Laßt uns mal wieder "The Legend of Kyrandia" spielen!

Von Software-Pirat · 30. September 2021 · ·
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  1. Wenn mal sich mal so umhört, welche Studios alle von Electronic Arts gekauft und im Laufe der Jahre geschlossen wurden, dann werden viele wohl Westwood nennen, hauptsächlich wohl wegen der Command & Conquer Reihe. Allerdings war Command & Conquer nicht die einzige bekannte Spielereihe, das Studio hatte auch ein paar Point’n’Click-Adventure im Sortiment. Genauer gesagt, geht es um die Reihe The Legend of Kyrandia, die es auf immerhin drei Teile gebracht hatte, und die damals in den zumindest deutschen Fachzeitschriften auch ganz gute Wertungen bekommen hat (wie es bei den internationalen Fachzeitschriften aussah, kann ich nicht sagen).

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    Der erste Versuch eines Adventures von den Westwood Studios: The Legend of Kyrandia! Das Spiel kam damals sehr gut an.

    Der erste Teil, mit dem vollen Titel The Legend of Kyrandia: Book One erschien 1992 auf PC, Amiga und wohl auch für den Mac, damals wohl noch auf Diskette. Für den PC wurden dann später eine CD-Version nachgereicht, die das Spiel um eine, allerdings nur englische Sprachausgabe bereicherte. Die beiden Nachfolger Hand of Fate und Malcom’s Revenge erschienen dann ein bzw. zwei Jahre später, allerdings nur noch für den PC und dem Mac, Amiga-Besitzer mußten leider verzichten.

    Zum ersten Mal Kontakt mit The Legend of Kyrandia hatte ich per Spielzeitschrift, keine Ahnung ob es die Power Play, Play Time oder die Amiga Games war. Ich weiß nur, mir gefiel das Spiel sehr gut, die Screenshots sahen gut aus und überhaupt waren Adventures damals, wie auch heute, mein Ding. Gespielt habe ich es aber leider trotzdem nicht, bis ich irgendwann eine Zeitschrift in die Finger bekam, wo es das Spiel auf der Heft-CD gab. Das muß irgendwann um das Jahr 1997 oder 1998 gewesen sein. Keine Ahnung, wann genau, aber im Startmenü steht was von PC Action 01/2008. Ich hatte damals schon neben einem Amiga 1200 einen PC, allerdings ohne Soundkarte. Gespielt habe ich es damals dann wohl auch per PC-Piepsersound und ohne Sprachausgabe, wie genau aber kann ich mich wirklich nicht mehr erinnern. Das Spiel muß mir damals aber gefallen haben, denn ich hatte lange Zeit ganz gute Erinnerungen daran. Was ich aber noch weiß, daß ich es damals mit Hilfe einer Komplettlösung einer Zeitschrift durchgespielt habe. Und ich könnte schwören, es war die Amiga Games gewesen.

    Den zweiten Teil muß ich dann um das Jahr 2004 durchgespielt haben, damals wohl auf einen Laptop mit Pentium III Prozessor (an was man sich alles erinnert?). Gekauft habe ich mir damals das Spiel in einer Budget-Variante auf CD und es lief wohl anstandslos unter Windows XP. Natürlich fehlt mir heute auch die Erinnerung daran, wie genau ich das Spiel gespielt habe, aber es muß mir Spaß gemacht haben, den ich erinnerte mich gern an den zweiten Teil zurück.

    Und der dritte Teil Malcom’s Revenge? Habe ich tatsächlich bis heute nie gespielt.

    Nach so langer Zeit ist natürlich die Zeit reif, beide Teile wieder mal zu spielen um zu schauen, ob sie mit heute genauso viel Spaß machen, wie ich es damals hatte, oder glaubte, damals gehabt zu haben. Hinzu kam natürlich auch, daß ich den Stay Forever Podcast mit der Folge zu genau diesen Spielen erst gehört habe, und der meine Lust und Neugier wiedererweckte. Und was heißt das? Richtig, den PC anwerfen und beide Teile unter Windows 10 installieren!

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    Kyrandia besteht zum größten Teil aus Wäldern. Armer Brandon, muß er doch in diesem Spiel viel laufen!

    Alte Spiele auf neue Systemen sind eine Herausforderung. Die CD von Legend of Kyrandia: Book 1 habe ich tatsächlich nach einem etwas längerem Suchen gefunden. Und tatsächlich ist sie noch lesbar. Das CD-Menü öffnet sich auch, allerdings läßt sich das Spiel trotzdem nicht installieren. Was also tun? Nun, daß Spiel liegt schon in installierter Form auf der CD vor. Man muß also nur den Ordner auf die Festplatte ziehen und das Ding starten. Das erstere habe ich versucht, das zweite nicht, den Point’n’Click-Adventure unter Windows 10 zum Laufen zu bringen, ist dank ScummVM ganz einfach. Bleibt nur die Frage, welchen Ordner mal kopieren soll, denn auf der CD finden sich mehrere. Sinnvoll sah zumindest der Ordner GER aus, indem sich zwei weitere Ordner befinden, die einfach nur 1 und 2 heißen, die beiden beim genaueren Hinsehen, doch tatsächlich den selben Inhalt enthalten. Was das soll, entzieht sich meiner Phantasie. Allerdings enthalten beide Ordnen Dateien, die SETUP.exe heißen. Das klingt schon mal gut. Also, einer der Ordner in das Unterverzeichnis Spiele im Hauptverzeichnis von ScummVM kopiert. Mal sehen ob ScummVM, damit was anfangen kann. Ja, kann es. Problem gelöst, The Legend of Kyrandia kann gespielt werden.

    Die Installation von Teil zwei funktioniert übrigens auf dieselbe Weise. CD ins Laufwerk legen, CD im Explorer öffnen, Ordner in den Spieleordner, der sich im ScummVM-Verzeichnis befindet kopieren und ScummVM starten. ScummVM findet anschließend Hand of Fate sofort und das Spiel ist spielbereit. Einfacher geht es nicht. Und dieses Mal das alles definitiv mit Sound und Sprachausgabe!

    Die Story vom ersten Teil hat grundsätzlich einen ersteren Charakter. Das Königspaar von Kyrandia wurde vom ehemaligen Hofnarr Malcom ermordet, der jetzt das Land herrscht und Angst und Schrecken verbreitet. Malcom gehört zu jener Art von Leuten, die Zerstörung durchaus als spaßig empfinden, wenn sie anderen passiert, und anscheinend hat er gute Lust sich zu amüsieren. Das kann natürlich kein Dauerzustand sein, insbesondere den ehemaligen königlichen Mystiker gefällt dies überhaupt nicht. Dem ist sich auch Malcom bewußt, weshalb er im Intro einem der Mystiker, Kallak, einen Besuch abstattet und ihn in Stein verwandelt. Kallak ist aber nicht nur ein Mystiker, sondern auch der Großvater des Helden des Spieles, einen jungen Mann namens Brandon. Das Spiel beginnt, indem Brandon nach Hause kommt und seinen Großvater in Stein verwandelt wiederfindet. Kurz darauf erzählt im ein sprechender Baum, daß nur er Malcom aufhalten und Kyrandia retten kann.

    Also macht sich Brandon auf die Socken. Sein erstes Ziel ist dabei die Priesterin Brynn, die im erzählt, daß er ein magisches Amulett, das Kyragem, reaktivieren muß, daß ihn im Laufe des Spieles bis zu vier Zauber zu Verfügung stellt. Danach schickt Brynn, die später dank Malcom verschwinden, Brandon weiter zum Zauberer Darm, der leider nicht mehr so gut hört. Später lernt Brandon auch die Mystikerin Zanthia kennen, die ihm einiges zu erzählen hat, los schickt Zutaten für einen Zaubertrank zu suchen, und, Malcom sei Dank, auch verschwindet. Soviel sei an dieser Stelle schon verraten, natürlich gelingt es Brandon zum Schluß Malcom zu besiegen. Wer hätte auch was Anderes gedacht.

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    Im Laufe seines Abenteuers begegnet Brandon immer mal wieder den Bösewicht und Hofnarr Malcom, ein nicht gerade sympathischer Zeitgenosse.

    Bis zum Ende ist es aber ein weiter weg, der durch durchaus sehenswerte, immer bildschirmgroße Szenarien führt. Die bunte Pixelgrafik sieht auch heute noch ganz gut und weiß zu gefallen. Anmerken sollte ich aber, daß Kyrandia zum größten Teil aus Wäldern zu bestehen scheint.

    Sehr gut gelöst ist die Steuerung, die ohne Anklick-Verben oder –Icons auskommt. Alles wird mit einem einfachen Mausklick erledigt. Klickt man eine Person an, unterhält sich Brandon mit dieser, allerdings automatisch, irgendwelche Antworten oder bestimmte Themen kann man nicht auswählen. Um einen Gegenstand aufzunehmen, klickt man diesen einfach an und legt ihn dann mit einem weiteren Klick ins Inventar ab. So nebenbei, der Platz im Inventar ist übrigens begrenzt, aus meiner Sicht ein wenig zu sehr. Um einen Gegenstand zu benutzen bzw. weiterzugeben, verfährt man im Prinzip genauso. Gegenstand im Inventar anklicken, dann auf die Person, der man ihn geben will. Wenn man z.B. den Apfel, den man zu Beginn findet, auf Brandon anwendet, was man nicht tun sollte (!), dann isst Brandon den auf. Genauso kann man aber auch eine Rose auf einen Altar legen, oder Wasser in ein Fläschen füllen.

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    Im Laufe des Spieles lernt Brandon auch die Mystikerin Zanthia kennen, die hier gerade keinen Zaubertrank braut, sondern ihre Wäsche macht. Muß schließlich auch mal sein.

    So gut die Steuerung ist, so negativ fallen einige Rätsel auf. Tatsächlich kann man ihn The Legend of Kyrandia in Sackgassen geraten, z.B., wenn man den Apfel isst, oder wenn man gegen Ende sich auf die Insel begibt ohne eine Rose im Gepäck zu haben. Zudem hält das Spiel es nicht für nötig, einem darauf hinzuweisen, daß man etwas vergessen hat, oder man in eine Sackgasse gelandet ist und nicht mehr weiterkommt. Außerdem kann Brandon sterben, manchmal sogar ohne Vorwarnung. Klickt man z.B. die beiden Augen im Sumpf an, taucht ein riesiger Frosch auf, der Brandon mit Haut und Haar auffrisst. Man sollte also regelmäßig speichern, auch wenn es schon witzig aussieht, wie Brandon verschlungen wird. Weniger witzig ist es, wenn man von der Schlange gebissen wird (okay, da war ein Schild zur Warnung), oder in der Höhle einem das Licht ausgeht. Und auch wenn Brandon meint, daß die Hitze des Lavaflußes im hintersten Teil der Höhle ihm nichts ausmacht… doch Brandon, das tut sie. Ruhe im Frieden.

    Überhaupt die Höhle! Wer sich die ausgedacht hat, der gehört echt… na ja, das könnt ihr euch denken. Es ist so, daß in der dunklen Höhle allerlei Monster lauern, die nur darauf warten Brandon zu verschlingen oder in Stücke zerfetzen (so genau sieht man das nicht, weil es ja dunkel ist). Die Lösung sind die Feuerbeeren, die Licht machen. Allerdings reichen die halt immer nur drei Räume weit, dann erlöschen sie. Also nimmt man sich von jedem Busch, den man findet einfach genügend Beeren mit. Das Dumme ist, irgendwann kommt man an einem Punkt, wo man raten muß, wie es weitergeht. Hat man Glück, kommt man in einem Raum wo ein neuer Feuerbeerenbusch wächst. Hat man Pech… nun, dann mein Beileid. Immerhin gibt es mit der Grotte einen Raum mit hübscher Grafik.

    Als nächstes kommen Rätsel, die man nur durch Ausprobieren lösen kann. Im ersten Drittel des Spieles muß man vier Edelsteine in eine Schale auf einen Altar legen. Für den ersten Stein bekommt man noch einen Typ von Darm, die anderen drei muß man durch ausprobieren herausfinden. Es gibt wirklich keinen Hinweis auf die richtige Kombination! Da jeder falsche Edelstein sich in einer Rauchwolke auflöst und verschwindet, könnt ihr denken, wie nervig dies sein kann. Glücklicherweise wachsen Edelsteine in Kyrandias Wälder, wie anderswo die Pilze, weshalb ich glaube, daß Edelsteine in Kyrandia wohl nicht besonders viel wert sind. Leider sind aber die aktuell gesuchten an den unmöglichsten Stellen versteckt. Das heißt, lange Laufwege und viel Zeit mit suchen. Kein Wunder, daß sich an einer Stelle Brandon darüber beschwert, daß er so viel laufen muß. Ach ja, wer jetzt sagt, dann blicke ich halt in die Komplettlösung, das bringt nichts. Die Edelsteinkombination ist jedes Mal eine andere. Ähnliches gilt auch fürs Brauen der Zaubersprüche. Es gibt keinen Hinweis darauf, wie die Rezepte lauten. Wenigstens sind diese aber nicht auch zufällig, sondern jedes Mal gleich.

    Das Spiel versucht die eigentlich ernste Geschichte mit Humor auszugleichen. Das gelingt mal gut, mal weniger gut. Kennt man ja, Humor ist ja auch bis zu einem bestimmten Punkt Geschmackssache. Die Gespräche zwischen Darm und seinen Drachen Brandywine finde ich ganz witzig. Weniger witzig fand ich, als Brandon den vierten Stein in den Abgrund warf, anstatt in die Schale. In diesem Moment hätte ich ihn am Liebsten hinterher geworfen. Dazu muß man sagen, daß man zu Beginn der Höhle in eine Falle tappt und eingeschlossen wird. Um die Falle zu entschärfen, muß man vier Steine in eine Schale werfen, so daß diese schwer genug wird, damit das Tor sich wieder öffnet. Weil das so einfach ist, wirft Brandon die Steine elegant per Trickwürfe in die Schale, bis… ja, bis der vierte halt im Abgrund landet! Zum Glück gibt es noch einen fünften Stein in der Höhle zu finden.

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    Der Mystiker Darm und sein Hausdrache Brandywine.

    So nebenbei, Brandon wird gewissermaßen als heranwachsender Jüngling dargestellt, also als Teenager, Halbstarken, etc… wie man es nennen will. Entsprechend nervt er manchmal ganz schön, wie in dem Beispiel mit den Steinen, oder dem Lavafluß. Persönlich kann ich damit leben, ich muß den Protagonisten eines Spieles nicht unbedingt sympathisch finden, sonst hätte ich Black Mirror II und III nie durchgespielt. Ein wenig mehr Emotionalität hätte ich mir bei Brandon aber schon gewünscht. Allerdings, als er kurz vor Schluß Malcom mit einem Fausthieb zu Boden schmettert, war er mit plötzlich wieder sympathisch.

    Das klingt jetzt alles so negativ, aber es gibt auch gute Seiten im Spiel. Die Atmosphäre wirkt wie in einem Märchen und gefällt mir sehr gut. Und die Musik, die… äh… nun, die Musik ist vorhanden… Ganz ehrlich gesagt, kann ich über die Musik nichts sagen. Positiv gesprochen heißt das, sie hat mich nicht gestört. Allerdings blieb sie mir auch nicht besonders in Erinnerung. Nicht übel sind die Soundeffekte und die Sprachausgabe gefällt mir auch ganz gut, kein Vergleich zu jener aus der deutschen Version von Flight of the Amazon Queen.

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    Wer diese Stelle erreicht hat, steht kurz vor dem Ende. Das in Dunst gehüllte Grab liegt auf einer Insel, die man auf keinen Fall ohne eine Rose betreten sollte. Außer man mag Sackgassen.

    The Legend of Kyrandia: Book One hat damals sehr gute Wertungen bekommen. Die Power Play vergab z.B. 86 % Spielspaßpunkte für die PC- und 85 % für die Amiga-Version. Und die anderen Zeitschriften werteten nicht viel schlechter. Meiner Meinung nach sind diese Wertungen allerdings zu hoch. Ich hätte eher Richtung 67 – 72 % tendiert, also irgendwas zwischen okay und gut. Für die Topwertungen sind mir die Schwächen im Rätseldesign einfach zu stark ausgeprägt. Das ging damals schon viel besser, wie z.B. die ganzen LucasArts-Adventure bewiesen. Trotzdem, ich hatte irgendwie schon meinen Spaß mit The Legend of Kyrandia. Warum kann ich aber nicht genau sagen. Vielleicht lag es an der Atmosphäre (der Schluß im verlassenen Schloß hat mir sehr gut gefallen), die Charaktere (außer Brandon natürlich) oder an der Story. Keine Ahnung, auf jeden Fall war The Legend of Kyrandia keine Zeitverschwendung gewesen.

    So, nun aber ein paar Worte zum zweiten Teil, The Hand of Fate. Gleich vorneweg, der macht vieles besser, als der erste Teil. Man kann zwar immer noch sterben, aber Sackgassen sind mir keine begegnet. Auch gefällt mir der Humor etwas besser. Hand of Fate ist insgesamt auch das witzigere Spiel. Doch beginnen wir erstmals bei der Story, die übrigens nichts mit der des ersten Teils zu tun hat. Auch Brandon, mittlerweile der König von Kyrandia, wird nur erwähnt, taucht aber selber im Spiel nicht auf.

    Kyrandia verschwindet! Baum um Baum, Strauch um Strauch, Stein um Stein, löst sich einfach so im nichts auf. Bösewicht Malcom ist diesmal unschuldig, den der steht als Steinstatue auf dem königlichen Schrottplatz bzw. Hinterhof. Die königlichen Mystiker wissen auch nicht weiter, bis plötzlich eine riesige, weiße Hand auftaucht und erklärt was los ist. Und sie erklärt auch, wie das Problem gelöst werden kann. Jemand muß zum Mittelpunkt der Welt reisen und dort einen Ankerstein finden. Und dieser jemand soll die die Mystikerin Zanthia, wohnhaft in 1744 Squallybog Lane im Darkmoor Sumpf, Kyrandia. Allerdings hat Zanthia darauf keine Lust zu laufen, und beschließt per Teleportzauber zum Mittelpunkt der Welt zu reisen. Fatalerweise hat jemand allerdings ihr Haus im Sumpf durchsucht und alles gestohlen, womit man einen Teleportzaubertrank brauen kann. Zanthia muß also wohl oder übel doch zu Fuß ihre Reise antreten.

    Ab diesen Punkt beginnt das eigentliche Spiel. Wir übernehmen diesmal die Kontrolle von Zanthia und müssen sie zum Mittelpunkt der Welt Welt bringen, allerdings ohne Rezeptbuch für die Zaubertränke und Zaubertopf, die wir Laufe des Anfangs allerdings schnell finden, auch wenn der Zaubertopf nur die kleine Campingvariante ist, mit der Teleporttränke nicht möglich sind. Auch später entdecken wir immer wieder neue Rezepte bzw. Seiten aus Zanthias Rezeptbuch, wie z.B. der Teddybären-Zaubertrank. Steuerungstechnisch funktioniert Hand of Fate dabei genauso, wie auch der erste Teil. Allerdings ist das Inventar etwas größer, was wirklich sehr schön ist!

    Screenshot (65).png So, und nicht anders hat eine Fee auszusehen!

    Im Laufe des Abenteuers reist Zanthia durch mehrere Gegenden. Im ersten Abschnitt ist Zanthia noch im heimischen Sumpf unterwegs und sucht eine Passage ins Morningmist Tal, vorzugsweise per Fähre, was erstmals am nicht vorhanden Gold scheitert und später am Postdrachen. Später besucht Zanthia noch die Vulkaninsel Volcania, sowie die Unterwelt. Ohne zu viel zu verraten, am Mittelpunkt der Welt ist das Spiel noch nicht vorbei. Insgesamt sind die einzelnen Abschnitte deutlich abwechslungsreicher als die unendlichen Wälder im ersten Teil. Technisch gesehen macht auch der zweite Teil eine gute Figur. Die Grafik sieht, berücksichtigt man das Alter des Spieles, sehr schön aus, Soundeffekte, Musik und (auch diesmal leider nur englische) Sprachausgabe sind mehr als in Ordnung.

    Das gilt aber nicht für die deutsche Übersetzung. Schon im ersten Teil gab es einige Übersetzungsfehler, die mir aber nicht so negativ aufgefallen sind, daß sie Probleme bereiteten. Übersetzungsfehler, wie z.B. „Herzlichen Glückwünsch“ sind ja ganz witzig. Problematisch wird es aber, wenn die Wörter plötzlich eine komplett andere Bedeutung haben. So soll man für einen Zaubertrank als Zutat einen Giftpilz verwenden. Man findet auch tatsächlich einen, allerdings wird man nie den richtigen Trank brauchen, wenn man den verwendet. Tatsächlich muß man eine spezielle Wurzel verwenden! Ohne Blick in die Komplettlösung (oder Kenntnis der englischen Version) kommt man da nie darauf! Und das mit einem windigen Stoff ein Hocker gemeint ist, kann einfach nur ein Übersetzungsfehler sein! Glücklicherweise ist dies das einzige Rezept, was davon betroffen ist. Der Giftpilz hat übrigens keine Bedeutung im Spiel, wie auch ein paar andere Gegenstände.

    Was mich auch ein wenig gestört hat, sind Rätsel, bei denen man sich diverse Farbkombinationen auswendig lernen muß. Solche Rätsel mag ich einfach nicht. Gemeinerweise braucht man die Farbkombination sogar zweimal. Muß das nun wirklich sein? Was ich auch zu bemerken habe, ist, daß das Spiel eher leichter, als schwerer wird. Das ist eher ungewöhnlich, wenn auch nicht unbedingt ein echter Kritikpunkt.

    Wie schön erwähnt, kann Zanthia sterben. Die meisten gefährlichen Stellen sind aber als solche rechtzeitig zu erkennen, aber nicht alle. Das Krokodile gefährliche Tiere sind, sollte man wissen, und man sollte nicht öfters, als nötig, sie anfassen. Bei einigen Szenen aber ist das nicht ganz so leicht zu erkennen. Zum Beispiel, wenn man den Treibsand durchqueren will. Dass der Skelettarm tatsächlich vorbeikommende Mystikerinnen packt und in den Treibsand zieht, kann man nicht unbedingt sofort erkennen. Also, regelmäßiges Speichern ist Pflicht.

    Aber nun zum Positiven, und da muß man die Heldin an erster Stelle unbedingt erwähnen. Erinnert ihr euch noch an das Froschmonster im Sumpf des ersten Teils, was Brandon verschlungen hatte? Das taucht auch im zweiten Teil auf und natürlich will es auch Zanthia verschlingen. Die packt aber einfach die Zunge des Monsters und verknotet diese. In diesem Moment wollte ich Zanthia sofort heiraten, was natürlich nicht geht, da Zanthia ja nur eine Figur in einem Computerspiel ist. Nun, vielleicht geht sowas in Japan, ich weiß nicht. Außerdem scheine ich auch nicht der einzige zu sein, der das wollte… Wie auch immer, Zanthia ist mir doch durchaus sympathischer als Brandon. Außerdem ist sie besser, und immer passend gekleidet, meistens mit einer eleganten Bluse und einem langen Rock, allerdings immer mit Schlitz und der Ausschnitt darf auch etwas tiefer sein. Also, Zanthia kleidet sich gern mal sexy, zeigt schon her was sie hat, allerdings nie aufdringlich und immer elegant. Kein Vergleich zu irgendwelchen Rüstungsmods für Oblivion oder Skyrim und auch Frau Croft dürfte sich an Zanthias Kleidungsstil ruhig ein Beispiel nehmen. Und, wie es sich für eine Mystikerin gehört, zieht sie sich natürlich per Magie um. Ein Fingerschnipp genügt und schon trägt sie ein neues, passendes Outfit.

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    An dieser Stelle wollte in Zanthia sofort heiraten. Brandon wurde an dieser Stelle noch gefressen. Man beachte den Knoten in der Zunge.

    Das Spieldesign erlaubt sogar tatsächlich einige Freiheiten, zumindest für ein Point’n’Click Adventure, die eigentlich ziemlich linear sind. Hand of Fate ist natürlich auch ein lineares Spiel. Allerdings dürft ihr einige Rätsel auf verschiedene Wege lösen. Was es auch gibt, Rätsel, die ihr gar nicht lösen müßt. So taucht an einigen Stellen Zanthias Schwarm Marco (oder umgekehrt), der Zanthia gern auf ihrer Reise unterstützen will. Das endet meistens darin, daß Zanthia Marco aus dem Maul einer fleischfressenden Pflanze retten muß, oder aus einem Gefängnis befreien, welches von einem mürrischen Scheriff bewacht wird, der ganz gern Zellenschlüssel ins Meer wirft. Das Interessante an der Sache ist dabei, ihr müßt Marco nicht retten. Ihr könnt ihn ruhig im Gefängnis lassen und darauf hoffen, daß er selbst sich irgendwann befreit. Und die vier Briefe, die ihr für den Postdrachen suchen und finden sollt, könnt ihr artig abgeben. Ihr könnt aber auch erstmals die Briefe mit heißen Dampf öffnen und lesen. Macht zwar für den Spielefortschritt keinen Unterschied, und gehört sich eigentlich auch nicht, macht aber Spaß und ist eine coole Idee.

    Ein paar nette Gags gibt es auch. Wer will, kann ja mal einen gefühlten Krug mit Malzbier auf Zanthia anwenden. Schließlich hat die gute Dame sicherlich auch mal Durst. Und die Episode mit dem Yeti hat auch was.

    Kurz gesagt, Hand of Fate gefällt mir deutlich besser als der erste Teil. Rein objektiv betrachtet, würde ich es irgendwie zwischen 75 und 80 Punkte geben, oder in Schulnoten eine 2 minus. Mehr sind schon wegen der Übersetzungsfehler nicht drinnen. Die englische Version würde ich wohl etwas besser bewerten, wenn ich sie gespielt hätte. Insgesamt liege ich damit wohl knapp unterhalb der Wertungen, welche damals von den Spielemagazinen verteilt wurden. Die PC Games hatte damals 84% gegeben, die Power Play 79%. Das geht wohl in Ordnung.

    Und der dritte Teil? Nun, denn habe ich nicht gespielt, kann dazu wohl nur das schreiben, was ich so gehört und gelesen habe. Zumindest spielt man in Malcom’s Revenge den Bösewicht aus dem ersten Teil, den ehemaligen Hofnarr Malcom. Das Spiel bekam ebenfalls sehr hohe Wertungen (u.a. 87% in der Power Play), wurde aber im Stay Forever Podcast als gnadenlos schlecht tituliert. Was jetzt richtig ist, kann ich natürlich nicht sagen. Was es aber geben soll, ist ein Stimmungsbarometer, mit dem Malcom in den Gesprächen entweder nett und freundlich ist, oder gnadenlos das Blaue vom Himmel lügt. Außerdem gibt es, wie in einer Sitcom, ein unsichtbares Publikum, das jeden Witz mit einem Lachen oder Kichern kommentiert. Halt genauso, wie in das Publikum in einem Theater. Ich bin mir nicht sicher, ob mir das gefällt. Eigentlich sagte es mir auch in den ganzen Sitcoms nicht zu. Glücklicherweise soll es abschaltbar sein.

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    Auch auf dem Regenbogen, Zanthia ist immer korrekt gekleidet (sie will gleich den Hauptbösewicht platt machen, deswegen der militärische Look).

    Zudem soll Malcom’s Revenge ein Spiel sein, bei dem sehr viel Render-Grafik verwendet wurde. Meines Wissens erschien das Spiel auch nur auf CD, kann aber sein, daß ich mich hier irre. Die Grafik sieht dementsprechend gut aus gut.

    Ein paar Worte zur Story. Ein Blitzschlag erweckt Malcom wieder zum Leben und er sinnt natürlich auf Rache. Allerdings hat er seine magischen Kräfte verloren und sucht Verbündete. Dabei wird er von Gunther, seinem schlechten Gewissen begleitet, was Malcom immer wieder zu böse Taten anregt. Malcoms gutes Gewissen soll erst später auftauchen und heißt Stewart. Wer mehr wissen will, dem empfehle ich einfach mal die eingescannten Testberichte auf kultboy.com zu lesen.

    So, wer nun Lust bekommen hat, The Legend of Kyrandia selber mal auszuprobieren, dem sei auf gog.com verwiesen. Dort gibt es alle drei Teile für etwas mehr als 5 € zu haben. Vielleicht besorge ich mir irgendwann da auch mal den dritten Teil, mal schauen.

    Zu klären ist eigentlich noch, die Frage nach dem Remake. Nun, spielen kann man alle drei Teile ohne Probleme mit ScummVM ohne Probleme. Deswegen würde ich sagen, daß es kein Remake braucht. Allerdings leben wir in Zeiten, wo mittlerweile fast jedes dahergelaufene Spiel ein Remaster bzw. Remake bekommt. Warum also nicht The Legend of Kyrandia? Allerdings sollte man dabei die Rätsel überarbeiten die man nur durch Ausprobieren lösen kann, mehr Hinweise einbauen, und vor allem den Höhlenabschnitt überarbeiten! Und die Übersetzungsfehler darf man biete auch korrigieren. Und wenn es schon ein Remake vom ersten Teil geben sollte, dann biete auch gleich eines vom zweiten und dritten Teil. Wenn schon, denn schon! Aber ganz ehrlich, wenn ich wählen dürfte, dann hätte ich doch bitte gern ein komplett neues Abenteuer.

    Über den Autor

    Software-Pirat
    Irgendwann bekam der Software-Pirat mal einen NES zu Weihnachten geschenkt, obwohl er sich bislang für Video-Spiele nicht interessierte. Aber von da an ging es los. Später kam noch ein Amiga 500 ins Kinderzimmer, dann einen Amiga 1200. Ein PC gab es erst später. Seitdem gehören PC-Spiele zum Hobby des Software-Piraten.
    Mephisto275 und Misie Gaming gefällt das.

Kommentare

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  1. Mephisto275
    Hand of Fate gehört bei mir zu den besten Games ever... Die Musik....
  2. Husky666
    Ich fand Teil 3 gar nicht so schlecht. Ausser eine stelle wo man wirklich Pixelgenau klicken musste..

    Da ist natürlich Rendergrafik drin, so schlimm sah das aber überhaupt nicht aus. Fand ich sogar besser als den ersten Teil. Gegen Lucas Arts und vor allem Sierraqualität kamen die leider aber nie an.
    1. Software-Pirat
      Wie im Text beschrieben, ich hab das Spiel ja (noch) nicht gespielt, kann also nichts aus eigener Erfahrung dazu schreiben. Das Spiel hat jedenfalls sehr gute Wertungen bekommen, was schon mal dafür spricht. Im "Stay Forever" Podcast kam es jedoch sehr schlecht weg.
      Ich glaube, ich muß mir irgendwann selber mal ein Bild davon machen, und es einfach mal selber spielen. Irgendwann mal, wenn ich Zeit und die Lust dazu habe.
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