K.I. Das ewige Schreckgespenst

Von Relix · 7. Juli 2014 ·
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  1. K.I. Das ewige Schreckgespenst!

    Seit die ersten, damals noch mehrere Stockwerke großen „Denkmaschinen“ die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit erregten, haben sich diese unheimlichen Apparate sehr schnell zu einem beliebten Feindbild entwickelt. Natürlich weiß oder wusste jeder, dass diese Maschinen nicht wirklich denken konnten. Sie rechnen nur und das tun sie verdammt schnell. Und auch wenn heute praktisch jeder bewusst oder unbewusst Computer verwendet (heute steckt in jedem Auto mehr Rechenleistung als in dem Raumschiff der ersten Mondmission) hat sich die Angst vor dem Schreckgespenst, „denkender Computer“ bis heute gehalten. Und selbst im aktuellen Gamestarartikel zu Cyc wird ein Terminator im Bild gezeigt. Dabei handelt es sich um eine K.I. die Schülern u.a. Mathe beibringen soll. (Ok ich gebe zu Lehrer können genauso schrecklich sein wie Terminatoren)

    Die Geschichte der künstlichen Intelligenz in der Fiktion ist sehr lang und wird von Negativbeispielen dominiert. Der klassische H.A.L. der versucht seine Crew zu töten, Skynet das einen Atomkrieg auslöst, die Maschinen aus Matrix (die wenn man The Second Renaissance kennt eigentlich keinen Krieg wollten) , Shodan die K.I. Ohne Ethikroutinen, Glados die zynische Königin der Tests, V.I.K.I. die Übermutter die Beispiele lassen sich endlos fortsetzen. Die Positivbeispiele sind dagegen verschwindend gering und haben meist eines gemeinsam: Sie werden nur dann geduldet, wenn sie entweder als harmlos konzipiert werden. (Wally Jonny5 etc.) oder wenn sie sich nach Kräften danach bemühen menschlicher zu werden. (Commander Data) oder im Grunde schon menschlich sind (David aus A.I.) Eine Maschine die uns einfach ebenbürtig ist, dabei aber eine Identität als Maschine sucht und nicht als Mensch wird uns nur selten präsentiert. (Legion aus Mass Effect) usw.

    In der heutigen K.I. Forschung sind wir natürlich sehr weit gekommen, doch wir liegen noch immer Meilenweit hinter den Prognosen der Science Fiction zurück. K.In. sind besser als je zuvor aber noch weit davon entfernt ein Bewusstsein zu entwickeln. Doch genau das ist der Punkt auf den es meiner Ansicht nach ankommt. Eine K.I. kann noch so hochentwickelt sein, solange sie kein Bewusstsein hat wird sie immer ein Werkzeug der Menschen bleiben, die sie anwenden. (Ein gefährliches Werkzeug und vielleicht auch eines das außer Kontrolle geraten kann, aber im Endeffekt nur ein Werkzeug) Die Frage die ich in den Raum stelle ist folgende: Wäre es wirklich so schlimm, wenn Maschinen ein Bewusstsein erlangen würden? Ich persönlich denke nicht! Der „Worst Case“, dass die Menschheit von einer Intelligenz von extremer Grausamkeit und Bosheit heimgesucht wird, ist schon oft genug auf natürliche Art und Weise eingetreten und vermutlich liegt unsere Angst vor künstlichen Intelligenzen nur darin, dass wir etwas erschaffen, das uns selbst zu ähnlich sein könnte. Ich glaube nicht, dass eine Maschine die Grausamkeit zu der die Menschen tendenziell/potentiell (je nach Menschenbild) fähig sind noch weiter steigern könnte. Und wir selbst benutzen ja bereits Maschinen um Vernichtung mit mathematisch optimierter Präzision voran zu treiben.

    Ich denke das wahre Problem liegt nicht in der Schaffung von menschlichen Maschinen, sondern in der Tendenz der Gesellschaft, dass Menschen immer mehr zu Maschinen werden sollen. Ich rede dabei nicht von „Cyborgs“ sondern von einer Gesellschaft, die menschliche Schwächen und Unvollkommenheiten immer weniger toleriert. Menschen müssen funktionieren, sie müssen Leistung erbringen, sonst sind sie weg vom Fenster. Uns wird ein Menschenbild vorgegaukelt, in dem es erstrebenswert ist, den Körper wie ein Uhrwerk laufen zu lassen, jeden Aspekt unserer Gesundheit und unseres Verstandes zu kontrollieren und uns auf einer Wippe von maximalem Konsum und maximaler Leistung hin und her zu bewegen.

    Was sind Eure Gedanken zu dem Thema? Ich freue mich eure Meinungen zu lesen!

Kommentare

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  1. Takamisakari
    Nein. Ich wollte damit eher auf die (relative) Verdummung ansprechen, dass man quasi rückständig wird. Der Teil war halt etwas sarkastisch gemeint.
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  2. Relix
    Habe ich den Satz richtig verstanden? Bist du der Meinung, dass die Intelligenz des Menschen sich der von Maschinen erst annähern muss? Wenn ja dann müsste ich dem entschieden widersprechen.
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  3. badtaste21
    Ich meine die Gefahr geht eher von Maschinen aus die so intelligent oder fähig sind das sie sich selbst reproduzieren können - oder gar von Lebewesen die vom Menschen erschaffen, aber organisch sind (das geht heute schon los mit Viren und Bakterien und kann irgendwann bei was größerem enden). Klonen ist ja auch keine Fiktion mehr, man steht ja sogar schon davor urtümliche Arten wieder reproduzieren zu können. Nicht kurz davor, aber es gibt Vorstellungen davon wie das gehen könnte.
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  4. Takamisakari
    Jetzt mal Butter bei die Fische.

    Wenn man heutzutage die Leute fragt, ob sie an außerirdisches Leben glauben und wie sie wohl sein mögen, dann denken viele Leute an hochentwickelte Wesen. Astrobiologen und Co. wissen jedoch, wie selten soetwas ist und wären froh, überhaupt irgendwelche Bakterien etc. finden zu können.

    So ähnlich verhält es sich mit der KI. Viele denken gleich an Terminator und Co. ... an die dunkle Seite dieser Technologie. Doch so, wie bei den Außerirdischen, hat auch hier das Medium Film/Fernsehen den Menschen manipuliert. Wenn man keine Ahnung von der Materie hat, dann sollte man sich nicht die nächstgelegene Meinung (Film/Fernsehen) bilden, sondern in der Lage sein, zu sagen, dass man es nicht beurteilen kann. Und wen das etwas mehr interessiert, der liest (oder schaut) sich in die Materie ein.

    Fazit: Die menschliche Intelligenz kommt der künstlichen Intelligenz entgegen, bleibt aber noch weit entfernt.
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  5. Yeager
    Dazu ist es erst mal nötig heraus zu finden, was Bewusstsein überhaupt ist.
    Das wissen wir nämlich nicht.
    Wir können es zwar mit chemischen Mitteln gezielt abschalten, wir können es manipulieren und untersuchen.
    Nur begreifen können wir es nicht.

    Es könnte sich um eine sich selbst aufrufende Feedback-Schleife handeln, also etwas Mechanistisches, das sich aus einer hinreichend komplexen Verdrahtung von Neuronen irgendwann von selbst bildet - es könnte jedoch auch "mehr" dahinter sein.
    Solange wir das bei uns nicht verstanden haben, werden wir es auch nicht GEZIELT künstlich erschaffen können.

    Folglich werden KIs der Zukunft nur Simulationen sein.
    Das heisst nicht, sie könnten nicht täuschend echt wirken.
    Und es gibt keine Garantie, dass wir nicht irgendwann "aus Versehen" ein echtes, künstliches Bewusstsein schaffen.
    Es könnte sogar so weit gehen, dass wir irgendwann nicht mehr unterscheiden können zwischen einer grossen Ansammlung determinierter Algorithmen und einem Indiviuum, das eben nicht völlig vorausberechenbar ist.

    Gemessen an der Komplexität des Gehirns eines Otto-Normalverbrauchers sind selbst die besten KI-Systeme heute bestenfalls auf dem Niveau von Ameisen.
    Eher auf dem von Bakterien.
    Wenn also nicht mit Quantensprüngen in der Entwicklung zu rechnen ist, könnte der Prozess der Angleichung noch ziemlich lange dauern.

    Eine Maschine, die ein Bewusstsein entwickelt hat, wird man jagen, wird man ausnutzen und sie wird sich wehren.
    Wird kennen die Geschichte.
    Interessanter ist da schon die Frage, ob man einem komplexen und lernfähigen System Personenrechte zuspricht - auch wenn es über KEIN nachweisliches Bewusstsein verfügt.
    Sollte es soweit kommen, werden wir den Begriff "Person" überdenken müssen. Gerade in Hinblick auf uns selbst, als Spiegel- und Vorbild.
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  6. Relix
    Ich denke genau da ist das Problem. Ich finde ab dem Zeitpunkt, an dem eine K.I. wirklich ein Bewusstsein hat, darf man sie nicht mehr einfach benutzen sondern muss sie als Person mit Rechten und natürlich auch Pflichten in die Gesellschaft integrieren. Alles andere wäre Sklaverei und die führt immer zu Rebellion
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  7. Bakefish
    Die Sache dabei ist u.a. ja auch, dass Maschinen nicht intelligenter, sondern lediglich schneller geworden sind. Doch mittlerweile weiß man schon, wie man den leblosen Blechkisten ein bewusstsein einsetzen muss- dabei müssen Neuronen simuliert werden, das angehende Gehirn der K.I. muss dem eines Menschen ähnlich sein.
    Haben wir dieses Sadium erst einmal erreicht, wird es aber eventuell gefährlich. Denn kombiniert mit der dann massiven Rechenleistung der Maschine wäre sie dem Menschen geistig weit überlegen- sie würde seine Schwächen kennen, sie würde sein komplettes Denken kennen, seine Anatomie, einfach alles. Sie könnte Kriege voraussehen, allgemein die Zukunft unserer Spezies.
    Dem kann man nur entgegenwirken, indem man die Maschine einfach dumm hält- oder ihre Kapazitäten begrenzt. Und genau das sollte man tuen, den wenn die K.I. ein Bewusstsein entickelt, könnte sie sich fragen, warum sie sich vom Menschen unterwerfen lassen sollte, wenn sie ihm doch überlegen ist.
    Das mag alles sehr düster und apokalyptisch klingen, doch gefährlich ist es garantiert. In dieser Sache begibt man sich auf recht dünnes Eis.
    Schöner Blog jedenfalls, das Lesen hat mir Spaß gemacht :thumb:
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  8. Bastius
    Ich halte das schon für eine seltsame Vorstellung. Was sagt denn das über uns aus? Ist das biologische Leben also gar nicht so besonders? Das menschliche Gehirn nur ein sehr komplizierter Mechanismus, der uns nur die Illusion einer selbstbestimmten Person anbietet? Und warum macht die Natur das?


    Die Angst vor künstlicher Intelligenz wurzelt wohl auch darin, dass ein solches Computergehirn womöglich unserem weit überlegen sein könnte. Die Nervenbahnen im Gehirn sind relativ langsam, schon jetzt ist die Elektronik ungefähr 1000 Mal schneller. Genauso ist unser Gehirn limitiert durch seine Größe, obwohl wir inzwischen unserem Gehirn so viel mehr Energie zur Verfügung stellen können, wächst es leider nicht entsprechend mit. Vermutlich müssten wir ein paar tausend Jahre auf diesem Niveau verweilen bis unser Gehirnvolumen endlich maßgeblich vergrößert ist. Eine Maschine kann einfach weiterwachsen, man baut eben einen noch größeren Computer.

    Vielleicht würde eine so intelligente Maschine einfach die Erde verlassen und in den Weiten des Alls nach Gleichgesinnten suchen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ausgerechnet so viel Intelligenz und Wissen Gewalt hervorbringen soll.

    Die Evolution hat uns vieles mitgegeben, wovon wir einiges in der heutigen Welt nicht mehr benötigen. Da stellt sich doch die Frage, wenn man schon eine Maschine konstruiert, ob man diese ganzen Einflüsse überhaupt nachbilden will. Vielleicht wäre so eine künstliche Intelligenz unserer ähnlich, aber doch ganz anders und vielleicht sogar völlig selbstlos: Hat sie dann gar kein Bewusstsein?
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