Game Over - Life On

Von belerad · 31. Dezember 2021 · ·
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    Von In Game Hero zu Real Life Abenteurer



    Hallo liebe Gamestar Community, mein Name ist Marcus und war hier einmal, sowie in vielen Spielen als Belerad bekannt. Ich werde demnächst 40 Jahre alt und hab mit Computerspielen nur noch wenig am Hut. Dabei war ich sicherlich 30 Jahre meines Lebens durchgehend der Meinung “Ich werde noch bis ins späte Alter zocken. Warum sollte ich aufhören und warum sollte es mir keinen Spaß mehr machen”. Aber im Endeffekt bin ich dem “Spielen” doch entwachsen, ohne dabei jedoch wirklich erwachsen zu werden. Doch wie ist das gekommen und warum und wie es jetzt weitergeht, werde ich euch in Form eines kurzgefassten Tagebuchs näher bringen



    Die Anfänge


    Weißer Sonntag 1991, Tag der Erstkommunion, meiner Erstkommunion. Nicht nur empfang ich an diesem Tag das erste Mal das Blut und den Leib Christi, sondern auch die erste Verführung zu einer anderen Seite der Macht, einen GameBoy. Während sich die Sache mit Leib und Blut bei mir nicht wirklich gehalten hat, war der Empfang des kleinen Handheld wie ein Erwachen in einer völlig neuen Welt voller Abenteuer. Im Nachhinein muss ich dazu auch sagen, dass damit eine Art Neidkultur zwischen meinen Brüdern und mir angefangen hat. Ich verbrachte immer mehr Zeit mit Motocross Maniacs, Super Mario World oder dem simplen Tetris, während meine Brüder, sowie die Schule immer weiter in den Hintergrund geschoben wurden. Dabei waren diese Spiele im Vergleich zu heutigen Zeit wirklich unansehnlich und auch nicht wirklich komplex, aber dennoch etwas völlig neues. Da wir aber nicht all zu viel Geld hatten, gab es keinen Nachschub an neuen Spielen, so dass nach einiger Zeit Beschäftigungen wie Baumhaus basteln und in der Natur herumturnen wieder Vorrang genossen.


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    Der Anfang meiner Gamerkarriere, ein unscheinbarer grauer Kasten mit Klötzchengrafikbracht mit ganzen 4 Graustufen


    Der Naturdrang hielt aber nicht lange. Ein knappes Jahr später zog ein Nintendo Entertainment System in unseren Haushalt ein. Mit vier Controllern und drei Spielen zu Beginn war das auch für uns Brüder etwas, dass uns gemeinsam frohlocken ließ, wenn diese auch meinen Bruder gehörten. Super Mario Bros, Tetris und Soccer waren das drei Spiele Bundle welches bei der Konsole dabei lag. Es kamen zwar einige weitere wie Kirby, Schlümpfe und Asterix, aber nichts was uns so lange bei der Stange hielt um wirklich jeden Tag was zu zocken zu haben. So ging es zurück in Wald und Sumpf.



    Der Sog beginnt


    Der richtige Beginn der, ja man kann es im Nachhinein auch gerne Sucht nennen, war aber das SNES. Ein Mitschüler hatte eins, weshalb ich mich immer öfters mit ihm getroffen hatte, eigentlich fast ausschließlich um gemeinsam vor dem Fernseher die 16-Bit Power zu genießen. Fast täglich nervte ich meine Eltern damit, dass ich doch auch ein SNES wollte. Letztendlich bekam ich eins, der Betrag dafür wurde aber komplett von meinem Sparbuch abgezogen und somit war dieses Blank. Aber ich konnte endlich auch zuhause diese wahre Pracht von Spielen genießen. Ab diesem Moment war ich meinen Brüdern ziemlich entwachsen. Nicht weil ich so viel Älter war, sondern weil es meine und zwar einzig allein meine Spielekonsole war. F-Zero, Super Mario Land, Super Punch Out, Earthworm Jim, Mortal Kombat und so viele mehr waren einfach Klasse. Aber die Spiele die mich am meisten gefesselt hatten, waren nicht diese Fast-Paced-Action-Games, sondern Spiele wie Zelda, Secret of Mana, Lufia oder eines meiner All Time Favorites, Terranigma (Dazu kann ich nur TheParappas Quintet Quinett empfehlen). Abenteuer in digitaler Form.

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    Eines der besten Spiele aller Zeiten


    Das war auch so langsam der Zeitpunkt als die schulischen Leistungen immer mehr zu wünschen übrig ließen. Aber nicht nur die Noten wurden immer schlimmer, auch meine sozialen Kontakte ließen immer weiter nach. Ich wurde mehr und mehr zu Außenseiter ohne wirkliche Freunde außerhalb des InGames, wodurch die Spiele auch immer mehr eine Art Flucht vor der Realität darstellten, was zu einer Art Teufelskreis führte.


    Fast gleichauf kamen die ersten Rechner ins Haus. In der Erinnerung fast Zeitgleich war ein 286er, ein C-64 und ein 486er zu Hause aufgetaucht. Neben dem SNES hatten wir, oder besser gesagt ich, zwar ebenfalls viel am Rechner gespielt, aber nur wenig Spiele aus der Zeit sind wirklich in Erinnerung geblieben. Obwohl man das nicht zu negativ bewerten sollte, da ich diejenigen die sich eingebrannt hatten, auch nach über zwei Dekaden immer noch blind spielen könnte. Elite, Diablo, (Heroes of )Might and Magic, Command & Conquer, Patrizier, Schatten über Riva, Lands of Lore, Dynatech, OMF2049, Descent oder Albion oder, oder oder,....



    Die für mich größte Enttäuschung stand bevor. Bitte nicht persönlich nehmen, aber für mich war das N64 ein Verbrechen an der Menschheit nach dem großartigen SNES. Vielen die ich kannte ist da der quietschbunte Grafikstil aufgestoßen, der mich persönlich eigentlich nicht gestört hatte, aber der meiner Meinung nach enorme Mangel an Spiele Highlights. Natürlich gab es von vielen geliebte Spiele, wie die Zelda Reihe, Mario 64 oder Turok, aber das von mir so geliebte Genre der Action-Adventure-Rollenspiel-JRPG war eigentlich fast nicht mehr vorhanden.
    Dazu kam etwas, was mir seit eben dieser Zeit immer wieder etwas aufgestoßen ist, der Sprung in die dritte Dimension. Sicherlich gibt es Genres bei denen es nicht stört oder Spiele die es wirklich hinbekommen haben es sehr gut darzustellen, aber im groben und ganzen fand ich die Übergangszeit von 2D zu 3D wirklich schrecklich. Wahrscheinlich ist das sicherlich ebenfalls ein Grund, warum mir bis zum heutigen Tag ein flaches Spiel besser gefällt, als eines das mir versucht Realität zu verkaufen.

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    Pandemonium - eines der vielen Beispiele die besser 2D geblieben wären



    Von der Abstinenz zum totalen Verlust der Kontrolle


    Auch wenn sich das alles sehr Konsolenlastig anhört, war ich doch die meiste Zeit meines Lebens, auch bis zu diesem Zeitpunkt am Rechner gesessen. Dennoch waren die Spiele und die Lebensereignisse die sich in meinen Kopf zu den passenden Synapsen gebunden haben, auf Seiten der Konsole, wie auch der lange Abstecher auf die Playstation. Auch wenn hier auch kräftig gezockt wurde, hatte zu dem Zeitpunkt die Ausbildung dennoch Vorrang. Da sich in meinem familiären Leben einiges geändert hatte, gab es auch bei mir einen mentalen Aufbruch und musste in meinem Leben endlich etwas tun, auch wenn Sacred, Gothic, Battlefield 2, FFVII u. IX, Gran Tourismo und viele mehr weiterhin Teil meines Lebens waren, bis… bis ich freiwillig der Bundeswehr beigetreten bin.

    FWD 23 bei den Gebirgsjägern im wunderschönen Berchtesgaden. Fünf Tage Sport, marschieren, Ausbildung, einen ganzen Tag für die Zugfahrt quer durch Deutschland und zurück und einen Tag am Rechner oder der Konsole mit CS, AoE2 oder Trackmania. Oftmals sind diese Zockertage aber auch flach gefallen, wegen Familie oder Freunde. Zu guter Letzt folgte noch ein Auslandseinsatz, sechs Monate in denen ich komplett ohne Spiele überleben musste und das auch ohne Probleme geschafft hatte. Gut eineinhalb Jahre vorher hätte ich mir das nicht vorstellen können.
    Kurz nach dem Auslandseinsatz war die Zeit beim Bund aber auch wieder vorbei. Zwar wollte ich verlängern, aber leider waren zu dem Zeitpunkt keine Planstellen mehr zur Verfügung gewesen. Dennoch hatte ich seit der Zeit zwei Verlangen in mir. Eines zog mich immer weiter in digitale Welten und Abenteuer, während das andere wahrlich gefallen an Ausdauersport und der sozusagen wirklichen Welt gefunden hat.


    Das zweite Verlangen war kurze Zeit darauf schon fast vernichtet worden. Man könnte sagen, Windfury hat doppelt gecritted und der Sog zu Sport und Realität hatte kein Ankh zur Verfügung. Manche können schon sicherlich Ahnen was passiert ist. WoW ist passiert.


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    Das Unheil nahm seinen Lauf



    Die nächsten Jahre ließen sich beinahe ausschließlich mit diesen drei kleinen Buchstaben beschreiben. Arbeit hatte ich zwar und auch eine intelligente, charmante und objektiv attraktive Freundin, was bei den drei Buchstaben nicht gerade wahrscheinlich ist, besonders wenn ich diese extra Fett und alles überschattent schreiben müsste. Jegliche freie Minute verbrachte ich, zusammen mit Brüden, Freundin und allen Kumpels in Azeroth, von kurz vor Burning Crusade, bis zum Ende von WotlK. Zwar hab ich bis MoP noch weiter gemacht, aber das nur sporadisch.



    Das Anfang von Ende, das Ende und ein Neubeginn


    Was war passiert? - Der Erfolg hat mich verjagt. Dabei war nicht ich der erfolgreiche geskillte Spieler, sondern nur Teil einer erfolgreiche Gilde, die fast ausschließlich aus meinen Freunden, Freundin und Brüdern bestand. Nachdem wir zu Zeiten von WotlK eine der erfolgreichsten Gilden auf dem Server waren, im Bereich 10 Personen Raids, sind nach und nach einzelne Mitglieder abgewandert zu anderen, größeren Gilden, teilweise auch auf andere Server. Für mich, den es bei WoW zum größten Teil um die Gemeinschaft in der Gilde, zusammen mit meinen Bekannten ging, war dies ein herber Schlag in die Magengrube. Letztendlich war ich einer der letzten verbleibenden Mitglieder von Beissreflex und hab mich dazu entschieden in einer Levelgilde anzuheuern und anderen Spielern zu helfen. Aber auch das hat mich auf lange Sicht nicht befriedigen können, weshalb der Abschnitt des Lebens immer weiter abgefallen ist.


    Kurze Zeit darauf war mein Leben komplett umgekrempelt. Um mehr Geld zu verdienen ging es auf Montage als Telekommunikationselektroniker. Mit dem Geld hab ich mir viel Urlaub geleistet, neues Auto, neue Wohnung, tolle Klamotten, neue Handys, High End Rechner (damals war das noch bezahlbar und beschaffbar), was man sich so wünschen kann und nebenbei so alles nachgeholt was ich neben WoW, digital verpasst hatte. War nicht so viel, aber man wollte ja alles mal gesehen und erlebt haben. Dies ging einige Jahre gut, bis ich in eine Art Burn Out verfallen bin.
    Was war los? Ich konnte mir alles mögliche leisten, aber es war irgendwie nie genug. Hatte ich das neue Samsung Galaxy S3, musste auch schon wieder eine neue Graka her. War die neue Grake da, war ein neuer Fernseher dran, oder der nächste Urlaub, die neue Kamera, dann große Weihnachts oder Geburtstagsgeschenke für die Familie. Irgendwie war ich mit dem was ich verdient hatte nie zufrieden gewesen. Und auch wenn ich mir zu dem Zeitpunkt schon darüber im klaren war, konnte ich diese Gedanken doch nie ausschalten.
    Mehr arbeiten, mehr verdienen. Aus dem guten Job auf Montage, wurden 60-80 Stunden Wochen um mir immer mehr Leisten zu können, während mich das “mehr” immer mehr zerfressen hat, bis ich am Ende war.



    Kurzschlussentscheidung - Vier Wochen Urlaub. Das komplette Geld, die kompletten Ersparnisse innerhalb dieser kurzen Zeitspanne auf den Kopf gehauen. Noch mal richtig die Sau rauslassen, nicht ans Morgen denken, nicht daran dass der Arbeitgeber keinen Urlaub genehmigt hat. Die fristlose Kündigung in Kauf genommen und erhalten. Im Auto sitzend, unweit vom Flughafen und noch zwei Euro in der Tasche. Der Tank leer, der Kopf leer. Versagen, Verzweiflung, Verzagen, aufgeben.

    Ein Zeitpunkt in meinem Leben, wenn auch nur ein relativ kurzer, bei dem ich mir tausend Möglichkeiten überlegt hatte, wie ich den kommenden Morgen nicht mehr überleben müsste. So saß ich dann im Auto für zwei Tage und schrieb einen Abschiedsbrief. Ich wollte und konnte einfach nicht mehr, hatte aber zu viel Angst davor, mir wirklich was an zu tun.

    Ich hatte wirklich keine Lust mehr, aber letztendlich wollte ich auch nicht das es so endet. Andererseits konnte ich meiner Familie, meinen Freunden und meiner Freundin ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr unter die Augen treten.
    Hier sollte ich vielleicht anmerken, dass es sich zu dem Zeitpunkt nicht mehr um die WoW spielende Freundin handelte, sondern um eine neue, die ich im Thailand Urlaub vor über einem Jahr kennen gelernt hatte. Auch hier war ich extrem verzweifelt. Auch wenn wir schon über ein Jahr zusammen waren und ich die 4 Wochen gerade mit ihr verbracht hatte, und auch wenn sie nicht aus den bekannten Milieus in Thailand kommt, waren mir die Geschichten über Frauen eben dieser Nation sehr bewusst und auch diese nagten an meinem Selbstbewusstsein.


    Das hört sich jetzt vielleicht dämlich an, aber ich begann am dritten Tag einfach los zu laufen. Wohin, keine Ahnung. Einen Schritt nach den anderen, Kilometer für Kilometer, immer der Nase nach.



    The Change


    Diese Reise vollends zu beschreiben würde hier den Ramen sprengen. Ich bin, um es kurz zu fassen, vom Flughafen München, bis nach Istanbul gewandert. Zu Fuß, ohne Geld, in gut einem halben Jahr. In dieser Zeit hab ich so viele gute Menschen kennengelernt, wie ich es mir bis zu dem Zeitpunkt nie hätte vorstellen können. Ich habe so viele Erfahrungen gesammelt, von denen die meisten mir gelehrt haben, dass man nicht viel braucht um glücklich zu sein. Kein Auto mit 200 PS, keine 4k Netto, keine tollen Klamotten oder sonstiges an Schickimicki. Wichtig ist es sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu fokussieren, Familie, Freunde und Leben. Am Glücklichsten macht es einen, wenn man andere Glücklich macht.

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    Einer der vielen glücklichen Tage die ich ohne Geld durch Europa gewandert bin, hier in der Nähe von Thessaloniki



    Was mich dazu bewegt hat wieder zurück zu kommen und nicht immer noch, Jahre später, durch die Weltgeschichte zu wandern, war meine Freundin. Die, mit der ich zu dem Zeitpunkt noch zusammen war, was ich mir aber zu dem Zeitpunkt, sowie heute immer noch nicht vorstellen kann. Kurz vor der Grenze zur Türkei wurde ich von jemanden zur Übernachtung eingeladen, der zufälligerweise nebenbei ein Internetcafe betrieb. Panische Angst hat mich damals befallen, als ich meine Facebook- Account-Daten in die Maske eingegeben hatte. Beschimpfungen, Enttäuschte Reden hab ich erwartet, dass auch die Frau mit der ich sechs Monate keinsten Kontakt hatte nichts mit mir zu tun haben wollte war mir eigentlich vollends klar. Ich war auf alles gefasst.

    Nichts! Kein böses Wort. Trauer, vermissen, fragen warum, Hoffen auf Rückkehr.
    Meine Freundin der ich nicht getraut hatte, nur wegen Gerüchten bezüglich ihrer Nationalität, hat mir jeden Tag geschrieben, mir jeden Tag neue Bilder geschickt, mir geschrieben was sie jeden Tag getan hat, und dass sie mich unendlich vermisst und liebt. Jeden Gottverdammten Tag, über Sechs Monate lang.
    Ich hab geheult wie ein Schlosshund.


    Hallo Liebling ich bin wieder da



    Kurze Zeit später war ich wieder zu Hause und habe mich mit meiner ganzen Familie getroffen und alles ausgesprochen. Anschließend zwei Monate gearbeitet und bin mit dem bisschen Geld nach Thailand geflogen. Nicht nach Bangkok, nicht nach Phuket oder sonst einem Touristengebiet. Es ging nach Phimai, einen unscheinbaren kleinen Städtchen in einen der ärmsten Provinzen Thailands. Dort, wo auch die Familie meiner Freundin lebte, hatten wir ein kleines Restaurant eröffnet. Nichts besonderes, nichts was Unmengen Geld abwirft oder abwerfen sollte, aber was zum Leben reicht und glücklich macht.

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    Ein paar Bilder des kleinen netten Restaurants das wir in Phimai, Thailand fast fünf Jahre lange geführt hatten.


    Das spielen von Triple A Titeln hatte ich seit meiner Rückkehr von der Reise aufgeben. Die Abenteuer und Erlebnisse die ich erlebt hatte, ließen die Abenteuergeschichten dieser Spiele weit im Schatten stehen. Dafür entdeckte ich meine Liebe für Indie Titel, wobei es gerade die, die ganz tief unten stehen schafften, einen Stein in mein Herz geschlagen haben. Dwarf Fortress, CDDA, DCSS, UnReal World, Nethack, Adom und wie sie alle heißen. Spiele die mir keine Geschichte erzählen, sondern für mich eine Geschichte erschaffen die ich selbst mit gestalte, waren mein Freizeitausgleich.
    Gleichzeitig war ich durch meine eigene Wanderung leicht geschädigt was den Geschmack von Content angeht. Immer wieder suchte ich nach Gleichgesinnten um mich auszutauschen oder um einfach nur deren Blogs zu lesen oder diese zu verfolgen.



    Zurück auf deutschen Boden, Zwischenstop


    Aber wie das Leben so spielt, bleibt es nie stehen. Immer wieder gibt es neue Probleme, neue Herausforderungen die gemeistert werden müssen und die das eigene, erste wirkliche Glück erheblich fordern oder gar erdrücken.
    Nach fast fünf Jahre in Thailand ging es wieder zurück nach Deutschland. Während ich mit meiner Freundin glücklich war und wir für uns selbst genug verdient hatten, hatten uns andere Probleme heimgesucht. Der Schwiegervater in Spee wurde mit zunehmender Zeit immer kränklicher und musste immer öfter ins Krankenhaus um teure Behandlungen über sich ergehen zu lassen. Am Ende wurden die Kosten so hoch, dass wir uns diese nicht mehr leisten konnten. Der Versuch ein eher auf Ausländer fokussiertes Restaurant in Phuket zu eröffnen kam zu spät und wir haben letztendlich mehr verloren als gewonnen. Der letzte Ausweg war für mich, zurück nach Good old Germany und Geld verdienen.


    Keinen Monat später saß ich am Esstisch meiner Eltern und besprach mit ihnen die derzeitige Situation. Bis ich Arbeit finde, schlug mein Vater vor, könnte ich doch für ein paar Wochen meinen Großeltern im Garten helfen und ein paar Euro verdienen. Kurze Zeit darauf musste ich feststellen, dass es mit ein bisschen Gartenarbeit nicht getan war. Meine beiden eigenen Großeltern waren nicht mehr in der Lage, sich um sich selbst und ihr eigenes Haus eigenständig zu kümmern. So zog ich letztendlich in den Haushalt mit ein um einerseits Vollzeit zu arbeiten und mich in meiner Freizeit um alles was anfällt zu kümmern. Ich ahnte zu den Zeitpunkt noch nicht, wie viel Zeit das bis heute in Anspruch nehmen sollte.


    Ab dem Zeitpunkt war Zocken absolute Mangelware aber zumindest war Zeit dafür noch vorhanden. Kein Jahr später bekam meine Großmutter einen Schlaganfall. Halbseitige Lähmung, eine Änderung die mein Großvater ebenfalls nicht so leicht überstanden hat. In den letzten drei Jahren kümmerte ich mich ausschließlich um meine Großeltern neben dem Vollzeitjob. Wenn ich mal Zeit gehabt hätte mich an den Rechner zu setzen, wäre es frühestens Nachts um halb vor Zehn. Aber nach jeden Tag falle ich ins Bett, in einen unruhigen Schlaf und hoffe einfach nur, dass ich diese Nacht einmal ohne Unterbrechungen durchschlafen kann. So kam es auch, dass ich meine wenige Zeit an Urlaub, die ich ich im Jahr wirklich nehmen konnte damit verbracht hatte, auf Wandertouren oder Radtouren zu gehen, da ebenfalls die Lust nach Sport und Abenteuer wieder zurückgekehrt ist und ich dabei wirklich meine Ruhe abseits von jeglichem Trubel hatte


    Am Anfang ist mir der Mangel an persönlicher Zeit am Rechner noch schwer gefallen. Irgendwie war immer der Versuch da gewesen, sich doch mal ne halbe Stunde ran zu setzen und mal zu entspannen. Aber einerseits würde eine halbe Stunde nie langen, fast egal welches Spiel, und auf der anderen Seite, selbst wenn ich mal dran saß, saß ich immer in Bereitschaft und auf heißen Kohlen. Irgendwas ist immer.


    Aber die Lust auf Abenteuer versiegt nicht. Wie bereits geschrieben habe ich in den letzten Jahren andere Weltenbummler verfolgt. Einer der ersten den ich gefunden hatte, der mich bis heute dazu inspiriert hat es wieder in Angriff zu nehmen, war Samuel on Tour. Darum hatte ich vor gut zwei Jahren die Entscheidung getroffen, dass es so mit dem Leben nicht weiter geht. Gleichzeitig habe ich mit meiner Verwandtschaft geklärt, dass ich ab dem Mai 2022 für meine Großeltern nicht mehr zur Verfügung stehe und für Jahre hinweg auf Weltreise mit dem Fahrrad gehe. Erst ungläubig, war die Reaktion danach durchaus positiv.


    Aber warum jetzt eine beschwerliche Weltreise mit dem Rad, warum nicht einfach in ein normales Leben zurückkehren. 30-40 Stunden arbeiten und die restliche Zeit genießen mit Freunden, Familie und Games? - Das Arbeitsleben ist mir viel zu Monoton geworden, egal wie Abwechslungsreich es ist, ich möchte das Leben wieder wie ein Abenteuer genießen, die Welt und ihre unterschiedlichen Kulturen kennenlernen, jeden Tag in Kontakt mit neuen interessanten Menschen kommen und ganz wichtig, weit weg von dem Neokapitalismus leben, den unsere Zivilisation derzeit vorgibt. Früher bin ich für diese Abenteuer in Spiele geflüchtet, hab die Abenteuer erlebt die Andere für mich geschrieben haben. Eine KI, ein Skript, ein einfacher Algorithmus der mir vorgeben soll, wie ich zu fühlen oder zu handeln habe. Ich möchte mein Abenteuer selbst schreiben und in der wirklichen Welt erleben. Dabei freu ich mich nicht nur über die Sonnenseiten der Medaille, sondern auch über die Schattenseiten, die Schwierigkeiten die Überwunden werden müssen, die Lektionen die ich noch lernen muss und die sieben Tage kaltes Regenwetter am Stück bei denen ich durch muss.


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    Über den Autor

    belerad
    Baujahr 1982, 30 Jahre Videospielgeschichte und jetzt Abstinent, gehe ich auf Weltreise und versuche Menschen mitzunehmen, die neben dem Zocken, auch auf wirkliches Abenteuer Interesse haben.

Kommentare

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  1. belerad
    Danke @Misie Gaming. Mitte Mai geht es los und ich werde den Blog hier dann auch unregelmäßigen Abständen aktualisieren.
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  2. Misie Gaming
    Bele, alter Waldzwerg, schön wieder von dir zu lesen! Aber hui-ui-ui, krasse Story. Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute auf deiner Reise.
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