Laßt uns mal wieder „Track & Field II“ spielen!

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  1. Eigentlich würden nächsten Monat die Olympischen Spiele in Tokyo beginnen. Allerdings kam bekanntlich ein Virus dazwischen, der dafür sorgte, daß Olympia auf nächsten Jahr verschoben wurde. Zumindest, wenn bis dahin ein Impfstoff gefunden wurde. Für Sport- und Olympia-Fans droht nun ein ziemlich ereignisloser Sommer, wenn nicht sogar ein komplettes Jahr. Glücklicherweise sollte es da aber doch eine virtuelle Alternative geben, oder?

    Nun, tatsächlich sind die Alternativen jetzt nicht so leicht zu finden. Tatsächlich kenne ich kein einziges Spiel, was sich mit den Thema Olympia befasst und in den letzten zehn Jahren auf dem Markt kam. Das war mal anders, man denke nur an Summer Games auf den C64, oder die ganzen anderen Ableger, die so im Laufe der Jahre erschienen sind.

    Auch Konami hatte mit Hyper Olympics ein Sportspiel im Angebot, das 1983 als Spielautomat erschien und später auf diverse Heimcomputer und Konsolen konvertiert wurde. Unter anderem gab es Versionen für den Apple II und Atari 2600. Natürlich gab es auch eine Version für den C64 und eine für eine damals neue Konsole mit den Namen Nintendo Entertainment System. In den USA erschien Hyper Olympics unter den Titel Track & Field, was wohl die englische Bezeichnung für Leichtathletik ist. Die NES-Version von Track & Field beinhaltete acht verschiedene Disziplinen, den 100 Meter-Lauf, Weitsprung, Speerwurf, 110-Meter-Hürdenlauf, Hochsprung, Wurfscheibenschießen, Dreisprung und Bogenschießen. Das Spiel setzte damals auf das bewährte Prinzip, Feuerknopf so schnell wie möglich drücken und dann rechtzeitig die Taste für den Absprung oder Wurf zu drücken, also dasselbe Prinzip, was auch bei Summer Games für viele kaputte Joysticks sorgte.

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    Mögen die Spiele beginnen! Das Titelbild von Track and Filed II!

    1992 erschien dann pünktlich zu den Olympischen Spielen in Barcelona eine "Neuauflage" auf den NES, mit den schönen Titel Track & Field Barcelona. Die "Neuauflage" beinhaltete ein anderes Titelbild, war aber sonst mit dem alten Track & Field identisch. Kurz gesagt, es war gewissermaßen eine Mogelpackung um mit einem alten Spiel nochmals Geld zu machen.

    Dabei hatte es diese gar nicht bedurft, denn bereits 1988, wohl zu den Olympischen Spielen in Seoul, erschien auf den NES die Fortsetzung Track & Field II. Diese war nicht nur umfangreicher, sondern auch grafisch und spielerisch deutlich besser. So gab es satte 15 Disziplinen. Tatsächlich war Track & Field II für mich auch der Einstieg in die Spieleserie, und streng genommen auch der Ausstieg, den einen weiteren Teil hatte ich nie besessen. Zwar hatte ich ein gewisses Interesse an Track & Field Barcelona, der Testbericht in der Video Games, Ausgabe 6/1992, und die Tatsache, daß ich damals durchaus einige Monate auf ein Modul sparen mußte, verhinderten den Kauf.

    Und was war jetzt das Besondere am zweiten Teil von Track & Field? Nun, zum einen muß man die Technik loben. Selten mußte ein NES bessere Grafik darstellen. Die Grafik war kein Vergleich zum ersten Teil. Statt kleinen Pixelathleten, erschienen plötzlich große Sprite-Sportler auf den Bildschirm. Auch der Sound war gut, vermittelte viel Stadion-Atmosphäre. Dazu gab es sogar englische Sprachausgabe, die einigermaßen verständlich klang. Und die mehr als doppelte Anzahl von Disziplinen versprachen viel Spielspaß, vor allem, weil man gegen einen menschlichen Kontrahenten antreten konnte.

    Die fünfzehn Disziplinen unterteilten sich in, ich sag mal, zwölft olympische Disziplinen, zwei Demonstrationswettbewerbe und das… ähm, sagen wir mal Armdrücken. Die zwölf olympischen Disziplinen bestehen aus Fechten, Dreisprung, Freistil-Schwimmen, Turmspringen, Tontaubenschießen, Hammerwurf, Taekwondo, Wildwasserkanu, Stabhochsprung, Bogenschießen, Reckturnen und Hürdenlauf. Dazu kommt mit dem Drachenfliegen und Pistolenschießen als Demonstrationswettbewerb.

    Insgesamt drei Spielmodis gibt es. Da wäre der Practice-Modus, bei dem man die zwölf olympischen Disziplinen trainieren kann, wenn man will, auch im Wettstreit mit einem Freund am zweiten Joypad. In jeder Disziplin geht es dabei, möglichst eine gewisse Punktzahl, Weite oder Zeit zu erzielen bzw. zu unterscheiten. Wer diese Qualifikationsnorm nicht erreicht, sieht schnell das „Game Over“ und landet wieder im Hauptmenü, was meiner Meinung nach nicht unbedingt den Sinn eines Trainingsmodus gibt.

    Dann gibt es den Versus-Modus, bei den man im Teakwondo und Fechten direkt gegen einen Freund antreten kann. Im Trainings-Modus ficht bzw. kämpft man nur nacheinander, wahrscheinlich um zu verhindern, daß einer der beiden Spieler zwangsweise ausscheiden muß. Außerdem steht in diesem Modus (und nur in diesem Modus) das Armdrücken zur Auswahl.

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    Fechten ist eine von 15 Sportarten, und eine von drei, die es im Versus-Modus gibt.

    Richtig zur Sache geht es im Championship-Modus, gewissermaßen der Olympia-Modus. Hier fährt Track & Field II richtig seine Stärke aus. Nach einem tollen Intro, bei dem zuerst der Flieger mit den Athleten landet, und jene Anschließend zur Eröffnungsfeier im Stadion laufen, stehen die Wettkämpfe an, jeweils drei pro Wettkampftag. Dabei geht es in den ersten vier Wettkampftagen erstmals nur darum, sich für die Finalrunden zu qualifizieren, sprich, man muß ähnlich wie im Trainings-Modus ein gewisses Ergebnis erzielen. In den nächsten vier Wettkampftage geht es dabei um die Medaillen, wobei man auch hier in jeder Disziplin ein gewisses Ergebnis erzielen muß, um weiter zu kommen.

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    Der Flieger ist gelandet und die ersten Olympioniken steigen aus! Eine der Szenen aus dem genialen Intro.

    Als Belohnung gibt es nach einem erfolgreich absolvierten Wettkampftag ein Paßwort und die Möglichkeit auf eine der beiden Demonstrationswettbewerbe zugreifen zu können. Das Drachenfliegen ist dabei noch einigermaßen sportlich. Mit einem Hängegleiter gilt es vom Start aus die Distanz zum Ziel fliegend zu überwinden und dann möglichst exakt zu landen. Das Pistolenschießen allerdings kommt etwas seltsam daher und will nicht so ganz Recht zu den anderen Disziplinen passen. Anstatt auf Zielscheiben zu ballern, schießt man mit unendlicher Munition in einem Straßenszenario auf regelmäßig auftauchende Gangster. Die schießen natürlich zurück, was Lebensenergie kostet. Ziel ist es, möglichst viele Treffer zu landen, ehe es soweit ist. Wer will (und einen hat) kann in dieser Disziplin sogar den Zapper (also Nintendos Lichtpistole für das NES) nutzen und in Deckung hinter dem Sofa heraus auf die Gegner ballern.

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    Einmarsch der Athleten während der Eröffnungsfeier. Das Intro vermittelt viel Olympia-Atmosphäre.

    Bei der Steuerung verläßt sich Konami auf das gute alte Prinzip möglichst schnell diverse Knöpfe zu drücken um Schwung zu holen und Geschwindigkeit aufzubauen. Meistens ist es der A-Knopf, beim Hammerwerfen die vier Tasten des Steuerkreuzes, die so schnell wie möglich im Kreis gedrückt werden wollen. Dazu muß man meistens im richtigen Moment den zweiten Knopf drücken um möglichst exakt abzuspringen, den Hammer zu werden oder den Pfeil abzuschießen. Bei einigen Disziplinen kommt es sogar darauf an, im richtigen Moment den Knopf wieder loszulassen, da nur ein möglichst idealer Absprung- bzw. Abwurfwinkel eine möglichst hohe Weite ermöglichst. Der Dreisprung und das Hammerwerfen wären solche Beispiele.

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    Stabhochsprung ist einer der Disziplinen, wo man ganz schnell den A-Knopf drücken muß und im rechten Moment den B-Knopf für den Absprung. Anstrengende Angelegenheit!

    Es gibt aber auch ein paar Disziplinen bei denen es mehr um Geschicklichkeit und Timing geht. Fechten und Teakwondo sind hier ein paar Beispiele, und beim Tontaubenschießen geht es vor allem um die Reaktion, da man pro Scheibe nur zwei Schüsse hat, und kaum Zeit. Auch das sehr schöne Wildwasserkanu setzt mehr auch Geschicklichkeit, als auf schnelles Drücken. Und natürlich sollte man den Kurs einigermaßen gut kennen. Und beim Bogenschießen muß man zwangsweise den Wind mitberücksichtigen und entsprechend vorhalten, damit man eine möglichst hohe Punktzahl erzielt. Und beim Freistilschwimmen darf man natürlich das Atmen nicht vergessen!

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    Tontaubenschießen erfordert eine ruhige Hand und schnelle Reaktion. Pro Scheibe hat man nur zwei Schuß.

    Die Disziplinen machen dabei mehr oder weniger viel Spaß. Stabhochsprung kann z.B. sehr langatmig werden, wenn man mit einer geringen Einstiegshöhe einsteigt und einfach nicht ausscheiden will. Auch beim Fechten hat man relativ schnell heraus, wie es geht. Zudem bewegen sich die Fechter erstaunlich träge. Sehr gut gefallen hat mir das das Bogenschießen, bei dem man jeweils drei Pfeile auf Scheiben schießt, die in unterschiedlichen Abständen stehen. Auch das Wildwasserkanu gefällt mir ganz gut.

    Am meisten Spaß macht es natürlich, wenn man gegen einen menschlichen Gegner antritt, was jetzt nicht ungewöhnlich ist und für viele solcher Sportspiele, wie z.B. Ski of Die oder California Games, gilt. Dann motiviert auch das simple so schnell wie möglich den A-Knopf-Drücken (Armdrücken!). Das kann durchaus in eine schweißtreibende Angelegenheit ausarten, aber ein bißchen Anstrengung hat ja noch nie geschadet. Und warum soll nur der Pixelathlet leiden während der Spieler bzw. die Spielerin faul auf dem Sofa liegt? Und schließlich würde auch niemand ein gedoptes Joypad mit Auto-Fire-Funktion verwenden…

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    H. Zermelo ist die Vertreterin der guten alten Federal Republic of Germany im Turmspringen.

    Schade, daß der Olympia-Modus nur allein gespielt werden kann. Dafür entschädigt er mit einer tollen Olympia-Atmosphäre. Dazu gehören das Präsentieren der Sportler vor jeder Disziplin, als auch die Soundkulisse mit den pfeifenden und jubelnden Zuschauern. Natürlich trägt auch das geniale Intro einen Teil dazu bei, genauso, wie die Schreibmaschine, welche das Tagesergebnis am Ende eines anstrengenden Wettkampftages präsentiert (und hoffentlich auch das Paßwort!), und die es übrigens auch im Trainingsmodus gibt.

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    Unser Ergebnis im Wildwasserkanu: 4630 Punkte! Das reicht im Trainings Modus für die Qualifikation zur nächsten Disziplin.

    Alles in allem, vermittelt Track & Field II verdammt viel Olympia-Atmosphäre, was bei einem solchen Spiel vielleicht sogar wichtiger ist, als das eigentliche spielerische Ergebnis. Der spielerische Anspruch ist doch eher mäßig, die Steuerung ist nicht sonderlich komplex und schnell erlernt. Allerdings muß man zu Gute halten, daß viele Disziplinen in der Leichtathletik auch nicht anspruchsvolle und komplexe motorische Bewegungen verlangen. In dieser Hinsicht, hat Konami schon das Beste aus der Steuerung herausgeholt, zudem sie sich auch glaubwürdig und nachvollziehbar anfühlt. Das alles wird aber komplett ausgeglichen durch die tolle Grafik, den guten Sound und die phantastische Atmosphäre. Ich hatte jedenfalls durchaus meinen Spaß, als ich das Spiel für diesen Blog mal wieder ausgepackt habe.

    Ich finde, es wird Zeit, daß Konami mal wieder ein neues Track & Field präsentiert, oder überhaupt mal wieder jemand so ein Spiel macht, mit aktueller Grafik, tollen Sound und viel Olympia- und Stadion-Atmosphäre. Steuerung darf gern simpel sein, aber ein Mehrspielermodus sollte es schon haben. Dieser darf gern online sein, aber lokaler Mehrspielermodus muß unbedingt sein. Macht dieser Art von Spielen doch viel mehr Spaß, wenn man seinen direkten Kontakt mit seinen Kontrahenten hat. Leider fehlt mir etwas der Glauben daran, daß jemand in nächster Zeit jemand so ein Spiel herausbringt. Schade eigentlich.

    Über den Autor

    Software-Pirat
    Irgendwann bekam der Software-Pirat mal einen NES zu Weihnachten geschenkt, obwohl er sich bislang für Video-Spiele nicht interessierte. Aber von da an ging es los. Später kam noch ein Amiga 500 ins Kinderzimmer, dann einen Amiga 1200. Ein PC gab es erst später. Seitdem gehören PC-Spiele zum Hobby des Software-Piraten.

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