Hardwarerückausblick 2016/17

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    Das Jahr der Verspätungen


    Eigentlich sollte im letzten Jahr so einiges erscheinen, was dann aber doch noch nicht erschienen ist. AMD wollte SummitRidge bringen, Intel-Microns 3DXpoint sollte im SSD-Markt auftauchen, Displays mit dem neuen DisplayPort-1.3/1.4-Standard sollten ihre Aufwartung machen. Gut, die Preise von DDR4-Ram sanken wirklich, aber nur im ersten Halbjahr. Im zweiten stiegen sie wieder, bis sie jetzt in etwa wieder bei dem Niveau von Ende 2015 angekommen sind.

    Vom 5. bis zum 8. Januar steht allerdings diesjährige CES an, da kann einiges nachgeholt und hoffentlich wird da auch einiges von den Verfehlungen nachgeholt werden! Was aber wird uns das Jahr 2017 hardwaretechnisch als ganzes bringen?

    Der große Kampf AMD vs. Intel

    Auf diesen Kampf musste nun schon Jahrelang gewartet werden, dass er 2017 endlich kommt, darf aber als sicher gelten.

    Intel bereitet sich dabei hauptsächlich durch Polishing vor:
    Momentan nutzt Broadwell-E mit den 2011-3er Mainboards den X99er-Chipsatz, der im Vergleich zu dem Chipsatz-Topmodell Z170 für den Sockel 1151 für Skylake-S einen rückständigen Unterbau darstellt. Dieses Problem wird in diesem Jahr ausgebügelt, alle Plattformen erhalten aktuelle Chipsätze, die sich technisch sehr ähnlich sind. (Die Namen Z270 und X299 bringen das auch ganz gut zum Ausdruck) Skylake-X für den neuen Sockel 2066 wird wohl kaum überraschen, sondern genau das sein, was man sich beim Namen schon vorstellen könnte: Ein Skylake-S ohne iGPU in rundherum ein ganz klein bisschen besser mit mehr Kernen. Kabylake-S werden noch langweiliger, nämlich Skylake-S in rundherum ein noch kleineres bisschen besser und das wars. Als letztes gibt es dann noch einen Exoten, KabyLake-X. Hinter dem Namen würde man nun ja eigentlich einen ganz klein bisschen verbesserten SkyLake-X vermuten, aber nein: KabyLake-X ist eigentlich ein KabyLake-S, der aber so modifiziert wurde, dass er statt in 1151er- in 2066er-Mainboards passt, wozu genau das gut sein soll weiß noch niemand. Nunja, es wird schon klar, dass die Intel-Prozessoren an sich im nun angebrochenen Jahre nicht sonderlich überraschen werden, der Fokus bei Reviews der Intel-Plattformen sollte daher hauptsächlich auf den Mainboards (Leistungsaufnahme, RAM-Taktbarkeit, ...) liegen.

    Bei Intel werden die Boards also auf einen technischen Grundstand gebracht, bei AMD geht man ein wenig weiter, denn SummitRidge, BristolRidge und RavenRidge werden alle auf den gleichen Mainboards eingesetzt werden können. Bisher sieht es auch danach aus, als wären die durch diese Synergieeffekte günstigen Mainboards für viel Sparpotential im Direktvergleich zu den Intel-Plattformen bieten. Mehr dazu erfährt man auch wiederum in den nächsten Tagen.

    BristolRidge ist dabei eigentlich schon altes Silizium, entspricht im Grunde den 2015er- Carrizos. Im letzten Jahr wurde sie auch schon in den OEM-Markt und in (kaum) Notebooks gebracht, abermals zu CES sollen sie auch frei verfügbar sein. Sie basieren aber sowohl noch auf alter Excavator-CPU- als auch alter Tonga-GPU-Architektur und sind noch im 28nm-Verfahren gefertigt, könnten also höchstens durch einen Preis glänzen.

    Hinter SummitRidge verbirgt sich eine reine CPU, die sowohl performance- als auch effizienztechnisch in Konkurrenz zu Broadwell-E (aktuell) und Skylake-X (künftig) gehen soll und nach bisherigem Stand dieses Ziel auch gut erreichen wird. Offen ist noch, wie viel günstiger als Intels Pendants AMD diese Prozessoren denn anbieten möchte und auch, wie viele AMD denn liefern kann. Die Vorfreude unter prinzipiell AMD nicht schlecht gesonnenen HighEnd-Usern ist auf jeden Fall sehr groß. Technisch besteht SummitRidge aus zwei verschmolzenen Zen-Vierkernpaketen, wobei jeder Kern zweifaches SMT beherrscht. Im Vollausbau ist das also eine Achtkern-CPU, die mit 16 Threads umgehen kann, weshalb es sich anbietet sie in Tests gegen den i7 6900K antreten zu lassen. Ob das SummitRidge-Topmodell dann aber 350, 500, 650€ oder 800€ kosten wird, ist noch unsicher, günstiger als die 1100€ für den 6900K wird es aber von nahezu jedem erwartet.

    RavenRidge das oft übersehene dritte Glied, dabei aber eigentlich das, was Intel am meisten fürchten muss. RavenRidge soll nämlich die Kombi aus einem Viererpaket Zen-Kernen mit 768 Vega-Shadern darstellen, also aktuelle CPU und GPU-Technik von AMD in einem aktuellen 14nm-Fertigungsverfahren kombinieren. Ein derartiges APU-Duell mit gleichen Waffen gab es bisher noch nie; in der Vergangenheit konnte Intel stets unterm Strich nur mithalten, weil sowohl CPU-Part als auch Fertigungstechnologie der von AMD überlegen waren, gegen den GPU-Part von AMD hatte Intel aber kaum eine Chance. Ob aber der (aller Voraussicht nach) überlegene Chip auch dafür reicht, dass sich AMD wieder in den Mobile-Markt zurückkämpfen kann, der ja gerade nahezu völlig von Intels APUs der Skylake-Generation beherrscht wird, das kann man nur hoffen. In den vergangenen Jahren hielt sich die Unterstützung seitens der Notebookhersteller für AMD ja äußerst zurück.

    Im Desktop sollte es hingegen gut für AMD aussehen. Ich gehe davon aus, dass in dem Jahr 2017 weitaus mehr System upgegraded werden als sonst und dass vor allen Dingen AMD davon stark profitieren sollte und auch wird.

    Schwer vorhersehbare Scharmützel bei den Grafikkarten

    Das Jahr 2016 hat uns mit der 14/16nm-Generation ein ungleiches Portfolio auf Seiten AMDs und Nvidias geliefert. Während sich das Nvidia-Pascal-Portfolio fast vollständig von LowEnd bis UltraHighEnd aufspannt, erstreckt sich das AMD-Polaris-Portfolio nur von LowEnd bis Midrange.
    Es wird momentan allseits erwartet, dass Nvidia die letzte verbleibende Lücke wichen den Karten 1080 und Titan X mit einer1080Ti auf der CES stopfen wird. Zusätzlich gehe ich auch noch von einer neuen Titan aus, die diese Titan X beerben wird, mit einem unbeschnittenen Chip und der doppelten Menge an Grafikspeicher, vielleicht sogar Grafikspeicher mit etwas höherer Taktrate.

    Eine neue Architektur ist bei Nvidia in diesem Jahr nicht in Sicht, sondern eher zu Beginn des Jahres 2018 angesiedelt, einen Refresh, also die bloße Überarbeitung der Karten, könnte es aber geben.

    AMD hingegen möchte 2017 einige GPUs auf Basis der neuen Vega-Architektur veröffentlichen. Ob die dann mit den Polaris-basierten Karten ein Mischmasch-Portfolio bilden oder diese ablösen oder oder oder ist momentan viel Stoff für Spekulationen. Auch die Frage, wie viele der Karten HBM nutzen werden, bleibt unklar. Wann genau diese Karten auftauchen werden (Frühjahr, Sommer, Herbst?), liegt ziemlich im Dunkeln.

    Wird das Jahr aus Grafikkartensicht also spannend? Eher mäßig spannend, aber sicher nicht schlecht für den eigenen Geldbeutel. Gegenüber den Kämpfen im CPU- und APU-Geschäft aber eher konventionell.

    Ansonsten

    An dieser Stelle muss ich einfach wiederholen, was ich am Anfang gesagt habe: Der ausgebliebene Fortschritt des Jahres 2016 in diesen Bereichen wird hoffentlich in diesem Jahr eintreten.
    Für 3DXpoint sehe ich dabei am meisten Chancen bei den niedrigkapazitiven SSDs. Diese haben am meisten mit den Problemen von NAND-Flash und der traditionellen SSD-Konstruktionsweise zu kämpfen. Im Endresultat sind sie langsam, ineffizient, gehen tendentiell schneller kaputt und sind trotzdem relativ gesehen teuer, absolut gesehen kosten sie natürlich kaum etwas. Kleine 3DXpoint-basierte SSDs hätten davon (wenn Intel-Micron uns nicht auf den Arm genommen haben) nur noch das Kostenproblem, was aber auf Grund des allgemein geringen Preises weniger eine Rolle spielen dürfte. Tatsächlich sollen auf der CES niedrigkapazitive M.2 SSD mit 3DXpoint unter dem Namen StoneyRidge vorgestellt werden. (16GiB und 32GiB als M.2-PCIe-NVMe-Karten)

    Ich gehe aufgrund der vielen neuen Plattformen von einer stark erhöhten Nachfrage nach DDR4 im ersten Halbjahr, vielleicht aber sogar im ganzen Jahr aus, die sich aber ganz gut mit wieder steigenden Produktionskapazitäten ausgleichen wird. Daher werden die Preise im Groben stabil bleiben.
    Bei Flash-Speicher und den Flash-Speicher basierten SSDs hingegen blicke ich ein wenig optimistischer in die Zukunft und sage: Ja, die Preise werden sinken und ja,
    An den Durchbruch von NVMe im Massenmarkt glaube ich aber erst für das Jahr 2017.

    Was die Monitore angeht hoffe ich auf baldigen Fortschritt, am besten auch schon zur CES. Dazu ist bisher aber noch kaum etwas durchgesickert...
    ...es wäre aber geradezu skandalös, wenn auch dieses Jahr DisplayPort 1.3/1.4-Monitore mit den bekannten Vorteilen (HDR-Möglichkeiten, hohe Herzzahlen UND hohe Auflösung gleichzeitig, dadurch auch besseres FreeSync/ GSYNC, ...) ausbleiben würden.

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