinen Vorgesetzten am liebsten nur eine kurze Bestätigung für eine natürliche Todesursache gewesen wäre, entpuppt sich somit schnell als eine längere Untersuchung. Allerdings hat Jack Norm nicht gar so viel Zeit, denn bei der Insel handelt es sich um ein Korallenatoll, was aufgrund eines Unwetters und dem nicht ganz vorschriftsmässig errichteten Turms in den Fluten zu versinken droht. Somit bleiben Jack nur drei Tage, den Mord aufzuklären.

    Spielerisch herausgekommen ist dabei ein klassisches Adventure, wie sie am PC seit einigen Jahren nur ein Nischendasein fristen. Woran das liegt, darüber kann man nur spekulieren, eine direkte Auswirkung davon ist allerdings, dass sich das Genre seit Jahren nicht wirklich weiterentwickelt hat, insofern auf der Stelle tritt und bei den wenigen Titeln, die dann doch erscheinen, meist kein besonders grosses Budget durchblickt. Das trifft dann im Grossen und Ganzen auch auf Sinking Island zu. Das Spiel macht seine Arbeit im Rahmen eines Standard-Adventures recht gut, bleibt dabei den gängigen Genre Konventionen treu und gibt sich bei der Aufmachung (mit Ausnahme der lobenswerten deutschen Sprachausgabe) eher bescheiden.

    Um den Mord aufzuklären, muss der Spieler Beweise finden und sammeln, mit den Bewohnern und Gästen der Insel Gespräche führen und sich ergebende Verbindungen daraus herstellen, um den Täterkreis einzuengen. In klassischer Manier bewegt man sich über die statischen Hintergründe und grast mit dem Mousecursor alles verdächtige auf Interaktionsmöglichkeiten ab. Im übersichtlich gestalteten Menü verwaltet man die Beweise und Aussagen und bringt so den Fall nach und nach voran. Im Vordergrund steht dabei die Beantwortung von insgesamt 13 Fragen, die sich bei dem Fall stellen und einen generellen Rahmen für den Spielverlauf darstellen. So dreht sich die erste Frage darum, ob das Opfer bei einem Umfall ums Leben kam oder andere Einflüsse dahinterstecken. Mit jedem Beweis bringt man den Fall voran, öffnet neue Abschnitte, gleichzeitig wird durch das steigende Wasser der Handlungsspielraum eingeschränkt.

    Insgesamt bietet Sinking Island damit gewohnte Adventurekost auf ordentlichem Niveau. Leider verschenkt das Spiel gleichzeitig einiges an Potential. Am offensichtlichsten wäre dabei die Tatsache, dass es keine Variationen bei der Täterschaft gibt. Hier hätte es ich mehr als angeboten, den Spielverlauf so zu gestalten, dass sich jedes Mal jemand anders als Schuldiger entpuppt (vielleicht sogar mit Option auf einen wirklichen Unfall?), was dem Wiederspielwert immens erhöht hätte. Blade Runner bot dieses Feature vor zehn Jahren bereits in eingeschränkter Weise, womit klar wird, dass sich das Genre mit Mord im Paradies nicht wirklich weiterentwickelt hat. Natürlich wäre der Aufwand ungleich grösser als bei diesem linearen Verlauf, hätte damit aber auch spielerisch deutlich mehr geboten. Der zweite Punkt ist die Form der Ermittlung selber, die zu sehr auf das altbekannte Malen nach Zahlen Prinzip hinausläuft und dem Spieler wenig Freiraum zum selber denken bietet. Zwar sind einige der herzustellenden Querverweise aufgrund der schieren Grösse der Spielwelt nicht gerade leicht zu ermitteln, die grösste Herausforderung aber bleibt dabei, sämtliche Bildschirme - teils auch mehrmals - nach Gegenständen zu durchsuchen, mit denen man interagieren kann und sich geduldig die Aussagen der Leute anzuhören.

    Der Rest ergibt sich früher oder später von allein. Daran ändert auch ein zweiter Spielmodus nichts, bei dem man unter Zeitdruck dasselbe Adventure spielt, nur eben nicht viel Zeit zum rumtrödeln hat, da sonst ein Scheitern droht. Beim ersten Durchspielen wird man auf diesen Modus kaum zurückgreifen, beim nächsten ergibt sich das höhere Tempo allein daraus, dass man die Lösungen bereits kennt und ist damit relativ nutzlos. Negativ anmerken muss man letztlich auch die oftmals zu langen Laufwege durch (spielerisch) leere Hintergründe, die den Spielverlauf künstlich in die Länge ziehen. Punkten kann Sinking Island schliesslich mit der erzeugten Atmosphäre. Zwar lassen sich einige technische Schwächen bei den Hintergründen erkennen, sie erzeugen aber die richtige Stimmung für das Spiel. Auch die deutsche Synchronisation gibt sich grosse Mühe und führt den Spieler gekonnt die diversen Charaktere des Falls vor. Abzüge gibt es dagegen bei den Animationen, die sehr steif und nur spärlich daherkommen. In der Nahansicht bei den Dialogen stören die wenig emotionalen Gesichter der Figuren, die lediglich ihre Lippen bewegen und steif mit den Armen rudern, was sich teilweise sehr mit den gut vorgetragenen Texten beisst.

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