Mass Effect: Andromeda - Quo vadis, BioWare?

Von Black Baron · 22. April 2017 · Aktualisiert am 24. April 2017 ·
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  1. In diesem Beitrag möchte ich mich mit Mass Effect: Andromeda beschäftigen und dessen Bedeutung für die Spielebranche allgemein und BioWare im Besonderen. Dabei möchte ich jedoch betonen, dass das hier kein Test sein soll, auch wenn ich hier meine Meinung zum Spiel und durch mein Eingehen auf diverse Aspekte des Spiels eine Art Wertung abliefern werde. Mir geht's vor allem darum die kontroverse Sichtweise auf das Spiel zu behandeln.

    Zunächst einmal möchte ich ein wenig aufzeigen, aus welcher Ecke ich komme. Ich selbst, 35 Jahre alt, bin ein erfahrener und begeisterter Videospieler... alt genug, um den Begriff "Gamer" vor allem im deutschen Sprachgebrauch nicht sonderlich zu schätzen, da dieser eher der modernen Subkultur zu zurechnen ist. Mich selbst verstehe ich im Grunde als normalen Typen, der sich anstatt mit traditionellen eher mit den modernen Medien befasst - hin und wieder nehm ich auch ein Buch in die Hand, und ich bin auch großer Film- und Serienfan, bei beidem aber sehr selektiv, da ja auch genug Zeit zum Zocken sein muss ;). Deshalb finde ich "Auswüchse" der Gaming-Subkultur wie "Gamergate" und SJW (letztere ist soweit ich weiß nicht aufs Gaming beschränkt) sehr befremdlich... und auch schädlich. Schädlich, weil sich Aktivisten dieser Bewegungen oft als "Retter des wahren Gamings" verstehen und sich im Endeffekt einfach nur viel zu ernst nehmen. Dabei treten sie als meist sehr lautstarke und in meinen Augen auch dreiste Minderheit auf, weil sie sich sehr oft anmaßen für alle Konsumenten zu sprechen... und hier hab ich's gesagt: Wir alle sind letztenendes in erster Linie Konsumenten. Mit unserem Konsumverhalten gestalten wir das Angebot der Spielebranche, so wie in jedem anderen Wirtschafts- und Industriebereich auch. Als Konsument kann man auch konstruktiv durch Kritik das Angebot mitgestalten, letztenendes ist unser größter Hebel jedoch schlicht unser Geldbeutel. Deshalb sehe ich persönlich eher Sinn darin sich durch das breite Angebot an Informationen über neue Spiele vorab zu informieren, bei vorhandener Skepsis eventuell abzuwarten und das Feedback von Fachpresse und anderen Quellen wie Bloggern und Youtubern zu sichten.


    Das ist heuzutage vor allem durch das extrem schnelllebige Internet für viele eine harte Geduldsprobe, mit ausreichender Internetbandbreite ist man ja mittlerweile meist nur ein paar Klicks vom brandneuen Lieblingsspiel entfernt und muss dafür nicht mal mehr die eigenen vier Wände verlassen. Ein Umstand, den sich die Spielebranche freilich zu Nutze macht. Schließlich wollen die Damen und Herren dieses mittlerweile extrem umsatzstarken Zweiges der Unterhaltungsindustrie Geld verdienen. Das führt natürlich zu mehreren Entwicklungen, allesamt im Guten wie im Schlechten: neue Inhalte können ohne Umschweife an die Konsumenten ausgeliefert werden. Für viele Entwickler und Publisher ist da die Verlockung nach dem schnellen Euro durch "Abzocke" groß, erst Recht, wenn sie damit tatsächlich ordentlich "Asche" verdienen. Und wie wir alle schon länger wissen hat sich dabei auch die Unsitte eingebürgert Inhalte aus der Spielentwicklung zurückzuhalten, um sie - meist relativ zeitnah zum Release eines Spiels - als DLC an die Spieler zu verhökern. Und auch wissen wir, dass in dieser Hinsicht schon viele Experimente getätigt wurden, die zwar teils massive Kritik hervorriefen, aber trotzdem lukrativ waren, weil die Publisher mittlerweile sehr wohl wissen, welche Knöpfe sie bei ihren Konsumenten drücken müssen. Bestes Beispiel ist leider BioWares Mass Effect 3 mit dem DLC "Aus der Asche", bei dem die Vermutung äußerst naheliegend ist, dass dieser spürbar integrale Teil des Spiels ganz bewusst und aus Profitgier separiert wurde. Ein Unding, das Schule gemacht hat und lediglich durch große "Shitstorms" zu einem feinfühligeren Vorgehen geführt hat (zumindest bei BioWare). Dennoch gibt es nachwievor sehr wenige große Publisher, die Inhalte von großem Gegenwert zu einem fairen Preis bieten, teils mit mehr Spielinhalt, als mancher Vollpreistitel. Das Preismodell der unsäglichen Free2Play-Entwicklung ist schon längst in sogenannten AAA-Titeln angekommen.

    Wie schon gesagt, Kritik ist in Ordnung, erst Recht, wenn sie konstruktiv ausfällt. Vor allem Entwicklungen, wie ich sie oben kurz umreiße, können nachvollziehbar zu Unverständnis und sogar Wut führen... nur muss man dabei auch einen kühlen Kopf bewahren. Ist es wirklich sinnvoll in - oft anonymen - Hasstiraden gegen Firmen und sogar einzelne Angestellte seinen künstlichen Frust zu entladen? Ich denke, der wehemente Shitstorm gegen Mass Effect: Andromeda liegt darin begründet, dass viele in der Neuausrichtung (die aber letztlich kein Reboot ist) der Serie einen Verrat an "ihrem" Mass Effect sehen. Nur bedingt kann ich das nachvollziehen: ein in der Hinsicht oft zitiertes Beispiel ist ja das Star-Trek-Franchise. Durch den Reboot 2009 hat sich das Franchise für viele Trekkies von selbst erledigt, wodurch sich viele nostalgisch an den bis dahin vorhandenen Kanon halten und das "neue Star Trek" boykottieren... aber an einen Shitstorm, wie ihn BioWare nunmehr immer und immer wieder zu spüren bekommt, habe ich dabei nicht erlebt. Ist die Star-Trek-Community also viel reifer und erwachsener? Scheint wirklich so zu sein. Aber immerhin scheinen die derzeitigen Verantwortlichen für die Star Trek IP nicht völlig blind und taub zu sein, da man ja immerhin mit der kommenden neuen Serie verspricht, alte Fans wieder abholen zu wollen. Ob das gelingen wird, steht freilich auf einem anderen Blatt. Ein anderes Beispiel lässt sich aus der Musikbranche nehmen: In den letzten 2-3 Dekaden gab es immer wieder Musiker und Bands, die sich durch Neuausrichtungen ihres Stils oft Hass und Unverständnis alter Fans auf der einen Seite einhandelten, Lob und neue Fans auf der anderen Seite hinzugewannen. Ob die Neuerfindung des Outputs auf künstlerische Weiterentwicklung oder Profitgier oder eine Mischung aus Beidem zurückzuführen ist, muss man im Einzelfall unterscheiden. Nur gibt es in beiden genannten Beispielen einen entscheidenden Unterschied zur aktuellen Hass- und Kritik-Kultur in den Videospielcommunities: alteingesessene Trekkies, die den Reboot ablehnen, gehen nicht ins Kino, kaufen keine DVDs; alteingesessene Fans einer Band kaufen sich ihre Alben nicht mehr, wenn ihnen der Stilbruch zu groß ist... sie geben ihre Antwort mittels ihres Geldbeutels. Und bei ausbleibendem Erfolg findet in der Regel auch ein Umdenken bei den Verantwortlichen statt: das neue Star Trek ist erfolgreich, versuchte aber im jüngsten Teil den Fanservice nicht durch billig abgekupferte alte Film- und Serien-Inhalte den alten Trekkies um die Ohren zu hauen (der Bezug zur Star-Trek: Enterprise-Ära ist hier viel durchdachter und besser umgesetzt, als die "ich bin Kahn" und die billig vertauschte Sterbe-Szene aus Star Trek II zwischen Kirk und Spock in Star Trek: Into Darkness)... und das Terminator-Franchise z.B. befindet sich ja momentan auch auf dem Haltegleis, nachdem Teil 5 bei vielen Fans durchfiel und nicht den gewünschten Erfolg brachte.

    Um nun zu BioWare und vor allem Mass Effect: Andromeda zurückzukommen: Auch hier hat BioWare gelernt... was von vielen lautstarken Kritikern jedoch schlicht ignoriert wird. Zum einen hat BioWare nicht den gleichen Fehler gemacht wie zu Mass Effect 3, das ja lange im Vorraus stark gehypt wurde, unter starker Mitwirkung durch BioWare selbst. Stattdessen hat sich BioWare lange Zeit sehr bedeckt gehalten und außer der offiziellen Ankündigung, vereinzelter Artworks und groben Infos nur wenig zu ME:A bekanntgegeben... aus meiner Sicht die richtige Vorgehensweise. Ich denke besonders bei etablierten Franchises - egal in welchem Unterhaltungszweig - ist es enorm schwierig den Erwartungen der Fans gerecht zu werden... man muss hier einen Spagat wagen zwischen Anfixen der Fans vorab und trotzdem die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. BioWare hat das versucht, in dem sie ME:A schon früh als Open-World-Titel ankündigten, um den Erkundungsfaktor von Teil 1 wieder einzufangen. Im Rahmen dessen wurde ja der Nomad als Nachfolger des Mako aus Teil 1 groß angekündigt, eigentlich so ziemlich der einzige wirklich große PR-Output, bevor in den Monaten vor Release die übliche Werbemaschine angeworfen wurde. Im Grunde war das ein Zeichen dafür, dass BioWare das Vorhaben mit ME:A ernst meinten. Auf der anderen Seite beging BioWare aber auch den Fehler in kleineren Pressemitteilungen, mit denen man im Grunde wohl nur aussagen wollte "wir arbeiten immer noch intensiv am Spiel", sich selbt in die Bredouille zu bringen, in dem sie Vergleiche zu Skyrim und dem nicht minder gefeierten The Witcher 3 zogen... Vergleiche, die wohl eher durch die EA-Offiziellen induziert wurden, da ein Kunstschaffender - als solche betrachten sich ja durchaus viele Spieledesigner - normalerweise nur ungern zugibt anderen Künstlern nachzueifern. Auf der anderen Seite befindet sich BioWare aber auch in einer Lage, in der sie vielleicht nicht ums Überleben, wohl aber um ihren Ruf kämpfen müssen. Einst gefeiert für die Einleitung der sogenannten Renaissance der Computer-Rollenspiele, dann für die damals innovative cineastische Inszenierung solcher Spiele (KotOR, Jade Empire, ME1), bekam ihr Saubermann-Image jedoch rasch Kerben ab durch die Übernahme durch EA. Auch das Hochschrauben der eigenen Ambitionen bewirkte eher immer lauter werdende Kritik... dem aber große Umsätze und Gewinne entgegenstanden. In den letzten 10 Jahren wurden einige neue Studios mit "BioWare" als Markenname gegründet, die aber im Grunde nichts mit den aufstrebenden Entwicklern vergangener Baldur's-Gate-Tage zu tun hatten... und man hatte zumindest darin damit Erfolg, dass von der Mehrheit der Spieler der Stempel "BioWare" als Garantiesiegel betrachtet wurde. BioWare war einfach BioWare.

    Dass BioWare nicht schon komplett in Ruinen liegt, mutet bei genauerem Überlegen schon ein bisschen verwunderlich an, besonders möchte man das auf Grund der immer größer werdenden Antipatie gegenüber dem Entwickler mit kanadischem Ursprung meinen, aber auch auf Grund von spektakulären Bauchlandungen wie mit der Einstellung der groß angekündigten Titel "Command and Conquer: Generals 2" und den inzwischen in völlige Vergessenheit versunkenen "Dawngate" und "Shadow Realms", und nicht zuletzt dem mutmaßlich extrem kostspieligen MMO "Star Wars: The Old Republic", welches auch als Fortsetzung zu Knights of the Old Republic 1+2 verstanden werden soll. Im Rahmen dieser Entwicklung wurden die raschen Expansionspläne für den Namen BioWare als Marke mittlerweile großteils wieder rückgängig gemacht und etliche vor rund 10 Jahren neugegründete Studios firmieren entweder gar nicht mehr oder nur noch lose unter der Ägide von BioWare, meist ohne den Namen weiter zu verwenden. Auch der Abgang der beiden Firmenmitgründer Ray Muzyka und Greg Zeschuk, letzterer maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung des Star-Wars-MMOs, und später auch anderer wichtiger Personen wie Mass-Effect-Lead-Designer Casey Hudson und dem Hauptautor der Dragon-Age-Reihe David Gaider, wurde von vielen Spielern als Symptom des Niedergangs des einst groß gefeierten Entwicklers gesehen. Nicht vollkommen zu Unrecht, wenngleich die Realität wohl eher so aussehen dürfte: Greg Zeschuk und Ray Muzyka haben sich wohl auf Grund der gescheiterten Expansionspläne und des ausgebliebenen Erfolgs von SWtOR selbst verabschieden dürfen - auch wenn es keine Hinweise darauf gibt, dass das auf Druck der EA-Führung geschah; Casey Hudson hatte sich schon bei Mass Effect: Andromeda zu Anfang "lediglich" als Produzent betätigt und Ende 2014 von BioWare verabschiedet (Als Gründe nannte er für sein mangelndes Engagement, dass er mit ME1-3 seine Vision eigentlich schon vollendet habe, aber auch, dass er bereits seit der Entwicklung von KotOR mehr oder minder ohne Pause und Abstand von der Spielentwicklung tätig sei). Egal wo die Gründe nun liegen mögen, letztendendes menschelt es bei diesen Leuten genauso wie in jeder anderen erfolgreichen Firma, wenn die eigenen hochgesteckten Ziele nicht erreicht werden. Das soll nun keine Rechtfertigung für alle Probleme sein, ich möchte damit lediglich ausdrücken, dass ich zu jenen gehöre, die auch versuchen die Menschen hinter den Spielen zu sehen und verstehen. Denn lassen wir mal die Kirche im Dorf: Selbst jeder noch so innovative und idealistische Indie-Entickler möchte genau wie große AAA-Produzenten letztenendes mit seinem Schaffen Geld verdienen. Das dabei nicht immer die besten und ehrbarsten Entscheidungen getroffen sind, ist hinlänglich bekannt... und nicht nur ein Unding unter den "Großen" der Branche, ich erwähne hier nur kurz "Hello Games".

    Im Rahmen dessen muss man sagen, dass Mass Effect: Andromeda für BioWare einen wichtigen Meilenstein darstellt: Zum einen versucht BioWare durch die durchaus durchdachte Ausgangslage des Spiels, welches im Grunde große Teile der Handlung von Mass Effect 2 und 3 außer Acht lässt, Kritiker des Trilogie-Finales zu besänftigen... ein kleiner Spoiler: vor allem die Story-Entwicklungen von Mass Effect 3 werden nur sehr grob und andeutungsweise behandelt... im Grunde erfährt man in ME:A lediglich, dass es einen großen Konflikt in der Milchstraße gab, aber nicht wirklich, wie dieser ausging. Auch Commander Shepard spielt keine Rolle und wird nur sehr beiläufig erwähnt, eher wie eine "weit entfernte" Figur der Geschichte... durchaus angemessen. Zum anderen möchte BioWare mit bekannten Elementen wieder Technologie, der Biotik und auch den wichtigen Rassen der Milchstraße Fans der Trilogie bedienen und sich durch das Verlagern der Handlung in eine andere Galaxie mehr künstlerischen Freiraum sichern. Manche sehen in Mass Effect: Andromeda deshalb einen "Reboot", was aber faktisch nicht stimmt. Es tauchen - außer in flüchtigen Erwähnungen wirklich nur weniger Protagonisten und ein paar Namensverwandten innerhalb der Andromeda Initiative - keine Charaktere aus der Trilogie auf und die Prämisse ist die Besiedlung der Andromeda-Galaxie als großer Neubeginn für die Siedler und allgemein als große gemeinschaftliche Unternehmung der Völker des Citadel-Sektors, mit allen verbundenen Risiken für die Beteiligten, da die Reise schließlich über 6 Jahrhunderte in Anspruch nimmt. Hinzu kommt, dass es zwar Ex-Militärs in der Initiviative gibt, die meisten jedoch wie schon erwähnt durch einen Neubeginn oder in Großen Teilen durch Forscherdrang motiviert werden, weshalb sich die Andromeda Initiative tatsächlich als zivile Unternehmung versteht. Die Schiffe der Initiative - Archen genannt - und auch die zentrale Raumstation Nexus sind von Grund auf nicht-militärisch konzipiert. Selbst das Erkundungsfahrzeug "Nomad", welches als spielerischer Nachfolger des Mako aus Teil 1 gilt, ist nicht bewaffnet. Obwohl das Gameplay durch bewaffneten Kampf bestimmt wird, welcher im Vergleich zur ME-Trilogie sogar dynamischer und actionorientierter umgesetzt wurde, wird immer wieder die eigentlich friedliche Absicht der Andromeda Initiviative betont. All das ist ein klarer Kontrast zur Trilogie, in der man zum einen einen hochspezialisierten Soldaten der Menschen steuert, zum anderen großteils Gefolgsleute mit militärischer Ausbildung um sich schart, um in paramilitärischen Einsätzen die Handlung vorranzutreiben. Geeint werden das neue ME:A und die Trilogie durch eine vor allem zu Anfang ominösen großen Bedrohung und einem einheitlichen Feindbild (Trilogie: Geth und später die Reaper, ME:A: Kett und die ominöse Geißel), jedoch schafft es BioWare in ME:A durchaus die Absicht umzusetzen, dass man sich als Spieler weniger als ein militärischer Agent fühlt, als vielmehr als Speerspitze einer Kolonialisierungsunternehmung, in dessen Rolle man Informationen über die Bewohner der Galaxie sammeln und auch entsprechenden Erstkontakt einleiten soll. Dass BioWare hier teils Potential verschenkt, dürfte vor allem wirtschaftliche Gründe haben, da ME:A sich im Vergleich zu vorherigen BioWare-Spielen recht lange in Entwicklung befand (hier sei anzumerken, dass ME2 und 3 jeweils weniger als 2 Jahre Entwicklungszeit hatten, ME:A jedoch ca. 4 Jahre).

    Ein anderer wichtiger Aspekt ist, dass Mass Effect: Andromeda eben nicht dem altbekannten Entwicklerstudio BioWare aus Edmonton entspringt, sondern einem damals noch neuem Team in Montreal, welches von Edmonton lediglich angeleitet wurde (zu Anfangs in Person von Casey Hudson etwa). Das bedeutet zum Einen, dass andere Personen maßgeblich an der Gestaltung des Spiels beteiligt waren, als bei der Trilogie, da man das Edmonton-Studio mit der Entwicklung eines neuen Spiels betrauen wollte. Zum anderen stellte der Wechsel von der Unreal-Engine auf die EA-eigene Frostbite-Engine einen weiteren Umbruch dar, da man nun nicht mehr auf die technologischen Erfahrungen und vorhandenen Werkzeuge der Trilogie zurückgreifen konnte. Und außer dem hauseigenen Dragon Age: Inquisition gab es auch noch kein anderes Frostbite-Spiel mit der angestrebten Komplexität. Die Außenwirkung ist jedoch eine andere: Die breite Spielerschaft, vor allem die lautstarken Kritiker, gestehen hier keinen Neulingsbonus zu, was teils verständlich ist, da es sich um ein liebgewonnenes Franchise handelt, das an "unerfahrene Leute" abgegeben wurde. Und dennoch sind genau diese Aspekte der richtige Impuls für ein neues Mass Effect gewesen. Warum? Weil neue Leute zugleich neue Ideen bedeuten, neue Technologien bedeuten zwar großes Risiko in der Entwicklung, bieten aber in der Regel mehr Möglichkeiten. Konkret: Mit Mac Walters als Director des Spiels hat man jemanden an der Spitze, der das ME-Universum in und auswendig kennt und so für inhaltliche Kontinuität sorgt (was auch in der Tat der Fall ist, es gibt nur wenige deutliche Diskrepanzen, die aber oft durch das Gameplay bedingt sind), zugleich hat man aber neue Autoren für die Inhalte abgestellt; und die Frostbite-Engine ist durch ihre Auslegung auf großräumige Multiplayer-Gefechte mit flotter Performance und zugleich hohem optischen Detailgrad durchaus gut als Grundlage für ein Spiel geeignet, das den Erkundungsaspekt von ME1 wieder aufgreifen wollte.

    Das ist auch gelungen, die Planeten in ME:A stechen die öden Nebenschauplätze aus Teil 1 locker aus, selbst wenn man die technologischen Entwicklungen von 3D-Engines außer Acht lässt. Man erinnere sich: In ME1 kann man ebenso wie in ME:A Planetenoberflächen mit einem Fahrzeug erkunden... wobei sich das in Teil 1 auf das Abgrasen hügeliger Polygon-Landschaften mit öder Texturierung und ohne jeglicher Vegetation oder sonstiger Landschaftsmerkmale und nur einzeln platzierten und meist redundanten Baracken, Minen oder kleinerer Gebäudekomplexe beschränkte... nicht falsch verstehen, Entdecker-Feeling kam zwar schon auf, aber das war eher der grundsätzlichen Atmosphäre des Spiels geschuldet. ME:A macht hier einiges deutlich besser: Jeder Planet hat seine eigene Identität und seine eigenen Merkmale, jeder wirkt organisch und bietet mehrere markante Schauplätze, ist aber trotz der flächenmäßigen Größe dank des Nomad angemessen flott erkundbar... und nur sehr selten gibt es Momente wie in ME1, in dem man oft in äußerst zerklüfteten Gegenden nach einzelnen Punkten oft langwierig und frustreich nach dem richtigen Weg suchen muss, da der Mako oft und gern bockig zu steuern ist. Der Nomad hingegen lässt sich durch Freischaltungen im Spiel schon relativ früh on-the-fly an die Bedürfnisse des Terrains anpassen: Er hat einen "normalen" Fahrmodus für ebenes Terrain, einen Allrad-Modus für Steigungen und einen "Wendigkeitsmodus" für das leichtere Umfahren vieler kleiner Hindernisse. Geschwindigkeit und Bewältigung von hohen Steigungen lassen sich ausbauen, wodurch der Nomad spürbar agiler und besser zu steuern ist, als der Mako... kurz: man merkt, dass sich BioWare wirklich bemüht hat das Flair von Teil 1 einzufangen, aber an entscheidenden Stellen zu verbessern. Dies ist absolut gelungen.

    Ein weiterer Aspekt, der die Entwicklung beeinflusst hat: Anfangs hatte man die Idee von prozedural generierten Planetenoberflächen für Nebenschauplätze. Dies wurde jedoch verworfen, weil man den technischen Aufwand gegenüber der gesamten Entwicklungsdauer scheute... und sich so lieber auf relativ wenige, dafür von Hand gebauten Schauplätze beschränkte. Stattdessen bemühte man sich den Entdecker-Aspekt auch auf das Reisen im All zu übertragen, in dem die Flüge innerhalb von Sonnensystemen und zwischen diesen optisch visualisiert wurden: Anstatt wie in Teil 1 bis 3 auf einer eher abstrakten Galaxiekarte zu navigieren und nur vereinzelt in Zwischensequenzen sichtbare Anflüge auf Planeten zu zeigen, erlebt man die Reisen eher wie aus der "Motorhaubenperspektive" des Schiffs "live" mit. Dieser Aspekt wurde von vielen Spielern jedoch eher negativ gesehen, da man vor dem Patch 1.05 diese Sequenzen, die zugegebenermaßen redundant sind, nicht überspringen durfte. Dennoch ist nicht zu leugnen, dass aus künstlerischer Sicht hier eine deutliche Verbesserung stattfand, da das Reisen durch's All hier greifbarer präsentiert wird. Ich für meinen Teil hatte nie den Wunsch diese Sequenzen zu übergehen, auch nicht beim sogenannten "Planethopping" - dem zeitlich rasch aufeinander folgenden Schauplatzwechsel. Trotzdem fühlt sich die Galaxiekarte hier immer noch wie in der Trilogie an, da man zum Navigieren herauszoomt, um einen anderen Planeten oder ein anderes System als Ziel zu wählen. Unliebsame Elemente wie das Planetenscannen wurden zwar nicht entfernt, aber in sinnvoller Art eingebracht: Man erhält wie in Teil 2 und 3 einen akustischen Hinweis, dass "etwas gefunden" wurde, allerdings muss man die Planeten nun nicht mehr langwierig nach Resourcen absuchen... das Abbauen von Ressourcen, das völlig optional ist und nur für die Herstellung eigener Ausrüstung benötigt wird, erfolgt nun beim Erkunden der Planetenoberflächen mittels des Nomad. Da man jedoch auch Ausrüstung käuflich erwerben kann und auch immer wieder neue Ausrüstung findet, ist man auf diesen Aspekt nicht so stark angewiesen, wie etwa in Teil 2.

    Es gibt aber auch Aspekte, bei denen diese Neuausrichtung der Serie im Vergleich zu den Vorgängern nicht oder nur teils gelungen ist. Die Handlung wird von vielen Spielern als schwach empfunden, vor allem wegen der Inszenierung. Das lässt sich nicht von der Hand weisen, denn im Gegensatz zu den stark geskripteten Teilen 2 und 3 fühlt sich ME:A in dieser Hinsicht etwas mehr an wie Teil 1, das auch bei einem Komplettdurchlauf dadurch besticht, dass man zwar starke Storymomente erlebt, zwischen denen aber oft viel Spielzeit mit entweder schnöde inszenierten Dialogen oder langen Passagen des Abgrasens öder Planeten liegen. ME:A gibt sich zwar Mühe mehr NPCs mit ausführlicheren Dialogen und örtlichen Hintergrundinformationen zu bieten, da aber vor allem in Mass Effect 3 auch Nebenmission teils recht aufwändig und cineastisch geskriptet waren, fühlt sich dieser Aspekt in ME:A rückläufig an, da man viel damit beschäftigt ist die Planetenoberflächen zu erkunden und zu den Hubs zu reisen, um dort Serientypisch NPCs abzuklappern. Dafür ist ME:A aber auch offener und eben ein Open-World-Spiel, während vor allem Teil 2 und 3 deutlich linearer angelegt sind und eher Freiheit bei der Reihenfolge der Missionen bieten.

    Ein Aspekt, in dem ME:A definitiv schwächelt und der auch am lautesten, aber auch am übertriebensten, kritisiert wurde: Die Charaktere. Zum einen sehen vor allem die Menschen großteils nicht gelungen aus, was vor allem an dem offenbar sehr schwachen Charakter-Editor liegt, dem vor allem auch einige NPCs entspringen dürften. Die Aliens sind zwar optisch gelungen, lassen dafür aber teils die Diversität aus den Vorgängern vermissen: Alle Asari sind pausbäckige, mädchenhafte Schönheiten, die hier scheinbar alle den gleichen blauen Hautton haben, Turianer haben deutlich weniger unterschiedliche Merkmale an Gesichtern und Köpfen, ebenso die Salarianer und Kroganer. Und den Menschen werden auch die Schwächen in der zufallsgenerierten Animation für die normalen Gespräche zum Verhängnis, und anscheinend leidet hier vor allem die PC-Version unter optisch abstrusen technischen Problemen. Aber selbst die technisch recht stabile PS4-Fassung kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Gesichtsanimationen und die Mimik für heutige Verhältnisse zu minimalistisch sind. Dass ME:A aber mehr kann, zeigt es in den storyrelevanten Sequenzen durchaus. Dennoch muss sich BioWare hier Kritik gefallen lassen... allerdings nicht in der Härte und Unverhältnismäßigkeit, wie sie im Internet stattfand.

    Und hier möchte ich noch auf eben diesen Punkt eingehen: Die Animationen wurden schon vor Release an Hand der EA-Access-10h-Demo vor allem in diversen Youtube-Videos verspottet, was wohl mit entscheidend für die breite Ablehnung des Spiels in Foren und in Social-Media sein dürfte. Ich unterstelle auch vielen Leuten den Drang nach Aufmerksamkeit und sogar Profit, da es ja "in" ist, auf ME:A einzudreschen: Pewdiepie, der wohl erfolgreichste Youtuber überhaupt, ließ es sich nicht nehmen auch selbst einen unqualifizierten und plakativen Videobeitrag zusammen zu schustern, in dem er sich über das Spiel lustig machte... obwohl er selbst nicht einmal via EA-Access daran Hand angelegt hatte. Ich seh das deshalb so negativ, weil der Typ eine enorme Reichweite und damit auch - ganz allgemein gesagt - große Rolle und Verantwortung inne hat. Würde er diese ernst nehmen, hätte er mit seinem Kommentar gewartet, bis er selbst Hand an das Spiel angelegt hat. Sein Motiv liegt aber ganz klar darin Profit durch Videoabrufe zu erzielen, und da bietet sich ein kontroverses Thema immer an. Auf diesen Zug sind schnell auch kleine und unscheinbare Youtube-Kanäle aufgesprungen, die ganz klar darauf hofften allein durch die Begriffe "Mass Effect: Andromeda" zu mehr Abrufzahlen zu kommen. Warum ich darauf komme, dass nur die wenigsten dieser Videos auch nur annähernde Daseinsberechtigungen haben und nur dazu dienten noch mehr Öl ins Feuer zu gießen und aus einer Mücke einen Elefanten zu machen? Zum einen, weil die Probleme in ME:A zwar vorhanden sind, aber eher nach Gusto gewichtet werden. Jeder der sagt, dass ihm die mauen Animationen die Atmosphäre verhageln, kann sich sicher sein, dass ich ihm dies nicht in Abrede stellen würde. Sehr wohl verneine ich aber, dass das Spiel dadurch schlecht wäre... es ist lediglich für den einen oder anderen dadurch weniger oder gar nicht spielenswert. Das ist ein entscheidender Unterschied, den die klickgierigen Youtube-Kommentare völlig unbeachtet lassen.

    Zum Anderen gibt es aber auch einige andere große Youtuber, die eigentlich für ihren "Kampf gegen miese Videospiele" bekannt sind und damit oft in die richtige oder zumindest gerechtfertigte Kerbe schlagen... die aber bei ME:A deutlich differenzierter an die Sache herangehen. John Bain aka TotalBiscuit ist sich oft nicht zu schade große wie kleine Titel in Schrift und Wort in Grund und Boden zu stampfen, ebenso auch Angry Joe... und diese beiden lagen vor ein paar Jahren sogar im Clinch miteinander, weil jeder für sich gern in Anspruch nimmt ein Verfechter des "kleinen Mannes" unter den Gamern zu sein. Ohne einander zu erwähnen sind sie sich in ihren eigenen Urteilen jedoch in fast jedem Punkt einig. Mass Effect: Andromeda ist ein umfangreiches Spielerlebnis mit großen Momenten, aber auch Schwächen, die jedoch nicht das Spielerlebnis zerstören. Beide sagen, dass das Spiel besser hätte sein können, sie aber durchaus großen Spaß damit hatten. Und das ist auch absolut richtig: Die eher seichten Nebencharaktere, die in der Qualität schwankenden Dialoge und Nebenmissionen und die schwer startende und generell mau inszenierte Story, die erst am Ende Gas gibt, stehen dem starken Gameplay, der tollen Grafik und der dichten Sci-Fi-Atmosphäre gegenüber, ohne dass das eine deutlich über das andere thront. Am Besten lässt sich sagen, dass Mass Effect: Andromeda etwas zu bemüht daher kommt, ohne ein herausragendes Element zu bieten. Trotzdem sind sich beide einig, dass ME:A gegenüber dem konzeptionell ähnlichen und vorangegangenen Dragon Age Inquisition in Punkto einiger Schwächen des Fantasy-Epos durchaus ein paar Aspekte verbessert hat: Die lieb- und bedeutungslosen Nebenquests sind in ME:A besser in die Spielwelt integriert, wenngleich nicht so großartig wie in The Witcher 3 - besonders in Bezug darauf sagen beide, dass BioWare hier leider an ihrem Vorhaben gescheitert sind eben dieses Spiel als Vorbild zu erreichen, jedoch trotzdem Fortschritte gemacht haben. Der Multiplayer wird von beiden eher als zielloses Beiwerk beurteilt, was ja auch den Tatsachen entspricht: Man kann zwar durchaus Spaß haben, aber er bietet wenig mehr, als ME3, eben ein Koop-Horden-Shooter, der sich Kritik für die Mikrotransaktionen gefallen lassen muss. Für beide ist jedoch der Solopart entscheidender, und den werten beide als "gut", aber nicht "herausragend", wobei Angry Joe dem Spiel seine technischen und designerischen Unzulänglichkeiten etwas negativer ankreidet und eine 6/10 zückt, was zwar in der allgemeinen Wertungsbetrachtung im Internet bereits als Vollkatastrophe gilt, für AJ-Verhältnisse aber bedeutet: keine unbedingte Kaufempfehlung für Nicht-Fans des Genres/Szenarios. TotalBiscuit befindet sich mit seinem Empfinden bei einer 7/10, da auch er sagt, dass die Mängel nicht zu leugnen und teils auch nicht nachvollziehbar in der heutigen Zeit sind, das Spiel aber trotzdem viel Spaß böte und er seine Zeit damit nicht als verschwendet erachte.

    Das sind keine Jubelurteile, aber ehrliche Urteile. Urteile, die das Spiel verdient, nicht jedoch diese Shitstorms, die vor allem aus Nordamerika kommen und die sich teils in abstrusen politisch sozialen Ideen ergehen. Zum Beispiel wird dem Entwickler unterstellt die Charaktere bewusst hässlicher gemacht zu haben, um politisch korrekter zu sein und Leuten, die sich an der Idee verbissen haben, dass sie sich mit "Modeltypen" nicht identifizieren wollen, gerecht zu werden. Das halte ich für totalen Blödsinn, denn auch wenn es anscheinend wirklich eine Änderung bei dem Standard-Gesicht von Sara Ryder gab, glaube ich, dass hier einfach nur eine schlechte und vorschnelle Entscheidung außerhalb des Entwicklerteams getroffen wurde: vergleicht man das Gesicht von Sara Ryder in der Verkaufsversion und der Fassung ohne Day-One-Patch, so sieht man, dass das Gesicht mehr in Richtung Model getrimmt wurde, mit deutlich weiblicheren Gesichtszügen: Dreieckiger (wird von Männern als attraktiver empfunden), mit größerem Schmollmund und großen Kulleraugen. Das Problem hierbei ist, dass offenkundig versäumt wurde, wie dieses neue Gesicht mit den Animationen des "alten" Gesichts wirkt. Das wird dadurch deutlich, dass die Mimik bei Sara und Scott Ryder eigentlich immer die gleichen sind. Das Problem: Standard-Sara hat in der aktuellen Version immer ein Lächeln auf den Lippen, was in vielen Situationen unfreiwillig komisch wirkt und wodurch Szenen, in denen sie eigentlich ein verbissenes oder schmerzverzerrtes Gesicht ziehen müsste - so wie es ihr männlicher Zwilling Scott auf jeden Fall tut (ich selbst hab als Scott gespielt) - eher ein bekloppt anmutendes Grinsen zeigt. Und nochmal: Das hat meiner Ansicht nach nicht mit übertriebener politischer Korrektheit zu tun - vor allem da das angebliche ursprüngliche Gesicht ohnehin in meinen Augen deutlich "normaler" aussieht, als das aktuelle. Sondern eher mit Fehleinschätzungen seitens des Entwicklers, oder anders ausgedrückt: eine nach hinten losgegangene Verschlimmbesserung in letzter Minute.

    Dass BioWare aber trotzdem nachweislich nachgelassen hat, kann und will ich nicht von der Hand weisen. Mass Effect: Andromeda hatte auf mich bei weitem nicht den emotionalen Eindruck wie die ursprüngliche Trilogie oder auch KotOR (Baldur's Gate will ich hier nicht nennen, da das für mich ein grundlegend anderes Spielkonzept hat). Wenn man Mass Effect 2 und 3 als konsequente Weiterführung von ME1 sieht, muss man aber ohnehin sagen, dass Dragon Age: Origins die wohl letzte Großtat von BioWare war, welche sowohl Spielerherz als auch -hirn großartig stimuliert hat. Dragon Age 2 war ein profitorientierter Schnellschuss, der zwar durchaus Unterhaltungswert hatte, dem es aber deutlich an Herzblut mangelte, und Dragon Age Inquisition war als ursprünglich geplantes Multiplayerspiel eher eine geglückte Rettung eines ansonsten gescheiterten Großprojekts... die MMO-artigen Inhalte sind ein deutliches Symptom dafür. Für viele lasteten die Hoffnungen auf ME:A... und weil heutige Erwartungen immens hoch sind, konnte ME:A im Grunde nur scheitern. Bin ich also zu altersmilde, um ME:A ebenfalls als Scheitern zu betrachten? Vielleicht. Es wäre auch berechtigt mich zu fragen, ob ich das Spiel auch noch gut finden würde, wenn es in einem beliebigen anderen Sci-Fi-Szenario spielen würde, ohne Bezüge zu Mass Effect. Durchaus möglich, dass ich's ebenso ignoriert hätte, wie ein Mars War Logs. Viel wichtiger ist aber die Frage: Hat das Spiel die harte Kritik wirklich verdient? Und ist BioWare wirklich völlig auf dem Holzweg? Oder sollte man unter dem Gesichtspunkt, dass BioWare die eigene Expansion zum Markennamen mit mehreren Studios mittlerweile wieder rückgängig gemacht hat und die eigenen Ressourcen versucht besser zu bündeln, nicht optimistischer in die Zukunft sehen? Denn Tatsache ist auch, dass BioWare nie, wirklich nie, technisch perfekte, geschweige denn bugfreie Spiele veröffentlicht haben. Spiele mit so gutem Polishing - zumindest für BioWare-Verhältnisse - wie Mass Effect 2 und 3 hat es zuvor nie gegeben, allerhöchstens Baldur's Gate 2 und das zugehörige Addon, weil BioWare hier die ausgereifte gleiche Engine hatten, wie bei Teil 1. Und man darf auch nicht vergessen, dass diese Spiele erheblich komplexer in der Entwicklung sind, als so manches Hochglanz-AAA-Spiel, deren Aufwand eher im Produktionswert (den Schauwerten) steckt. Dass es mit ähnlicher Entwicklungszeit und Komplexität durchaus besser geht zeigt sich bei Horizon: Zero Dawn, welches ganz klar das bessere Spiel im Vergleich zu ME:A ist. Und diesen Stand hätte ME:A auch erreichen können, hätte sich BioWare nicht in den Jahren zuvor an einigen Stellen so sehr verhoben. Ich für meinen Teil sehe das eher so: Wir sollten froh sein, dass BioWare noch existiert und nicht zu Grunde gegangen ist an den eigenen Ambitionen, so wie manch andere Entwickler. Und nochmals: Das soll keine Entschuldigung für die vorhandenen qualitativen Mängel ihrer Spiele sein... eher ein Plädoyer für mehr Besonnenheit seitens der Spielerschaft. Nicht mehr alles blind kaufen, nur weil BioWare drauf steht und dann doch nur darauf herum zu haten, auch in Bezug auf Mikrotransaktionen und DLCs bewusster mit dem Geld umgehen, Kritik auf konstruktive Art äußern. Kurz- und mittelfristig kann laute Kritik zwar durchaus zu einer Verbesserung aus Sicht eines Konsumenten führen, aber auf lange Sicht kann es zermürbend wirken und vor allen Dingen zu falschen Entscheidungen seitens der Entwickler führen, die aus dem übertriebenen Wunsch geboren werden dem Konsens der Spieler gerecht zu werden und Kritik zu entgehen... denn dann ist oftmals absolut das Gegenteil der Fall. Kurz: Wer Mass Effect: Andromeda skeptisch gegenüber steht, sollte es nach Möglichkeit Probespielen und bei Nichtgefallen schlicht nicht kaufen... bleibt der Erfolg aus, führt dies automatisch zu einem Umdenken. Verkauft sich ein Spiel aber wie geschnitten Brot, stellt sich aber eher ein CoD/Bild-Zeitungs-Syndrom ein: Jeder kennt's, jeder hat was dran auszusetzen, aber keiner gibt zu es zu kaufen.

    Nun bleibt abzuwarten, um was es sich bei dem angeblich im alten Stamm-Studio in Entwicklung befindlichen neuen Spiel handelt, aber ich denke rundheraus, dass Mass Effect: Andromeda im Portfolio von BioWare in großen Teilen ein Schritt in die richtige Richtung ist. Wenn BioWare sich entschließt das Spiel fortzusetzen und dabei ähnlich wie bei ME2 und 3 auf die vorhandene Technik baut und diese um Verbesserungen ergänzt, dürfte ein besserer Fokus auf die Story und Inszenierung - und die Vermeidung von Schwächen bei den Animationen - durchaus möglich sein... und da sich ME:A trotz der Kritiken gut zu verkaufen scheint, ist das nicht unwahrscheinlich. Bleibt nur zu hoffen, dass der Mehrspielermodus mit seinen Mikrotransaktionen entsprechend auf der Strecke bleibt und generell (nicht nur bei EA/BioWare) eine kundenfreundliche Entwicklung in diesem Segment vollzogen wird. Sprich: Wenn schon virtuellen Kram verkaufen, dann mit entsprechendem Gegenwert... und nicht nur schnöde virtuelle Währung für zufallsgenerierte Items. Dieser Aspekt ist nämlich für mich die echte Fliege in der ME:A-Suppe.

Kommentare

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  1. ramireza777
    Wow, tolle Analyse und ein wirklich schön zu lesender Beitrag. Danke! Ich stimme dir in fast allen Punkten zu.

    Ich glaube ebenfalls das Bioware mit ME:A ein starkes Fundament gelegt hat, nun muss man sehen was sie letztendlich mit folgenden DLC´s, Addons oder weiteren Teilen daraus machen können. Aber Bioware: BITTE diesmal mit mehr Polish, sonst gibts Haue! ;)
  2. Agent.Smith
    Wenn du genau hin schaust, findest du eine Begründung, nicht nur eine Unterstellung.

    Das gilt andersherum ganz genau so, das ist dir schon klar, oder? Wäre also schön, wenn die Vorwürfe von wegen Hater und Shitstormer gegen jedwede Kritik am Spiel aufhören könnten. Wie du selbst sagst: das ist subjektiv. Also selbst danach leben...oder nicht wundern.
  3. Ritter des Herbstes
    Joar, Leuten die dafür sind pauschal Blödheit und krampfhafte Rechtfertigung ihrer Ausgabe zu unterstellen ist natürlich weitaus besser.

    Kinder, nehmt eure Meinung mal nicht so ernst.
    Schon klar, 30 Jahre deutscher Spielejournalismus haben krampfhaft versucht, das anders darzustellen, aber wir reden hier immer noch über eine völlig subjektiv zu bewertendes Medium.
  4. Agent.Smith
    Schade, dass jede Kritik immer gleich als Hate und Shitstorm verunglimpft wird. Das macht es so schön leicht hat, sie einfach zu ignorieren, nicht hat wahr? Sind doch alles nur hater. Haben alle keine Ahnung. Muss schön sein, wenn die Welt so einfach ist.

    Andererseits ist das eine gute Erklärung dafür, wie man die Story von ME:A gut finden kann. Extensives Training und Übung darin, unliebsame Dinge auszublenden.
  5. andi5lebt
    Willkommen im Club der Meinung aus "gehört".
    Die Story ist nämlich GUT. Ein paar Charaktere sind interessant, ein paar eher lahm (wie in ME1-3).
    Sorry daß ich in die Shitstormstimmung der "gehört" Leute nicht einsteige. Eine Menge Leute dies es tatsächlich GESPIELT haben, hat es absolut überzeugt.
      1 Person gefällt das.
  6. Rodman
    Und dann kommt jemand wie du und fabuliert davon, dass der Ansatz einer gesellschaftlichen Gleichstellung über das Fördern zuvor vernachlässigter Gruppen, oder unbeachteter Minderheiten, nur noch mehr gesellschaftliche Spannung zutage fördert. Vielleicht hast du sogar recht, aber vor allem bei den Leuten, die die Unterdrückung respektive nachteilige Ungleichbehandlung zuvor als völlig selbstverständlich empfunden haben und sich nun fragen, warum der Nigger plötzlich aufs selbe Klo scheissen darf. Das sind nicht die Leute, deren Zustimmung ich haben wollen würde.

    Du gehst mit deinem PewDiePiw Beispiel zudem davon aus, dass (dein Beispiel) die Reaktion eine völlig andere gewesen wäre, wenn er Schwarz gewesen wäre. Das ist eine von dir kommende rassistische Unterstellung, weil du davon auszugehen scheinst, dass sich Schwarze mittlerweile alles erlauben dürfen, weil sie ja ach so bevorzugt behandelt werden. Ich sage dir, dass, wer auch immer diesen "Gag" angestrengt hätte, mit genau dem gleichen Shitstorm hätte rechnen müssen, weil natürlich (bleiben wir bei Schwarz) schon aus der Ecke derer, die "den Schwarzen" eher unversöhnlich gegenüber stehen genug Gegenwind gekommen wäre. Und der Gag ist nicht mal nur wegen seiner vermeintlichen Ausrichtung gegen Juden geschmacklos sondern auch gerade weil er sich darüber erhebt, dass es offensichtlich irgendwelche Armen Teufel gibt, die für Geld alles machen - vielleicht weil sie es müssen - und das Ganze nicht kritisch begleitet. In dem Fall einfach unreflektierte elitäre weiße Scheisse. Für sowas darf dann ein Werbepartner auch mal seinen Code of Conduct verletzt sehen. Das hat am Ende noch nicht mal was mit SJW zu tun.

    Die Frage wäre genauso rassistisch, wenn PewDiePie ein Schwarzer wäre, und jetzt ein schwarzer gefragt hätte, ob die Reaktion auch so ausgefallen wäre, wenn PewDiePie weiß wäre. Stichwort Kontext. Du kannst Situationen, und deren Resultate nicht aus dem sie bedingenden Gesamtzusammenhang herauslösen und durch völlig verdrehte Fragestellungen umzudeuten versuchen. Das macht schon deshalb keinen Sinn, weil wir nicht im von dir eingangs beschriebenen Zustand der Klassen-, Rassen- und Vorurteilslosigkeit leben. Und genau das ist sozusagen der Meta-Kontext. Du setzt das Ergebnis eines andauernden Kampfes als Ist-Zustand voraus, beziehst aus dieser Fehleinschätzung deine Argumentation und verstehst dann nicht, dass man sich wundert wie du zu so steilen Thesen gelangst. Deine Syntax ist einfach verschoben. Lapidar ausgedrückt sagst du: Ungerechtigkeit (und deren Folgen) kann erst dadurch entstehen, dass die (aber zuvor schon) ungerecht behandelten Sonderrechte bekommen, weil dadurch die zuvor gerecht behandelten plötzlich zu ungleich behandelten werden.
  7. Rodman
    Das Problem, dass ich mit deiner Denkweise habe ist, dass sie das Utopische (jeder kann über jeden lachen und keiner stört sich daran) vorwegnimmt und davon auszugehen scheint, dass wir uns bereits in einer Welt befinden, in der all die real existierende Gewalt - physisch oder psychisch - gegen real existierende Minderheiten nur ein großes Missverständnis ist; respektive dadurch zustande kommt, dass man vermeintliche Minderheiten bevorteilt, weil dadurch die Mehrheit nur noch mehr Grund hätte, den vermeintlichen Minderheiten mit Vorurteilen zu begegnen.

    Das ist, entschuldige wenn ich es in dieser Drastik sage, zum Himmel schreiender Unsinn. Du machst damit die Täter zu Opfern und umgekehrt. Die Geschichte ist voll davon, wie sich bestimmte Gruppierungen seien es ethnische, religiöse, geschlechtliche oder politische, mit Gewalt und Unterdrückung etwas genommen haben, von dem sie dachten, es würde qua Mehrheitsrecht oder Gewaltmonopol ihnen gehören. In den aller seltensten Fällen, hat der friedliche Protest daran etwas geändert. Meist sind diese Täter nur dann dazu bereit eine Veränderung zuzulassen, wenn es irgendeine Art von Druck gibt. Gesellschaftlichen oder politischen. Die Selbstheilungskräfte die du hier proklamierst existieren einfach höchstens im Promill. Du gibst damit außerdem zu verstehen, dass die Opfer sich einfach nur gedulden müssen, was eine unfassbar herablassende und von Unkenntnis gespeiste Einstellung zum Thema in seiner Gesamtheit ist. Diese Einstellung kannst du dir vermutlich nur leisten, weil du von all diesen Problemen überhaupt nicht betroffen bist. Du sitzt auf deinem güldenen Thron umgeben von der Sorgenfreiheit, die dir die Gnade deiner Geburt beschoren hat und ereiferst dich darüber, dass das Zugestehen von Sonderbehandlung für Minderheiten, die womöglich einfach Schutz oder Unterstützung bedürfen, automatisch ein Einschränken und ungerecht behandeln der Mehrheit ist. Auch das ist einfach unglaublich falsch. Es ist ja nicht so, dass dir Rechte und Privilegien aberkannt und anderen Minderheiten dafür gegeben werden. Nichts, von dem was du ohnehin schon genießt wird dadurch weniger, wenn andere womöglich auch in den Genuß dessen kommen.

    Du fragst allen Ernstes, wann diesen Minderheiten ihre Sonderrechte dann wieder abgenommen werden. Warum denkst du über so etwas überhaupt nach? Genieße doch einfach das Leben, das du führen kannst und besitze die Größe anderen, die dahingehend vielleicht unterstützt werden müssen ein wenig Hilfestellung angedeihen zu lassen. Aber um auf deine Frage zu antworten: Vielleicht, wenn tatsächlich eine Gleichberechtigung hergestellt ist? Aber dafür muss das halt in die Köpfe der Leute und da kommt es nicht rein, wenn man sie nicht immer wieder darauf hinweist, dass es Defizite bei der Gleichberechtigung gibt.

    Ich glaub zudem nicht, dass Minderheiten sich bevormundet fühlen, wenn man ihnen sagt, dass man es legitim findet, dass sie sich über eine für sie nachteilige Ungleichbehandlung empören. Oder denkst du, das Schwarze gerne wieder den Gehweg wechseln wollen, wenn ihnen ein Weißer entgegen kommt, dass Frauen ihr Wahlrecht gerne wieder abgeben möchten, weil sie ja selbst auch finden, dass sie, aufgrund ihrer kognitiven Defizite nicht in der Lage sind, politische Entscheidungen zu treffen, Schwule lieber wieder - wie bis immerhin 1991 in Deutschland - mit der Gefahr leben wollen für Sex mit dem Menschen den sie lieben ins Gefängnis zu wandern. All diese Beispiele sind direkte Folgen davon, dass sich Menschen gegen eine sie unterdrückende Gruppierung aufgelehnt haben. Wenn man sie jetzt also bevorteilt, indem man sich etwas mehr - weil vielleicht ziemlich verspätet - um Sonderrechte bemüht, gleicht das höchstens etwas aus, was zuvor Jahrzehnte oder Jahrhunderte falsch gelaufen ist.
  8. Bonsaiblob
    Vielleicht kann ich, worauf ich hinaus will, mit einem Zitat von Yahtzee versinnbildlichen:

    "Eine Gesellschaft, in der JEDER über JEDEN Witze machen kann und JEDER drüber lacht, das (UND NUR DAS!) ist eine WAHRHAFT tolerante Gesellschaft."

    Aber diesen Zustand kann man nicht herstellen, wenn man anfängt (oder darauf beharrt), die Bevölkerung in Gruppen einzuteilen, von der einige "schützenswerter" sind als andere. In der sich bestimmte Gruppen mehr (oder weniger) erlauben dürfen als andere.

    Mir geht es einfach um gleiches Recht für alle. Dass Rassismus ÜBERALL GLEICH akzeptabel oder inakzeptabel ist. Egal von wem er kommt. Auch wenn er als Gegenrassismus verwendet wird. Denn Gegenrassismus erzeugt auch immer nur weiteren Rassismus. So wie man Gewalt nicht mit Gegengewalt begegnen sollte, weil sich daraus nur noch mehr Gewalt ergibt.

    Erst diese Einteilung in irgendwelche "Mehrheiten" oder "Minderheiten" und wer was sagen oder tun darf und wer nicht, ERST DAS führt überhaupt erst zu diesem ganzen "Gruppen"-Denken (bzw. verstärkt es noch) und der Vergrößerung der Kluft zwischen den Menschen. Und dass diese Einteilung in Gruppen und die Ansicht, dass es bestimmten "Gruppen" freisteht, gefahrloser rassistisch zu sein als andere, ebenfalls eine Form von Rassismus ist. Ein Rassismus, den wiederum DU nicht zu bemerken scheinst.

    Aber warum schockiert dich diese Frage? Könntest du sie denn ehrlich beantworten? Ob du glaubst, dass die öffentliche Reaktion eine ähnliche gewesen wäre, wenn er Teil einer "Minderheit" wäre?

    Ich behaupte ganz einfach, dass man diesen "Scherz" in dem Fall nur als geschmacklos empfunden hätte, anstatt ihn gleich zum Rassisten abzustempeln. Dass PewDiePie ein Idiot ist und sein "Scherz" unter die Gürtellinie ging, darüber brauchen wir uns nicht zu streiten. Aber frag dich doch mal ehrlich: glaubst du, er wäre als Schwarzer auch sofort von allen als Rassist beschimpft worden?

    Was genau ist denn rassistisch daran, diese Frage zu stellen? Wäre es weniger oder gar nicht rassistisch, wenn ich sie als Schwarzer stellen würde? Wenn ja (oder auch wenn nein), warum? Und ist DIESE Frage jetzt auch wieder rassistisch? Und dürfte ich sie stellen, wenn ich Schwarzer wäre? Und wenn ja (oder auch wenn nein), warum? usw.

    Ich hoffe, du verstehst, worauf ich hinaus will.


    P.S.: Zum Abschluss noch ein kleines Video, über das ich vorhin gestolpert bin und das gerade so schön hierher passt:

    https://www.youtube.com/watch?v=rE3j_RHkqJc
  9. Agent.Smith
    Und ich antworte dir zum dritten Mal: im richtigen Kontext können solche Äußerungen eine andere Bedeutung bekommen und sind unter Umständen OK.
    Welche Umstände das sein können schrieb ich bereits und werde ich nicht wiederholen, nur weil du nicht lesen willst.

    Die Pewdiepie Geschichte ist für mich so ein Fall, wo Leute laut rumgeheult haben, ohne sich die Umstände und den Kontext anzusehen. Das ganze Video sollte darstellen, wie leicht Menschen sich für Geld dazu überzeugen lassen, sich wie Arschgeigen zu benehmen. Aber das würde bei all der öffentlichen Entrüstung nicht berücksichtigt. Vermutlich würde es von vielen der Schreihälse nicht Mal verstanden. Medien, die nur die halbe Wahrheit berichtet haben, haben das noch verstärkt.

    Die Leute, die da geheult haben, die sind für mich der Inbegriff von allem was an SJW falsch läuft. Jammern über angebliche rassistische Äußerungen oder Handlungen, ohne auch nur einen Atemzug auf den Kontext zu verschwenden, der das alles ins Gegenteil verkehrt.

    Die Situation ist sehr ähnlich wie bei den Tweets, um die es dir geht. Und ich bin bei Pewdiepie der selben Ansicht wie bei Manveer Heir. Context matters.
  10. Rodman
    Ja, da hatte ich dir schon zugestimmt. Tue es aber gern nochmal und unterstreiche nochmals. Es ist nicht ausgeschlossen, dass man gegen Weiße Rassismus an den Tag legen kann, nur weil sie a) partiell selbst Rassisten sind oder b) in der Mehrheit.

    Deshalb schrieb ich, dass ich auf dein Gedankenexperiment eingehe. Noch ein Beispiel im Übrigen, warum Kontext wichtig ist.

    Selbstverständlich. Im Rahmen moralischer Normen, pluralistischer Grundwerte.

    Ist dieser Absatz ernst gemeint? Ich antworte gerne darauf, aber das würde länger dauern und ich bräuchte alle zur Verfügung stehenden Zeichen. Und ich will mir sicher sein, dass du das, nachdem du diese Aussage nochmal einer eindringlichen Prüfung unterzogen hast, auch wirklich so meinst, damit du dich hinterher nicht damit rausreden kannst, dass ich das alles falsch verstanden hätte.


    Nein, PewDiePie ist einfach ein Idiot. Jemand der komplexe Zusammenhänge versucht in einem kleinen Gag darzustellen und sich wundert, dass die Sache unfassbar nach hinten losgegangen ist. Zusätzlich schlimm ist die Reichweite des Typen und die Tatsache, dass er die daraus resultierende Verantwortung in Hinblick auf seine Zielgruppe bestenfalls belastend findet. Was mich tatsächlich schockiert hat, ist deine Frage, ob die Reaktionen denn auch so ausgefallen wären, wenn es ein Schwarzer gewesen wäre.
    Du bist so sehr damit beschäftigt, dem Rassismus bei Minderheiten nachzujagen, dass du gar nicht bemerkst, wie rassistisch deine Fragestellung überhaupt schon war.

    Und dem Thema wurde mitnichten zuviel Aufmerksamkeit beigebracht. Ja, es ist offtopic. Aber das so stehen zu lassen, würde Zustimmung bedeuten und das geht auf gar keinen Fall.
      2 Person(en) gefällt das.
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