Gebt das HUD frei!

Von Bakefish · 11. April 2019 · ·
Es taucht in so gut wie jedem 3rd-Person-Spiel oder Egoshooter auf, ist auch den Nichtzockern spätestens seit Blockbustern wie „Iron Man“ bekannt und ohne sieht es einfach komisch aus: Das HUD. Es ist von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit, zeigt es uns doch den Stand unserer wichtigsten Ressourcen. Und warum ein perfekt zum jeweiligen Spiel designtes HUD in meinen Augen fast schon essentiell für ein immersives Spiel ist, will ich in diesem Blogeintrag zeigen.
  1. Die Lebensenergie? Passt noch. Rüstungspunkte? Grmpf, sieht schon nicht mehr ganz so prima aus. Munition? Check. Der nächste Kampf, das kann noch was werden. Was sagt die Minimap? Ab zu diesem Ort!
    All diese Dinge checke ich über mein HUD. Das „Heads-Up-Display“ gibt die Informationen wieder, die für meinen Charakter am Wichtigsten sind. Ich habe alle essentiellen Eigenschaften jederzeit im Blick. Hektische Situationen sind damit wesentlich einfacher zu meistern. Und gleichzeitig kann ich auch außerhalb der Action jederzeit mithilfe meines HUDs weiterkommen. Wohin der Weg? Die Minimap sagt es. Meine momentane Aufgabe? Oben links stehen die Informationen jederzeit bereit. Wir alle kennen dieses Prinzip, wenn auch einige Aspekte wie die Minimap nicht immer dabei waren und nun teilweise sogar wieder verschwinden.
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    [1] Auch in der realen Welt halten HUDs langsam Einzug, das bekannteste Beispiel kennen wir aus dem Auto.

    Der Fakt ist: Fast jeder Shooter und auch etliche Rollenspiele in 3rd-Person-Perspektive kommen ohne ein HUD kaum noch aus. Das ist auch logisch, denn in einer Situation, die schnelle Reflexe und eine ruhige Hand erfordert, brauche ich etwas, das die wichtigsten Werte in Echtzeit wiedergibt- anderenfalls bin ich einem extremen Risiko ausgesetzt. Wie abhängig man von seinem HUD sein kann, merkt man meistens erst dann, wenn es plötzlich nicht mehr vorhanden ist. So wird das HUD in so manchen Spielen bei höherem Schwierigkeitsgrad teilweise deaktiviert (meistens verschwindet dabei das Fadenkreuz), bei manchen Spielen verschwindet es sogar ganz. Und wenn man einen Shooter wie „Metro: Last Light“ plötzlich ohne HUD spielt und das Ressourcenmanagement ohnehin schon wichtig ist, treibt es gern mal den Herzschlag nach oben, wenn man sich der Anzahl seiner Medipacks oder Reservemunition nicht mehr ganz sicher sein kann.
    Doch so ein HUD ist nicht nur wichtig für mein Ressourcenmanagement. Es kann auch einen gehörigen Teil zur Immersion beitragen.

    Prophet wäre stolz!


    Doch damit ein solches HUD überhaupt die Immersion steigern kann, muss man es erst einmal konzipieren. Und das ist nicht einfach. Dass Lebensenergie, Munition, Mana, Schild, Quest oder was auch immer einfach auf dem Bildschirm sein müssen, ist mittlerweile selbstverständlich geworden. Doch welches Element bringe ich an welche Ecke? Und wie schaffe ich es, das Ganze nun nicht visuell überladen darzustellen? Wie erzeuge ich eine entsprechende Skalierung, bei der ich mein HUD nicht mit der Lupe suchen muss, es gleichzeitig aber nicht die Hälfte meines Bildschirms vereinnahmt?
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    [2] Ohne das stylische HUD wäre der Nanosuit in Crysis nur halb so cool.

    Solche Fragen sind tatsächlich deutlich schwieriger beantwortet als gedacht. Es hat seine Gründe, warum die Gestaltung von User Interfaces sogar schon ganze Vorlesungsreihen in Universitäten bedient, denn neben den ansprechenden Design spielen hier noch viele weitere Aspekte wie die Wahrnehmung des Spielers, Gestaltungsgrundlagen und auch die Anwendung von Metaphern eine große Rolle. Und dies führt zu Aspekten der Mediengestaltung und Software- und Multimediatechnologie.
    Doch hat man diese Konzeption erst einmal gemeistert, hat man einen wichtigen Teil zum Spiel beigetragen. Wer erinnert sich noch an die ersten Szenen aus „Half-Life“, als Gordon Freeman zum ersten Mal in seinen HEV-Suit steigt? Oder als Nomad in „Crysis“ den Nanosuit hochfährt? Als mit dem Anzug auch eine Anzeige startet, diverse Pseudocodezeilen auftauchen und dann plötzlich hieraus das HUD entsteht? Die Werte, welche ich sehe, sind damit nicht einfach irgendwie da, um eben da zu sein. Sie sind ein Teil meines Outfits, vielleicht sogar meiner Identität. Das entsprechende Design macht hier sehr viel aus. So sind HEV- und Nanosuit schick designt, die Anzeigen, Zahlen und Karten machen einen futuristischen Eindruck und geben mir das Gefühl, als hätte ich wahre High-Tech vor meinen Augen. Und wenn dann noch das ganze Inventar lediglich eine Verlängerung meines HUDs darstellt, ist die Immersion perfekt. Ich warte an dieser Stelle immer noch auf den ersten Iron-Man-Simulator mit stilechtem HUD!
    Umgekehrt trägt es aber auch zur Immersion bei, wenn ich das HUD bewusst stark verringere und sehr einfach halte. Ein sehr auf Realismus ausgelegtes Spiel oder gar etwas aus dem Survivalgenre profitiert keinesfalls von quietschbunten Flächen und wild blinkenden Anzeigen, es lenkt ab und lässt die ganze Szenerie sehr unnatürlich wirken. Eine gute Alternative besteht darin, die Umwelt einzubinden. Ein gutes Beispiel: Artjom, der in der Metroreihe auf seine Uhr schauen muss, wenn er prüfen will, wie lange die Filter seiner Gasmaske noch halten werden.
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    [3] Auch ein interessanter Ansatz: Dead Space verzichtet auf das klassische HUD und präsentiert von der Gesundheit (Rücken des Charakters) bis zum Inventar sämtliche Anzeigen im Spiel selbst.

    So oder so: Je nach entsprechendem Setting sollte auch das jeweilige HUD angepasst werden. Es trägt prima dazu bei, den entsprechenden Stil des Spiels aufzufangen und eventuell noch zu erweitern. Und es trägt auch einen Teil dazu bei, die Immersion zu erhöhen: Ich würde mich beispielsweise in „F.E.A.R. 2“ im Kampfläufer wohl auch nicht so mächtig fühlen, wenn das HUD nicht entsprechend hochmodern und militärisch aussähe.
    Daher ist es in meinen Augen sehr wichtig, dass mir meine wichtigsten Informationen eben nicht als schnörkellose Zahlen und Buchstaben, sondern als ein kohärentes Ganzes präsentiert werden, das perfekt in die entsprechende Spielwelt passt. Wenn dann noch Elemente im Spiel präsentiert werden, beispielsweise Oberflächen von Computern oder irgendwelche Hologramme, welche im selben Stil wie mein HUD gehalten sind, wirkt die Immersion umso größer. Denn ich bin ein Teil dieses Universums, ich bin aus ähnlichen Elementen „gemacht“ wie meine Spielwelt. Ich bin also nicht nur irgendwie dabei, sondern mittendrin im Spiel! Und ist das nicht genau das, worauf es am Ende ankommt?
    Also, liebe Entwickler: Haltet euch ran und bastelt die coolsten und gleichzeitig passendsten HUDs, die man sich nur denken kann!


    Seht ihr das ganze Thema anders? Habt ihr vielleicht schon ähnliche Beobachtungen gemacht? Stimmt ihr mir zu? Habt ihr Kritik und Anregungen? Dann ab damit in die Kommentare! Aber denkt dran: Freundlich bleiben. ;-)


    Bilder:
    [1] https://boygeniusreport.files.wordpress.com/2017/04/head-up-display.jpg?quality=98&strip=all
    [2] https://cdn.vox-cdn.com/uploads/chorus_asset/file/2704496/05_river_3_alien_fight.1361265235.jpg
    [3] https://i.redd.it/b9cu00ywy4s01.jpg

    Über den Autor

    Bakefish
    Moinsen, ich bin der Bakefish und Community-Moderator. Abgesehen davon fleißiger Rezensent und Typ mit privatem Leben, über das ich garantiert nix in dieser Angabe schreiben werde.
    Diese Angabe ist sowieso sinnlos und auch optional. Insofern hätte ich den oberen Absatz nicht schreiben müssen. Und das hier auch nicht. Lest ihr das immer noch? Hört auf damit und lest meine Blogbeiträge!11elf!
    Marduk1813 und Misie Gaming gefällt das.

Kommentare

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  1. Marduk1813
    Ein vernünftiges HUD ist ein essentieller Bestandteil eines Spieles und wertet dieses ungemein auf! Wie du erwähnt hast kann mit dem Verzicht darauf genau so viel bewirkt werden - Ein gutes Beispiel ist Far Cry 2. Egal wie, letztendlich sollte es eine thematisch passende und gleichermaßen kreative Herangehensweise sein. Da die Balance zu finden ist schwierig. Langweilige 0815 HUDs wirken dennoch lieblos und ärgern mich unterbewusst, da sie die Imersion untergraben.
  2. Misie Gaming
    Es ist auch sehr praktisch, um Schrott-Spiele direkt zu identifizieren. Ich musste nur das HUD von Dangerous Driving anschauen und wusste schon vor den Tests wie es wird. ^^
      Bakefish gefällt das.
    1. Bakefish
      Auch eine Herangehensweise! :-D
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